WIRKUNG UND
INANSPRUCHNAHME
PRIVAT BEZAHLTER
NACHHILFE
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
(Bildungswissenschaften / Bildungsforschung)
I
NHALTSVERZEICHNIS
Tabellenverzeichnis ... 3
Abkürzungsverzeichnis ... 3
1. Einleitung ... 4
2. Aktueller Forschungsstand ... 6
2.1 Definition ,,Nachhilfeunterricht" ... 6
2.2 Bisherige Studien und deren Vergleichbarkeit ... 7
2.3 Ergebnisse der Studien ... 8
2.3.1 Formen der Nachhilfe ... 9
2.3.2 Motive und Gründe der Lehrer, Wissenschaftler, Eltern, Schüler ... 9
2.3.3 Inanspruchnahme von Nachhilfe ... 12
2.3.4 Erfahrungen mit Nachhilfeunterricht ... 15
2.4 Diskussion der Ergebnisse ... 16
2.5 Abschließende Zusammenfassung und Ausblick ... 19
3. Empirische Fallstudie ... 21
3.1 Vorüberlegungen ... 21
3.2 Elternfragebogen Fragetechnik und Aufbau ... 22
3.3 Schülerfragebogen Fragetechnik und Aufbau ... 23
3.4 Stichproben ... 23
3.4.1 Das Unternehmen ,,Schülerhilfe GmbH" ... 24
3.4.2 Befragungsgruppen - Schüler und Eltern ... 25
3.5 Zentrale Fragestellungen der Erhebung ... 26
3.5.1 Motive und Inanspruchnahme ... 26
3.5.2 Erwartungen ... 27
3.5.3 Erfahrungen ... 28
4. Ergebnisse und Interpretation ... 30
4.1 Ergebnisse des Schülerfragebogens ... 30
4.1.1 Auswertung persönlicher Angaben ... 30
4.1.2 Auswertung in drei Ebenen ... 36
4.2 Ergebnisse des Elternfragebogens ... 40
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 44
5. Schluss ... 48
Literaturverzeichnis ...
Anhang ... i
3 |
S e i t e
T
ABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Kategorien von Nachhilfeunterricht... 7
Tabelle 2: Bisherige Studien zur Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht ... 8
Tabelle 3: Dauer des Nachhilfeunterrichts in Monaten... 14
Tabelle 4: Befragte Standorte der Schülerhilfe ... 25
Tabelle 5: Anzahl der befragten Schüler nach Standorten ... 25
Tabelle 6: Alter der befragten Schüler ... 30
Tabelle 7: Besuchte Schulformen ... 30
Abbildung 1: Besuchte Schulformen ... 31
Abbildung 2: Besuchte Klassen ... 32
Abbildung 3: Angestrebter Schulabschluss ... 32
Abbildung 4: Dauer des Nachhilfeunterrichts in Monaten ... 33
Tabelle 9: Notenverlauf abhängig von der Dauer des Nachhilfeunterrichts ... 36
Tabelle 10: Erfolgsbedeutung Schüler ... 36
Tabelle 11: Zufriedenheit der Schüler mit dem Unternehmen ... 39
Tabelle 12: Erwartungserfüllung bei Schülern ... 40
Tabelle 13: Zufriedenheit der Eltern mit dem Unternehmen... 43
Tabelle 14: Rechenbeispiel Preisvergleich privat institutionell ... 43
Abbildung 5: Erwartungserfüllung der Eltern ... 44
A
BKÜRZUNGSVERZEICHNIS
EB Elternbefragung
ebd. ebenda
HS Hauptschule
GS Gesamtschule
Gym. Gymnasium
OS Orientierungsstufe
RS Realschule
SB Schülerbefragung
zit. n. Zitiert nach
4 |
S e i t e
1.
