Inhaltsverzeichnis
1 Van Merrienboër und sein 4CID-Modell
2 Das 4CID-Modell und seine praktische Anwendung
2.1 Analyse der Kompetenz und Entwurf einer Fertigkeitenhierarchie
2.2 Sequentialisierung von Aufgabenklassen durch vereinfachende Annahmen
2.3 Entwicklung von Lernaufgaben
2.4 Beschreibung von zwei Beispielen unterstützender Informationen
2.5 Aufführung eines Beispiel für just-in-time Informationen
3 Das 4CID-Modell und seine theoretischen Betrachtungen
3.1 Lerntheoretische Überlegungen und der Aspekt des situierten Lernens
3.2 Didaktische Szenarien zur Integration des 4CID-Modells
3.3 Einsetzbare Medien zur Unterstützung des Blueprints
4 Zusammenfassung und Fazit
Literaturverzeichnis
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1 Van Merrienboër und sein 4CID-Modell
Unsere Gesellschaft steht jeden Tag neuen Veränderungen auf dem Gebiet der Technologie gegenüber. Die technologischen Erneuerungen birgen in sich, dass in der heutigen Gesellschaft das Freizeitverhalten sowie das Lernen und Arbeiten des Menschen in größerem Umfang als je zuvor beeinflusst werden. Gerade das berufliche Wissen ist davon betroffen. Heute sind die Erwerbstätigen starken und schnellen Veränderungen in ihrem Erwerbsleben ausgesetzt. Diese implizieren, dass Tätigkeiten komplexer werden und die Wissengrundlage, auf der die Tätigkeiten aufbauen sind ebenfalls einem Wandel unterlegen. Zur erfolgreichen Bewältigung des Lernens von komplexen Tätigkeiten sind sog. komplexe kognitive Fähigkeiten nötig. Das diese schwer zu lernen sind, entwickelte van Merriënboer in den 1990er Jahren das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign oder 4CID-Modell, um diesem komplexen Lernen gerecht zu werden (van Merriënboer, 1997, S.1). Dieses Modell wird im Rahmen dieser Arbeit in Bezug auf die Themenstellung „Bildungswissenschaftler im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung“ näher beleuchtet. Dabei wird zunächst auf das 4CID-Modell und seine praktische Anwendung eingegangen. Dazu wird es in seinen Grundzügen dargstellt und auf das im Titel genannten Exempels angewendet. An dieser Stelle wird zunächst eine Kompetenzanalyse vorgenommen. Auf dieser basierend wird eine Fertigkeitenhierarchie ausgearbeitet und beschrieben. Außerdem werden Aufgabenklassen durch vereinfachende Annahmen gebildet, Lernaufgaben entwickelt und Beispiele für unterstützende Informationen und just-in-time Informationen gegeben. Darüber hinaus wird das Modell theoretischen Überlegungen unterzogen. Hier werden lerntheoretische Überlegungen sowie Aspekte des situierten Lernens in Bezug zum 4CID-Modell dargestellt. Des weiteren werden didaktische Szenarien zur Integration des genannten Modells und Medien zur Unterstützung des Blueprints erläutert. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende Bewertung des 4CID-Modells in Bezug zur Aufgabenstellung und ein kurzer Ausblick über künftige Entwicklungen.
2 Das 4CID-Modell und seine praktische Anwendung
Das 4CID-Modell von van Merriënboer basiert auf der Annahme, dass Umweltbedingungen für komplexes Lernen in vier wechselseitig bedingte Entwurfskomponenten (blueprint components) aufgegliedert werden können. Die vier Komponenten (1) Lernaufgaben (learning tasks), (2) Unterstützende Informationen (supportive information), (3) just-in-time Informationen und (4) Parttask Practice beruhen auf den vier zentralen Kategorien eines Lernprozesses für komplexes Lernen
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(van Merrienboër, Clark & de Croock, 2002, S. 39ff.). Bis auf Komponente Nummer vier werden in
dieser Arbeit alle anderen Komponenten thematisiert.
Um nun systematisch diese vier Komponenten auszuarbeiten, wurden dazu zehn Schritte entwickelt. Diese zehn Schritte sind beschreibender Natur und zielen darauf ab, dem Lehrer oder Trainer eine praktikable Version des Modells zu bieten (van Merriënboer & Kirschner, 2007, S. 10). Im Folgendem wird der erste dieser zehn Schritte ausgeführt.
