Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis. 1
II. Abkürzungsverzeichnis. 3
III. Abbildungsverzeichnis. 5
1. Einleitung. 6
2. Begriffsbestimmung des Mittelstandes. 10
2.1 Hintergrund und Rolle des Ratings für die mittelständischen Unte r-
nehmen. 11
2.2 Rating als Mittel zur objektiven Bonitätsbeurteilung des Unterne h-
mens. 12
2.3 Aktuelle Ratingsarten und deren Bedeutung für die Unterne hmen. 13
2.3.1 Emissionsrating - Emittentenrating 13
2.3.2 Solicited Rating- Unsolicited Rating 14
2.3.3 Debt-Rating - Equity-Rating 14
2.3.4 Auskunftsrating. 15
2.3.5 Mittelstandsrating. 15
2.4 Bankinternes versus bankinternes Rating. 15
2.5 Zusammenfassung. 18
3. Berücksichtigung der quantitativen und qualitativen Beurteilungskrite rien
beim Ratingsverfahren. 18
3.1 Soft Facts - Berücksichtigung der qualitativen Faktoren. 19
3.1.1 Qualität des Managements. 19
3.1.2 Absatzmarkt und Branchensituation. 21
3.1.3 Kundenbeziehung. 22
3.1.4 Unternehmensentwicklung. 23
3.2 Hard Facts - Berücksichtigung der quantitativen Faktoren. 24
3.2.1 Beurteilung des Jahresabschlusses. 24
3.2.2 Gesamte Vermögensverhältnisse. 28
3.2.3 Ermittlung des Ratingsergebnisses. 29
3.3 Zusammenfassung. 30
4. Basel II - Die neue Basler Eigenkapitalvereinbarung. 30
4.1 Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. 30
4.1.1 Erste Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) 31
4.1.2 Zweite Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) 32
1
4.2 Die Bestandteile des Basel II. 33
4.2.1 Säule I - Mindesteigenkapitalanforderungen. 34
4.2.1.1 Kreditrisiko. 34
4.2.1.1.1 Standarda nsatz. 36
4.2.1.1.2 IRB - Ansatz. 41
4.2.1.2 Operationelles Risiko. 46
4.2.1.3 Marktrisiko. 48
4.2.2 Säule II - Aufsichtsrechtlicher Überprüfungsprozess (Supervisory
Review Process) 49
4.2.3 Marktdisziplin. 50
4.3 Zusammenfassung. 53
5. Auswirkungen des Basel II auf das Kreditgeschäft mittelständischer Unter-
nehmen. 53
5.1 Auswirkungen auf Kunde - Bank - Beziehung. 55
5.2 Auswirkungen auf Kreditkonditionen und Kreditvergabeverha lten. 56
5.3 Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft. 58
5.4 Zusammenfassung. 60
6. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für KMU im Hinblick auf deren
zuk ünftige Liquiditätsverbesserung. 60
6.1 Sonderformen der Finanzierung mit Kreditsubstitutionscharakter. 62
6.1.1 Le asing. 62
6.1.2 Factoring. 65
6.2 Fremdfinanzierung über kapitalmarktbezogene Produkte. 67
6.2.1 Börsengang. 67
6.2.2 Corporate Bonds (Unternehmensanleihen) 69
6.2.3 Asset-Backed-Securities 70
6.3 Eigenkapitalbeteiligung - deutlicher Zuwachs im Rahmen der Gesamt-
finanzierung. 71
6.3.1 Private - Equity - Finanzierung. 72
6.3.2 Direktbeteiligung. 72
6.3.3 Mezzanine - Finanzie rung. 74
6.4 Zusammenfassung. 75
7. Fazit. 76
8. Literaturverzeichnis. 79
2
II. Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz ABS Asset-Backed-Securities AGs Aktiengesellschaften α Alpha BAKred Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen BANKR Bankrecht β Beta BIZ Bank für internationalen Zahlungsausgleich BMWI Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit BRW Benchmarkrisikogewicht BVMV Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft bzw. Beziehungsweise DM Deutsche Mark DM Default- Mode EAD Exposure at Default ECAI External Credit Assessme nt Institution EDV Elektronische Datenverarbeitung EI Exposure Indicator EU Europäische Union EUR Euro GmbHs Gesellschaften mit beschränkter Haftung γ Gammafaktor HGB Handelsgesetzbuch incl. Inclusive IRB-Ansatz Internal rating based IRB-Basisansatz Foundation internal rating based approach Fortgeschrittener IRB-Ansatz Advanced internal rating based approach KMU Kleine und mittelständische Unternehmen KG Kapitalgesellschaften KWG Kreditwesengesetz LGD Loss Given Default
3
M Effective Maturity min. Mindestens Mio. Million Mrd. Milliarde MTM Mark-to-Market PD Probability of Default RS AG Rating Services Aktiengesellschaft RW Risikogewicht sog. Sogenannte u.a. Unter anderem URA Unternehmens Ratingagentur Aktiengesellschaft usw. Und so weiter z. B. Zum Beispiel
4
III. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Größenklassifikation von Kapitalgesellschaften nach § 267 HGB.
