Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffsdefinition und Merkmale des Matriarchats 4
3. Die Arawak und ihre Kultur 7
3.1 Die Goajiro-Arawak 7
4. Die Minangkabau und ihre Kultur 9
5. Vergleich der beiden Stammesgesellschaften 11
6. Resümee 12
Literaturangabe 14
2
1. Einleitung
Bei der Auswahl eines Themas für meine Hausarbeit im Seminar „Frauenrollen in unterschiedlichen Kulturen“ war für mich das erste Referat dieser Vorlesung ausschlaggebend. In diesem Referat ging es um die Unterschiede von Matriarchat und Patriarchat. Über Letzteres war mir persönlich mehr bekannt als über das Matriarchat. Davon ausgehend wuchs mein Interesse mich mit der Gesellschaftsform Matriarchat ausei-nanderzusetzen. Nachdem ich mir Literatur zu diesem Thema ausgesucht hatte und mir einige Begriffsdefinitionen angelesen hatte, wurde ich auf Kritik zu diesem Thema aufmerksam. Die meisten Ethnologen teilen dabei die These, dass es Gesellschaften mit „Frauenherrschaft“ nur als eine temporäre Ausnahmeerscheinung gegeben hat, nicht jedoch als stabile, dauerhafte Gesellschaftsform. Cynthia Eller geht sogar davon aus, dass es sich bei Matriarchaten um ein Wunschdenken von Anhängerinnen der Frauenbewegung handelt. In Bezug auf diese Kritik entstand der Wunsch zwei weitestgehend gut erforschte Stammesvölker, die auch heute noch existieren, näher zu betrachten. Dabei hat mich vor allem interessiert, ob die beiden Völker 1 , die ja geographisch weit voneinander entfernt sind, Gemeinsamkeiten aufweisen, sprich, matriarchale Merkmale gemein haben. Und wo in der Geschichte ihre Kulturen die Wurzeln haben. Dies stellt für mich die zentrale Fragestellung dieser Arbeit dar. Mit der gossen Distanz impliziere ich, dass beide Völker früher sehr wahrscheinlich nicht miteinander kommuniziert haben können. Wie also hat sich bei beiden Völkern eine matriarchale Struktur gebildet? Da es nach Aussagen von Ethnologen Gesellschaften mit „Frauenherrschaft“ ja scheinbar nur als eine temporäre Ausnahmeerscheinung gegeben hat. Und wenn dem so ist, was hat diese „Ausnahmeerscheinungen“ auf zwei verschiede- nenKontinenten unabhängig voneinander 2 begünstigt?
Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich zunächst einige Begriffe definieren, sowie zentrale Merkmale des Matriarchats herausarbeiten. Im zweiten Teil beschreibe ich die Kultur der Arawak und die der Minangkabau. Daran anschließend folgt der Vergleich der beiden Stammesgesellschaften basierend auf den, im ersten Teil beschriebenen, matriarchalen Merkmalen. Abschließend erfolgt ein Resümee das verschiedene Thesen beinhaltet.
1 Die Arawak in Südamerika und die Minangkabau in Indonesien.
2 Dass sie unabhängig voneinander waren setze ich hiermit einfach mal voraus. Sozusagen als These, der
ich im laufe dieser Arbeit nachgehen möchte.
3
2. Begriffsdefinition und Merkmale des Matriarchats
Das Matriarchat ist eine Gesellschaftsform, die sich von allen anderen Gesellschafts-formen dadurch unterscheidet, dass sie keine Herrschaftsstrukturen und institutionalisierte Hierarchien aufweist (Akephalie). Ein Matriarchat wird daher auch als "Regulierte Anarchie" (Max Weber, Christian Sigrist), als "Egalitäre Konsensdemokratie" (Thomas Wagner) oder auch als "Segmentäre Gesellschaft" (Emile Durkheim) bezeichnet.
