1.Einleitung:
Der Eurokommunismus ist eine Politikform, welche um etwa 1970 entstand. Hauptsächlich war er in süd- beziehungsweise westeuropäischen Staaten verbreitet. Trotzdem mischten sich die USA kontinentalübergreifend ein, um diese Politik zu beenden beziehungsweise zu lenken. Speziell in den Belangen der NATO hatte man, neben einem kommunistischen, ebenfalls auch Angst vor einem eurokommunistischen Machteinfluss. Aber was genau hielt die US - Regierung vom Eurokommunismus? Inwiefern versuchten die amerikanischen Politiker den Eurokommunismus einzudämmen? Welche Gründe gab es dafür? Diese ganzen Fragen werde ich untersuchen, um meine These zu bestätigen. Diese lautet: Der Eurokommunismus wurde von den USA zu sehr mit dem Kommunismus gleichgesetzt. Gleichzeitig war er nicht so gefahrenbehaftet, wie die US - Regierung annahm. Mittels vieler Zitate und Zeitzeugenberichte, versuche ich die Stimmen und Meinungen der damaligen Politiker einzufangen und damit die Verhältnisse zu schildern. Speziell werde ich mich mit den Belangen der Eurokommunisten in der NATO beschäftigen, da dies von den USA überhaupt nicht gebilligt werden sollte. Weiterhin ist dies ein gutes Beispiel für die Haltung gegenüber dem Eurokommunismus beziehungsweise dessen Auftreten auf der politischen Weltbühne.
2. Der Begriff Eurokommunismus
Der Begriff Eurokommunismus entstand um 1975, zum Höhepunkt seiner Entwicklung. Die Bewegung dieser Politikform hatte sich aber schon seit Anfang der 1970ern vollzogen. Leichte Ansätze waren schon 1950 zu erkennen.
Der Begriff wurde bewusst zur Abgrenzung des Kommunismusbegriffs der UdSSR geschaffen, da sich die Eurokommunisten von dieser Art des Kommunismus abgrenzen wollen. Zunächst wurde er nur in den Medien verwendet, später fand er Einzug in das Vokabular der Politik. Es wurde lange nach diesem Begriff gesucht, da er sich von dem Politikbegriff des Kommunismus Moskaus loslösen sollte. Man muss auch dazu sagen, dass der Begriff von nichtkommunistischer Seite geprägt ist. Die neue Strömung, der „neue“ Kommunismus, verfolgte neue Ziele und hatte andere Methoden, als die der UdSSR, so jedenfalls proklamierten die Eurokommunisten es immer.
Das Phänomen gab es hauptsächlich in den 1970ern bis 1980ern, jedoch sind noch heute einzelne Parteien davon vorhanden. Zur damaligen Zeit war der Eurokommunismus hauptsächlich in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien verbreitet. Der Begriff ist aber auch etwas widersprüchlich, weil man durch ihn automatisch annimmt, dass diese Form der Politik in ganz Europa herrschte. Der Eurokommunismus war auch in nicht - europäischen Staaten verbreitet, zum Beispiel in Japan. Weiterhin könnte man meinen, dass das eine Bezeichnung für alle europäischen Kommunisten ist. Das ist falsch.