Abbildung 2: Bonitätsbezogene Interpretation von Ratingskla ssen.
Abbildung 3: Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse.
Abbildung 4: Die drei Säulen von Basel II.
Abbildung 5: Forderungen an Staaten und deren Zentralbanken.
Abbildung 6: Kategorisierung nach der Bonität des Sitzlandes.
Abbildung 7: Verwend ung des Kraditratings einer Bank.
Abbildung 8: Forderungen an Unterne hmen.
Abbildung 9: Berechnung der Risikogewichte im IRB - Ansatz
Abbildung 10: Unterteilung der Geschäftsbereiche und Geschäftsfe lder.
Abbildung 11: Übersicht über Publizitäts- und Offenlegungsregelungen nach
Basel II.
5
1. Einleitung
Dynamische Märkte, zunehmende Globalisierung, eine wachsende Kundenmacht und immer schnellere technologische Entwicklungen sind nur einige Faktoren, die das unternehmerische Umfeld prägen. Nur jene Unternehmen, die die laufend wechselnden Anforderungen schnell umsetzen, werden aus den Chancen des ständigen Wandels profitieren können. Dazu bedarf es jedoch Instrumentarien, mit denen das komplexe Umfeld zielgerichtet und erfolgreich gesteuert werden kann. Denn nicht zuletzt haben die umfangreichen Informationsmöglichkeiten des Internets, die kritische Berichterstattung der Medien sowie ausgedehnte Verbraucherschutzbestimmungen dazu beigetragen, dass insbesondere die private Bankkundschaft die angebotenen Produkte hinsichtlich der Ausstattung und Konditionen viel genauer unter „die Lupe nimmt“, als noch vor zehn Jahren.
So führt unter anderem auch die daraus resultierende Preissensibilität der Kunden, sowie die seit einigen Jahren niedrige Zinsstrukturkurve zu einer Verschärfung des Wettbewerbs in der Bankenlandschaft, die sich letztlich in einer Reduzierung der erzielbaren Margen niederschlägt. Die in der Presse laufend vermeldeten Gewinneinbußen der einzelnen Kreditinstitute werden durch die Institute mit stark zurückgegangenen Zinseinnahmen bei gleichzeitig fortlaufenden Kosten und gestiegenem Aufwand für die Risikovorsorge begründet. 1
Gerade die Einschätzung des Kreditrisikos ist für die Banken aber von existentieller Prägnanz und bedeutet damit die Notwendigkeit einer aktiven Risikopolitik im Kreditgeschäft. 2 Die Anforderungen an die neuen technischen Systeme werden vor allem darin bestehen, einen erheblichen Beitrag zur Kostenreduzierung zu leisten und gleichzeitig die mit einem Kreditgeschäft verbundenen Risiken besser, vor allem objektiver aufzudecken. Dabei bezeichnen die mit einem Kreditgeschäft verbundenen Risiken grundsätzlich die Gefahr, dass ein Kreditnehmer seinen vereinbarten Za hlungsverpflichtungen nicht nachkommt. 3 Vor dem Hintergrund der nach wie vor beliebten Finanzierung von Konsumgütern über Ratenkredite im Privatkundengeschäft ist die vorzunehmende Risikoeinschätzung von besonderer Bedeutung. 4 Ende 1998
