Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der pädagogischen Beratung für Männer mit Erfahrungen häuslicher Gewalt. Untersucht werden soll die häusliche Gewalt in heterosexuellen Beziehungen, die von der Frau gegenüber ihrem männlichen Partner ausgeübt wird. Der Begriff der „häuslichen Gewalt“ ist durch die Frauenbewegung geprägt und wird durch den Großteil der Gesellschaft mit dem prügelnden und misshandelnden Ehemann assoziiert. Diese Arbeit beabsichtigt einen Perspektivenwechsel, so dass der Mann als Opfer häuslicher Gewalt betrachtet werden soll. Männer als Opfer häuslicher Gewalt sind in der wissenschaftlichen Arbeit bislang wenig erforscht worden. Dies liegt nicht an mangelnden Vorkommnissen, vielmehr ist es das Ergebnis einer Tabuisierung dieses Themas. Häusliche Gewalt betrifft alle sozialen Schichten, unabhängig von Bildungsstand, Einkommen, gesellschaftlichem Status oder Herkunft und wird oftmals als Problemlösungsmittel für Konflikte im häuslichen Nahraum angewandt. Die wenigen erfassten und publizierten Fälle von Männern als Opfer von häuslicher Gewalt lassen keine Schlussfolgerung auf die Häufigkeit zu, ob sie bei Männern höher als bei Frauen ist kann somit nicht erfasst werden. Die stigmatisierte Geschlechterrolle des Mannes, das Selbstkonstrukt und die gesellschaftliche Vorstellung passen mit der Opferrolle des geschlagenen Mannes nicht überein. Dies lässt eine hohe Dunkelziffer von Fällen von Männern als Opfer häuslicher Gewalt vermuten. Somit wird auch die Dringlichkeit deutlich sich mit diesem Thema auseinanderzusetzten, die bisherigen Beratungs- und Hilfeangebote zu betrachten und weitere Möglichkeiten aber auch Grenzen zu erarbeiten und aufzuzeigen. Wie kann pädagogische Beratung für Männer als Opfer häuslicher Gewalt angewandt werden und welche Besonderheiten, Möglichkeiten und Anforderungen werden an die Klienten und Beratern herangetragen.
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1. Pädagogische Beratung
In diesem Abschnitt der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der pädagogischen Beratung vorgestellt. Es werden die Grundannahmen der unterschiedlichen Ansätze aufgezeigt, die Handlungsfelder pädagogischer Beratung aufgeführt und Ziele pädagogischer Beratung beschrieben. - Hilfe zur Selbsthilfe - Diepädagogische Beratung ist eine vielseitige Handlungsoption pädagogischer Berufstätigkeit und ist im Hinblick auf Adressaten, Organisationsformen und Methoden sehr ausdifferenziert. Beratung ist im pädagogischen Zusammenhang zunächst als personenbezogene Beratung zu verstehen und findet Anwendung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die pädagogische Beratung beschäftigt sich mit individuellen Entscheidungskrisen und Einschränkungen der
Handlungsautonomie von Einzelpersonen, Eltern, Familien oder Gruppen, die ebenso zwischenmenschliche Beziehungen der Ratsuchenden betreffen. Supervision, Intervention und kollegiale Beratung werden unter dem Begriff der berufsbezogenen Beratung zusammengefasst und haben sich fest im pädagogischen Handlungsfeld etabliert. Des Weiteren können ganze Organisationen Adressaten von pädagogischer Beratung werden, die in der Organisationsbezogenen Beratung thematisiert werden. Hierbei wird das Verhältnis von Profession und Organisation betrachtet und versucht, Möglichkeiten und Grenzen zwischen professionellem Handeln und organisationalen Zusammenhängen aufzudecken und zu klären. Pädagogische Beratung erfolgt überwiegend in Institutionen. Im Laufe der Zeit haben sich unterschiedliche Beratungsangebote entwickelt, die vorwiegend auf einer Rechtsgrundlage basieren und institutionell organisiert sind. Die Erziehungsberatung, die Ehe-, Familien-, und Lebensberatung, die Sexualberatung, die Jugendberatung, die Drogen- oder Suchtberatung, die Berufs- und Studienberatung, die Schuldnerberatung, die Schwangerschaftskonfliktberatung, die Frauen- und Männerberatung sind einige solcher institutionell organisierter Beratungsangebote aus dem pädagogischen Handlungsfeld. Kennzeichnend für derartige Beratungsangebote sind Merkmale wie einfacher Zugang, Freiwilligkeit und Kostenfreiheit (vgl. Hechler 2010: 16).
