Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl Elementar- und Familienpädagogik
Veranstaltung: Begleitseminar zur Vorlesung „Familie“
Verfasser:
Susan Bräuer
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Unterschiedliche Betrachtungsweisen des Übergangs zur Elternschaft 3
2.1. Übergang zur Elternschaft als „Krise“ 3
2.2. Übergang zur Elternschaft aus entwicklungspsychologischer Sicht 4
2.3. Übergang zur Elternschaft als Transitionsphase 5
3. Phasen des Übergansprozesses 7
3.1. Verunsicherungsphase (bis zur 12. Schwangerschaftswoche (SSW)) 7
3.2. Anpassungsphase (12. - 20 SSW) 8
3.3. Konkretisierungsphase (20. - 32. SSW) 9
3.4. Phase der Antizipation und Vorbereitung (ab 32. SSW bis zur Geburt) 9
3.5. Geburtsphase 10
3.6. Phase der Überwältigung und Erschöpfung (bis ca. 2 Monate nach der
Geburt ) 10
3.7. Phase der Herausforderung und Umstellung (bis ca. 6. Lebensmonat) 11
3.8. Gewöhnungsphase 12
4. Auswirkungen und Veränderungen in Folge des Übergangs zur Elternschaft 12
4.1. Untersuchungen im Rahmen der LBS - Studie 12
4.2. Bewertung und Erleben der Schwangerschaft 14
4.3. Veränderungen der allgemeinen Lebenssituation 14
4.4. Auswirkungen auf die Partnerschaft 16
4.5. Persönliches Befinden 18
5. Mögliche Hilfen zur Bewältigung des Übergangs zur Elternschaft 20
5.1. Personale Faktoren 20
5.2. Abstimmung innerhalb der Partnerschaft 21
5.3. Externe Hilfen 21
6. Abschließende Bemerkungen 23
Literaturverzeichnis 24
Abbildungsverzeichnis 25
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1. Einführung
„So hatte ich mir das nicht vorgestellt“. „Alles kam anders, als wir gedacht hatten“ (zit. n. Brüderl, 1989).
Diese Zitate stammen aus verschiedenen Zeitschriften und sind Kommentare von frischgebackenen Eltern. Sie zeigen eindeutig, dass der Übergang zur Elternschaft, nicht nur Glück und Freude bringt, sondern auch seine Schattenseiten hat. In der folgenden Abhandlung wird zum Einen der Prozess des Übergangs an sich beschrieben und zum Anderen die damit zusammenhängenden Veränderungen sowie Hilfen zu deren Bewältigung.
Zuerst soll jedoch auf verschiedene Perspektiven und Einschätzungen des Übergangs zur Elternschaft eingegangen werden.
2. Unterschiedliche Betrachtungsweisen des Übergangs zur Elternschaft
2.1. Übergang zur Elternschaft als „Krise“
In den ersten Untersuchungen dieses Phänomen wurde das Hauptaugenmerk vor allem auf die Konsequenzen der Elternschaft gelegt. Es wurde erforscht, wie der Übergang von den neuen Eltern empfunden wird und welche Veränderungen damit im Zusammenhang stehen. Die daraus resultierenden Ergebnisse stellten sich für viele Wissenschaftler als überwiegend negativ dar und so wurde von vielen der Begriff „Krise“ zur Beschreibung des Übergangserlebnisses gewählt. Als Beispiel soll hier eine Studie von LEMASTERS (1959) verwendet werden. Dabei wurden 46 Paare, die nach eigenen Angaben in einer guten Ehe lebten und deren Schwangerschaft gewollt war, nach der Geburt ihres ersten Kindes befragt, wie sie die neue Situation erleben. Nach Meinung des Forschers beschrieben sie 83% der Eltern als „ernsthafte Krise“. Bei der Verwendung des Krisenbegriffs bezieht sich LEMASTERS hier auf HILL, der darunter eine „scharfe, entscheidende Änderung, für die alte Verhaltensmuster sich als nicht mehr ausreichend erweisen“, versteht (zit. n. Herff, 1990). Bei ihm wird der Übergang zur Elternschaft durch die Bezeichnung als
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„Krise“ also eindeutig negativ betrachtet und als schwieriges Problem und Gefahr für das Familiensystems gesehen (vgl. Herff, 1990). Auch andere Studien zeigten, dass mit der Erstelternschaft unter anderem zunehmende Unzufriedenheit mit der ehelichen Partnerschaft, Einschränkung der persönlichen Freiheit und materielle Belastungen und somit auch besondere Anpassungs- und Bewältigungsprobleme verbunden sind. Das deuteten die meisten Forscher als Kennzeichen eines Krisenerlebnisses. Doch nicht nur die Veränderungen und Probleme im Zusammenhang mit dem Übergang zur Elternschaft , sondern auch die Bewertung der Geburt an sich lieferten weitere Anzeichen eines krisenhaften Erlebnisses. BINDER, BISCHOFBERGER & THOMAIER sahen in der Geburt ein „kritisches Lebensereignis(...), das als punktuelles Streßerlebnis einen starken Einbruch in die Alltagsroutine bedeute“ (zit. n. Brüderl, 1989).