1 Vgl. o.V.: (Einbußen, 2002), S. 33.
2 Vgl. Büschgen, Hans E. (1998), S. 939.
3 Vgl. Blochwitz, S./Eigermann, J. (2001), S. 84.
4 Vgl. o.V.: (Wachstum, 1998), S. 16.
6
betrug das Volumen der Konsumentenkredite in der Bundesrepublik Deutschland 399,673 Milliarden DM (204,350 Mrd. EUR), eine Steigerung von 7,8 Prozent gegenüber Ende 1995. 5 Für die 37,5 Millionen Haushalte (Stand: Ende 1998) bedeutet dies eine durchschnittliche Schuldenbelastung aus Konsumentenkrediten in Höhe von 10.649 DM (5.450 EUR). 6 Gleichzeitig gibt es in der Bundesrepublik Deutschland jedoch zur Zeit 2,6 Millionen überschuldete Hausha lte (Stand: 02/2002). 7
Gerade darin besteht für die Kreditinstitute die Herausforderung, Privatkunden bereits zum Zeitpunkt der Kreditantragstellung unter Risikogesichtspunkten so beurteilen zu können, dass die Anzahl der im Nachhinein zahlungsunfähig gewordenen Kreditnehmer möglichst gering bleibt. Neben der notwendigen Risikoeinschätzung eines Kreditantragstellers zwingt auch die größere Anzahl der zu bearbeitenden Kreditne uanträge zur Durchsetzung von Rationalisierungsmaßnahmen. 8
Schon in naher Zukunft wird sich für die gewerblichen Kunden der Kreditinstitute bei der Kreditvergabe einiges ändern. Die bloße Vorlage von Jahresabschlüssen reicht dann als Basis für eine Kreditvergabe nicht mehr aus. Denn über rein quantitative und in die Vergangenheit blickende Informationen hinaus müssen Kreditinstitute zukünftig in erheblichem Umfang zukunftsorientierte und qualitative Faktoren in ihre Kreditentscheidungen einfließen lassen. Dies ist die Folge des zweiten Konsultationspapiers des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht („Basel II“).
Mit dem zweiten vorliegenden Konsultationspapier strebt der Basler Ausschuss eine Verfeinerung hinsichtlich der Bewertung von Kreditrisiken durch Ratings an. Zukünftig soll die Ermittlung der vorzuhaltenden Eigenkapitalhöhe zur Kreditrisikodeckung bei Banken stärker als bisher auf die tatsächliche Bonität des Schuldners ausgerichtet werden. Es werden also beide Seiten in Zukunft bei der Kreditvergabe mit neuen Anforderungen konfrontiert. Die Kreditnehmer mit überdurchschnittlich gutem Kreditrisikoportfolio müssen daher weniger Eigenkapital als Puffer gegen unerwartete Verluste nachweisen. Für die Banken sind damit starke Anreize geschaffen, Ris iken besser zu identifizieren, zu differenzieren und zu steuern, um so das Kreditvolumen, Eigenkapitalrendite und schließlich den Gewinn zu steigern. Aus diesem Grund
5 Vgl. o.V.: (Konsum, 1999), S. 41.
6 Vgl. o.V.: (Konsum, 1999), S. 41.
7 Vgl. Gräber; B. (2002), S. 32.
8 Vgl. Ingerling, R. (1980), S. 1.
7
soll die Menge des Eigenkapitals, das vorgehalten werden muss, zukünftig an der Risikohöhe ausgerichtet werden.
Allerdings wird dadurch für viele Unternehmen vor allem in risikobehafteten Branchen die Kreditfinanzierung nahezu unerschwinglich. Dank Basel II werden sich zukünftig besonders die jungen innovativen Unternehmen und Unternehmensgründer statt für die Kredite, viel stärker als bisher für alternative Finanzierungsformen z. B. Leasing oder Direktbeteiligung interessieren.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es herauszustellen, warum und in welcher Weise dem Basel II in der letzten Zeit eine solche Bedeutung zugemessen wird und inwieweit Basel II Auswirkungen auf die mittelständischen Unternehmen hat. In diesem Zusammenhang sollen die zu erwartenden Auswirkungen von Basel II bei Kreditinstituten und mittelständischen Unternehmen herausgearbeitet und spezifische Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung entwickelt werden, die auf eine Verbesserung der Liquidität mittelständischer Unternehmen abzielen. Des Weiteren soll untersucht werden, ob die Behauptungen hinsichtlich der Verteuerung der Kreditversorgung für mittelständische Unternehmen mit der Implementierung des Basel II im Jahre 2006 zutreffen.
