Inhaltsverzeichnis
Seite :
1. Einleitung 1-2
2. Mills qualitative Unterscheidung von Freuden 2-3
3. Kritik an Mills Verfahren zur Einordnung von Freuden 3-5
4. Inkonsistenz mit dem Hedonismus 5-7
5. Kritik an Mills lexikalischer Ordnung von Freuden 7-10
6. Fazit 10
7. Quellen- und Literaturverzeichnis 11
1. Einleitung
John Stuart Mill stimmt als Anhänger des Utilitarismus der Lehre Benthams in ihren wichtigsten Punkten zu. Hierzu zählt das hedonistische Grundprinzip, demnach Lust und Freude das einzig intrinsisch Gute und Leid und Schmerzen das einzig intrinsisch Schlechte sind. Die sich daraus ableitende moralische Verantwortung eines Menschen besteht darin stets so zu handeln, dass das Glück der Menschen, die von der Handlung betroffen sind möglichst gefördert wird bzw. das Leid möglichst vermieden wird.
Abseits dieser gemeinsamen Grundprinzipien zeigen sich Unterscheide in der Betrachtung des Wesens von Freuden und der Art und Weise, wie diese zu beurteilen sind. Der als „Schweinephilosophie“ 1 betitelte quantitative Hedonismus Benthams bezeichnet die Auffassung, dass sich der Wert einer Freude lediglich aus dessen Quantität ergibt, die im wesentlichen aus der Intensität und der Dauer der Freude besteht. Mill behauptet jedoch, dass es neben den quantitativen auch qualitative Elemente gibt, die einer Handlung bzw. der damit einhergehenden Freude Wert verleiht und somit beim Beurteilen von Bedeutung sind. Diese Neuerung entstand nicht nur wegen des Vorwurfs der Schweinephilosophie, diesen konnte bereits Bentheim mit einer Unterscheidung zwischen verschiedenen Freuden entkräften. 2 Außerdem habe Bentham bereits „vollständig bewiesen“ (Mill, 1863/2006: S.13) das es die geistigen Freuden seien, die mehr Lust erzeugen würden. Mill möchte mit seiner Differenzierung mehr als das. Er möchte aufzeigen das es mit dem Utilitarismus durchaus vereinbar ist, dass bestimmte Freuden inhärent so viel höherwertig sind, dass deren Wahl gegenüber jeder Quantität einer niederen Freude gerechtfertigt und sogar wünschenswert ist.
In dieser Arbeit werde ich auf die Frage eingehen worin Mills Unterscheidung besteht und welche Probleme sich damit auftun.
1 Der Ausdruck Schweinephilosophie bezieht sich auf die Meinung, dass Utilitaristen Sinneslüste, die Schweine genauso erleben können wie Menschen, zum höchsten Gut erklären.
2 In The principles of morals and legislation stellt „The pleasures of sense“ nur eine von 14 Unterarten der menschlichen Lustempfinden dar. (Bentham, 1781: 35).
„The pleasures of sense“ umfasst sowohl die Freude der Nahrungsaufnahme (The pleasures of the organ of smelling), die natürlich ein Schwein genauso wie ein Mensch zu verspüren scheint, schließt aber auch beispielsweise die aufkommende Freude beim Betrachten eines romantischen Sonnenuntergangs (The simple pleasures of the eye) mit ein, derer eindeutig nur Menschen fähig sind.
1
Hierfür werde ich anhand von Textstellen aus Mills „Utilitarismus“ klären worin seine qualitative Unterscheidung von Freuden besteht. Bei der Kritik hieran beschränke ich mich zunächst auf die Problematik der Ungenauigkeit seiner Methode zur Einordnung von Freuden. Anschließend gehe ich auf die Inkonsistenz mit dem Hedonismus und eine mögliche Gegenargumentation ein. Zuletzt zeige ich die Kritik an der lexikalischen Ordnung 3 von Freuden auf und auf lege kurz eine alternative Interpretation der entsprechenden Textstelle dar.
2. Mills qualitative Unterscheidung von Freuden
Mill bezeichnet sich selbst als Hedonist. Denn für ihn ist „der letzte Zweck für den und wegen dessen alle anderen Dinge wünschenswert sind […] ein Leben, das soweit wie möglich von Schmerzen frei und an Vergnügungen so reich wie möglich ist“ ( Mill, 1863/2006: S.19) Weiterhin definiert er „Glück als Lust und das Fehlen von Schmerz, und Unglück als Schmerz und die Verminderung von Lust“ (Ebd.: S.12)
Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern, die „[...] im allgemeinen den Vorzug des geistigen Vergnügens vor dem körperlichen hauptsächlich in dessen größerer Permanenz, Sicherheit, Kostenfreiheit u.s.w gesetzt haben“ (Ebd.: S.13) argumentiert Mill, dass jene geistigen Vergnügen, abseits ihrer Quantität auf Grund ihrer Qualität wünschenswerter sind als andere. Mit Qualität meint er hierbei die „innere Natur“ der Freude, und mit Quantität Benthams Konzept von Intensität und Dauer (Vgl. ebd.: S.13)
Mill unterscheidet hinsichtlich höheren- und niederen Vergnügungen hauptsächlich zwischen tierischem Vergnügen und solchem, dem alleinig die spezifisch menschliche Natur fähig ist zu empfinden sowie zwischen intellektuellen und körperlichen Freuden. (Vgl. ebd.: S.14) Um festzustellen, welche Freuden zu bevorzugen sind, schlägt Mill folgendes Verfahren vor: „Von zwei Vergnügungen ist das wünschenswerter, welches von allen oder fast allen Menschen, die beide erfahren haben, entschieden bevorzugt wird, und zwar unabhängig von einem Gefühl der moralischen Pflicht [...]“ (Ebd.: S.14) Außerdem müsse „das Urteil derjenigen, die durch die Kenntnis beider qualifiziert sind, als letzte Instanz akzeptiert werden“(Ebd.: S. 17)
3 Eine lexikalische Ordnung ist eine Ordnung, die einen Grundsatz zunächst komplett berücksichtigt, bevor ein zweiter Grundsatz Berücksichtigung finden kann.
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Arbeit zitieren:
Jerome Wittemann, 2010, Die Kritik an Mills Unterscheidung zwischen höheren und niederen Freuden , München, GRIN Verlag GmbH
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