2.1 Analyse der Kompetenz und Entwurf einer Fertigkeitenhierarchie
Lehrpläne oder Trainingsprogramme auf Grundlage des 4CID-Modells für komplexes Lernen basieren nicht darauf die einzelnen Fertigkeiten isoliert zu lehren, sondern diese auf koordinierende und integrierende Art und Weise zu vermitteln. Ziel ist es ganzheitliche und authentische Fertigkeiten zu erarbeiten (van Merrienboër et al., 2002, S. 40). Um eine komplexe kognitive Fähigkeit in ihre bestehenden Fertigkeiten (constituent skills) aufzuspalten, wird aus diesem Grund zunächst eine Analyse der Kompetenz vorgenommen (van Merriënboer, 1997, S. 83). Ergebnis dieser Analyse ist eine generelle Beschreibung der involvierten komplexen kognitiven Fähigkeiten, die in einer Fertigkeitenhierarchie eigebettet sind und die oben genannten spezifischen konstituierenden Fertigkeiten beinhaltet. Die Idee dahinter legt nahe, dass die in der Hierarchie unten stehenden Fertigkeiten das Erlernen oder Ausführen der oben in der Hierarchie angesiedelten Fertigkeiten ermöglichen (van Merriënboer, 1997, S. 86).
Bei der Erstellung der Hierarchie sollten zwei grundlegende Beziehungen zwischen den Fertigkeiten beachtet werden.
Die horizontalen oder temporären Relationen zeigen in der Fertigkeitenhierarchie die zergliederte Fertigkeit von links (Bsp.) nach rechts (Bsp.), wobei die Teilfertigkeit auf der linken Seite vor der Teilfertigkeit auf der rechten Seite ausgeführt wird (van Merrienboër, 2007, S. 81). Demnach findet sich hier die zeitliche Abfolge der Teilfertigkeiten.
Die von unten nach oben gelesenen vertikalen oder konditionalen Relationen zeigen, dass die in der Hierarchie unten angesiedelten Teilfertigkeiten Voraussetzungen für die darüber gelegene darstellen. Exemplarisch sei das anhand folgender Relation gezeigt: ... Die vertikalen Relationen ergeben zusammen die zugehörige Teilfertigkeit auf horizontaler Ebene (van Merrienboër et al., 2002, S. 41).
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In der nachfolgenden Abbildung wird eine Fertigkeitenhierarchie für den Bildungswissenschaftler im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung gezeigt, auf welcher die oben aufgeführten Beispiele beruhen.
Nachdem die Fertigkeitenhierarchie erstellt wurde, wird eine Formulierung der Leistungsziele für jede konstituierende Fertigkeit vorgenommen. Die Zusammenstellung der Ziele stellt eine präzise Beschreibung der Inhalte des Trainingsprogramms dar. Sie dient als Vorlage für die nachfolgenden Schritte und gibt über die Lernleistung Rückmeldung bis zum erfolgreichen Meistern der Fertigkeit. Außerdem dient das Set an Zielen der Evaluation des Trainingsprogramms. Abschließend werden die Leistungsziele in die Kategorien wiederkehrend und nicht wiederkehrend eingeordnet (van Merriënboer et al., 2007, S. 80).
2.2 Sequentialisierung von Aufgabenklassen durch vereinfachende Annahmen
Lernaufgaben im 4CID-Modell beinhalten einen ganzheitlichen Ansatz, d..h., dass die Lernenden mit allen konstituierenden Fertigkeiten konfrontiert werden, die die komplexe Fähigkeit ausmachen. Nun wird im zweiten der zehn Schritte eine Sequentialisierung von Aufgabenklassen (task classes) vorgenommen, um auf diese Weise stets die ganzheitliche Lernaufgabe zu üben. Zu Beginn in einfacherer Version und im Verlauf des Trainings erfolgt eine Steigerung der Komplexität (van Merrienboër et al., 2002, S. 43 f.).
Die Reihung der Aufgabenklassen erfolgt über vereinfachende Annahmen (simplifying assumptions). Bei diesem Ansatz werden Bedingungen ermittelt, die die Ausführung der ganzheitlichen Fertigkeit erleichtern. Die Aufgabenstellung wird darauf aufbauend mit dem einfachsten und authentischen Fall, der einem Experten begegnen kann, konstruiert. Zu Anfang sind die Bedingungen also einfach und werden von Mal zu Mal komplexer, wobei die Zunahme der Komplexität parallel zur Zunahme der Kompetenz des Lernenden erfolgt (van Merriënboer, 1997, S. 163).
In Tabelle 1 sind als Beispiel vereinfachende Annahmen zum Beispiel „Bildungswissenschaftler im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung“ dargestellt.
Tabelle 1 Vereinfachende Annahmen zum Beispiel „Als Bildungswissenschaftler im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung arbeiten“
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Arbeit zitieren:
Catrin Wiedling, 2011, Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung, München, GRIN Verlag GmbH
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