Auch nimmt man durch den Namen automatisch an, dass es sich dabei um eine Abhandlung des Kommunismus handle. Davon wollen die Eurokommunisten jedoch abkehren. Also ist es auch in dieser Hinsicht etwas irreführend. 1
Die Zeit in der der Eurokommunismus hauptsächlich wirkte, legte sich von der Regierungszeit von Gerald Ford (1974 - 1977), mit dem Außenminister Henry Kissinger, und der von Jimmy Carter (1977 - 1981) mit den Außenministern Cyrus Vance und Edward Muskie. 2
3. Die Merkmale des Eurokommunismus
Der Eurokommunismus war mehr oder weniger ein Versuch. Ein Versuch westeuropäischer Parteien sich vom Kommunismusbegriff Moskaus zu lösen und einen sozialistischeren Weg einzuschlagen. 3
Sozialismus sollte errichtet werden und zwar mit Hilfe von Demokratie und Freiheit. Um das zu gewährleisten sollten, beispielweise Persönliche Freiheiten, wie das Versammlungs- und Pressefreiheit, Wahlrecht, Demonstrationsfreiheit und Streikrecht, erhalten bleiben. Er grenzte sich also beispielweise dadurch vom Stalinismus oder Leninismus ab. 4 Ein weiterer Unterschied ist, dass man über keine gemeinsame Generallinie verfügt. Deswegen handelt es sich hier nicht um eine Organisation mit festem Zentrum, sondern um eine Riege von Parteien, deren Programme ähnlich sind. 5
1 Vgl. Leonhard, Wolfgang, Eurokommunismus: Herausforderung für Ost und West, München, 1978, Seite 9 bis
11.
2 Vgl. Bierling, Stefan, Geschichte der amerikanischen Außenpolitik: Von 1917 bis zur Gegenwart, München,
2003, Seite 36.
3 http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=R2GLVD
4 Vgl. Leonhard, Wolfgang, Eurokommunismus: Herausforderung für Ost und West, München, 1978, Seite 12ff.
5 Vgl. Leonhard, Wolfgang, Eurokommunismus: Herausforderung für Ost und West, München, 1978, Seite 11.
Es herrscht hier also einen Parteienpluralismus, bei dem aber jede einzelne Partei autonom ist. Man akzeptierte folglich die parlamentarische Demokratie. Um die Mehrheit im jeweiligen Parlament zu gewinnen, versuchte man den Weg über ökonomische und soziale Reformen zu nehmen.
4. Die Ziele und Forderungen des Eurokommunismus
Die Ziele lassen sich ableiten. Beispielsweise wollten die Parteien autonom sein, einen demokratischen Weg zum Sozialismus einschlagen und sich von der sowjetischen Variante des Kommunismus abkehren. Die Diktatur des Proletariats wurde verneint, genauso wie man das leninistische Parteiensystem negierte. Santiago Carillo, Vertreter der KP Spaniens sagte dazu: „Die Eurokommunisten stehen vor der Aufgabe die Probleme von Demokratie und Sozialismus auf dem heute angemessenen geschichtlichen Niveau anzugehen.“ Um eine eigenständige Außenpolitik zu führen, wollte man verschiedene Bündnispartner suchen, bei der man die Zusage machte, nicht in eine führende Rolle schlüpfen zu wollen. Auch gaben manche eurokommunistische Parteien das Versprechen an die Wähler, dass sie bei einem tatsächlichen Wahlsieg, weiterhin periodisch freie Wahlen abhalten wollen. Damit wäre man auf Wunsch des Volkes leichter abzuwählen und wollte auch ein solches Ergebnis respektieren.
Faktisch war die Entwicklung dieses ganzen Konzepts auch eine Kritik am sowjetischen Kommunismus und die Eurokommunisten lehnten den Führungsanspruch der UdSSR auch vollkommen ab. 6
Um dies zusammenzufassen, wähle ich folgendes Zitat: „Der Eurokommunismus entwarf den Machtwechsel im Rahmen der bürgerlichen Demokratie, der Staat sollte nicht zerschlagen, sondern seine Form in einem graduellen, pluralistischen Prozess von den sozialistischen Inhalten erobert werden. Dadurch verschieben sich kommunistische Leitkategorien.“ 7
6 Vgl. Leonhard, Wolfgang, Eurokommunismus: Herausforderung für Ost und West, München, 1978, Seite 12
bis 25.
7 Scheuzger, Stephan, Der Andere in der ideologischen Vorstellungskraft - Die Linke und die indigene Frage in
Mexiko, Frankfurt am Main, 2009, Seite 524.
Arbeit zitieren:
Franziska Mielsch, 2010, Der Eurokommunismus und die USA, München, GRIN Verlag GmbH
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