Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Institut für Versicherungsbetriebslehre
Was wissen wir über die ökonomischen
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
1 EINLEITUNG. 4
ZIELE VON PRÄVENTION 5
1.1 INZIDENZABSENKUNG UND LEBENSQUALITÄT 5
1.2 KOSTENSENKUNG 7
2 DAS ÖKONOMISCHE KALKÜL 9
2.1 KNAPPE MITTEL IM GESUNDHEITSWESEN. 9
2.2 EFFEKTIVITÄT VON PRÄVENTION. 10
2.3 EFFIZIENZ VON PRÄVENTION 11
2.4 EVALUATION VON PRÄVENTIVEN MAßNAHMEN. 12
2.4.1 Kosten und Nutzen von Prävention 13
2.4.2 Analyse-Arten 14
3 GESELLSCHAFTLICHE PROBLEME UND PRÄVENTIVE POTENTIALE. 16
3.1 DER WANDEL IM KRANKHEITSSPEKTRUM UND ERHÖHTE LEBENSERWARTUNG 16
3.2 PRÄVENTIVE POTENZIALE. 17
3.3 PRÄVENTION IN DER GESUNDHEITSPOLITIK 19
4 PRÄVENTION DER ZUKUNFT 20
4.1 PRÄDIKTIVER GENTEST. 20
4.2 AUSWIRKUNGEN AUF DIE KRANKENVERSICHERUNG UND DIE VERSICHERTEN. 21
5 SCHLUSSBETRACHTUNG 23
Abk ürzungsverzeichnis
Bd. Band
bzw. beziehungsweise
d. h. das heißt
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
Hrsg. Herausgeber
Nr. Nummer
PKV Private Krankenversicherung
S. Seite
SGB Sozialgesetzbuch
u. und
u. a. und andere
Vgl. Vergleiche
WHO World Health Organisation
z. B. Zum Beispiel
3
1 Einleitung
Das Medizinsystem in Deutschland konzentriert sich im Wesentlichen auf die Kuration akuter Erkrankungen. Angesichts der vorherrschenden und weiter zunehmenden chronischen Erkrankungen und den damit verbundenen hohen Gesundheitsausgaben, kann man von einem ausgeprägten Effizienzdefizit der heute üblichen medizinischen Versorgung sprechen. 1 Zusätzlich könnte der demographische Umbau der Gesellschaft ein Finanzierungsrisiko für das Gesundheitssystem darstellen.
Ein Lösungsansatz könnte in der Prävention liegen. Es stellt sich die Frage, ob durch präventives medizinisches Handeln die Effizienz im deutschen Gesundheitswesen gesteigert werden kann. Die möglichen positiven Aspekte, die die Prävention auf das Gesundheitswesen und die Volksgesundheit hat, sind für die Gesellschaft von hohem Interesse. Zum einen könnte eine mögliche Effizienzsteigerung die Finanzierung des Gesundheitssystems langfristig sichern und zum anderen gilt für jeden Bürger bezüglich Krankheiten der alte Leitspruch:„Vorbeugen ist besser als heilen!“ Um Antworten auf diese aufgeworfenen Fragen geben zu können, geht die vorliegende Arbeit auf einige Probleme des Gesundheitswesens ein und zeigt auf, was Prävention leisten kann, um diese Probleme zu lösen. In einem Rückblick wird die im Zusammenhang mit Prävention geführte Kostensenkungsdebatte der siebziger Jahre kritisch dargestellt. Weitere ökonomische Aspekte wie Kosten, Nutzen und Evaluationen präventiver Maßnahmen spielen in dieser Arbeit genauso eine Rolle wie Effektivität und Effizienz. An konkreten Beispielen werden Einsparpotentiale durch Prävention aufgezeigt.
Außerdem beleuchtet diese Arbeit Prävention in der Politik und gibt einen Ausblick auf die möglichen ökonomischen Fragen, die durch die rasante technologische Entwicklung im Bereich der genetischen Diagnostik aufgeworfen werden und erhebliche Auswirkungen auf die Absicherung des Risikos krank zu werden, haben können.
1 Vgl. Schwartz, F.W., Bitzer, E.M., Dörning, H., Grobe, T.G., Krauth, Ch., Schlaud, M., Schmidt, T., Zielke, M. (1999), S. 23.