E
INLEITUNG
Diese empirische Arbeit widmet sich dem allgegenwärtigen Thema des
Nachhilfeunterrichts für Schüler. Schüler aller Klassenstufen und Schulformen
erhalten zusätzlichen Unterricht zur Schule, da sie das im Unterricht Erklärte
nicht verstanden haben und Aufgaben nicht alleine lösen können. Oder weil
sie generell bessere Noten erreichen möchten, oder die Versetzung gefährdet
ist. Auch weil sie längere Zeit krank waren oder die Schule gewechselt haben,
weil sie mit dem Lehrer nicht zurechtkommen oder sie in der großen Klasse
untergehen. Wie sehr hilft der Nachhilfeunterricht? Ist es möglich, durch
Nachhilfe bessere oder gar höhere Schulabschlüsse zu erlangen? Ist
Nachhilfe ein der oberen sozialen Schicht vorbehaltenes Privileg? Ersetzt der
offene Ganztag nicht den zusätzlichen Privatunterricht? Was fehlt unserem
Schulsystem, dass so viele Schüler nicht alleine zurechtkommen? Gab es
diesen Bedarf an Nachhilfe schon immer? Weitere Gedanken formulierte
Jürgen Büssow (Regierungspräsident a.D.):
,,Ist der heutige Bedarf an schulischer Nachhilfe, insbesondere in Mathematik,
eigentlich normal, oder stellt dieser Bedarf nicht dem heutigen Schulbetrieb
ein miserables Zeugnis aus? Seitdem es die öffentliche Schule gibt, gibt es
stets zahlreiche Schüler, die im Unterricht etwas nicht verstanden haben und
die über die Schule hinaus Unterstützung brauchen. Früher halfen dann nach
der Schule Eltern, Geschwister, Freunde, oder ein privat engagierter
Nachhilfelehrer. Heute hat sich die Nachhilfe mehr kommerziell organisiert.
Leider ist heute der Nachhilfebedarf etwas ganz Normales." (Jürgen Büssow,
zit. n. Kowalczyk/Ottich 2002, S.83
1
)
Zu diesem Forschungsgebiet liegen kaum aktuelle und repräsentative Studien
vor, daher ist es besonders interessant, einige bekannte Trends zu überprüfen
und ggf. neue zu erkennen.
Der Forschungsbedarf ist enorm, obwohl das Interesse aus allen Blickwinkeln,
ob Eltern, Lehrer, Wissenschaftler, sehr groß ist. Die Nachhilfe gilt immer noch
als ,,Grauzone" der pädagogischen Forschung.
Hier stehen die Effektivität und Effizienz von Nachhilfeunterricht im
Vordergrund. Der Zustand der Inanspruchnahme, die Wirkung des Unterrichts
und die Erfahrungen der Eltern und Schüler werden analysiert. Den Beginn
der Arbeit stellt der aktuelle Forschungsstand zu diesem Thema dar. Der hier
1
In seiner damaligen Funktion als Regierungspräsident von Düsseldorf rief Jürgen
Büssow mit dem Schuldezernat einen Online-Mathe-Treff ins Leben, um Schüler im
Fach Mathematik zu unterstützen und ihnen die Angst davor zu nehmen.
5 |
S e i t e
verwendete Begriff von Nachhilfeunterricht wird von anderen Definitionen
abgegrenzt. Verschiedene Studien der letzten vier Jahrzehnte werden
zusammengefasst und verglichen, sodass der Leser einen Überblick über die
Situation und das Forschungsfeld gewinnt. Anschließend wird näher auf die
Formen der Nachhilfe eingegangen und mögliche Motive der Lehrer,
Wissenschaftler, Eltern und Schüler werden differenziert aufgezeigt. Danach
werden Fakten über Situationen, in denen tatsächlich Nachhilfe in Anspruch
genommen wird, das Auftreten verschiedener Nachhilfeformen, die häufigsten
Fächer und die Dauer von Nachhilfeunterricht, erläutert. Zuletzt werden die
Erfahrungen der Eltern und Schülern mit diesem wiedergegeben;
Notenverbesserungen, sowie weitere Entwicklungen durch den Unterricht
werden dargestellt.