Bei der Definition von Matriarchat schließe ich mich Frau Göttner-Abendroth an, die Matriarchat weder als Frauenherrschaft, noch als eine Kultur oder Gesellschaft in deren Mittelpunkt Frauen oder Mütter stehen, definiert. Denn in dieser Art gab und gibt es das nicht. Gerade matriarchale Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie herrschaftsfrei sind. 3
Die Sichtweise im Matriarchat beschreibt folgende Merkmale: Das Leben wird in Zyklen angesehen, der Glaube stellt die Wiedergeburt in die vorher bewohnten Sippe dar; Es besteht keine Hierarchie; Autorität wird durch Erfahrung erlangt; Die Natur wird als Geschenk betrachtet und als dieses auch entsprechend gewürdigt, sie wird nicht durch unnötigen Verbrauch ausgebeutet; Es besteht ein Kooperationsdenken, Entscheidungen werden gemeinsam besprochen und umgesetzt. 4
Frau Göttner-Abendroth beschreibt vier Merkmale des Matriarchats:
1. Soziale Merkmale:
Matrilinearität: oder Mutterfolge, bezeichnet in der Ethnologie, Anthropo-
logie und Biologie ein System, das die verwandtschaftlichen Verhältnisse und die sonstigen Rechtsverhältnisse, etwa in Bezug auf das Erbrecht, nur über die Abstammung von der Mutter bildet. Matrilinear gegliederte Familiensysteme weisen zum Großteil das so genannte Avunkulat auf. In diesen Systemen übernimmt der Onkel die Vaterrolle für die Kinder seiner Schwester.
Matrilokalität: ist dann gegeben, wenn die Tochter (manchmal auch der
Sohn) ihr Leben am Wohnort ihrer Mutter verbringt, auch wenn sie inzwischen erwachsen ist und selbst Kinder hat. Matrilokalität ist manch-
3 Vgl.Göttner-Abendroth 1989 S. 183f
4 Vgl. Sichtweise im Matriarchat aus: http://hannelore.org/grossegoettin/matriarchat.htm
4
mal mit der so genannten Besuchsehe verbunden, d.h. der Ehemann lebt nicht im Haus seiner Ehefrau, sondern besucht sie regelmäßig. Matrilokalität setzt Matrilinearität voraus. Aber nicht alle matrilinearen Ethnien haben matrilokale Wohnsitzregeln.
2. Politische Merkmale:
Das Gleichgewicht in matriarchalen Gesellschaften beruht auf dem poli-tischen Mittel der Konsensbildung. Dabei werden alle Entscheidungen von allen in Einigungsprozessen getroffen, die zu Einstimmigkeit führen, sowohl auf der Ebene der beiden Geschlechter und des ganzen Clans, als auch auf der Ebene des Dorfes und des Stammes. 6 Segmentäre Gesellschaft; Dieser Begriff wurde von Emile Durkheim ge-prägt und beschreibt, dass diese Gesellschaften aus mehreren, tendenziell gleichartigen und gleichrangigen Teilgebieten (Segmenten) bestehen, in denen das Abstammungselement das dominierende Ordnungsprinzip darstellt, und die sich weiter in Subsegmente verschiedener Größenordnung untergliedern (z.B. Clane in Familien). Es können mehrere gegliederte Strukturen von Gruppen verschiedener Größenordnung nebeneinander bestehen. Dieses Prinzip der Verschachtelung von Segmenten gewährleiste die weitgehende Selbstregulierung von Kooperations- und Konfliktbeziehungen ohne die Einschaltung eines permanenten staatlichen "Regulierungszentrums". Dies ermöglicht die größtmögliche Flexibilität und Dezentralisierung der politischen Organisation. 7 Es besteht Geschlechtssymmetrie, Frauen und Männer haben ver-
schiedene Wirkungsfelder inne. Die Frauen vor allem bei der Produktion und der Reproduktion, die Männer stärker in der Politik und bei der Repräsentation des Clans nach Außen. Die Kontrolle bei den zentralen In-
5 Vgl.Göttner-Abendroth 1997 S. 19 vgl. auch Rentmeister S. 220f
6 Vgl. Göttner-Abendroth 1997 S. 19
7 Vgl. Sigrist S. 39
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Arbeit zitieren:
Dipl. Sozialpädagogin (FH) Jennifer Nerlich, 2008, Vergleich zweier Matriarchate, München, GRIN Verlag GmbH
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