Die Betrachtungsweise des Übergangs zur Elternschaft als Krisenzeit wurde hauptsächlich von tiefenpsychologischen, psychiatrischen und medizinischen Kreisen vertreten. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff der Krise in diesem Zusammenhang immer seltener verwendet. Natürlich zeigen zahlreiche Studien, dass der Übergang mit vielen als Belastung empfundenen Aspekten verbunden ist, doch ist man heute der Ansicht, dass die positiven Auswirkungen der Geburt eines Kindes dabei deutlich überwiegen.
2.2. Übergang zur Elternschaft aus entwicklungspsychologischer Sicht
Im Gegensatz zu vorherigen Untersuchungen wurde auf psychologischer Seite der Übergangsprozess als Ganzes betrachtet. Man war der Meinung, dass dieser als in den Lebensraum der betreffenden Person(en) eingebettetes Ereignis gesehen werden muss. Da der Beginn der Elternschaft einen Markierungspunkt im Leben junger Menschen darstellt, wird der Prozess von vielen Wissenschaftlern als Übergangsphase bzw. Wechsel ins Erwachsenenalter bezeichnet (vgl. Brüderl, 1989). Schließlich wird durch den Begriff des Übergangs allein schon der Prozesscharakter und somit die zeitliche Begrenztheit dieser Veränderung im Leben junger Erwachsener deutlich.
Da mit der Erstelternschaft eine Vielzahl von biologischen, psychologischen und sozialen Veränderungen verbunden sind, vollzieht sich dabei nicht nur ein
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Entwicklungsvorgang, sondern ebenso ein Prozess der Auseinandersetzung mit bestimmten Anforderungen. Dabei spielt die Familie eine zentrale Rolle. Zum Einen entsteht das System Familie durch die Geburt eines Kindes völlig neu, zum Anderen ist die Beziehung der Eltern zueinander von großer Bedeutung. Elternschaft ist nämlich eine gemeinsam erlebte Entwicklung, die auf Erfahrungen einer vorausgehenden Partnerschaft basiert und durch die aus einem Paar eine Familie wird (vgl. Böttcher, 1998). Dieser Aspekt der Familienentwicklung liegt auch der folgenden Betrachtungsweise des Übergangs zur Elternschaft zu Grunde.
2.3. Übergang zur Elternschaft als Transitionsphase
Diese Sichtweise geht auf den „Familien-Transitions-Ansatz“ (FTA) zurück. Er wurde entwickelt, um Übergänge innerhalb des Familienzykluses zu beschreiben. FTHENAKIS definiert ihn als „Konzept, welches sich für die Beschreibung, Erklärung und Intervention familiärer Transitionsphasen besonders eignet“ (Fthenakis, 1999). Als Transitionsphasen werden Phasen mit „verdichteten und akzelerierten Lernprozessen“ verstanden (ebd.). Merkmale solcher Phasen sind unter anderem Prozesshaftigkeit, Rollenwandel und Wandel in den Lebensbereichen, den Beziehungen und der Identität. Außerdem stehen Transitionen in Verbindung mit Ereignissen, die auf individueller, familiärer und Umgebungsebene eine Vielzahl von Veränderungen mit sich bringen. Dass man den Übergang zur Elternschaft als solch eine Transitionsphase bezeichnen kann, sollen folgende Aspekte zeigen. Dies soll zu diesem Zeitpunkt jedoch lediglich auf allgemeine Art und Weise geschehen, da konkrete Merkmale unter Gliederungspunkt 4 erörtert werden.
