Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Formale und inhaltliche Textdifferenzen 5
3. Interpretation der zwei Fassungen 8
3.1. Die Ballade von der Lore Lay und der Roman „Godwi“ 8
3.1.1. Die Einbettung der Ballade 8
3.1.2. Interpretation der Ballade im Kontext des Romans 9
3.2. Die Ballade „Lureley“ 13
4. Zusammenfassung 16
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 18
Quellen 18
Literatur 18
2
1. Einleitung
Das Lore Lay - Motiv wurde in der Romantik von mehreren Schriftstellern aufgegriffen und weiterentwickelt. Besonders hervorzuheben sind hier Joseph von Eichendorff, der das Lore Lay - Motiv in dem Gedicht „Waldgespräch“ aufgreift und Heinrich Heines Gedicht „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Der Schöpfer ist jedoch Clemens Brentano. Die erste Lore Lay Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ erschien in seinem Roman „Godwi oder das steinerne Bild der Mutter, ein verwilderter Roman von Maria“ 1 . Der erste von zwei Teilen dieses Romans wurde von Brentano vermutlich im Juni 1798 begonnen und 1799 fertiggestellt. Der zweite Teil folgte frühestens im September 1800 2 . Herausgegeben wurden beide Teile im folgenden Jahr 1801.
Neben der Fassung im „Godwi“ existiert noch eine handschriftliche Variante des Textes. Sie wurde erstmals 1933 von René Guignard veröffentlicht 3 . Man geht davon aus, dass diese zweite Fassung der Ballade erst nach dem Druck des Romans „Godwi“ 1801 entstanden ist 4 .
Die Lore Lay ist demnach kein altes Märchen oder eine alte Legende, sondern wurde von Brentano, inspiriert von dem ihm bekannten Felsen „Loreley“ am Rhein, gedichtet. Er teilte den Namen in einen scheinbaren Vor- und Nachnamen und benannte so seine Kunstfigur 5 .
Clemens Brentano folgt mit seiner Ballade dem Schlegelschen Anspruch der romantischen Universalpoesie 6 . Er verbindet den Roman „Godwi“ mit der Ballade von der Lore Lay und spiegelt thematisch das Thema des Romans in der Ballade. Zudem wird durch die Rezeption des Lore Lay - Motivs durch andere Dichter der Romantik und durch den „Volksliedton“ der Ballade ein Text erschaffen, der die ältere Literatur zu dem Ergebnis brachte, die Lore Lay sei einer Sage entsprungen 7 .
1 Clemens Brentano: Sämtliche Werke und Briefe, Bd. 16, Prosa I, Historisch-Kritische Ausgabe. Veranstaltet vom Freien Deutschen Hochstift, hrsg. v. Jürgen Behrens, Wolfgang Frühwald und Detlev Lüders, Stuttgart/ Berlin/ Köln/ Mainz 1978.
2 Sämmtliche Werke Bd. 16 , S. 774.
3 Vgl. Peter Lentwojt: Die Loreley in ihrer Landschaft. Romantische Dichtungsallegorie und Klischee Ein literarisches Sujet bei Brentano, Eichendorff, Heine und anderen, Frankfurt am Main 1998, S. 46.
4 Vgl. Klaus-Dieter Krabiel: Die beiden Fassungen von Brentanos „Lureley“, in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Neue Folge Bd. 6 (1965), 121-132., hrsg. von Hermann Kunisch, S. 131f.
5 Zur Entstehung und Bedeutung des Namens Loreley vgl. Lentwojt: Loreley, S. 37-42.
6 Vgl. Friedrich Schlegel: Athenäums-Fragmente Nr. 116, 1. Bd., 2. Stück, 1798.
7 Dies ist die Auffassung der älteren Loreley-Forschung vor 1950, die nicht zu dieser Arbeit herangezogen wurde. Zur Diskussion der älteren Forschung siehe: Lentwojt: Loreley, S. 16f.
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In dieser Arbeit werden beide Fassungen von Clemens Brentano gegenübergestellt. Es werden die formalen Textdifferenzen sowie der Kontext der beiden Fassungen untersucht und die daraus resultierenden Unterschiede in die Interpretation miteinbezogen. Dabei werden insbesondere die Publikationen von Peter Lentwojt und Klaus-Dieter Krabiel zu diesem Thema, sowie die historisch-kritische Brentano-Ausgabe, verwendet.
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2. Formale und inhaltliche Textdifferenzen
Stellt man beide Fassungen der Ballade von Clemens Brentano nebeneinander, wird deutlich, dass beide Texte dem gleichen Schema und der gleichen Erzählstruktur folgen. Sie umfassen je 25 Abschnitte mit vier Zeilen. Jeder der Abschnitte hat einen durchgehenden Kreuzreim und die Zeilen ein 3-hebiges alternierendes Versmaß (Jambus). Die Kadenzen sind immer abwechselnd weiblich und männlich.
Der letzte Abschnitt stellt eine Ausnahme dar. Er umfasst acht, statt vier Zeilen und nur die ersten vier Zeilen entsprechen dem Reimschema. Lässt man diesen Abschnitt außer Acht, kann man in beiden Texten von Strophen und Versen sprechen. Die erste Fassung der Ballade erschien im Kontext des Romans „Godwi oder das steinerne Bild der Mutter, ein verwilderter Roman von Maria“ und hat keinen Titel. Die zweite Fassung trägt den Titel „Lureley“. Die Rahmenhandlung wird von einem nullfokalisierten extradiegetisch-homodiegetischen Erzähler vorgetragen. Er erzählt die Geschichte von der „Zauberin“ 8 Lore Lay in Bacharach am Rhein. Sie wird vor den Bischof geladen, der über geistliche und weltliche Gewalt verfügt. Er soll über sie richten, wird aber ebenfalls von ihrer Schönheit verzaubert.
In den folgenden Strophen IV bis XXIII der Godwi-Fassung und IV bis XXII der zweiten Fassung, sprechen die intradiegetischen Erzähler, der Bischof und Lore Lay, in direkter Rede. Dieser zweite Teil der Ballade ist in einem dramatischen Modus gehalten, der nur an wenigen Stellen vom extradiegetischen Erzähler unterbrochen wird, wenn er Beschreibungen einfügt 9 .
Im Gedicht „Lureley“ fehlen, im Unterschied zur „Godwi“-Fassung, Satzzeichen, vor allem Anführungszeichen. Außerdem weicht die Handschriften-Fassung in der Schreibweise von der ersten Fassung ab. Vereinzelt werden Worte ausgelassen oder ausgetauscht, die jedoch nicht zu einer Veränderung des Inhaltes führen, wie z.B. in I, 2-3:
Und riß viel Herzen hin. 8 Im Weiteren werden für die Textnachweise in der Ballade die Strophen mit römischen Ziffern und die dazugehörigen Verse mit arabischen Ziffern bezeichnet: I, 2.
9 XV, I; XVII, 1-4; XX, 1-4; XXI, 1-4.
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Arbeit zitieren:
Marius Munz, 2004, Die Ballade von der Lore Lay in den zwei Fassungen von Clemens Brentano, München, GRIN Verlag GmbH
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