Im zweiten Kapitel wird zunächst der Begriff Rating erläutert. Basel II ermöglicht den Banken die Kreditrisiken durch zwei Ratingsverfahren zu bewerten. Zum Einen durch ein internes Rating der Bankkunden, zum Anderen durch externes Rating der Kreditnehmer. Ziel soll es auch sein, dass die Banken durch Basel II zu einer Stabilität des internationalen Finanzsystems beitragen. Denn, je weiter entwickelt und ausgefeilter das Ratingsystem der Banken ist, desto risikoadäquater können sie ihre Preispolitik gestalten und desto geringer werden ihre erwarteten Verluste ausfa llen. Nach der kurzen Darstellung verschiedener Ausgestaltungsformen und der Ratinsymbolik wird die Bedeutung des Ratings für das Kreditrisikomanagement der Banken erläutert. Es wird demnach auf die wesentlichen Unterschiede zwischen internen und externen Ratings eingegangen, um deren Vorteile und Schwachpunkte aufzudecken.
Im dritten Kapitel wird die Einbeziehung von qualitativen und quantitativen Beurteilungskriterien dargestellt, die ausreichende Aussagekraft des Ratings beeinflussen und die für die Durchführung des Ratingsverfahrens notwendig und erforderlich sind.
8
Im vierten Kapitel werden Bestimmungen von Basel I und Basel II erläutert und wesentliche Kritikpunkte von Basel I genannt. Da aber Basel I den Herausforderungen nicht mehr gerecht werden konnte, führte dies zur einer Überarbeitung der Eigenkapitalübereinkunft mit dem Ziel, die Sicherheit und Stabilität des Finanzsystems weiterhin zu gewährleisten und weiterzuentwickeln sowie die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern. Anschließend folgt eine Darstellung weiterer Ziele, die zu Basel II führten sowie die vom Basler Ausschuss vorgeschlagenen Methoden, die es den Kreditinstituten erlauben, auf eigene Schätzungen der Risikoparameter zurückzugreifen.
Im fünften Kapitel werden Chancen und Problemfelder der Kreditinstitute analysiert und kritisch erläutert. Es wird der Frage nachgegangen, was sich tatsächlich durch Basel II für den Kunden und die Bank hinsichtlich des Ratings ändert, und zu welchen Auswirkungen dies im Bezug auf das Kreditvergabeverhalten und das Verhältnis „Kunde-Bank“ führt.
Im sechsten Kapitel werden mögliche Auswirkungen von Basel II auf zukünftige Finanzierungssituation der mittelständischen Unternehmen untersucht. Zu dem sollen alternative Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen in Betracht gezogen werden, denen zukünftig von den Kreditnehmern größere Bedeutung beigemessen wird.
Die Arbeit schließt mit einem Fazit, welches das Thema noch einmal reflektiert und einen Ausblick für die Zukunft gibt.
9
2. Begriffsbestimmung des Mittelstandes
Mittelständische Unternehmen besitzen eine herausragende Position auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene und liefern somit einen entscheidenden Be itrag zur Wettbewerbsentwicklung und Wachstumsentwicklung der deutschen Wirtschaft. Für den Mittelstand - auch als „KMU“ (kleine und mittelständische Unternehmen) bezeichnet - gibt es in der Literatur keine allgemein gültige Definition. Da jedoch kaum ein Schlagwort in der aktuellen Debatte um Basel II so häufig verwendet wird, ist es in der Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig zu wissen, was eigentlich kleine und mittelständische Unternehmen auszeichnet.
Die Europäische Kommission hat für eine Definition für „kleine und mittelständ ische Unternehmen“ einen Vorschlag gemacht, der für den Begriff Mittelstand angesehen werden kann. 9 Nach Ansicht der Europäischen Kommission gehören in die Kategorie kleine und mittelständische Unternehmen Unternehmen, die einen Jahresumsatz von höchstens 40 Mio. EUR, eine Bilanzsumme von höchstens 27 Mio. EUR und weniger als 250 Beschäftigte aufweisen, sofern sich nicht zu 25% oder mehr im Besitz eines oder mehrerer anderer Unternehmen befinden, die nicht unter die KMU - Definition fallen. Aus dieser Untersuchung folgt die Definition, dass die Höhe der Bilanzsumme, Umsatz und Arbeitnehmeranzahl zur Größenklassifizierung herangezogen wird.