Übergansphasen bedeuten immer ein gewisses Ungleichgewicht bzw. Durcheinandergeraten von Familienbeziehungen. Dadurch ist es erforderlich, diese neu zu ordnen und umzustrukturieren. Diese Reorganisation von Beziehungen ist nicht nur innerhalb der eigenen und der Herkunftsfamilie notwendig, sondern auch im Hinblick auf bestehende Systeme und Verbindungen außerhalb der Familie. Das Gleiche gilt auch für die Rollen, die die beteiligten Personen innehaben. In Transitionsphasen können sich diese in dreierlei Hinsicht verändern: Man kann bestimmte Rollen aufgeben und neue übernehmen, Erwartungen und Verhaltensweisen , die mit einer Rolle zusammenhängen, können sich verändern
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und erweitern, oder es vollzieht sich ein signifikanter Richtungswechsel in einer bereits bestehenden Rolle. Da ein Individuum meist Träger mehrerer Rollen ist, hat es auch dementsprechende Auswirkungen, wenn sich im Zuge der Übergänge eine zentrale Rolle ändert. Durch die Reorganisation von Rollen können diese neu
koordiniert und strukturiert werden.
Im Zusammenhang mit der Übernahme neuer Rollen steht ebenso die Restrukturierung personaler Kompetenzen. Um eine neue Aufgabe bzw. Rolle und die damit verbundenen Probleme bewältigen zu können, muss man sich über seine Fähigkeiten und Kompetenzen bewusst sein und ggf. neue Fertigkeiten und Verhaltensweisen entwickeln.
Ein weiterer Aspekt ist die interpersonale Affektregulierung. Wie man sich sehr gut vorstellen kann, sind vor allem Veränderungen und Umbrüche mit starken
Emotionen und Stress verbunden, was natürlich auch Auswirkungen auf zwischenmenschliche Bereiche und Beziehung hat. Daher ist es von großer Bedeutung, sich um einen optimalen Umgang mit auftretenden Gefühlen und emotionalen Ereignissen zu bemühen.
Nach diesen interpersonalen Kriterien soll nun ein Blick auf das Individuum geworfen werden. Hierbei spielt vor allem die Reorganisation der Identität eine wesentliche Rolle. Es ist erwiesen, dass gerade in Prozessen der Transition die eigene Person besonders hinterfragt wird. Gedanken über das eigene Ich, persönliche Einstellungen sowie Wünsche und Ziele treten in einer solchen Zeit häufiger auf als sonst und können bei der jeweiligen Person Unsicherheit und Zweifel auslösen. Eng damit verbunden ist auch die Veränderung der Weltsicht. Nicht nur die eigene Identität, sondern auch politische und gesellschaftliche Einstellungen und Erwartungen bekommen in Phasen der Veränderungen eine neue Bedeutung und das subjektive Weltbild wird restrukturiert.
Zuletzt bildet natürlich auch die intrapersonale Affektregulierung ein Merkmal von Transitionsphasen. Wie bereits erwähnt, vollziehen sich auch auf emotionaler Ebene zahlreiche Veränderungen und es ist von zentraler Bedeutung , diese innere Aufruhr bestmöglichst zu bewältigen.
Nach der Darstellung der verschiedenen Sichtweisen bezüglich des Übergangs zur Elternschaft soll in den folgenden Punkten gezeigt werden, dass die Abkehr von der Beschreibung eines „Krisenerlebnisses“ mehr als berechtigt war. Es soll deutlich
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Arbeit zitieren:
Susan Dörfler, 2003, Der Übergang zur Elternschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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