ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) - Inhaltsverzeichnis
Definition und Häufigkeit. 4
Definition. 4
H äufigkeit. 4
Ursachen und Risikofaktoren 4
Ursachen 4
Risikofaktoren. 5
Formen und Klassifizierung 5
Hyperaktiv -impulsiver Typ 5
Unaufmerksamer Typ ("Träumertyp") 6
Kombinierter Typ 6
Pathophysiologie 6
Folgen. 7
Symptomatik 7
S äuglingsalter. 7
Kleinkind - und Kindergartenalter 7
Grundschulalter 7
Pubert ät 8
Erwachsenenalter. 8
Komplikationen und Folgeerkrankungen 8
Verlauf 8
H äufig gleichzeitig vorliegende Erkrankungen (Komorbiditäten) 8
Diagnostik 9
Verdachtserhärtung 9
Diagnosestellung 9
Psychologische Diagnostik. 10
Apparative Diagnostik 10
Differenzialdiagnostik 10
Ern ährungstherapie 10
Einfluss der Ernährungsweise auf ADHS. 11
Feingold -Diät (Kaiser-Permanente-Diät/ K-P-Diät ) 12
Hafer -Diät (phosphatarme Diät nach Hafer) 13
Oligoantigene Diät 15
Omega -3-Fettsäuren 16
Zink 17
Eisen. 17
Magnesium 17
Zucker 17
Medikament öse Therapie 18
Überblick. 18
Psychologische Therapie. 20
Verhaltenstherapie (kognitives Modellieren) 20
Elterntraining 20
Soziales Kompetenztraining. 21
Besch äftigungstherapie 21
Hom öopathische Therapie. 21
Literatur. 22
Klassifikationsschema nach DSM IV 24
Klassifikationsschema nach ICD-10 26
Wender -Utah-Diagnosekriterien 28
Wender -Utha-Rating-Scale (WURS-k) 30
Conners Skala 31
Definition und Häufigkeit
Synonyme
x teilweise wird statt "Störung" auch der Begriff "Syndrom" verwendet x Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) x Hyperkinetische Störung (HKS) x schweiz.: Psychoorganisches Syndrom (POS)
x engl.: attention deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) oder attention deficit disorder (ADD)
Definition
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung wird definiert als eine Störung des Dopaminstoffwechsels mit den wesentlichen Merkmalen
x Störung der Aufmerksamkeit mit einem Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden; x unruhiges Verhalten insbesondere mit der Unfähigkeit, stillsitzen zu können; x Impulsivität z. B. mit abrupten motorischen und/ oder verbalen Aktionen, die nicht in den sozialen Kontext passen.
Häufigkeit
Die Häufigkeit von ADHS in der Bevölkerung abzuschätzen gestaltet sich schwierig, da sich die Diagnose nicht anhand von Laborparametern stellen lässt, sondern eher auf dem subjektiven Empfinden des befragten Personenkreises (Eltern, Erzieher, Lehrer) beruht. Eine einwandfreie Abgrenzung zwischen "normal" und "krank" gibt es nicht. Die verwendeten Diagnosesysteme sind unterschiedlich streng formuliert und enthalten teilweise unpräzise Formulierungen wie "selten", "häufig" oder "oft". Nach den DSM-IV-Kriterien sind wesentlich mehr Kinder von ADHS betroffen als nach den ICD-10-Kriterien, da auch Subtypen ohne Hyperaktivität einbezogen werden.
Laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts weisen etwa 4,8% der Kinder und Jugendlichen ein ärztlich oder psychologisch diagnostiziertes ADHS auf. Hierbei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen [Sch07]. Ausgehend von der Annahme, dass besonders Mädchen eher den wesentlich unauffälligeren "Träumertyp" ohne Hyperaktivität (nach DSM-IV) zeigen, dürfte das Geschlechterverhältnis wahrscheinlich eher ausgeglichen sein. Innerhalb der Altersgruppen steigt die Häufigkeit vom Vorschulalter bis zum Beginn der Pubertät und fällt anschließend wieder [Sch07]. Da bei etwa 33 bis 50% die Krankheit bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt, schätzen Experten die Häufigkeit hier auf etwa 1 bis 2,5% [Sob04].