Auf den theoretischen Teil folgt die durchgeführte Fallstudie zum Thema
Nachhilfeunterricht. Diese beschränkt sich im Vergleich zu früheren Studien
lediglich auf Schüler und deren Eltern, welche zum entsprechenden Zeitpunkt
Nachhilfeunterricht im Fach Mathematik in Anspruch nahmen. Die Umsetzung
erfolgte bei mehreren Standorten des gewerblichen Nachhilfeinstituts
Schülerhilfe GmbH. Nachdem die Methodik beschrieben wurde (Fragebögen),
wird die Stichprobe charakterisiert. Anschließend werden zentrale
Fragestellungen formuliert und erläutert. Diese ergeben sich, zum Zwecke der
besseren Vergleichbarkeit, aus vorigen Studien. Dann folgt die
Ergebnisdarstellung zusammen mit der Interpretation. Die Fragebögen
werden chronologisch ausgewertet. Eine zusammenfassende Diskussion
bildet den Abschluss des praktischen Teils der Arbeit. Zum Schluss wird auf
die Bedeutung der Ergebnisse für Wissenschaft, Politik und Praxis
eingegangen, sowie offene und neue Fragen formuliert.
6 |
S e i t e
2.
A
KTUELLER
F
ORSCHUNGSSTAND
Die privat bezahlte Nachhilfe ist in der Forschung immer noch eine Grauzone.
Dies liegt zum einen daran, dass viele Eltern und Schüler sich scheuen, offen
über den ,,Bedarf" an Nachhilfeunterricht zu sprechen, zum anderen daran,
dass die Nachhilfeinstitutionen häufig einen Einblick in ihr Unternehmen
verwehren. Auch Lehrer wollen oftmals nicht darüber sprechen, da der Bedarf
an Nachhilfeunterricht oft als didaktisches Versagen des Lehrers interpretiert
wird. Dabei ist Nachhilfeunterricht heute so weit verbreitet, wie noch nie.
Institutionelle Nachhilfe hat sich als ,,zweites Bildungssystem etabliert"
(
D
OBISCHAT
2010, S.1). Schon längst wird Nachhilfe nicht mehr nur in
Anspruch genommen, um durch Krankheit oder Umzug entstandene
Wissenslücken zu schließen. Immer mehr Schüler bekommen
außerschulischen Zusatzunterricht, nicht um ausreichende oder befriedigende
Noten, sondern bestmögliche Noten zu erreichen. Oft wollen sie die
bestmögliche Empfehlung zum Übergang auf eine weiterführende Schule
erhalten, den bestmöglichen Schulabschluss, um dem Konkurrenzkampf des
Arbeits- und Ausbildungsmarktes standzuhalten, die bestmögliche Abiturnote,
um einen Studienplatz an den beliebtesten Fakultäten wie Medizin und
Psychologie zu erhalten. Schon lange geht es nicht mehr hauptsächlich
darum, einer gefährdeten Versetzung entgegenzuwirken. Der
Konkurrenzkampf beginnt schon im Alter von 9 Jahren. Nach der
Ganztagsschule, die in der Regel bis ca. 16 Uhr geht, besuchen die Schüler
noch privaten Nachhilfeunterricht, teilweise bis 20 Uhr, mehrmals in der
Woche, durchgehend in den Ferien. Dabei sind es vorwiegend Schüler, aus
sozial besser gestellten Familien, denn qualitativer Unterricht ist teuer und
private Kontakte zu kompetenten Nachhilfelehrern fehlen meist. Nun soll erst
einmal geklärt werden, was unter Nachhilfe zu verstehen ist, welche
verschiedenen Definitionen es gibt und welcher Definition diese Arbeit
zugrunde liegt. Anschließend wird näher auf die Inanspruchnahme, die
Motive, Erwartungen und Erfahrungen von Eltern und Schülern mit
Nachhilfeunterricht eingegangen.
2.1
D
EFINITION
,,N
ACHHILFEUNTERRICHT
"
Nicht jeder versteht unter Nachhilfeunterricht dasselbe. Dies führt dazu, dass
entsprechende Studien häufig nicht vergleichbar sind. Nachhilfe ist erst einmal
Unterricht, der zusätzlich zum regulären Schulunterricht stattfindet.
M
ASZL
7 |
S e i t e
versteht innerschulischen Förderunterricht, Hausaufgabenbetreuung und
Silentien ebenfalls als Nachhilfe (
M
ASZL
2004, S. 827; zit. n.
