die Hautfarbe eines Menschen oder seine Intelligenz dazu dienen, ein moralisches Urteil zu beeinflussen.
Peter Singer definiert eine Person als ein Wesen, das sich selbst als distinkte Entität in Raum und Zeit wahrnehmen kann, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zu rationalem Handeln besitzt. Definiert man "Menschliches Wesen" auf diese Weise, so wird klar, dass die Eigenschaften nicht auf den in der zweiten Prämisse genannten menschlichen Fötus zutreffen können, oder nur sehr beschränkt. Unter diesen Gesichtspunkten erläutert Singer, dass das Töten eines Fötus moralisch nicht verwerflicher ist als das Töten von Tieren mit einem ähnlichen Entwicklungsstadium hinsichtlich der moralisch relevanten Eigenschaften.
Natürlich kann die Tatsache, dass Tiere gegessen werden nicht als Rechtfertigung für eine Abtreibung dienen, vielmehr dient hier die Abtreibung als Argumentation gegen den Fleischverzehr.
Wenn der Fötus jedoch noch keinerlei Merkmale von moralischer Bedeutsamkeit entwickelt hat, also noch nicht einmal fähig ist Schmerzen zu empfinden, so argumentiert Singer, dass das Leben des Fötus von sich aus keinerlei Wert besitzt. (Vgl. S.197)
Dies gilt nur solange man nur die aktuellen und nicht die zukünftigen Eigenschaften miteinbezieht - in diesem Fall wäre das Töten moralisch nicht verwerflich. Es ist jedoch klar, dass ein Fötus, selbst wenn er noch keine Person ist, dennoch zu einer heranwachsen wird. Dabei stellt sich die Frage nach dem potentiellen Glück, das durch einen Abbruch der Schwangerschaft vereitelt wird, bzw. nach dem potentiellen Interesse des Fötus, leben zu wollen. Das hierfür modifizierte Argument lautet folgendermaßen:
Erste Prämisse: Es ist unrecht, ein potentielles menschliches Wesen zu töten. Zweite Prämisse Ein menschlicher Fötus ist ein potentielles menschliches Wesen. Konklusion: Es ist unrecht, einen menschlichen Fötus zu töten.
Wiederum kritisiert Peter Singer die erste Prämisse. Hierfür argumentiert er, dass potentielle moralisch relevante Eigenschaften im Jetzt nicht zu dem gleichen Recht auf Leben führen, wie sie es in der Zukunft täten. Er führt hierbei als Beispiel auf, dass es moralisch weniger schwerwiegend sei ein Ei in kochendes Wasser zu werfen, als ein Huhn. (Vgl. S.199) Dies ist Singers Hauptargument, das ich im Folgenden kritisieren werde. Da die Thematik Abtreibung ist, ersetze ich in Singers
Beispiel das Huhn durch eine schwangere Frau, und das Ei durch ihr ungeborenes Kind. Es wird angenommen, dass die Frau sterben würde, wenn sie ihr Kind nicht abtreiben sollte. Auf welcher Grundlage kann Singer behaupten, dass es moralisch schwerwiegender sei, die Frau anstelle des Kindes zu opfern, so wie es schwerwiegender sei, das Huhn anstelle des Eis zu töten? Er stützt sich hierfür auf den Interessenutilitarismus, der als höchstes Gut die Beachtung der Interessen setzt. Weiterhin argumentiert er in Anlehnung an Tooley, dass ein Interesse und damit auch ein Recht zu Leben nur existieren kann, wenn das Lebewesen sich schon einmal als distinkte Entität mit Vergangenheit und Zukunft erkannte, und sich dabei ein Fortleben wünschte. Da ein Fötus dazu nicht in der Lage ist, besäße er demnach kein oder nur ein geringeres Recht zu Leben als die Person. Weiterhin nennt Singer den Respekt vor der Autonomie, welche den moralischen Stellenwert von Personen hervorheben, da diese im Gegensatz zu Nichtpersonen ein Selbstbewusstsein besitzen.
Um zu beweisen, dass das Töten einer Person schwerwiegender ist als das Töten einer Nichtperson, musste Singer auf diese Argumentation zurückgreifen. Diese mag zwar ausreichen, um zwischen Personen und Nichtpersonen wie Tieren zu unterscheiden, nicht jedoch für die Unterscheidung von Personen und potentiellen Personen, da diese sich in der Zukunft als distinkte Entitäten wahrnehmen werden können, und somit einen anderen Stellenwert haben als Wesen, die dazu niemals in der Lage sein werden.
Es bedarf gar keiner schwierig beweisbaren Behauptungen wie der von Tooley, um Personen von Nichtpersonen hinsichtlich ihrer Tötung zu unterscheiden. Hierfür reicht, anders als Singer behauptet, der klassische Utilitarismus vollkommen aus: Das Leben einer Person ist moralisch wertvoller als das eines nicht personalen Wesens, weil die Person durch ihr ausgeprägtes Reflexionsvermögen und Selbstbewusstsein eine viel größere Lustmenge realisieren kann: Ein Schwein, das Kaffee trinkt, verspürt sicherlich auch eine gewisse körperliche Lust dabei - eine Person verspürt jedoch eine sehr viel größere Lustmenge, weil sie synchron zum Kaffeegenuss beispielsweise über das Röstverfahren oder das Herkunftsland der Kaffeebohnen reflektieren kann.
Auf der Grundlage des klassischen Utilitarismus kann man die moralische Bewertung der Abtreibung nun differenzierter vornehmen als Singer das tut. Betrachtet man Glück und Leid, die zukünftige potentielle Glücksmenge mit eingeschlossen, ist es
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Jerome Wittemann, 2010, Peter Singers Position zu Schwangerschaftabbrüchen, München, GRIN Verlag GmbH
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