Lernkulturinventar auf drei (didaktischen) Ebenen:
Die systematische Entwicklung eines praxisnahen Analysemodells für Lernkulturen 2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Lernkulturdefinition in abstracto 4
3 Das Analysemodell 7
3.1 Das LK-Inventar vs. Diskurs und Theorie der Lernkulturen 8
3.2 Deskription des Lernkulturinventars 10
3.3 Beitrag zum Erkenntnisfortschritt in der LK-Forschung 16
3.4 Thesen zum Lernkulturinventar zur Lernkultur 18
4 Ausblick 22
5 Literaturverzeichnis 24
6 Abbildungsverzeichnis 26
7 Abkürzungsverzeichnis 26
Lernkulturinventar auf drei (didaktischen) Ebenen:
Die systematische Entwicklung eines praxisnahen Analysemodells für Lernkulturen 3
1 Einleitung
Die Aufgabe bzw. das Thema dieser Hausarbeit ist die Ausarbeitung von Rasteritems; sprich, diese Hausarbeit beinhaltet das Ergebnis des Gruppenarbeitsprojektes, innerhalb welchen ein Analysemodell zur Erforschung von Lernkulturen entwickelt wurde. Vorrangiges Anliegen ist es nun, dass Lernkulturinventar 1 auf Basis der Fachliteratur theoretisch rückzukoppeln; quasi wissenschaftlich fundiert zu begründen. Implizit enthalten ist in dieser Hausarbeit auch die Darstellung der Entwicklung bzw. Ableitung der Rasteritems. Innerhalb der Gruppenarbeitsphase wurde die grundlegende Frage zur Erarbeitung der Lernkulturanalyse gestellt: 'Was ist eine Lernkultur?'. Es galt abzuwägen, welche Definition die Basis der weiteren systematischen Aufarbeitung darstellen sollte. Daher wird in Kapitel 2 'Lernkultur-Definition in abstracto' zunächst eine vorläufige Definition der Lernkultur präsentiert. Grundlegend für diese sind dabei die Erkenntnisergebnisse aus dem dieser Hausarbeit vorangegangenem Seminar.
Anschließend wurde gruppenintern diskutiert, welche Operationalisierungen in dieser Lernkulturdefinition implizit herauszustellen sind. Diese wurden im Anschluss auf das Analysemodell des Gruppenarbeitsprojektes übertragen bzw. als relevante Rasteritems zur Erfassung einer Lernkultur deklariert. Die Ergebnisse dieser Arbeitsphase werden im Kapitel drei 'Das Analysemodell' dargestellt.
Speziell in diesem sowie den Folgekapiteln wird eine Einordnung in den For-schungsgegenstand und den Diskurs und/oder die theoretischen Grundlagen zur Lernkultur vorgenommen. Es findet eine grundlegende Deskription des verhandelten Gegenstandes (z.B. Raster zur Untersuchung betrieblicher Lernkultur; Ebenen von Lernkultur) statt. Im Anschluss wird der Erkenntniswert bzw. der wissenschaftliche Fortschritt, den diese Hausarbeit beitragen soll, heraus kristallisiert. Der thematische Abschluss hinsichtlich des Analyse- DerBegriff des 'Lernkulturinventars' wird bereits bei Sonntag, Schaper und Friebe appliziert 1
(Sonntag, Schaper & Friebe, 2005, S. 145 ff.).
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modells erfolgt durch eine Abstraktion. Dabei wird der Erkenntnisfortschritt aufgearbeitet und im Rahmen einiger Thesen zur systematischen Erforschung von Lernkulturen eingebunden.
Diese Hausarbeit abschließend wird in Kapitel vier ein Beitrag zur weiteren Lernkulturforschung geleistet, indem ein Ausblick auf bisher unbedachte bzw. unbeantwortete Fragen betreffs der Lernkulturen in der Erwachsenen- und Weiterbildung gegeben wird, sowie auch (noch) existierende Kontroverse tangiert werden.
2 Lernkulturdefinition in abstracto
Grundsätzlich sei zunächst die Frage gestellt: Was ist eine Lernkultur? Unter dieser können Lernumgebungen verstanden werden, die durch verschiedene Faktoren bestimmt werden und dadurch vielfältig sind. Relevant ist hierbei u.a. die Themengestaltung und die Ausprägungen von Lernkulturen bzw. von einer Lernkultur, wenn beispielsweise von einer betriebsinternen Lernkultur ausgegangen wird 2 .
Zur Entwicklung des Analysemodells, welches in dieser Hausarbeit präsentiert und erläutert wird, diente die seminarinterne Definition von Lernkultur. Dieser vorläufige Lernkulturbegriff; sprich, die Definition der verschiedenen Seminargruppen wurde über mehrere Sitzungen hinweg er- und überarbeitet sowie hinsichtlich differenter Praktiken, Dimensionen und Bezugspunkte ausgestaltet. Die folgenden Absätze ermöglichen eine Reflexion über das Ergebnis der Diskurse und Beiträge innerhalb des Seminares sowie den zugehörigen Nachbereitungsphasen. Die letzte Aktualisierung fand am 19.05.2011 statt; woraus sich eo ipso auch der seminarabschließende Erkenntnisstand konstruiert.