D
OBISCHAT
2010, S. 3). Doch dabei wird die Finanzierung außer Acht gelassen. Daher
differenziert
B
EHR
zwischen unentgeltlichem und privat bezahltem
Zusatzunterricht. Er versteht Nachhilfe als ,,Betreuung von Schülern, die
außerhalb der regulären Unterrichtszeit, zusätzlich zum Zweck der
Leistungssteigerung in spezifischen Schulfächern privat von Eltern organisiert
und finanziert wird" (
B
EHR
1990, S.9). Die meisten Wissenschaftler sind sich
einig, dass Nachhilfe außerhalb des Lernortes Schule stattfindet, ob in
kostenloser Form von Elternhilfe oder Schülergruppen oder in bezahlter Form
als Nachhilfe im Nachhilfeinstitut oder durch einen privaten Lehrer. Anhand
der Kriterien Finanzierung es darf nicht vergessen werden, dass auch
schulischer Zusatzunterricht finanziert werden muss und Organisation
lassen sich die verschiedenen Nachhilfeangebote kategorisieren.
Privat Institutionell
Kostenlos /
öffentlich
finanziert
Eltern-, Geschwisterhilfe,
Schülergruppen
Schulischer Zusatzunterricht,
Nachmittagsbetreuung
sonstiger Träger
Privat finanziert
Privater Nachhilfelehrer
(Schüler, Studenten, Lehrer)
Nachhilfeinstitute (Schülerhilfe,
Studienkreis)
Tabelle1:KategorienvonNachhilfeunterricht
Eine heute allgemein anerkannte Definition von Nachhilfeunterricht findet sich
bei
H
AAG
. Demnach gehören innerschulische Angebote nicht dazu, wie
Förderkurse, Schülertutorien, etc. Des Weiteren wird familiäre Unterstützung
ausgegrenzt, sowie kostenlose Unterstützung durch andere Personen.
Nachhilfeunterricht ist also grundsätzlich privat bezahlter, außerschulischer
Zusatzunterricht (Einzel- oder Gruppenunterricht) durch Lehrer, Studenten,
Nachhilfeinstitute o.Ä., welcher mehr oder weniger regelmäßig stattfindet und,
anschließend an den Schulunterricht, der Erfolgssicherung dient (vgl.
H
AAG
2006, S.523).
2.2
B
ISHERIGE
S
TUDIEN UND DEREN
V
ERGLEICHBARKEIT
Obwohl die Öffentlichkeit immer wieder starkes Interesse am Thema
,,Nachhilfeunterricht" zeigt, sind die repräsentativen Ergebnisse zur Wirkung
und Nachfrage dessen, sehr rar. Aus den letzten 50 Jahren werden im
Folgenden die Ergebnisse aus diesen neun Studien zum Thema dargestellt:
Hardt 1978, Sinus GmbH 1984, Langenmeyer-Krohn/Krohn 1987, Behr 1990,
Hurrelmann/Klocke 1995, Kramer/Werner 1998, Abele/Liebau 1998, Rudolph
2002, Schneider 2005. Die Studie der Sinus GmbH ist heute nicht mehr
8 |
S e i t e
öffentlich, es werden lediglich einzelne Angaben in anderen Studien zitiert. Die
Studien basieren auf großen regionalen Unterschieden, allerdings handelt es
sich bei dieser Auswahl häufig um Studien aus Nordrhein-Westfalen.
Außerdem wurden verschiedenste Stichproben und Stichprobengrößen
gewählt. Teilweise wurden Eltern befragt, teilweise Schüler. Weitere
Unterschiede bestehen darin, an welcher Schulform die Erhebung stattfand,
welche Klassen befragt wurden und ob es sich um aktuelle Nachhilfe oder
auch frühere Inanspruchnahme handelt. Im Folgenden eine tabellarische
Auflistung der Studien und deren allgemeines Ergebnis zur Häufigkeit von
Nachhilfeunterricht.
Autor und Ort der Studie EB/SB (Stichprobegröße)
Häufigkeit
Hardt 1978,
NRW
EB(980)
3HS, 2RS, 1Gym, Kl. 6/9
22% derzeit
Sinus GmbH 1984,
Bayern, HH, NRW,
Niedersachsen
SB(2456)
Kl. 5-11
15% derzeit
Langenmeyer-
Krohn/Krohn 1987,
Hannover
SB(ca. 1500)
OS, HS, RS, Gym, Kl. 5-10
30% derzeit
24% früher
Behr 1990,
NRW
SB(362)
1Gym, Kl. 5/13
11% derzeit
35% früher
Hurrelmann/Klocke
1995, NRW
SB(5893)
HS, GS, RS, Gym, Kl. 5/7/9
18% derzeit
Kramer/Werner 1998,
NRW
EB(26450)
HS, GS, RS, Gym, Kl. 1-13
16% derzeit
Abele/Liebau 1998,
Bayern
EB(1574)
23 Gym, Kl. 5/7/9
16% derzeit
21% früher
Rudolph 2002,
Niedersachsen
EB(1195)
40 Schulen, Kl. 5-10
9,7% derzeit
Schneider 2005,
Deutschland
SB(1224)
Jugendliche mit 17 J.