Ursachen und Risikofaktoren
Ursachen
Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Das Störungsbild ist jedoch nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen, sondern multifaktoriell bedingt. Es treten genetische und von anderen Faktoren mit beeinflusste Entwicklungsabweichungen unterschiedlicher zentralnervöser Regelkreise auf, wie x der Steuerung der Aufmerksamkeit x der Steuerung der Motorik (Bewegung) x der Steuerung der Impulskontrolle
Genetische Faktoren
Aus Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien geht hervor, dass genetische Faktoren maßgeblich am Auftreten der Krankheit beteiligt sind. Schätzungsweise zwischen 65 und 90% sind durch genetische Abweichungen gekennzeichnet. Ursache hierfür sind vermutlich Polymorphismen in verschiedenen Genen. Gut belegt ist beispielsweise die Bedeutung der Dopamin-Rezeptor-Gene DRD-4 und DRD-5 sowie des Dopamin-Transporter-Gens DAT1-10 [Hei04]. Diese Gene sind für die Bildung der Dopamin-Rezeptoren verantwortlich, die wiederum die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin gewährleisten. So sind für diese Gene Polymorphismen (Genvarianten, die bei mehr als 1% der Bevölkerung vorliegen) bekannt, die zu einer geringeren Konzentration an Dopamin im synaptischen Spalt bzw. zu einer geringeren Reizübertragungsfähigkeit führen. Derartige Polymorphismen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und erhöhen das Risiko jeweils nur gering. Das Auftreten von ADHS ist zudem nicht auf die Veränderung eines einzelnen Gens zurückzuführen.
Risikofaktoren
Exogene Faktoren
x Rauchen und/ oder Alkohol während der Schwangerschaft
x Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen (möglicherweise spielen anhaltende hypoxische Zustände eine Rolle) x niedriges Geburtsgewicht
x Infektionen (besonders während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder in der frühen Kindheit) x Toxine (z. B. Benzodiazepin- oder Nikotinexposition während der Schwangerschaft) x ZNS-Erkrankungen und -verletzungen
x ungünstige psychosoziale Bedingungen (z.B. niedriger sozialer Status, problematische Familienverhältnisse, wenige Bezugspersonen)
x Vernachlässigung in der Erziehung (ist insbesondere symptomverstärkend) x Erkrankungen
Ernährungsfaktoren
x ein Mangel an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren)
x ein niedriger Serumspiegel an Zink, Eisen und/ oder Magnesium
x ein hoher Konsum von Zusatzstoffen, insbesondere von künstlichen Farbstoffen und Benzoaten x eine zuckerreiche Kost
Formen und Klassifizierung
Bei der Klassifizierung nach DSM-IV werden je nach Vorliegen einer Hyperaktivität drei Typen unterschieden:
Hyperaktiv-impulsiver Typ
x Patient zeigt vorwiegend Anzeichen von Hyperaktivität und Impulsivität
x wird überwiegend bei Jungs beobachtet
Unaufmerksamer Typ ("Träumertyp")
x Patient zeigt vorwiegend Aufmerksamkeitsstörungen
x wird überwiegend bei Mädchen beobachtet
Kombinierter Typ
x es liegen sowohl Zeichen der Hyperkativität, Impulsivität wie auch einer Aufmerksamkeitsstörung vor
Pathophysiologie
Die Entwicklung einer ADHS ist höchstwahrscheinlich ein Zusammenspiel aus neurobiologischen, genetischen sowie psychosozialen Faktoren.
Im Vergleich zu Gesunden weist ein Großteil der Kinder mit ADHS eine erhöhte Bindungskapazität (bis zu 70%) des Dopamintransporters (DAT) auf. Dies ist vermutlich auf eine genetisch bedingte erhöhte Produktion des Transporters zurückzuführen. Der Neurotransmitter Dopamin wird daher verstärkt wieder in die präsynaptische Zelle aufgenommen und steht nur in geringer Konzentration für die Reizweiterleitung zur Verfügung. Anders als bei anderen Dopaminmangelerkrankungen, wie beispielsweise Morbus Parkinson, liegt hier also keine gestörte Dopaminbildung vor. Der Wirkstoff Methylphenidat hemmt dieses Transportsystem und erhöht so die Konzentration von Dopamin im synaptischen Spalt.
Neben dem Transportsystem kann auch ein Defekt des Dopaminrezeptors vorliegen. Hierdurch kann der Botenstoff nur unzureichend an die Zielzelle andocken und Signale weiterleiten.
Im Gehirn sind zudem verschiedene strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten zu beobachten. Betroffen hiervon sind unter anderem die Hirnrinde sowie das Kleinhirn.
Folgen
Häufig sind die aufmerksamkeitsabhängigen Informationsverarbeitungsprozesse beeinträchtigt. Die motorischen Vorbereitungsprozesse werden vorzeitig aktiviert und beeinflussen die sensorische Verarbeitung, was sich in einer mangelnden Handlungskontrolle bemerkbar macht.
Die Leistungen des Betroffenen sind schlecht. Ein spezifisches neuropsychologisches Profil gibt es jedoch nicht. Die mangelnde Impulskontrolle kann Folge weiterer Beeinträchtigungen sein, wie zum Beispiel der mangelnden initialen Aufmerksamkeitsorientierung oder Störungen des Arbeitsgedächtnisses.
