-Inhalt- Einleitung S.1
Die Biographie Wu Changshuos S. 1
Die politische Situation in der späten Qing- Dynastie und in der frühen Republik China und ihren Einfluss auf Wu Changshuo und die chinesische Malerei S. 3
Die Shanghai- Schule S. 5
Werke von Wu Changshuo S. 7 1) „Pflaumenblüte“ 1885 S. 9 2) „Blumen und Felsen“1889 S. 9 3) „Antiquitäten“ 1902 S. 10 4) „Flowers“ 1910, S. 11 5) „Pflaumenblüten“ 1916, S. 12 6) „Alte Kiefer“1916, S. 12 7) „Pflaumen und Felsen“ 1926, S. 13
Fazit S. 13
Abbildungsverzeichnis 1) „Pflaumenblüte“ 1885 S. 15 2) „Blumen und Felsen“1889 S. 15 3) „Antiquitäten“ 1902 S. 16 4) „Flowers“ 1910, S. 17 5) „Pflaumenblüten“ 1916, S. 17 6) „Alte Kiefer“1916, S. 18 7) „Pflaumen und Felsen“ 1926, S. 18
Literaturverzeichnis S. 19
In meiner Oberseminarsarbeit behandle ich das Leben und das Oeuvre Wu Changshuos. Er gilt als einer der letzten Gelehrtenmaler.
Ich beginne mit der Biographie Wu Changshuo s. Ich streife dabei die politische Situation zu seiner Lebenszeit und die Shanghaier Schule, da dies wichtige Faktoren sind welche Wus Kunst und den chinesischen Kunstmarkt überhaupt beeinflusst haben. In Ermangelung chinesischer Sprachkenntnisse beziehe ich mich vor allem auf englische und die spärliche deutsche Literatur die es zur chinesischen Malerei um die letzte Jahrhundertwende und Wu Changshuos gibt. Vor allem aus der Dissertation Joohyun Lee zur Malerei Wu Changshuos habe ich wertvolle Informationen gezogen. Von ihr habe ich die Aufteilung des Oeuvres Wus in fünf Phasen. Zu jeder Phase habe ich eine kurze Bildbeschreibung. Da wir im Seminar schon zwei Werke Wu Changshuos behandelt haben beschreibe ich in der dritten und vierten Phase Wus jeweils das Werk aus dem Seminar sowie ein nicht behandeltes. Im Fazit versuche ich dann ein stilistisches Fazit zu ziehen mit den Erkenntnissen die ich aus den Bildbeschreibungen gewonnen habe. Wu Changshuo war nicht nur Maler sondern auch ein anerkannter Siegelschneider und Kalligraph. Da unser Seminar die Malerei in China im 20. Jahrhundert behandelt gehe ich vor allem auf seine Malerei und nur am Rande auf Wus Siegel, Gedichte und Kalligraphie ein.
Die Biographie Wu Changshuo
Wu Changshuo wurde 1844 in eine Gelehrtenfamilie in Anji in der Provinz Zhejiang hineingeboren. Von seinem Vater lernte Wu Changshuo schon als Kind die Siegelschneidekunst, zudem erhielt er eine Schulausbildung. Im Frühjahr 1860 drangen die Taiping- Rebellen in die Heimat Wu Changshuos ein. Einzig Wu und sein Vater überlebten die fünf- jährige Flucht vor den Rebellen. 1864 gelang es der Regierung die Rebellen nieder zu schlagen und Wu konnte in seine Heimat zurückkehren. Die frühen Erinnerungen an die Flucht, die Hungersnot und die Todesangst prägten das Leben Wu Changshuos bis zu seinem Tod.
1865 verließen Wu und sein Vater Anji und zogen nach Anchengzhen. Dort besaßen die beiden ein Siegelstudio und Wu holte die Prüfungen nach, die fünf Jahre zuvor unterbrochen waren.
1872 heiratete Wu Shi Jiu (1848- 1917) und brach mit seiner Frau nach Suzhuo und Hangzhuo auf. Bis 1887 blieb er in diese Gegend. Dort erhielt Wu Einblicke in bedeutende Kunstsammlungen und konnte mit Künstlern Bekanntschaft schließen. Unter diesen Einflüssen entwickele sich seine Dicht-, Schrift- und Siegelschneidekunst weiter.
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Wu kopierte mehrfach die Inschriften von Bronzegefäßen, Bronzespiegeln und Ziegeln welche er in verschiedenen Sammlungen sehen durfte. Dadurch lernte er die Inschriften des Gengyingyou, des Guojizibaipan, des Sanshipan und des Nugongding aus der Zhou- Zeit (ca. 1100- 256 v.Ch.) sowie die Inschriften des Quanliangs aus der Qin- Zeit (221- 206 v. Ch.) und der Zhanggongfangbei aus der Han- Zeit (206 v. Ch.- 220). Wu ahmte die alten Inschriften direkt nach. Seine Dichtung dieser Zeit ist von den Tang zeitlichen Dichtern Wang Wei (701- 761), Meng Jiao (751- 814) und Jia Dao (779- 843) geprägt. Zudem entwickelte sich auch seine Schriftkunst allmählich. Vor allem aus dem Kopieren der
Steintrommelinschrift entwickelte Wu seine eigene Pinselführung, welche seine Malerei mit seiner Kalligraphie verbindet.