26% früher
Tabelle2:BisherigeStudienzurInanspruchnahmevonNachhilfeunterricht
In der Tabelle ist zu sehen, dass die Ergebnisse sehr unterschiedlich
ausfallen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Studien verschiedene
Stichproben verwendeten, zeitlich um bis zu 27 Jahre auseinander liegen und
lokal beschränkt sind, sich häufig nur auf ein Bundesland beziehen.
Ausgenommen sei die Studie von
S
CHNEIDER
, der deutschlandweite Daten
des sozioökonomischen Panels (SOEP) auswertete.
2.3
E
RGEBNISSE DER
S
TUDIEN
Nun werden die Ergebnisse der oben genannten Studien systematisch nach
der Verbreitung der verschiedenen Formen von Nachhilfe, der
Inanspruchnahme, den Motiven und den Erfahrungen dargestellt.
9 |
S e i t e
2.3.1
F
ORMEN DER
N
ACHHILFE
Die oben genannten Studien erfassen nicht alle die gleichen Formen von
Nachhilfeunterricht. Wie bereits erwähnt, gibt es keine einheitliche Definition
von ,,Nachhilfe", der alle Studien zugrunde liegen. Die meisten Erhebungen
beschränken sich jedoch auf bezahlte Nachhilfe, durch Institute, Lehrer oder
andere qualifizierte Lehrkräfte.
K
RAMER
/W
ERNER
differenzieren nach
familiärer Nachhilfe, bezahlter und unbezahlter durch dritte (1998, S.21).
Dabei stellten sie heraus, dass 42% der Nachhilfe durch die Eltern gegeben
werden und 10% durch Geschwister. Also finden mehr als 50% des
Nachhilfeunterrichts im familiären Rahmen statt. 17% werden durch ,,sonstige
Lehrpersonen" erteilt, wovon vermutlich ein recht großer Teil ebenfalls aus
Familienangehörigen (Großeltern, Onkel/Tante etc.) besteht. Lediglich 16%
der Nachhilfe erteilen ausgebildete Lehrer, 8% bestehen aus Hilfe durch
Mitschüler und nur 7% schreiben
K
RAMER
und
W
ERNER
der institutionellen
Nachhilfe zu (1998, S. 32). Im Folgenden wird unter Nachhilfe wieder
regelmäßiger, bezahlter, außerschulischer Zusatzunterricht verstanden.
D
ASSLER
(2005)
stellte fest, dass die Bedeutung institutioneller Nachhilfe in
den letzten 15 Jahren stark zugenommen hat. Kommerzielle Anbieter wie die
ZGS Schülerhilfe GmbH und die Studienkreis GmbH weisen inzwischen einen
Marktanteil von geschätzten 30% auf. Während es Mitte der achtziger Jahre
ca. 800 kommerzielle Nachhilfeschulen gab (
W
EEGEN
, 1986), gibt es heute
deutschlandweit mehr als 3000 (dpa, 1997, S. 21). Davon sind allein über
1000 jeweils Filialen des Studienkreises und der Schülerhilfe (Internet:
www.schuelerhilfe.de, www.studienkreis.de, Stand: 19.06.2011, 17:50Uhr).
2.3.2
M
OTIVE UND
G
RÜNDE DER
L
EHRER
,
W
ISSENSCHAFTLER
,
E
LTERN
,
S
CHÜLER
In der Literatur finden sich Gründe, die zu Nachhilfeunterricht führen, welche
sich in vier Bereiche gliedern lassen. Zum einen sind dies Defizite des
deutschen Schulsystems, wie die Halbtagsschule, die in der Regel
Hausaufgaben von den Schülern verlangt. Zu Hause fehlt jedoch häufig die
pädagogische Unterstützung und im Schulunterricht wurden die Schüler nicht
ausreichend darauf vorbereitet, was u. A. an zu großen Klassen liegt (vgl.
