Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Ursprünge der Menschenwürde 2
2.1 Die Begriffe der humanitas und dignitas von Marcus Tullius Cicero in seinen
Werken De officiis und De re publica
2.2 Menschenwürde im Laufe der Revolutionen des 18. Jahrhunderts
3 Menschenwürde aus verschiedenen Perspektiven 4
3.1 Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
3.2 Die christliche Ethik
3.3 Die säkulare Perspektive
4 Die katholische Kirche: Ethos versus Moderne 5
5 Fazit 6
6 Quellenverzeichnis 7
Menschenw ürde aus historischer und zeitgenössischer Perspektive Seite 1
1 Einleitung
Die Menschenwürde gilt in unserem pluralistischen Gesellschaftssystem als rechtsstaatliches Prinzip, welches im Grundgesetz verankert ist. In der Historie, vor allem in der griechischen Philosophie, wurde diese Menschenwürde aus verschiedenen Perspektiven definiert.
Der Begriff der Menschenwürde schließt mit ein, dass jeder Mensch - unabhängig von religiöser und weltanschaulicher Überzeugung, Nationalität, Geschlecht etc. - einen eigenen inneren, sakrosankten Wert besitzt. Sie bildet die Grundlage für jeglichen rechtsstaatlichen- und rechtsphilosophischen Schutz des Individuums. Doch was bedeutet diese Menschenwürde in einer technokratischen, von Nachrichten geradezu überfluteten Gesellschaft, in welcher die Menschenrechte spürbar an Bedeutung verlieren - was unter anderem auf die geradezu kumulative Volksverdummung und der damit zusammenhängenden medialen Indoktrination zurückzuführen ist? Was bleibt in einer Zeit, in der Menschenrechts- und Menschenwürdeverletzungen gesellschaftliche Realität sind, in einer Zeit, in welcher unsere Gesellschaft eine erschreckend hohe Erwerbslosenquote aufweist, in einer Zeit, in der Gedanken an eine aufklärerische Streitkultur womöglich kaum noch existieren.
Im Folgenden werde ich auf die Ursprünge der Menschenwürde in Ciceros Werken De officiis und De re publica und auf die Bedeutung der Menschenwürde in den Revolutionen des 18. Jahrhunderts eingehen. Anschließend werde ich einige Positionen zur Menschenwürde, unter anderem Kants Definition in »Grundlegung zur Metaphysik der Sitten«, die der christlichen Ethik und eine säkular, rational begründete Position aufgreifen.
2 Ursprünge der Menschenwürde
2.1 Die Begriffe der humanitas und dignitas von Marcus Tullius Cicero in seinen Werken De officiis und De re publica
Betrachtet man die stoische Lehre, so war es der Redner und Staatsmann Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.) 1 , der mit seinen Werken De officiis und De re publica der Menschenwürde ihren gesellschaftlich und rechtlich immanenten Charakter verlieh. Der Begriff humanitas existierte vor der Erweiterung in den Begriff dignitas seitens Ciceros unter der Bedeutung eines Unterscheidungskriteriums zum Tier - er verstand sie also noch nicht als personale Eigenschaft. In seinen Werken De officiis und De re publica kreierte er das gesellschaftliche Modell der dignitas, der Würde des Menschen.
1 Vgl. Strzysch, Marianne; Bergmann, Martin: Duden Schülerlexikon, 2003, 119.
Die dignitas distinguiert Cicero jedoch: Er kritisiert im Rahmen seiner Verfassungsdiskussion über regnum, Aristokratie oder Demokratie die Volksherrschaft, da diese zu einer gleichmäßigen Verteilung der Würde führe und daraus folge, dass das Volk keine Stufen der Würde kenne 2 . Des Weiteren gibt es nach Cicero verschiedene Arten von Würden, dignites 3 , welche neben vielen anderen menschlichen und gleichberichtigten Eigenschaften existieren. Demnach assoziiert er dignitas mit Begriffen wie gloria, honor oder laus. Ferner sieht er eine soziale Beziehung zwischen Individuum und Öffentlichkeit, die sich in einer Nützlichkeit der Taten für die Gemeinschaft äußert, wobei für ihn nicht alle Taten nützlich für das Gemeinwesen sind, da sie nicht ausnahmslos eine Würdesteigerung implizieren. Nach Cicero ist es außerdem notwendig, dass die Gemeinschaft über die Nützlichkeit urteilen soll. Daher ist die dignitas eine von jedem Individuum durch gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen Verdienst persönlich zu verdienende Eigenschaft, welche auch zu verlieren ist.
In De officiis konstruierte er das Modell einer kongenitalen Würde des Menschen, mit welchem er dem gesellschaftlichen dignitas-Konzept ein Konzept menschlicher Würde gegenüberstellt, welche nicht absprechbar ist. Das äußert sich in seinem Werk dort, wo er vom Menschen im Kontrast zum Tier spricht und allen Menschen eine Würde zuspricht 4 . Die dignitas erhält der Mensch nach Cicero, da er im Vergleich zum Tier rational ist, was jedoch vordergründig unabhängig von seinen Leistungen zu betrachten ist. Die Bewahrung dieser Würde zeigt sich in einem entsprechenden Verhalten, welches nicht durch zum Beispiel überschwänglich luxuriöses Leben gekennzeichnet ist. Ergo ist die Würde abdingbar und differenzierbar: abdingbar in der Hinsicht, dass man durch ein anmaßendes oder ungesittetes Verhalten seine Würde verlieren kann und differenzierbar unter dem Gesichtspunkt, dass sie von Taten, dem Charakter und der Grundattitüde jedes Individuums in Verbindung mit der Nützlichkeit für die Gemeinschaft abhängig ist.
2.2 Menschenwürde im Laufe der Revolutionen des 18. Jahrhunderts
Schon in der Declaration of Independence der Vereinigten Staaten vom 04.06.1776 5 sprachen die Verfasser von gewissen unveräußerlichen Rechten, zum Beispiel vom Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück. Die Menschenwürde wurde hier zwar nicht explizit erwähnt, sie lässt sich jedoch aus den oben genannten Formulierungen herleiten.
2 Vgl. Cic. rep. 1, 43.
3 Vgl. Cic. rep. 1, 53.
4 Vgl. Cic. off. 1, 106.
5 Vgl. Strzysch, Marianne; Bergmann, Martin: a.a.O., 563.
Arbeit zitieren:
Valentin Bösing, 2011, Menschenwürde aus historischer und zeitgenössischer Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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