1884 zog Wu Changshuo mit seiner Familie (inzwischen hatte er zwei Söhne) nach Ximuhang. Doch auch hier konnte er sich durch den Verkauf von Siegeln und Kalligraphie kaum über Wasser halten und die Familie litt unter der Armut.
1887 zogen Wu und seine Familie nach Shanghai um. Er eröffnete dort ein Siegelstudio und fing ein neues Leben als Beamter an. In dieser Zeit war die Siegelschneidekunst Wus auf dem Höhepunkt doch aufgrund gesundheitlicher Beschwerden, Schmerzen in den Schultern, verzichtete Wu ab 1894 ganz auf das kraftaufwendige Siegelschnitzen und übte sich in der Kalligraphie und Malerei.
Im Gegensatz zu seiner Beamtenlaufbahn (Wu blieb sein Leben lang ein kleiner Beamter) entwickelte sich Wu Kunst sehr erfolgreich weiter. Die Preise für seine Siegel stiegen. Ab dem Beenden seiner Siegelschnitzerei 1894 wird Wus Interesse an der Malerei immer größer. Vor allem mithilfe seines Freundes Ren Bonians entwickelt sich sein Malstil weiter. 1904 siedelte Wu Changshuo nach Guihefang in Suzhou um. Er pendelte bis 1914 zwischen seinem Wohnort und seiner Arbeitsstätte in Shanghai. 1914 zog er dann endgültig nach Shanghai. Dort wohnte er bis zu seinem Tod 1927.
Die Jahre zwischen 1904 und 1927 zählen zu der Blütezeit als Maler und Kalligraph. Er entwickelte seinen Stil vor allem aus dem Kopieren der Steintrommelinschrift. Insgesamt fertigte Wu fünf komplette Kopien der zehn Steintrommelinschriften. Zudem stammen über ein Drittel seiner Gemälde aus diesen Jahren. Nun wuchs auch sein Ansehen als Künstler. Immer häufiger baten ihn Kunstsammler alte Werke mit seiner Nachschrift zu versehen 1 . 1909 wurde Wu Changshuo Mitglied der Shanghai Yiyuan Shuhuashanhui (vlg.Lee.2000:55),
1 Nach chinesischer Auffassung ist ein Kunstwerk nach seiner Entstehung nicht abgeschlossen, sondern kann durch Integration von Bildaufschriften nachträglich erweitert werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Kalligraphie des Rezipienten ein ebenso hohes Formniveau hat wie die des Malers. (vlg. Kotzenberg.1996:10)
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1913 Vorsitzender der Xilinger Siegelgesellschaft, 1914 Vorsitzender der Shanghai Shushua Xiehui und 1915 Vorsitzender des ersten systematisch veranstalteten Künstlerverein des Tijin Studios für Siegelschneider, Kalligraphen und Maler, Haishang Tijinuan Jinshishuhuahui. Zudem wurden nun größere Teile seines Oeuvres in Shanghai und Hangzhou publiziert. In den letzen Jahren Wu Changshuos sammelten sich Schüler um ihn. Zu den bekanntesten gehören Wang Zhen oder auch Qi Baishi.
In den meisten Werken benutzte Wu Changshuo sein Namensiegel. Ab 1913 verschlechterte sich sein Gehör zudem stellte sich Wu auch der politischen Situation taub. Er signierte mit „der große Taube“ dalong (Lee.2000:56). Sein Erfolg als Künstler wurde zunehmend größer. Der alternde Wu litt mehr und mehr unter der Fülle der Aufträge welche er erfüllen musste. So fertigte Wu in seinen letzen Jahren nur noch die Kalligraphie an, die Siegelschnitzerei und Malerei überließ er seinem Sohn und seinen Schülern Wang Zhen und Wang Geyi. Eine neue Preisliste von 1919 zeigt zudem dass sich die Preise für Wus Gemälde und Kalligraphie in Hänge- und Querrollen verzehnfacht und die Siegelpreise vervierfacht haben. In diesen Jahren wurde Wu nun auch in Japan bekannt. Am 6. November 1927 starb Wu Changshuo in Shanghai.
Die politische Situation in der späten Qing- Dynastie und in der frühen Republik China und ihren Einfluss auf Wu Changshuo und die chinesische Malerei Seit die Europäer China entdeckten kamen gerade für die Malerei neue Impulse wie die Zentralperspektive, welche europäische Missionare mitbrachten.
