1
Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 2
I. Volk und Rasse -
der weltanschauliche Rahmen für Hitlers Antisemitismus 4
II. Das Judenbild Hitlers 8
II. 1. Die Juden als eigene Rasse 8
II. 2. Charakter und Verhalten der Juden 10
II. 3. Aktivitäten und Ziele der Juden in Gesellschaft und Staat 12
III. Die Geschichte der Juden 18
IV. Maßnahmen 22
Res ümee 25
Literaturverzeichnis S 27
2
Einführung
„Es war für mich die Zeit der größten Umwälzung gekommen, die ich im Inneren jemals durchzumachen hatte. Ich war vom schwächlichen Weltbürger zum fanatischen Antisemiten geworden.“ 1
Adolf Hitler war es, der diese Worte während seiner Festungshaft in Landsberg 1924 bis 1925 formulierte. Der gleiche Mann, dessen spätere Herrschaft, als der „Führer“ der Deutschen, etwa 6 Millionen Juden nicht überleben sollten. Antisemitismus war der Kern seiner Weltanschauung, und schon von 1919 an - dem Beginn seines politischen Wirkens - wurde dies in vielen seiner Reden und Schriften deutlich. 2 Dennoch blieb dieser Antisemitismus zunächst fragmentarisch, bisweilen sogar konfus und widersprüchlich. Erst 1924 sollte sich das mit dem Beginn der Arbeit an „Mein Kampf“ ändern. Erst in diesem Buch gab er seinem Antisemitismus eine theoretische Grundlage, entwickelte ihn zum Zentrum einer Ideologie. In keiner anderen von ihm überlieferten Schrift oder Rede ging er vergleichbar detailliert und umfassend auf dieses Thema ein. Ein zentrales Kapitel über die Juden oder Antisemitismus wird man in seinem Werk jedoch vergeblich suchen. Es existieren zwar einige umfangreichere Passagen, doch tatsächlich sind Hitlers antisemitische Überzeugungen beinahe über das ganze Buch verteilt. Würden davon alle diejenigen Seiten, auf denen direkt oder indirekt Antisemitismus thematisiert ist, zusammengenommen, so ergäbe sich eine Summe von über 120 Seiten, also mehr als ein Achtel des gesamten Buchvolumens. 3 Schon allein anhand dieser rein formalen Tatsache wird deutlich, welche Bedeutung Hitler dieser Thematik beimaß und daß es für ihn kaum etwas gab, was nicht zumindest mittelbar damit in Zusammenhang stand. 4
Die Darstellung und Bewertung von Hitlers Antisemitismus auf der Grundlage von „Mein Kampf“ ist das Thema dieser Arbeit. Der Aufbau des Buches legte dabei eine systematische Vorgehensweise nahe. In einem ersten Kapitel soll deshalb zunächst der weltanschauliche Rahmen beleuchtet werden, in den Hitler seinen Antisemitismus ein- 1 MeinKampf, 69.
2 Vgl. dazu Hitler: Aufzeichnungen, Dokumente Nr. 61, 63, 71, 87, 91, 93, 94, 96, 103, 105, 106, 108, 112, 129, 136, 140, 150, 159, 172, 173, 178, 235, 244, 246, 247, 258, 259, 279, 280, 291, 318, 327, 331, 357, 358, 360, 377, 390, 404, 415, 416, 440, 452, 462, 512, 517.
3 Diese Zahl sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, daß es sich dabei oftmals nur um einzelne Sätze oder Absätze einer Seite handelt, die an sich ein ganz anderes Problem beinhaltet. Auch gibt es viele, mitunter fast wörtliche Wiederholungen, die in verschiedenen Zusammenhängen allerdings durchaus neue Perspektiven ermöglichen können.