BMBF 2004, zit. n.
S
CHNEIDER
2006, S. 133). Des Weiteren wird häufig
schon in der Schulzeit der Arbeits- und Ausbildungsmarkt bedacht. Es
herrscht Lehrstellenknappheit und viele beliebte Studienplätze sind nur mit
10 |
S e i t e
hervorragenden Abiturnoten zu erlangen. Die Gefahr von Arbeitslosigkeit ist
geringer, je höher der Bildungsabschluss ist (vgl.
S
CHNEIDER
2006, S. 134).
Dies führt zu einem Konkurrenzkampf, in dem gerne Nachhilfeunterricht in
Anspruch genommen wird. Auch findet man häufig Feststellungen der Eltern
zu den Wünschen und Erwartungen an ihre Kinder dies ist der dritte
Bereich. Sie erhoffen sich einen mindestens so angesehenen Bildungsgrad,
wie ihren eigenen und streben somit Schulabschlüsse an, die teilweise nicht
den Begabungen und dem Leistungsniveau des Kindes entsprechen, folglich
wird es häufig überfordert (vgl. ebd.). Auch stellte das Institut für
Jugendforschung bei einer Repräsentativbefragung (2003) heraus, dass bei
72% der Nachhilfeschüler die Initiative von den Eltern ausging, ihr Kind zum
Nachhilfeunterricht anzumelden (vgl. Dohmen 2008, S. 28). Dies bestätigt den
letztgenannten Punkt. Als vierter Bereich werden grundsätzliche
Lernprobleme der Schüler angesehen. Sie haben kognitive Schwierigkeiten,
Probleme sich zu motivieren oder sind über einen längeren Zeitraum von einer
Krankheit betroffen gewesen (vgl. ebd.).
Dass die Motive für Nachhilfeunterricht bei Eltern und ihren Kindern oft
voneinander abweichen, klingt nicht ungewöhnlich. Doch stimmen die durch
Lehrer und Wissenschaftler empfohlenen Motive nur selten mit den
tatsächlichen Motiven der Eltern und Schüler überein.
Erziehungswissenschaftler raten zu Nachhilfeunterricht nach längerer
Krankheit, einem Umzug (Zeitmangel, abweichender Lernstand in der neuen
Klasse), einem Schulformwechsel, akuten Leistungsschwächen oder
Begabungsmangel in einem bestimmten Fach
(K
RÜGER
1977,
B
ECKER
/K
OHLER
2002, zit. n.
R
ACKWITZ
2005, S. 36). Lehrer empfehlen
Zusatzunterricht ganz ähnlich: Bei längerer Krankheit, familiären Problemen,
vorhandenen Wissenslücken, einem Schul- oder Schulformwechsel (
G
IEßING
1997, zit. n. ebd.).
Eltern gaben bei
K
RAMER
/W
ERNER
stark abweichende Motive an. 27%
sahen den Grund für Nachhilfebedarf in didaktischen Defiziten einiger Lehrer
(am häufigsten an Gymnasien), ebenso solle auch nach 23,1% der Eltern die
Lernmotivation der Schüler gesteigert werden. Lediglich 7% bekommen
Nachhilfeunterricht wegen häufigerem Unterrichtsausfall, 5,9% wegen
längerer Krankheit. Der größte Teil der Eltern wünscht sich, dass die Nachhilfe
bessere Schulleistungen erbringt (66,4%) und Leistungsschwächen
ausgeglichen werden (56,2%). Damit scheint ,,nicht unbedingt ein [...]
kurzfristiges Interesse im Vordergrund zu stehen, sondern es wird eher ein
11 |
S e i t e
mittelfristiges Ziel (bessere Schulleistungen) verfolgt." (
K
RAMER
/W
ERNER
1998, S. 28) Rund einem Viertel der Eltern geht es um die Sicherung der
gefährdeten Versetzung. Hier liegt das Motiv in der kurzfristigen Lösung eines
akuten Problems.
