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Inhalt
Zur Entwicklung des organischen Charakters der menschlichen Seele in
C.G.Carus „Psyche“ (1846)
vor dem Hintergrund der Differenzierung
zwischen unbewusstem und bewusstem
Leben der Seele
1. Einführung: C.G.Carus und die zentralen Fragestellungen seiner
Philosophie im Kontext der „Psyche - Zur Entwicklungsgeschichte
der Seele“ 2
2. Grundlagen und Methodik der Seelensuche 4
3. Zur Wesenheit unserer Entwicklung als Mensch/Seele 5
4. Vom unbewussten und bewussten Leben der Seele 7
4.1. Zum Unbewusstsein 7
4.2. Zum Bewusstsein 10
5. Kurze Stellungnahme zu Carus naturphilosophisch
gepr ägtem Menschenbild 10
6. Literatur 12
2
„...daß man (...) das Leben der Seele vergleichen dürfe mit einem unablässig fortkreisenden
großen Strome, welcher nur an einer einzigen kleinen Stelle vom Sonnenlicht [des Bewusstseins]
(...) erleuchtet ist.“
„Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der Wehmut weiche
Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das
mir unsichtbar kräftig an die Seele geht?“
1. Einführung
In der 1846 veröffentlichten „Psyche - Zur Entwicklungsgeschichte der Seele“ entwickelt der Arzt und Naturforscher Carl Gustav Carus (Leipzig 3.1.1789 - Dresden 28.7.1869) eine romantische Deutung der menschlichen Natur. Er interpretiert die Natur als beseeltes Ganzes, so ist auch der Körper Ausdruck der Seele und muss als ein Element der leiblich-seelischen Ganzheit verstanden werden. Als Romantiker sieht er den Schlüssel zur Erkenntnis im Unbewussten, das große Dunkel ist sozusagen Licht und das von uns wahrgenommene Licht ist Dunkel. So taucht die romantische Verklärung der Nacht oftmals als Licht-Dunkel-Metapher auf. Ebenso wie Freud bei der Betrachtung des Traumes als romantisches Phänomen diesem zugesteht, dass er sowohl mehr an Wissen enthalte als die aufgeklärte Vernunft, aber gleichzeitig mehr als eine zerplatzende Dunstblase darstelle, findet auch Carus einen Kompromiss. Die streng rationale Aufklärung sieht er genauso als Abweg der Seelensuche wie die irrationale Mystik.
Es sei zwar ein Abweg, „das (...) geheimnisvolle und mystische Gebiet der Seele (...) vollständig zu entschleiern“ - das entspräche keiner Duldung des Unbewussten mehr - aber „nicht minder verfehlt“ sei die Richtung, die „der (...) Erwägung der Offenbarungen der Seele“ nicht das gebührende Recht einräumen will. [Psyche: S.IV ff.]
„Nach meiner Überzeugung kann man nicht über die Seele im rechten Sinne verhandeln
ohne dieses Unbewußte und also auch dem trennenden absondernden Verstande
Unbekannte (...) als ein gegebenes X, mit in die Rechnung der Begriffe aufzunehmen.“
[Psyche: S.VI]
Den romantischen Naturphilosophen und Psychologen Carus verband eine Freundschaft mit K.D.Friedrich, er stand im Briefwechsel mit Goethe und wurde insbesondere beeinflusst durch dessen Lebensgefühl, dessen Welt- und Naturbegriff. Die Vorstellung einer göttlichen Weltenseele verband ihn mit Schelling, wohingegen der Begriff der Materie als eines ewig Beweglichen aus Kants Werk stammt. Goethe schrieb 1826 über das philosophisch Wesentliche an Carus Werk, dass es die Andeutungen alles Werdens von dem einfachsten bis
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zu dem mannigfaltigsten Leben durchführt und das große Geheimnis mit Wort und Bild vor Augen legt: dass nichts entspringt, als was schon angekündigt ist, und dass die Ankündigung erst durch das Angekündigte klar wird, wie die Weissagung durch die Erfüllung. So war es Carus Ziel, die Natur oder gar den Kosmos als lebensvolle Totalität zu erfassen, den Einklang zwischen großer und kleiner Welt, Makrokosmos und Mikrokosmos herauszuhören, das „Leben“ als den Grundton zu erkennen, der das Ganze durchwaltet und das Wesen des Lebens zu ergründen. [vgl. Philosophen-Lexikon: S.172f.]
„Leben heißt entstehen und vergehen, handeln und sich verwandeln nach einer inneren Idee.“ [Natur und Idee 1861: S.28. In: Philosophen-Lexikon] Diese Idee ist als bildende Idee zu verstehen, die einzelnen Lebewesen sind also Teil eines permanenten Formenwandels ausgehend von einem Urphänomen. „Überall, wo das Göttliche erkannt worden ist als der Urquell alles Lebens (...) [wird] es geradezu unmöglich (...), das Lebensprinzip zu verkennen. [Natur und Idee 1861: S.134. In: Philosophen-Lexikon] Es handelt sich bei der Fortentwicklung der Welt hin zu einem „Weltganzen“ demzufolge um einen stetigen, ewigen Prozess mit dem Quell des Göttlichen. Der organische Faktor entspricht einer fortwährenden Entwicklung eines Individuums und damit einer generellen Individualisierung von Leben an sich. Hier sieht Carus eine deutliche Beziehung zum Erdganzen, einer Art Weltenseele, im Organischen findet das ungeheure Periodische des Lebens seinen Ausdruck. Als Methode des Erkennens gilt ihm einzig und allein die organische Erkenntnis, welche versucht, in einer Erscheinung die zugrundeliegende Idee zu fassen, was einem Willen zum Ergreifen des Ganzen gleichkommt (Gegenteil: Tatsachenforschung). Erkennen muss sein: Wissen um das „Vorhandensein eines großen, allgemeinen organischen Bandes, welches alles Dasein in tiefer, unzerreißlicher Weise umschlingt.“ [Organon der Erkenntnis 1853: S.31. In: Philosophen-Lexikon: S.174] In seiner „Psyche“ führt Carus den organischen Charakter der menschlichen Seele aus. Er differenziert Grundthesen und Methoden bei der „Seelensuche“, beschreibt die Entwicklung unseres Wesens und klassifiziert das Unbewusstsein und das Bewusstsein, das uns und unsere Seelen durchwaltet, alles vor dem Hintergrund seiner zentralen These, die sich als roter Faden durch dieses Werk zieht:
„Der Schlüssel zur Erkenntnis vom Wesen des bewußten Seelenlebens liegt in der
Region des Unbewußtseins.“ [Psyche: S. 1]
Dieser Satz offenbart bereits Schwierigkeiten beim Verständnis der Seele, denn der Urquell alles Lebens findet sich ja im Göttlichen, das Leben selbst bleibt sich unbewusst. Die innere Idee im Leben eines jeden Menschen ist also nichts anderes als bildend unbewusstes Leben.
Arbeit zitieren:
Robert Czech, 2003, Zur Entwicklung des organischen Charakters der menschlichen Seele in C.G.Carus 'Psyche' (1846) vor dem Hintergrund der Differenzierung zwischen unbewusstem und bewusstem Leben der Seele, München, GRIN Verlag GmbH
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