Von Ohnmacht und Macht -
Selbstmordanschläge als "letztes Mittel"
terroristischer Gewalt im Kontext des "Dschihâd"
Verfasser: Robert Czech
Inhalt
1. Einführung 1
2. Grundlegende Begriffe 1
2.1) Was heißt Terrorismus? 1
2.2) Religiöser Terrorismus 2
2.3) "Letzte Instanz" Selbstmordattentat 4
2.4) Von Fundamentalismus zu extremistischer Gewalt 5
3. Das Phänomen "Dschihâd": Der "Heilige Krieg" 6
3.1) Zum Begriff des "Dschihâd" 6
3.2) Das islamische Recht 8
3.3) Motive und Hintergründe 9
4. Moderne Selbstjustiz und die Folgen 11
4.1) Historie und Kennzeichen des Märtyrertums im Islam 11
4.2) Islamische Religion und das Töten von Menschen 14
4.3) Problematik und Konsequenzen politisierter Religion 16
5. Literatur 18
Einführung
Spätestens seit den Geschehnissen des 11.Septembers 2001 ist sich die breite Öffentlichkeit wieder dessen bewusst, was aus Gründen der fehlenden Unmittelbarkeit zuvor meist im Hintergrund abzulaufen schien: Eines Terrorismus, welcher nicht nur Aufsehen erregt, sondern auch seine bisherigen Grenzen und Dimensionen sprengt. Hinzu kommen eskalierende Ausmaße wie im Israel-Palästina-Konflikt, dessen blutige Realität ständig über unsere Bildschirme flimmert. Bewusstsein. Wieder und vielleicht mehr als je zuvor. Der vielschichtige Begriff des "Terrorismus" wird nicht nur im täglichen Leben, sondern auch in sämtlichen Medien und unzähligen Publikationen hoch wie nie gehandelt. Ebenso ist anzumerken, dass zahlreiche und womöglich sogar die schlimmsten Anschläge von Selbstmordattentätern verübt werden. Dabei kommt der "lebenden Bombe" eine besondere Funktion als nicht mehr steigerbare Form des gewalttätigen Anschlags zu. Terrorismus und Selbstmordanschläge. Zwei Begriffe, deren Bezug im Folgenden verdeutlicht werden soll. Als Kontext hierfür dient das Phänomen des "Dschihâd", des sogenannten "Heiligen Krieges", in dem die ideologischen Grundlagen des islamistischen Terrorismus zu suchen sind. Denn die Ohnmacht, welche bei einem märtyrerischen Attentat entsteht, verwandelt sich stets sehr schnell in Macht - das Entsetzen bekommt eine politische Funktion. Warum das so ist, soll hier im Zusammenhang mit den jeweiligen Wechselwirkungen aufgezeigt werden.
Grundlegende Begriffe
Was heißt Terrorismus?
Sich näher mit terroristischen Eigenarten zu beschäftigen, setzt zuallererst eine Klärung des Begriffs "Terrorismus" voraus. Historisch betrachtet findet er seine Wurzeln zur Zeit der Revolutionstribunale der Französischen Revolution, allerdings mit positivem Beiklang, da es sich hierbei quasi um ein vom Volk befürwortetes "régime de la terreur" handelte. Im Laufe der Zeit wandelte sich die explizite Bedeutung des Begriffs des öfteren, so dass an dieser Stelle ausschließlich die aktuelle hervorgehoben werden soll. Davor steht, anders als im angelsächsischen Gebrauch des Wortes "terror", die sinngemässe Abgrenzung vom deutschen "Terror". Dieser drückt nämlich eine Art von Schreckensherrschaft von Seiten des Staates aus, während der "Terrorismus" als solcher stets ein konkretes gewaltsames Handeln gegen den Staat und dessen Ordnung beschreibt. Terrorismus hat demnach eine politische Dimension. Durch das meist mit einem tätlichen Angriff verbundene Agieren gegen eine vorherrschende politische Struktur wird automatisch die Öffentlichkeit miteinbezogen. Dies geschieht insofern bewusst, da die Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit eine der Hauptzielsetzungen im Vorgehen eines Terroristen darstellt. So sind Terrorismus folglich "planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund," welche "allgemeine Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen" sollen.
Das terroristische Vorgehen erfolgt also sowohl gezielt, als auch im Schatten der Illegalität, im Untergrund. Dies verdeutlicht, dass es sich im Regelfall um den Kampf einer schwächeren gegen eine stärkere Komponente handelt, der mit einer gewissen Systematik erfolgt. Man setzt sich gezielt über vorherrschende moralische Konventionen und geltendes Recht hinweg und offenbart zumeist eine besondere Brutalität. Hier ist jedoch anzumerken, dass sich der terroristische Akt nicht zwangsläufig gegen die von ihm betroffenen Menschen richtet. Vielmehr werden die Zielpersonen als "Mittel zum Zweck" missbraucht, die grundlegende Bedeutung der Gewalttat liegt in ihrer Symbolik, im Schockeffekt. Folglich kann man von einer Form von Kommunikation sprechen. Dem zugrunde liegt stets eine bestimmte Absicht, das kann sowohl die eines aufrüttelnden Zeichens als auch die eines Sympathisierungsversuchs sein. Als Aktionsbühne dienen immer möglichst gewaltfreie politische und damit meist auch gesellschaftliche Räume, wie beispielsweise Großstädte oder gerade auch die westlichen Industriestaaten, denen eine wesentliche staatliche Alltagsordnung nicht abzusprechen ist. Allerdings wird die Methode des terroristischen Angriffs nicht inflationär verwendet. Sprich, dies geschieht mit begrenzter Tragweite und einer langsamen Frequenz, um die Wirkung zu maximieren. Primär ist Terrorismus darauf aufbauend nicht nur ein politischer Begriff, sondern vielmehr eine systematisch aufgebaute und umgesetzte Kommunikationsstrategie. Es gibt demzufolge nicht den "Terrorismus" als solchen, sondern man muss ihn als ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichen Strukturformen, mit voneinander abweichenden Zielen, Identifikationsmodellen und Anhängerschaften betrachten, stets gepaart mit einer spezifischen terroristischen Logik.
Religiöser Terrorismus
[...]
Arbeit zitieren:
Robert Czech, 2002, Von Ohnmacht und Macht -Selbstmordanschläge als "letztes Mittel" terroristischer Gewalt im Kontext des Dschihâd, München, GRIN Verlag GmbH
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