Auch nach
H
ARDT
wollen zwei Drittel der Nachhilfeschüler lediglich ihre Note
verbessern, ohne dass eine Gefährdung der Versetzung vorliegt (1978). 96%
der Nachhilfeschüler aus Abschlussklassen (Klasse 10 und 13) erhalten
außerschulischen Zusatzunterricht, da sie einen möglichst guten Abschluss
erzielen wollen (vgl.
K
RAMER
/W
ERNER
1998, zit. n.
R
ACKWITZ
2005, S. 36).
Es geht den Eltern und Schülern also häufig nicht mehr um das Erlangen des
Abschlusses, sondern darum, wie sie den Abschluss erlangen, mit möglichst
guten Noten.
R
UDOLPH
(2002, S. 150f.) bestätigt durch ihre Elternbefragung ebenfalls
deren Motive. Hier geht es knapp der Hälfte darum, den Schulabschluss oder
die Versetzung zu schaffen. 37,7% erhoffen sich eine Leistungssteigerung,
ohne dass die Versetzung oder der Abschluss gefährdet sind. Diese neue
Sichtweise der Eltern, Nachhilfe habe eine prophylaktische Funktion, findet
,,sich besonders bei Angestellten, Beamtinnen und Selbstständigen [...]
wi[e]der, [also] in einer gesellschaftlichen Mittelschicht [...], die hohe
Bildungserwartungen an ihre Kinder stellt." (
R
UDOLPH
2002, S.153) Knapp
40% der Eltern empfinden die Hausaufgaben als zu schwierig und sehen zu
wenig Übung in der Schule als Grund für den Bedarf an Nachhilfeunterricht.
Außerdem bemängelt ein Drittel das zu hohe Lerntempo in der Schule, dies
gilt besonders für die Orientierungsstufe.
H
AAG
betont, dass Lehrer und Eltern die Gründe für den Bedarf an
Nachhilfeunterricht meist bei den Schülern sehen. Diese hätten zeitweise zu
wenig für die Schule getan ,,und/oder nur mangelndes Interesse gezeigt."
(
H
AAG
2006, S. 527) Stundenausfall, Lehrerwechsel und didaktische Defizite
der Lehrer werden als Gründe herangezogen, bevor Eltern sich eingestehen,
dass ihr Kind vielleicht durch die falsche Schulwahl überfordert sein könnte.
Die Studie der Sinus GmbH stellte jedoch durch Lehrerbefragungen heraus,
dass der Nachhilfebedarf auch durch ,,mangelnde Leistungsbereitschaft,
Unkonzentriertheit [und] Begabungsschwächen, [sowie das] Angewiesensein
auf Druck von außen [entsteht]" (ebd.). Befragt man Schüler zu der
Notwendigkeit von Nachhilfeunterricht, so erhält man größtenteils andere
Antworten, als durch die Eltern. Sie beziehen sich mehr auf den Unterricht und
12 |
S e i t e
den Lehrer, als auf sich selber. Nichtverstandenes müsse häufiger im
Unterricht erklärt werden, oder auch besser/anders erklärt werden. Daraus
folgend können Hausaufgaben häufig nicht allein bewältigt werden.
Irgendwann reiche elterliche Hilfe nicht mehr aus, sodass professionelle Hilfe
in Anspruch genommen würde. Mütter sind immer häufiger berufstätig und
somit weniger zu Hause, oder sie sind den Anforderungen ebenfalls nicht
gewachsen. Außerdem steht der Wunsch nach besseren Noten ohne
Gefährdung der Versetzung häufig im Vordergrund.
A
BELE
/L
IEBAU
stellten fest, dass Eltern am häufigsten den Grund für
Nachhilfebedarf darin sehen, dass ihre Kinder ,,zeitweilig nicht genug
gearbeitet" haben (1998, S. 44), gefolgt von der Vermutung, die ,,Stoffmenge
im Unterricht sei sehr hoch bzw. zu hoch" (ebd.). Ersteres ist in der neunten
Klasse als viel bedeutsamer eingeschätzt worden, als in der fünften Klasse.
Als weniger bedeutsam wurden zwei andere Gründe gesehen, nämlich mehr
Zeitbedarf des Kindes und ungünstige Unterrichtsbedingungen, wie
Stundenausfall, Lehrerwechsel oder mangelndes Interesse. Letzteres ist
ebenfalls in der fünften Klasse weitaus weniger bedeutsam als in der siebten
und neunten Klasse.