Eine derartige Größenklassifizierung ist im HGB (siehe nachfolgende Abbildung 1) dargestellt. Der § 267 HGB 10 enthält die Einteilung von Kapitalgesellschaften nach den Kriterien, die der Abbildung 1 wie folgt zu entnehmen sind:
Abbildung 1: Größenklassifikation von Kapitalgesellschaften nach § 267 HGB
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an den § 267 HGB.
Anhand dieser verschiedenen Definitionsansätze lässt sich feststellen, wie umstritten
9 Vgl. Europäische Gemeinschaften (1996).
10 Vgl. HGB (Stand: 04.Februar, 2003).
10
der Begriff des mittelständischen Unternehmens diskutiert wird. Mittelständ ische Unternehmen sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass der Unternehmer meist die volle und alleinige Verantwortung trägt und die Leitung des Unternehmens übernimmt. Aufgrund der umstrittenen Definition des mittelständischen Unternehmens ist es daher unabdingbar, neben den quantitativen Merkmalen wie Umsatz, Bilanzsumme oder der Mitarbeiterzahl eines Unternehmens auch die qualitative Merkmale wie Rechtsform, 11 Unternehmensführung, Eigentumsverhältnisse zur Beurteilung zu betrachten.
In Deutschland sind derzeit vor allem die Einzelunternehmen und Personengesellschaften als meistverbreitete Rechtsformen vorhanden. Es lässt sich dabei eine Entwicklungstendenz stärker zur Kapitalgesellschaften, insbesondere zu Gesellscha ften mit beschränkter Haftung beobachten, da dies mit der sinkenden Bereitschaft der Haftungsübernahme zu begründen ist.
2.1 Hintergrund und Rolle des Ratings für die mittelständischen Unterne hmen Mittelständische Unternehmen sind die entscheidenden Leistungsträger unserer Volkswirtschaft und stellen die Mehrzahl der Arbeitsplätze zur Verfügung.
Bei der Finanzierung sind die Banken ein wichtiger Partner vor allem für die mittelständischen Unternehmen, weil diese für Kredite, die sie ihren Kunden gewähren, Eigenkapital vorhalten. Die Anteilseigner (Aktionäre) der Bank erwarten für ihre Anlagen, die sie der Bank als Eigenkapital zur Verfügung stellen, gute Renditen. Die Eigenkapitalrichtlinien für international tätige Banken waren bislang pauschal geregelt. Demnach mussten Ba nken 8% ihrer Kreditrisiken mit Eigenkapital unterlegen. 12 Hier erfolgte keine Differenzierung, wie gut der Bankkunde und dessen Kreditrisiko, das heißt die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde die eingeräumten Kredite ordnungsgemäß zurückzahlt, eingeschätzt wurde. Deshalb arbeitet seit mehr als zehn Jahren der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (vergleiche dazu das Kapitel 4.1) an einer risikogerechteren Ausgestaltung der Eigenkapitalrichtlinien für Banken. Nunmehr verabschiedete dieser Ausschuss eine grundlegende Reform für die Eigenkapi-talvorschriften der Banken, die voraussichtlich erst 2006 in Kraft tritt. Ziel dieser Re-
11 Vgl.Keiner, T. (2001), S.95 f.
12 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 21.
11
form ist es, Unternehmen, die Bankkredite erhalten, differenzierter zu beurteilen. Denn sowohl die Bonitätseinstufung, als auch der Analysenaufwand erhalten Einfluss auf die Eigenkapitalunterlegung. Das bedeutet, je anspruchsvoller das Prüfungsve rfahren und je genauer die Risikokontrolle, desto weniger ist Eigenkapital notwendig und erforderlich. 13
Die Bonität eines Kreditnehmers, die gestellten Sicherheiten und die Erfahrungen der Bank mit dem Kunden fließen in eine Gesamtrisikobewertung ein, das sogenannte Rating.