4
Ziele von Prävention
1.1 Inzidenzabsenkung und Lebensqualität
Prävention, oder auch Krankheitsverhütung, versucht durch gezielte Aktivitäten eine gesundheitliche Schädigung zu verhindern, weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verzögern. 2 Im Gegensatz zur kurativen Medizin und Rehabilitation, welche versuchen einen besseren gesundheitlichen Zustand zu erreichen. Das wichtigste bevölkerungsbezogene Ziel von Prävention ist dabei die Absenkung der Neuerkrankungsrate von Krankheit, Behinderung oder vorzeitigem Tod. 3 Neben der Absenkung der Neuerkrankungsrate, steht als wichtigstes Nebenziel von Prävention eine verbesserte Lebensqualität oder, im Rahmen ärztlicher Versorgung, eine erhöhte Patientenzufriedenheit. Prävention lässt sich auf drei Ebenen verwirklichen:
• Primärprävention umfasst alle Maßnahmen vor dem Eintritt einer feststellbaren körperlichen Schädigung. Das gesundheitspolitische Ziel der Primärprävention ist die Absenkung der Inzidenzrate im Kollektiv oder die Absenkung der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Krankheit bei einem Individuum. Beispiele sind Antirauchkampagnen.
• Sekundärprävention beinhaltet alle spezifischen Aktivitäten, die auf die Entdeckung eines Frühstadiums einer Krankheit abzielen, sowie deren erfolgreiche Frühtherapie. Inzidenzabsenkung fortgeschrittener oder manifester Erkrankungen ist das gesundheitspolitische Ziel der Sekundärprävention. Beispiele für Sekundärprävention sind Gesundheits-Check-Ups oder Früherkennungsmaßnahmen.
• Tertiärprävention in der engen Fassung bezeichnet bestimmte Interventionen zur Verhinderung bleibender, insbesondere sozialer Funktionseinbußen. Beispiele sind die berufliche Wiedereingliederung oder Maßnahmen, die ein Leben mit einer chronischen Erkrankung erleichtern. Alle Aktivitäten nach Ausbruch einer symptomatischen Krankheit, die eine Verschlechterung vermeiden oder eine Verbesserung des Zustands anstreben, zählen zur Kuration. 4 Die weite Fassung versteht
2 Vgl. Schwartz, F.W., Walter, U. (1998), S. 151.
3 Vgl. Schwartz, F.W., Walter, U. (1998), S. 153.
4 Vgl. Schwartz, F.W., Walter, U. (1998), S. 152.
5
Tertiärprävention als die Behandlung einer ausgebrochenen Erkrankung mit dem Ziel ihre Verschlimmerung zu verhüten oder zu verzögern. 5
Sekundär- und Tertiärprävention unterscheiden sich im Wesentlichen von der Primärprävention in dem Punkt, dass der Mensch bei Durchführung der Primärprävention noch völlig gesund ist. Sie umfasst die Bemühungen zur Senkung der Eintrittswahrscheinlichkeit von Erkrankungen, also Risikosenkung bis hin zur Risikoeliminierung. 6 Sobald eine präklinische Schädigung eintritt, setzt die Sekundärprävention ein. Wird die Schwelle zu klinischer Krankheit überschritten, kommt es zur Tertiärprävention.
Begrifflich abgegrenzt werden muss die Gesundheitsförderung. Nach dem Verständnis der Weltgesundheitsorganisation WHO setzt die Gesundheitsförderung bei der Analyse und Stärkung der Gesundheitsressourcen und Potentialen der einzelnen Menschen und auf allen gesundheitlichen Ebenen an. 7 Ein wesentliches Merkmal der Gesundheitsförderung ist die Abwendung von der alleinigen Suche nach Risikofaktoren für spezifische Krankheiten und Hinwendung zur krankheitsunspezifischen Frage: „Wie und wo wird Gesundheit hergestellt?“ Beispiele für Maßnahmen der Gesundheitsförderung sind Aids-Präventions-Kampagnen aber auch Projekte auf den Gebieten gesunder Ernährung oder Suchtaufklärung bei Jugendlichen. Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen betrachtet sowohl die krankheitsspezifische Herangehensweise der Prävention, als auch den krankheitsunspezifischen Ansatz der Gesundheitsförderung als einander ergänzend. Beide zielen letztlich, wenn auch mit verschiedenen Strategien und aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Gesundheit der Bevölkerung ab. 8 Die Begriffe Gesundheitsvorsorge, Prävention und Gesundheitsförderung überschneiden und ergänzen sich in vielen Bereichen. Verschiedene Programme, Aktivitäten oder Konzepte zur Verhütung der Entstehung und des