3
bettete. Das zweite Kapitel wird anschließend das Judenbild Hitlers untersuchen. Diese recht umfangreiche Thematik wurde in drei weitere Abschnitte untergliedert, die sich im einzelnen mit Hitlers Vorstellungen von einer eigenen jüdischen Rasse, seinem Bild von Charakter und Verhalten der Juden und seinen Überzeugungen von jüdischem Wirken in Gesellschaft und Staat befassen werden. Ein weiteres Kapitel wird dann Hitlers Geschichtsbild im Hinblick auf die Juden darstellen. Ein letztes Kapitel wird schließlich die Maßnahmen erläutern, die er zur Bekämpfung der Juden erwog. Kaum ein zweiter Mensch des 20. Jahrhunderts dürfte Anlaß zu so vielen Abhandlungen, Biographien, Artikeln und Berichten in Wissenschaft, Presse und Literatur gegeben haben wie Adolf Hitler. Sowohl die biographischen als auch die politischen und ideologischen Aspekte seiner Person können als gut erforscht bezeichnet werden. 5 Dennoch besteht gerade bei der Beschäftigung mit Hitlers Antisemitismus und dessen ideologischen Grundlagen die Gefahr, sich zu stark von dem Wissen um den späteren Holocaust beeinflussen zu lassen, Verbindungen und Rückschlüsse zu ziehen, die einer Überprüfung auf Grundlage der Quellen nicht wirklich standhalten könnten. Vor diesem Hinter-grund ist es auch nachvollziehbar, das der vorwiegend in den 1980er Jahren - bisweilen recht emotional - geführte Historikerstreit die Frage zum Mittelpunkt hatte, inwieweit die nationalsozialistische Judenvernichtung bereits von vornherein vorgesehen und beabsichtigt war oder sich tatsächlich erst mit der Zeit und im Laufe des Krieges, stets beeinflusst durch veränderte Bedingungen und Notwendigkeiten ergab. 6 Ziel dieser Arbeit ist es deshalb auch, so unmittelbar wie möglich, stets aber ausschließlich auf Grundlage der Quellen zu einer Darstellung und Bewertung von Hitlers Antisemitismus zu gelangen. Dies ist m. E. jedoch nur dann möglich, wenn - trotz der historischen Ungeheuerlichkeit, die die Vernichtung der europäischen Juden fraglos darstellt - „Mein Kampf“ als das aufgefasst wird, was es für einen Geschichtswissenschaftler sein sollte, nämlich eine historische Quelle, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
4 Auch in der wissenschaftlichen Literatur wird „Mein Kampf“ als das maßgebliche Werk Hitlers gesehen. Erst in ihm habe sein Antisemitismus das volle Ausmaß erreicht und eine theoretische Grundlage erhalten. Vgl. dazu Jäckel, 63; Friedländer: Das Dritte Reich, 112.
5 Zur Person Hitlers vgl. Kershaw: Hitler; zu seiner Weltanschauung vgl. Jäckel. Es existiert jedoch keine Monographie, die ausschließlich Hitlers Antisemitismus auf Grundlage von „Mein Kampf“ zum Inhalt hätte.
6 Zu dieser Kontroverse zwischen „Intentionalisten“ und „Funktionalisten“ vgl. zusammenfassend Kershaw: NS-Staat, besonders Kap. 4, 5 und 9; Friedländer: Vom Antisemitismus, 27-49; Longerich, 13-17. Einen eher funktionalistischen Ansatz vertritt Aly, 374; eine überwiegend intentionalistische Sichtweise findet sich bei Dawidowicz, 15. Die herausragendsten Vertreter dieser beiden Schulen sind wohl Eber- hard Jäckel (für die Intentionalisten) und Hans Mommsen (für die Funktionalisten).