2.2 Rating als Mittel zur objektiven Bonitätsbeurteilung des Unternehmens Rating wird im deutschen Sprachgebrauch in vielfacher Weise verwendet. 14 Das Rating im hier verwandten Sinne soll allerdings dem des englischen Begriffs „Credit-Rating“ entsprechen und die Beurteilung von Kreditrisiken umfassen. Ein R ating stellt somit eine Aussage von Analysten über die Fähigkeit eines Schuldners dar, finanzielle Verpflichtungen termingerecht und vollständig erfüllen zu können. Dabei geht es insbesondere um die Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten über den Eintritt von Leistungs- und Zahlungsstörungen während der Kreditlaufzeit. 15
Das Rating kann auch als Beno tungssystem für ein Unternehmen bezeichnet werden. Anhand des Ratings erkennt die Bank, wie viel „teures“ Eigenkapital sie für den jeweiligen Kredit vorhalten muss: Für Unternehmen mit guter Bonität und einem guten Ratingwert muss die Bank weniger Eigenkapital, für Unternehmen mit schlechter Bonität und einem schlechten Ratingwert mehr Eigenkapital vorhalten.
Im Allgemeinen werden die einzelnen Ratingseinstufungen durch Buchstabenkomb inationen beschrieben. Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt die verschiedenen R atingsklassen und gibt die Interpretation bezüglich der Bonität des Unternehmens wieder. An der Spitze steht generell die Buchstabenkombination „AAA“ und stellt die Bestnote im langfristigen Bereich, die ausschließlich an Finanztitel höchster Qualität vergeben werden. Die Ratingsklasse D (default = Ausfall) drückt aus, dass der
13 Vgl. Vera, A. (2002), S. 30.
14 Vgl. Kübler, F. (1997), S. 118.
15 Vgl. Munsch, M./Weiß, B. (2000), S. 11.
12
Schuldner seinen vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Zur Differenzierung innerhalb der Ratingsklassen werden Plus- bzw. Minuszeichen verwendet.
Abbildung 2: Bonitätsbezogene Interpretation von Ratingsklassen
Quelle: Munsch, M./Weiß, B. (2001), S. 18.
2.3 Aktuelle Ratinsgarten und deren Bedeutung für die Unternehmen Im Nachfolgenden Text werden kurz die verschiedenen Ratingsarten vorgestellt und erläutert.
2.3.1 Emissionsrating - Emittentenrating
Emissionsratings beziehen sich auf einzelne Finanztitel wie z.B. auf Emissionen von Schuldverschreibungen. Wenn also eine Bank in eine bestimmte Emission investiert, die ein emissionsspezifisches Rating besitzt, dann wird das Risikogewicht der Forderungen auf diesem Emissionsrating basieren.
Sie sind auf internationalen Kapitalmärkten ein ent scheidendes Instrument, um potenziellen Investoren die Qualität einzelner Finanztitel vermitteln zu können. Gemeint ist hier die Fähigkeit und rechtliche Bindung eines Schuldners, Zins sowie Tilgung
13
einer bestimmten Schuldverschreibung ordnungsgemäß leisten zu können. 16 Das bedeutet, dass verschiedene Schuldverschreibungen desselben Emittenten ein jeweils unterschiedliches Rating haben können. Entscheidende Eigenschaft für die Beurteilung der Schuldverschreibung ist z. B. die Besicherung, da sie die Schwere eines Ausfalls im Insolvenzfall wesentlich bestimmt.
Im Gegensatz zu den Emissionsratings beziehen sich die Emittentenratings nicht auf einzelne Finanztitel, sondern auf eine Klasse von Finanzinstrumenten eines Emittenten. 17 Sie drücken die generelle Fähigkeit eines Unternehmens aus, seinen Zahlungsverpflichtungen termingerecht nachzukommen. 18 Damit bilden sie eine wichtige Grundlage für die Beurteilung von Emissionsratings.
2.3.2 Solicited Rating - Unsolicited Rating
Solicited Rating hat die Eigenschaft, dass die Initiative direkt von dem zu bewertenden Unternehmen geht und ein Auftrag zur Durchführung eines Ratings von dem Unternehmen erteilt wurde. Bei den unsolicited Ratings hingegen geht die Initiative nicht von dem zu bewertenden Unternehmen, sondern direkt von einer Ratingagentur oder einem Investor aus. Für diese Form des Ratings können dann ausschließlich ve röffentlichte Informationen (wie etwa aktuelle Jahresabschlüsse) verarbeitet werden. 19
2.3.3 Debt-Rating - Equity-Rating
Während Debt-Ratings auf Fremdkapitalinstrumente ausgerichtet sind, zielen Equity-Ratings auf die Bewertung von Eigenkapitaltiteln ab. Das Debt-Rating konzentriert sich auf die Beurteilung der Bonität des Unternehmens im Sinne einer Kreditvergabe. Das Equity-Rating hingegen gibt dem Investor die Auskunft über sein Investitionsentwicklungspotential sowie Stabilität der Gewinne. 20
16 Vgl. Büschgen, Hans E./Everling, O. (1996), S. 34.
17 Vgl. Büschgen, Hans E./Everling, O. (1996), S. 34.
18 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 51 f.