Symptomatik
Die im Folgenden aufgelisteten Symptome begründen lediglich den Verdacht auf ADHS, dürfen jedoch nicht als alleiniges Diagnosekriterium dienen.
Säuglingsalter
x langanhaltende Schreiphasen (die häufig nur durch Körperkontakt und Herumtragen gelöst werden können)
x häufige schlechte Laune sowie Trotzphasen x motorische Unruhe x Ess- und Schlafprobleme
x mitunter auch Ablehnung von Körperkontakt (Kuscheln)
Kleinkind- und Kindergartenalter
x Plan- und Rastlosigkeit
x schnelle, häufige und unvorhersehbare Handlungssprünge x sehr frühzeitige oder verzögerte Sprachentwicklung x geringe Ausdauer beim Spielen x ausgeprägte Trotzreaktionen
x unberechenbares Sozialverhalten (Kontaktschwierigkeiten; kurzweilige, häufig wechselnde Freundschaften; Isolation)
x Teilleistungsschwächen beim Hören, Sehen, in der Fein- und Grobmotorik x vermehrte Unfall- und Selbstverletzungsgefahr
Grundschulalter
x häufiges Missachten von Regeln aus dem familiären und sozialen Umfeld
x Unaufmerksamkeit, schnell ablenkbar, Konzentrationsschwäche x unruhiges Verhalten, "Zappeligkeit", Unvermögen stillzusitzen
x mangelnde Organisation, planlose Handlungsabläufe, unzureichende Konzentration auf eine Tätigkeit, Neigung verschiedene Aufgaben gleichzeitig bewältigen zu wollen, ohne diese ausreichend zu beenden
x Stören des Schulunterrichts, unbegründetes Aufstehen und Umhergehen, Reinreden, Stören anderer Schüler
x Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche), Rechenschwäche, Probleme beim Lernen verbunden mit Nichtversetzung in höhere Klassenstufen, teilweise Schulwechsel x überhastetes, andauerndes Reden; Dazwischenreden x Grobmotorik, verkrampfte Stifthaltung, schlechtes Schriftbild x Ungeschicklichkeit mit Neigung zu Unfällen und Verletzungen x Impulsivität, niedrige Frustrationsgrenze und verstärktes Aggressionsverhalten x übersteigerter Gerechtigkeitssinn x geringes Selbstbewusstsein
Pubertät
x geringes Selbstwertgefühl, das häufig zu Angst und Depressionen führt
x ausgeprägte Stimmungsschwankungen
x verstärkte Neigung zum Drogenmissbrauch z.B. mit Nikotin, Alkohol, Marihuana, Kokain - teilweise als verzweifelter Versuch der Selbstbehandlung (Kokain wirkt ähnlich beruhigend wie Methylphenidat)
x erhöhte Tendenz zur Kriminalität
Erwachsenenalter
x innere Unruhe
x Unfähigkeit, Aufgaben zu beenden und den Alltag zu organisieren, Aufschieben von Aufgaben x Vergesslichkeit, häufiges Verlegen von Gebrauchsgegenständen x Angst, Depressionen, Stimmungsschwankungen, Wutausbrüche x mangelnde Bindungsfähigkeit im sozialen und beruflichen Umfeld
x verstärkte Neigung zum Drogenmissbrauch z.B. mit Nikotin, Alkohol, Marihuana, Kokain - teilweise als verzweifelter Versuch der Selbstbehandlung (Kokain wirkt ähnlich beruhigend wie Methylphenidat)
x erhöhte Tendenz zur Kriminalität
Komplikationen und Folgeerkrankungen
Verlauf
Der Verlauf bzw. die Prognose einer ADHS variiert stark.
Verlaufsuntersuchungen zeigen, dass bei 40 bis 80% der Kinder die Störung ins Erwachsenenalter übergeht. Dabei zeigen einzelne Symptome eine sehr hohe Beständigkeit (Persistenz). Nur in 10% der Fälle treten weniger als 5 ADHS-Symptome und keine psychosoziale Beeinträchtigung auf. Auch Konzentrationsstörungen bleiben meist erhalten. Hingegen nehmen die hyperaktive Symptomatik sowie die Impulsivität ab.
Häufig gleichzeitig vorliegende Erkrankungen (Komorbiditäten)
x oppositionelle Störungen des Sozialverhaltens
x Teilleistungsstörungen (Lese- und Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche) x Störungen der Sprachentwicklung
Arbeit zitieren:
FET e.V., 2010, Fachkompendium ADHS, München, GRIN Verlag GmbH
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