5 Vgl. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (2002), S. 135.
6 Vgl. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (2002), S. 135.
7 Vgl. World Health Organisation (1986), S. 5.
8 Vgl. Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (2002), S. 136.
6
Eintritts oder der Verschlimmerung von Erkrankungen werden heute mit unterschiedlichen Inhalten mit oft nicht trennscharfen Stichwörtern bezeichnet. 9
1.2 Kostensenkung
Ein weiteres wichtiges Nebenziel in einem Gesundheitswesen unter Knappheitsbedingungen ist die Vermeidung unnötiger Behandlungs- oder Folgekosten. Mitte der 70er Jahre begann eine Präventionsdebatte, die mit dem sich abzeichnenden starken Ausgabenanstieg im Gesundheitswesen einherging. 10 Die Diskussion war nicht auf Deutschland beschränkt, da steigende Gesundheitsausgaben ein Problem vieler Industriestaaten waren. Das Argument der Kostendämpfung durch Prävention machten sich speziell die Gruppen zu Eigen, die einen Nutzen aus Präventionsmaßnahmen ziehen konnten. Zum Beispiel die Ärzteschaft, die angesichts steigender Ärztezahlen an Funktionsausweitungen interessiert war. Aber auch die Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Präventionsforschung tätig waren und öffentlich finanziert wurden, bedienten sich diesen nicht wissenschaftlich belegten Thesen. 11 Ein Grund, warum die vermeintlich positiven wirtschaftlichen Aspekte der Prävention eine so weite Verbreitung gefunden haben, ist die einfache Grundidee der ökonomischen Evaluierung von Prävention: „Wenn keine Krankheit entsteht, entstehen auch keine Kosten für ihre Beseitigung.“ 12 Doch die ökonomische Betrachtung von Präventionsmaßnahmen in den folgenden Jahren stellte bald heraus, dass die undifferenzierten Aussagen der Präventionsdebatten nicht haltbar waren. Die Hauptargumente gegen die Folgerung, dass durch Prävention der gesamtgesellschaftliche Aufwand für das Gesundheitswesen reduziert werden könnte, waren die Folgenden: Jedes durch präventive Maßnahmen verlängerte Leben bedeutet Gesundheitskosten in späteren Jahren. Kaum ein Mensch ist heute bis zu seinem Ableben völlig gesund. Wenn durch Präventionsmaßnahmen eine Krankheit bei einem Individuum verhindert wurde, dann erkrankt es im Laufe seines verlängerten Lebens an einer anderen Krankheit. Es wurde argumentiert, dass die direkten und indirekten Kosten den ökonomischen Nutzen übersteigen. Es ist also nicht
9 Vgl. Brösskamp-Stone, U., Kickbusch, I., Walter, U. (1998), S. 144.
10 Vgl. Schulenburg, J.-M. Graf v. d. (1987), S. 31.
11 Vgl. Arnold, M. (1990), S. 47.
12 Münnich, F.E. (1989), S. 60.
7
mit einer Kostensenkung, sondern langfristig sogar mit steigenden Gesundheitskosten durch Prävention zu rechnen. 13 Ohne stichhaltige wissenschaftliche Belege wurde bei dieser Argumentationsweise allerdings übersehen, dass dieser Ansatz nicht nur für die Prävention gilt, sondern auf die gesamte kurative Medizin anwendbar ist. Jede erfolgreiche medizinische Behandlung hat zur Folge, dass die Patienten an anderen Krankheiten leiden und sterben. Trotz der eingetretenen Ernüchterung bezüglich der erhofften Kostensenkungseffekte durch Prävention wurde der Präventionsgedanke nicht aufgegeben. Gesundheits- und gesellschaftspolitische Aspekte rückten in den Vordergrund. Nachweisbare positive gesundheitliche und soziale Wirkungen von präventiven Maßnahmen reichten vielen Befürwortern aus. 14 Mit einigem Abstand zu der Kostensenkungsdebatte, lässt sich die eingetretene Ernüchterung durch den Vergleich der Erwartungen mit dem viel zu geringen Erfolg der Präventionsprogramme erklären. Das verzeichnete Auseinanderfallen von Erwartungen und Erfolg lässt sich im Wesentlichen auf methodische Mängel der jeweiligen Maßnahmen zurückführen. So wurde vor allem bei der Einführung der Programme zu wenig auf die Validität, Spezifität und Sensitivität der angewendeten Methode geachtet. Ein weiterer wesentlicher Grund für den geringen Erfolg, wird aber auch in der geringen Inanspruchnahme der Maßnahmen durch die angesprochene Bevölkerung gesehen. 15
In den letzten Jahren wurden enorme methodische Fortschritte auf dem Gebiet der Präventionsforschung, sowie der ökonomischen Analyse der Thematik gemacht. Internationale und nationale Langzeitstudien belegen inzwischen, dass durch gezielte präventive Interventionen mehr Gesundheit erreicht und gleichzeitig Einsparungen realisiert werden können. 16
13 Vgl. Münnich, F.E. (1989), S. 64.
14 Vgl. Schulenburg Graf von der, M.-J. (1987), S. 34.
15 Vgl. Reye, I (1984), S. 16.
16 Vgl. Schwartz, F.W., Bitzer, E.M., Dörning, H., Grobe, T.G., Krauth, Ch., Schlaud, M., Schmidt, T., Zielke, M. (1999), S. 23.
8
Arbeit zitieren:
Heiko Schwarz, 2003, Was wissen wir über die ökonomischen Aspekte der Prävention?, München, GRIN Verlag GmbH
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