4
I. Volk und Rasse -
der weltanschauliche Rahmen für Hitlers Antisemitismus
Antisemitismus nimmt einen bedeutenden Platz in Hitlers Ideologie ein - wie bedeutend, wird im Einzelnen noch zu zeigen sein. Dennoch ist auch Hitlers Antisemitismus nur Bestandteil einer umfassenden Weltanschauung 7 , die von zwei Begriffen dominiert wird: Rasse und Volk. Ohne Kenntnis dieser „völkischen Weltanschauung“ wird Hitlers Antisemitismus kaum zusammenhängend verstanden werden können. Ihr Kern ist der „Willen der Natur zur Höherzüchtung des Lebens überhaupt.“ 8 Von ihm leitete Hitler die in seinen Augen logische und natürliche Überlegenheit des Stärkeren über den Schwächeren ab. Indem der Starke über den Schwachen herrscht, erfülle er die ihm von der Natur zugedachte Bestimmung, verbindet er sich jedoch mit dem Schwachen, opfere er seine eigene Größe und verstieße somit gegen ein Gesetz der Natur, ohne das „jede vorstellbare Höherentwicklung aller organischen Lebewesen undenkbar“ sei. Die Überlegenheit und Herrschaft des Stärkeren wird somit zu einem kosmischen Prinzip stilisiert, das Hitler unmittelbar auf die Menschen übertrug, die er verschiedenen Rassen zuordnete, aus denen wiederum die verschiedenen Völker bestünden. 9 Eine Anlehnung an sozialdarwinistische Ideen ist hier offensichtlich. Die menschlichen Rassen selbst unterteilte er in drei „Arten“, namentlich in „Kulturbegründer“, „Kulturträger“ und „Kulturzerstörer“ 10 . Zur ersten Gruppe gehörte für Hitler ausschließlich der Arier, dem alleine er alle wissenschaftlichen, technischen und kulturellen, kurz zivilisatorischen Leistungen der Menschheit zuschrieb. Er ging sogar soweit, den Arier als „den Urtyp dessen [... darzustellen], was wir unter dem Worte ‚Mensch‘ verstehen.“ 11 Zur zweiten Gruppe - der „Kulturträger“ - gehörten all jene Rassen, die zwar keine eigenen schöpferischen Leistungen vollbringen könnten, aber immerhin in der Lage seien, die von Ariern erbrachten Errungenschaften für sich nutzbar zu machen und auch zu erhalten. Dies sei in der Geschichte immer dann geschehen, wenn ein Volk einer solchen Rasse von Ariern erobert worden oder anderweitig mit ihnen in Kontakt geraten sei. 12 Die Gruppe der „Kulturzerstörer“ schließlich, stellte für Hitler die Rasse dar, die den
7 Hitler verwendete bewußt den Begriff „Weltanschauung“ und vermied es grundsätzlich, von „Ideologie“ zu sprechen. Vgl. dazu auch Jäckel, 11-28; 121-136.
8 Dieses und das folgende Zitat aus Mein Kampf, 312.
9 Vgl. dazu ebd., 267: Jeder müsse erkennen, „daß in einer Welt, in der Planeten und [sic.] Sonnen kreisen, Monde um Planeten ziehen, in der immer nur die Kraft Herrin der Schwäche ist und sie zum gehorsamen Diener zwingt oder zerbricht, für den Menschen nicht Sondergesetze gelten können.“
10 Ebd., 318.
11 Vgl. dazu ebd., 316f.
12 Als Beispiel für ein „kulturtragendes“ Volk führte Hitler an anderer Stelle die Japaner an.
5
„gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet“ - „der Jude“ - dem „die allerwesentlichste Voraussetzung für ein Kulturvolk“ - „die idealistische Gesinnung“ 13 - fehle. Alle Rassen befänden sich nun seit jeher in einem epischen Wettstreit um die endgültige Vorherrschaft über die Erde und die gesamte Menschheit und „alles weltgeschichtliche Geschehen ist aber nur die Äußerung des Selbsterhaltungstriebes der Rassen im guten oder schlechten Sinne.“ 14 Sowohl die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse als auch die Begabungen und Veranlagungen der Rassenangehörigen im Einzelnen seien dabei immer von der Natur gegeben, in Folge dessen also auch unabänderlich. Und da unter den einzelnen Menschen besonders Begabte existierten, gäbe es „im Völkerleben auch die geniale Rasse.“ 15 Es ist naheliegend, daß es für Hitler der Arier war, dem er die größte, wenn nicht gar alleinige Genialität unter den Rassen zusprach, schließlich sah er in ihm auch die einzige „kulturschaffende“. Da der Arier somit die höchste und stärkste Stufe der menschlichen Entwicklung darstelle, folge er dem Gesetz der Natur, wenn er über alle anderen Rassen herrsche bzw. dies anstrebe. Bei diesem schicksalshaften Ringen um die Erfüllung seiner natürlichen Bestimmung stellte Hitler dem Arier den Juden als „Todfeind“ 16 gegenüber. Denn so wie der Arier von Natur aus nur als „Kulturbegründer“ 17 wirken könne, so sei auch der Jude an seine natürliche Bestimmung gebunden und müsse stets als Zerstörer von Kultur und Menschheit auftreten, denn „nicht durch ihn findet irgendein Fortschritt der Menschheit statt, sondern trotz ihm.“ 18 Am Ende dieses Kampfes würde es schließlich nur einen Sieger geben, und die wichtigste Frage könne nur sein, ob er „zum Heil der arischen Menschheit oder zum Nutzen des ewigen Juden“ 19 entschieden würde.