Doch dieses Verhältnis blieb nicht spannungsfrei und endete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert im Opiumkrieg 2 .
2 Zwei Faktoren waren im Wesentlichen dafür verantwortlich:
1. Infolge der Überproduktion durch die Industrielle Revolution versuchten europäische Kaufleute den chinesischen Markt mit seiner ernormen Kaufkraft zu erobern. Doch die Chinesen waren nur mäßig an den Neuerungen aus dem Westen interessiert.
2. Der Opiumhandel: Da die Chinesen ihre Exportgüter mit Silber zahlen ließen setzte seit dem 18. Jahrhundert der Tausch Ware gegen Opium, aus der britischen Kolonie Indien ein. Die Nachfrage in China stieg und so war die Volkssubstanz gleichermaßen wie die Landeswährung vom Westen gefährdet. Die chinesische Führung sagte 1838 den Krieg gegen die Droge an und verbrannte sämtliche chinesische Opiumvorräte. Daraufhin stach die Kriegsflotte der Engländer in See und der Opiumkrieg begann. 1842 musste China in Nanjing die Kapitulation unterschreiben und sich dem Westhandel öffnen. Nach einem zweiten Militärschlag der Engländer und Franzosen 1858 fand sich der Hof dazu bereit westliche Botschafter zuzulassen.
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In der Zeit nach dem Opiumkrieg und vor dem chinesisch- japanischen Krieg gab es im Reich selbst eine Reihe von kleinen Reformen und innerpolitische Aufstände der Taiping Rebellen und Moslems. Vor allem die Taiping- Rebellion (1851- 64) nahm entscheidenden Einfluss auf das Leben Wu Changshous. Fünf Jahre war er mit seiner Familie unter erbärmlichen Bedingungen auf der Flucht und nur er und sein Vater überlebten die Odyssee. In Folge der Niederlage im Chinesisch- Japanischen Krieg 1894/95 ging Korea, ein Tributstaat der Chinesen an Japan über. Die Europäer sicherten sich Handel- und Einflussgebiete zu. China drohte dasselbe Schicksal wie den großen Kolonialgebieten Afrika und Indien.
Zu Beginn des 20 Jahrhundert war China politisch und kulturell in einer Krise. Die traditionelle Tuschemalerei schien im Formalismus erstarrt und die traditionelle Malerei durch westliche Einflüsse bedroht. Vor allem aber die politischen Umwälzungen durch die Oktoberrevolution 1911 zerstörte die ideologische Grundlage der traditionellen chinesischen Kultur 3 .
Erstmals in der chinesischen Geschichte gingen chinesische Kulturelle ins Ausland um die eigene Kultur zu retten. Die Künstler wurden unter anderem in westlicher Ölmalerei und/oder der japanischen Malerei (nihonga) ausgebildet. Nach ihrer Rückkehr schufen sie eine Synthese chinesischer, japanischer und westlicher Stile. Politisch war es immer noch eine unruhige Zeit.
Am 4. Mai 1919 demonstrieren Pekinger Studenten gegen die Regierung in Beijing 4 . Eine radikale Neubewertung der chinesischen Geschichte und Kultur wurde vorgenommen, die bis auf den heutigen Tag nicht vergessen ist.
Ab 1919 gingen chinesische Künstler auch nach Paris um westliche Malerei zu studieren und gründeten nach ihrer Rückkehr in Shanghai ein „zweites Montparnasse“
3 Durch einen Militärputsch gelang die erzwungene Abdankung des letzten Qing- Kaisers und somit das Ende der zweitausend jährigen Monarchie der Chinesen. Als die Volkrepublik China ausgerufen wurde herrschte ein kulturelles und soziales Chaos. Es begann eine Zeit der Aufstände durch die Warlords welche sich gegen politische Veränderungen stellen. Erst 1926 gelingt es der KPCh die Warlords zu unterwerfen und die Aufstände zu beenden. Die traditionelle Tuschemalerei überlebte nur weil die Meister welche die Tuschemalerei und Schriftkunst beherrschten noch am Leben waren.
4 Diese so genannte 4. Mai-Bewegung ist Protest gegen die Entscheidung der Westmächte in Versailles, „die Provinz Shandong (einst deutscher Kolonialbesitz) Japan zu vermachen, anstatt sie China zurückzugeben. In der Folge dieser ersten Demonstration kam es zu Boykott-Aktionen, Protestbewegungen und Streiks auch in vielen anderen chinesischen Städten. Neben und aus diesen politischen Aktionen erstand eine Bewegung für kulturelle Erneuerung, die es sich auf die Fahne schrieb, endgültig mit dem Konfuzianismus zu brechen und dem Westen nachzueifern.
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Arbeit zitieren:
Julia Klee, 2006, Werke und Leben des chinesischen Malers Wu Changshuo, München, GRIN Verlag GmbH
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