Die Autorin geht hierbei davon aus, dass sich in einem Unternehmen jeweils eine Lernkultur 2
konstituiert. Denkbar wäre auch die Konstellation mehrerer Lernkulturen innerhalb eines Unternehmens, wenn z.B. im Baugewerbe die Büroangestellten und die Mitarbeiter, welche vor Ort am Gebäude arbeiten, spezifisch ; sprich sich entsprechend des jeweiligen Arbeitskontextes, weiterbilden. Für welche These letztlich plädiert wird, hängt auch von der entspre- chenden bzw. verwendeten Lernkulturdefinition ab.
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„Lernkulturen sind Praktiken der Vermittlung und des Erwerbs von Wissen und Handlungsfähigkeiten im Hinblick auf die Erzielung von Lerneffekten, Methodenwahl, Arrangements und Interaktionen in pädagogischen Situationen. Sie sind von innen interpretierbar und von außen beobachtbar. Die Praktiken sind gestaltet durch alle Akteure. Dieser Gestaltung liegen Aus-handlungsprozesse zugrunde. Lernkulturen stehen somit auch für soziale (Lern-)Situationen und die Suche danach.
Dimensionen von Lernkulturen [auf der Mikroebene, M.F.] sind: Lernzeiten, Lernorte, Lernformen, … Aus Sicht der professionell gestalteten Akteure ist deren Gestaltung didaktisch und methodentheoretisch begründet, und zwar abhängig von identifizierten Lernsituationen, Wissensbeständen, Subjektverständnissen etc. Bei Selbstlernarrangements sind die Lernenden in diese Gestaltung einbezogen.
Über diese Dimensionen sind Lernkulturen einem Wandel unterworfen [bzw. wandelbar, M.F.], wobei jeweils 'neue' Lernkulturen [in der Realität, M.F.] an 'alte' anknüpfen. Bestimmte Vorstellungen von Lernkulturen können als Steuerungselement für den Wandel von EB wirken, z.B.: Subjektorientierung und Teil-nehmer/innenorientierung i.S. von Selbstsorge und individuellen Lernzielen; Kompetenzorientierung bzw. reflexive Handlungsfähigkeit als Lerneffekt … Lernkulturen sind auf vielfältige/spezifische institutionelle Kontexte bzw. Institu-tionalformen (Einrichtungen und Unternehmen) und Situationen ausrichtet. [Hier Aussage zu den verschiedenen didaktischen Ebenen von Lernkulturen und Wechselwirkungen zwischen ihnen anschließen, M.F.] … Bezugspunkt Mesoebene:
- Themenkulturen und institutionalformenspezifische Angebotsplanung, zugleich Schnittstelle für Passung Angebot und Nachfrage
- Umsetzung bildungspolitischer Steuerung und Vorstellungen organisationalen Lernens (besonders aufseiten des Bildungsmanagements) … Bezugspunkte Makroebene: Rahmungen von Lernkulturen:
- Bildungspolitische Vorgaben (situativ) und Systembildung (andauernd)
- gesamtgesellschaftliche, länderspezifische Kultur und/oder Transkultur beeinflusst Systembildung (zu Strukturen 'geronnene' kulturelle Muster, Konsens) und situative Entscheidungen bzw. Instrumente (Beispiele: spezifische Auslegungen der DQR und nationale Strategie LLL)
- Daneben politische partikulare Interessen, Lobbyismus (der sich aber auch gesellschaftsweit formiert)
… Bezugspunkte für die Schnittstelle Meso- und Makroebene:
- Gestaltung von Themenkulturen (einschließlich Schwerpunktbildungen) durch Verbände“
(Seminargruppe 1: Lernkulturbegriff. Unveröffentlichte Seminarunterlagen. Technische Universität Chemnitz, Sommersemester 2011)
Diese partitiven Definition(en) bzw. bestimmenden Faktoren einer Lernkultur immanieren bereits ein breites Spektrum an Einflussfaktoren, welche im Rahmen einer Lernkulturanalyse von relevanter Bedeutung sein können 3 . Einige Aspekte dieses umfassenden Lernkultur-Begriffes wurden daher auch verba- 3 So z.B. im zweiten Abschnitt des Zitats die benannten 'Akteure', welche eine Lernkultur maßgeblich prägen. Diese wurden auch als Rasteritem übernommen (vgl. hierzu Kapitel 3.2 'Deskription des Lernkulturinventars').