19 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 52.
20 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 52.
14
2.3.4 Auskunftsrating
Derartige Form des Ratings findet vor allem bei den kurzfristigen Finanztransaktionen wie z. B. Leasing, Factoring, sowie für die Kreditprüfung bei den Lieferantenkrediten die Anwendung und werden ohne Beauftragung des analysierten Unterne hmens durchgeführt. Die Initiative geht von einer Wir tschaftsauskunftei, die die von ihr durchgeführten Bonitätsschätzungen an Dritte veräußert. Bei der Erstellung der Bonitätsschätzung durch die Wirtschaftsauskunftei spielen besonders öffentlich zugängliche Informationen und Daten über die Struktur eines Unterne hmens wie z. B. Rechtsform, Branche, Jahresabschlußdaten eine grundlegende Ro lle. 21
2.3.5 Mittelstandsrating
Untersuchungsobjekte dieser Bewertungen sind die mittelständischen Unternehmen. Eine genaue Definition des Begriffs Mittelstandsrating ist nicht möglich, da es dazu zu viele Interpretationsansätze geben kann, die vom jeweiligen Standpunkt des Be trachters auch sinnvoll und richtig sein können. 22 Sollten in der Zukunft für die mittelständischen Unternehmen, unter der Annahme, dass die Fremdfinanzierung über den Kapitalmarkt oder kurzfristigen Papieren von Interesse sein, wird es auch für die Ratingagenturen neue Ansatzpunkte geben. Dies gilt genauso auch für die mittelständ ischen Unternehmen, die sich zur Börsenvorbereitung einem Rating unterziehen. Mit-telstandsratings haben letztendlich das Ziel, zuverlässige und statistisch gültige Ausfallwahrscheinlichkeiten zu begründen.
Die vorgestellten und erläuterten Ratingsarten verfolgen alle ein gemeinsames Ziel, und zwar die Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeiten von Schuldnern. Sie unterscheiden sich lediglich durch die Art und Menge der einfließenden D aten, die zur Bonitätseinstufung für die Ratingsklassen dienen, was sich jeweils auf die Beurteilungsqualität und Beurteilungsaussagekraft auswirkt.
2.4 Bankinternes versus bankexternes Rating
Die Einbeziehung von Ratings in die Begrenzung von Ausfallrisiken im Kreditgeschäft bildet den Schwerpunkt der geplanten Neuregelungen der Bankenaufsicht ab
21 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 53.
22 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 53 f.
15
dem Jahre 2006. Das neue Regelwerk überlässt den Banken die Wahl, für die Bestimmung der Eigenkapitalanforderungen auf externe Ratings zurückzugreifen oder ein eigenes internes System zu verwenden. Es besteht also die Möglichkeit, beide Ratings gleichberechtigt in Anspruch zu nehmen.