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Pädagogische Beratung folgt überwiegend zwei konzeptuellen Grundorientierungen. Einerseits dem klientenzentrierten (auch personenzentriert genannt) Ansatz von Carl Rogers und zweitens dem systemischen Ansatz. Die klientenzentrierte Sichtweise:
Zentrale Annahme der klientenzentrierten Sichtweise ist, dass die beraterische Beziehung der Faktor der eigentlichen Veränderung ist. „Die Heilung durch Beziehung“ lässt sich nach dem Ansatz von Rogers durch Interventionsformen der Wertschätzung, der Empathie, der Kongruenz und durch paraphrasieren erreichen. Die systemische Sichtweise:
Die systemische Sichtweise ist uneinheitlich definiert und lässt sich auf keine genaue Gründerpersönlichkeit zurückführen. Die Wurzeln der systemischen Sichtweise kommen aus der Biologie und Physik, insbesondere der Lehre von der Kunst des Steuerns und Regelns von Systemen. Zentrale Annahme ist, dass das menschliche Verhalten und Erleben immer durch den Kontext, in dem sich das betreffende Individuum befindet, (mit-)bestimmt wird. Merkmale der Systemtheorie für den Beratungskontext sind Rückkopplungsschleifen, Autopoese, Zirkularität, Kontingenzreduktion, doppelte Kontingenz, Kodierung, Information, Selbstorganisation, Homöostase, Systemgrenzen, Systemregeln, Systemfehler und Systemanalyse (vgl. Hechler 2010: 18).
Pädagogische Beratung mit der Berücksichtigung auf den aktuellen disziplinären und professionellen Stand der Beratung zu definieren, scheint unmöglich. „Auf der einen Seite finden sich in historisch-vertikaler Perspektive Belege für die existentielle Bedeutung, die Beratung für die Menschen hat und weiterhin haben wird. In horizontaler Hinsicht lässt sich zum Einen eine enorme konzeptuelle Ausdifferenzierung und zum Anderen eine fast grenzenlose Ausweitung der Anwendungsfelder von Beratung feststellen“ (Hechler 2010: 21). Zwei umgangssprachlich und alltagspraktisch begründete Ansätze sollen hier aufgeführt werden, die den Versuch unternehmen, pädagogische Beratung einzugrenzen. Der erste Ansatz geht von pädagogischer Beratung aus, wenn diese in einem pädagogischen Handlungsfeld Anwendung findet. Beratungskonzepte die aus psychotherapeutischen Ansätzen entstanden und in einem pädagogischen Zusammenhang in Schulen, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Erwachsenenbildung oder Behindertenhilfe verwendet werden. Der zweite Ansatz beschreibt pädagogische Beratung, wenn diese von einem Pädagogen oder einer Pädagogin durchgeführt wird. Dabei wird von einem vielseitig ausgebildeten Kompetenzprofils der Pädagogen ausgegangen, die es ermöglichen hilfreiche Gespräche zu führen. Diese Ansätze erscheinen unzureichend und bedürfen folglich konkreterer Methoden, umfangreicherem Wissen und professionellen Handlungskompetenzen. „Erst durch die disziplinäre Bestimmung wird Beratung zu einer komplexen Form pädagogischen Handelns, und der Pädagoge kann in seiner Beratungspraxis Pädagoge bleiben“ (Hechler 2010: 22). Die disziplinäre Bestimmung für Beratung in pädagogischer Hinsicht ist die spezifische Antwort und Reaktion auf den Zustand der Ratlosigkeit eines Menschen und der Bezug auf die gegebene Vernunftbegabung. Das Zusammenwirken der Gegebenheiten unter Verwendung der pädagogischen Mittel der Beratung, beabsichtigt das Zustandekommen eines spezifischen Lernprozesses. Die beraterischen Bemühungen versuchen es den Ratsuchenden zu ermöglichen, selbstständig eine Situationsveränderung oder Verbesserung zu bewirken. „Das heißt aber auch, dass die beraterischen Bemühungen nicht auf die Lösung der Frage des Ratsuchenden direkt abheben, sondern auf die Initiierung eines pädagogischen Lernprozesses, der es dem Ratsuchenden ermöglicht, seine Frage für sich zu beantworten“ (Hechler 2010: 45).
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Arbeit zitieren:
Magdalena Swierkowska, 2011, Pädagogische Beratung für Männer mit Erfahrungen häuslicher Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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