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liter in das Lernkulturinventar als Rasteritem übernommen. Ergänzungen und weitere Anregungen konnten der gängigen Fachliteratur entnommen werden. Im Hinblick auf den späteren Einsatz-/Forschungskontext des Lernkultur-Inventars bietet der Lernkultur-Begriff der Seminargruppen ebenfalls Erkenntnispotential. Im fünften Absatz lässt sich konstatieren, dass eine Lernkultur aus praktischen Blickwinkel betrachtet, innerhalb diverser Kontexten der Erwachsenen- und Weiterbildung anzutreffen ist. Der exakte Verwendungskontext des hier vorgestellten Lernkulturinventars sei unbestimmt. Dem vorangegangenen Zitat des Lernkulturbegriffs ist ebenso die Aufgliederung bzw. Ein-ordnung einiger potentieller Kriterien; sprich Rasteritems, in Bezug auf die didaktischen Ebenen zu entnehmen.
Des Weiteren flossen Erkenntnisse der zweiten Seminargruppe in die Ausarbeitungsphase des Gruppenprojektes und damit der Entwicklung des Lernkulturinventars ein (siehe folgendes Zitat). „… Relationale Bezugspunkte Mesoebene:
- Akteure, die auf der Mikroebene die Lernkulturen erleben, konstituieren
[...]
… Bezugspunkte für die Schnittstelle Mikro-, Meso- und Makroebene:
- es bestehen Wechselwirkungen zwischen den Ebenen (vgl. auch Modelle zum Mehrebenensystem der EBWB in der fachwiss. Literatur)
- die Mesoebene stellt dabei den Kristallisationspunkt für alle drei Ebenen dar“
(Seminargruppe 2: Lernkulturbegriff. Unveröffentlichte Seminarunterlagen. Technische Universität Chemnitz, Sommersemester 2011)
Wie ersichtlich wird, liegt der Fokus auf dem Versuch eine seminareigene und gruppeninterne Lernkulturdefinition zu derivieren; hier auf der Mesoebene. Begründet ist dies durch die Aufgabenteilung innerhalb des Gruppenprojekts. Zur Erläuterung des methodischen Vorgehens und als Verständnishilfe sei an dieser Stelle auf die Ausführungen zur Mesoebene als exemplarische Erläuterung verwiesen. Der Erkenntnisgewinn der abgebildeten Absätze be-
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zieht sich ebenfalls auf die didaktischen Ebenen und die dadurch spezifischen Differenzierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Kriterien einer Lernkultur; sprich Rasteritems.
Wie schon der Titel dieser Hausarbeit erkennen lässt, soll das hier entwickelte und vorgestellte Lernkulturinventar einen maßgeblichen Bezug zur Praxis bzw. praktischen Erwachsenen- sowie Weiterbildung aufweisen. In diesem Zusammenhang sei zum Abschluss dieses Kapitels noch auf die Lernkulturdefinition von Sonntag verwiesen.
„Lernkultur [ist, K.E.] ein Indikator für den Wert, der Lernen im Unternehmen zugestanden wird. In einer Lernkultur zeigen sich der Umgang mit Lernen und die Pflege des Lernens. Damit ist sie von zentraler Bedeutung für die Effektivität und den Erfolg von Lernen im Unternehmen. Unter einer Lernperspektive verfolgt eine neue, förderliche Lernkultur das Ziel der Kompetenzentwicklung. Dieses Ziel wird erreicht durch Lernprozesse auf individueller, gruppenbezogener und organisationaler Ebene. Eine Lernkultur stellt für diese Lernprozesse förderliche Rahmenbedingungen sowie neue kompetenzförderliche Lernformen bereit. Diese Rahmenbedingungen und Lernformen können als Merkmale einer unternehmensbezogenen Lernkultur betrachtet werden.“ (Sonntag, Schaber & Friebe, 2005, S. 99)
Dieses Zitat verdeutlicht (zunächst) im Weitesten, welche Einflussfaktoren auf eine Lernkultur wirken können; sprich, implizit wird die Frage beantwortet 'Was muss bei der Entwicklung eines Analyseinstruments für Lernkulturen beachtet werden?', welche Intentionen bzw. Ziele liegen einer betriebsinternen Lernkultur zugrunde und welchem Bedeutungsrahmen eine Lernkultur in der Praxis entspricht.
3 Das Analysemodell
Die folgenden Unterkapitel gliedern sich nach den systematischen Anforderungen einer fundierten Lernkulturforschung auf. Zunächst erfolgt dabei die Einordnung des Forschungsgegenstandes; sprich das Lernkulturinventar, in den Diskurs und in die theoretischen Grundlagen zu Lernkulturen in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Anschließend erfolgt eine grundlegende Deskription des Lernkulturinventars und dessen Rasteritems, um weiterhin den daraus resultierenden Erkenntniswert/-fortschritt herauszustellen. Abge- schlossen wird das dritte Kapitel 'Das Analysemodell' mit einigen Thesen
Arbeit zitieren:
Kristina Eichler, 2011, Lernkulturinventar auf drei (didaktischen) Ebenen, München, GRIN Verlag GmbH
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