Externe Ratings werden auf die Initiative des analysierten Unternehmens durch unabhängige Ratingagenturen erstellt. Mit den externen Ratings lassen sich verschiedene Effekte erzielen. Als wichtigster Effekt ist die Erweiterung des Fremdkapitalgeberkreises über Banken hinaus zu nennen. Ein gutes externes Rating sendet außerdem positive Signale an die Stakeholder aus. Infolgedessen schafft es eine verbesserte In-formationspolitik sowie günstigere Konditionen der Fremdkapitalaufnahme. 23 Die bekanntesten Anbieter von externen Ratings sind die Age nturen Standard & Poor’s und Moody’s, die sich vor allem auf das Rating von Großunternehmen konzentrieren und diese beurteilen. 24
Die Marktdurchdringung externer Ratings ist in Deutschland bislang gering. In den letzten Jahren sind daher in Deutschland einige Ratingagenturen gegründet worden, die sich auf das Rating mittelständis cher Unternehmen spezialisiert haben. Die bekanntesten deutschen Ratingagenturen sind die Rating Services Aktiengesellschaft (RS AG) oder die Münchner Unternehmens Ratingagentur Aktiengesellschaft (URA AG). Da die Fortentwicklung dieser Agenturen in Deutschland langsam v orangeht und bis die Ratings dieser neuen Agenturen auf dem Markt vollständig akzeptiert werden, ist ein Rating durch diese Agenturen nur beschräkt empfehlenswert. 25 Der Grund dafür ist, dass deren Einsatz bei der Kapitalbeschaffung wegen mangelnder Akzeptanz solcher Ratingagenturen in der Regel keinen Vorteil bringt. Ob sich Ba nken in Zukunft vor allem auf externe Ratings verlassen können oder parallel zueinander auch interne Ratings durchführen müssen, bleibt abzuwarten. 26
Im Gegensatz zum externen geht beim internen Rating die Initiative zur Beurteilung der Unternehmen (und damit auch der Kreditrisiken) allein vom Kreditinstitut aus. 27 Bei dem internen Rating werden verschiedene Risikofaktoren bei einem Kredit ind i-
23 Vgl.Steiner, M./Starbatty, N. (2001), S. 262.
24 Vgl. Everling, O. (1989), S. 673 ff.
25 Vgl. Monro-Davies, R. (1996), S. 179.
26 Vgl. Mestre, G. del (2001), S. 59.
27 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 55.
16
viduell erfasst und bewertet. Die einzelnen Einschätzungen werden dann in einer einzigen Bewertung zusammengefasst. Das heißt, die Banken nehmen eine Art Benotung vor, die sich im Wesentlichen auf die Risikoklassifizierung der international führenden Ratingagenturen stützt. Je nach Note werden die entsprechenden Konditionen an die Kreditnehmer vergeben.
Interne Ratings liefern gegenüber den externen Ratings die bessere Kundeninformationen, weil die Banken die Möglichkeit erhalten, in die Kontodateninformationen und Sicherheitensitua tion eines Unternehmens Einsicht zu nehmen. Außerdem haben die Kreditinstitute durch die zum Teil bereits seit vielen Jahren bestehende Geschäftsve rbindung ein umfassendes Wissen über ihre Kunden. Der sich aus diesen Beziehungen ergebende Informationsvorsprung ist externen Ratingagenturen nicht oder nur kaum zugänglich. Ein weiterer Vorteil bankinterner Ratings besteht darin, dass diese ein erheblich größeres Spektrum von mittelständischen Unternehmen abdecken als externe Ratingsysteme, die nicht zum Kundenkreis der großen Ratingagenturen wie etwa Moody’s oder Standard & Poor’s gehören. 28
Während interne Ratings aufgrund des Bankgeheimnisses grundsätzlich nicht für die Veröffentlichung bestimmt sind, liegt der Hauptbeweggrund für ein externes Rating in seine r öffentlichen Verfügbarkeit. Die Ratings der Agenturen können also kostenlos der Fachpresse entnommen werden. Gleichzeitig haben sie den Vo rteil wesentlich zeitnaher zur Kreditentscheidung erstellt werden zu können als externe Ratings. 29 Der weitere wesentliche Unterschied zwischen dem internen und externen Rating besteht im Kostenpunkt. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig interne Ratings für das Unternehmen regelmäßig weitaus günstiger sein werden als externe Ratings, d eren Preisspanne bei 5.000 EUR beginnt und besonders bei den großen internationalen Ratingagenturen Preise von 50.000 bis 60.000 EUR erreicht. 30
Weder für externe noch für interne Ratings existieren in Deutschland bislang gesetzliche Grundlagen. Im Rahmen der Einführung von Basel II sieht die Europäische Kommission jedoch vor, dass für die Anerkennung von Ratingagenturen und Bankratings durch die nationale Bankenaufsicht kontrolliert werden soll, ob die Kriterien
28 Vgl. Keiner, T. (2001), S. 138 f.
29 Vgl. Biegert, W. (12.10.2001).
30 Vgl. Deutsche Bank AG (Hrsg., 2001a), S. 9.
17
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Azra Huskic, 2003, Basel II - Wandel der Kreditfinanzierung / Ändern sich die Finanzierungsbedingungen für die mittelständischen Unternehmen?, München, GRIN Verlag GmbH
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