Aus dieser Erkenntnis leitete Hitler wiederum die wichtigste Aufgabe des „völkischen Staates“ ab, die folglich in der Erhaltung und Steigerung der Stärke der eigenen Rasse
13 Mein Kampf, 329f. Was Hitler genau unter einer „idealistischen Gesinnung“ versteht, läßt er an dieser Stelle offen.
14 Ebd., 324. Hitler forderte folgerichtig auch eine von der „Rassenfrage“ bestimmte Weltgeschichte, die lehrend zum Fortbestand des eigenen „Volkstums“ beitragen sollte. Vgl. dazu ebd., 468. Möglicherweise hatten Hitlers Vorstellungen von Geschichtsschreibung ihren Ursprung in dem Bild der Geschichte als magistra vitae des 19. Jahrhunderts, freilich für seine rassische Weltanschauung nutzbar gemacht.
15 Ebd., 321f. So wie Genie bei Menschen immer angeboren sei, seien auch die schöpferischen Fähigkeiten einer Rasse stets angeboren.
16 Ebd., 386. Hitler sah in den Juden den „Todfeind unseres [sc. des deutschen] Volkstums und jeder arischen Menschheit und Kultur“.
17 Ebd., 317.
18 Ebd., 332. Der jüdische Intellekt könne „niemals aufbauend wirken, sondern zerstörend und in ganz seltenen Fällen vielleicht höchstens aufpeitschend, dann aber als das Urbild der ‚Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft‘.“ Diese Anlehnung an Goethes Faust I rückt die Juden in die Nähe des Mephistopheles, den teuflischen Gegenspieler Fausts und mochte sicher auch dazu gedacht gewesen sein, die literarische Bildung Hitlers zu veranschaulichen. Vgl. außerdem ebd., 387: Der Jude sei „nur groß [...] in der Zerstörung der Menschheit und ihrer Kultur“.
19 Ebd., 475. Hitler sprach in diesem Zusammenhang pathetisch von den „letzten und größten Entschei- dungen auf diesem Erdball“.
Arbeit zitieren:
Markus Lotzenburger, 2001, Hitlers Antisemitismus auf der Grundlage von "Mein Kampf", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtsstunde: Australia's wildlife & nature
Ein Gruppenpuzzle für die 9. K...
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Risk in Financial Markets & Monetary Policy in New Zealand
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Große Griechische Kolonisation: Einflüsse und Bedeutung von Religi...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Die Reform der Gracchen: Die Ackergesetze des Tiberius Sempronius Grac...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Geschichte der Verfassung der römischen Republik
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Darstellung der Übertragung der de Saussureschen Begriffe in den Struk...
Seminararbeit, 17 Seiten
Aktuelle Trends im Handelsmanagement
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 26 Seiten
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Religionsphilosophische Diskurse in Lessings Nathan der Weise
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 13 Seiten
Interkulturelle Kompetenz in einer Multikulturellen Gesellschaft
Seminararbeit, 18 Seiten
E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' - Das Augenmotiv in der Erzä...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Markus Lotzenburger hat den Text Hitlers Antisemitismus auf der Grundlage von "Mein Kampf" veröffentlicht
Markus Lotzenburger hat einen neuen Text hochgeladen
Hitler's Contract: How Mussolini Became Hitler's Publisher: The Secret...
Giorgio Fabre, Susan Zuccotti
Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers "Mein Kampf"
1922-1945. Eine Veröffentlichu...
Othmar Plöckinger
Editionen mit Materialien für ...
George Tabori, Thomas Kopfermann, Jens Kapitzky, Ursula Grützmacher-Tabori
0 Kommentare