2.3.3
I
NANSPRUCHNAHME VON
N
ACHHILFE
Nachdem erläutert wurde, aus welchen Gründen Schüler Nachhilfeunterricht
in Anspruch nehmen, soll nun näher darauf eingegangen werden, in welcher
genauen Situation die Schüler sich zu diesem anmelden bzw. angemeldet
werden, also mit welcher Eingangsnote, in welchen Jahrgängen und Fächern,
wie häufig, wie lang andauernd etc.
A
BELE
/L
IEBAU
stellten als Durchschnittsnote beim Eintritt in den
Nachhilfeunterricht eine 4,25 fest, wobei die Noten von Fach zu Fach
unterschiedlich sind. In Mathematik lagen die Schüler durchschnittlich bei
einer Note von 3,85, in Englisch bei 4,29, Französisch bei 4,38 und in Latein
bei einer 4,47 (
A
BELE
/L
IEBAU
1998, S. 43). Die Autoren vermuten, dass die
Eltern das Gefühl haben, ,,dass schwache Leistungen in Mathematik schneller
gravierende Folgen zeitigen, als schwache Leistungen in den Sprachen."
(ebd.)
B
EHR
kam in seiner Studie auf einen Notenstand von 4,9 vor dem
Nachhilfeunterricht. (
B
EHR
1990, S. 57) Hier wurden die Noten nicht nach
einzelnen Fächern aufgeschlüsselt.
Bei
K
RAMER
/W
ERNER
sind keine Angaben zu den Eingangsnoten gemacht
worden hier wird sich mehr auf die ,,kritischen" Jahrgänge konzentriert. ,,Das
13 |
S e i t e
Schwergewicht der Nachhilfeaktivitäten entfällt auf die Zeitspanne der
Pubertät von der 7. bis zur 10. Klasse." (
K
RAMER
/W
ERNER
1998, S. 24) Am
häufigsten nehmen Schüler der 10. Klasse bezahlte Nachhilfe. Bis dahin steigt
der Anteil von der 1. Klasse mit 0,5% auf 29% an und sinkt bis zur 13. Klasse
wieder auf 14,3% ab. Wird die familiäre Nachhilfe ebenfalls mit einbezogen,
liegt der Hochpunkt der Inanspruchnahme mit 45,2% aller Schüler in der 8.
Klasse. Die Autoren vermuten, dass im Zeitraum von der 7. bis zur 10. Klasse
,,die Verständigungsprobleme zwischen den [...] Jugendlichen und
Erwachsenen am größten" (ebd.) sind.
H
URRELMANN
stellte 1995 mit seiner
Repräsentativbefragung fest, dass 18% aller elf bis 17-jährigen privat
bezahlten Nachhilfeunterricht erhalten.
Dabei sind Mathematik, Deutsch und die Fremdsprachen die gefragtesten
Fächer. Deutschnachhilfe wird durch Hauptschüler viermal so häufig angefragt
wie durch Gymnasiasten, Mathematik und Fremdsprachen (insbesondere
Englisch) ist an Gymnasien ab der 8. Klasse sehr häufig gefragt. Generell sind
die Hauptfächer am stärksten vertreten, da diese durch schriftliche Arbeiten
für die Schullaufbahn am entscheidendsten sind (vgl.
R
UDOLPH
2002, S.99).
Fremdsprachen wie Latein oder Spanisch finden sich sehr selten in den
Auswertungen, da sie nicht so stark verbreitet sind, wie bspw. Englisch. Nach
H
ARDT
nahmen 36% aller Schüler mit Nachhilfeerfahrung sogar Unterricht in
mehreren Fächern in Anspruch (
H
ARDT
1978, S. 117).
L
ANGENMEYER
-
K
ROHN
/K
ROHN
erhielten für die einzelnen Fächer nach Schulformen
differenziert folgende prozentuale Verteilung:
Englisch 45%, (OS 35%, HS 44%, RS 66%, Gym. 49%)
Mathematik 38%, (keine starken Abweichungen)
Deutsch 18%, (OS 41%, HS 44%, RS 13%, Gym. 5%)
Französisch 13% (RS 6% Gym.30%, sonst nicht unterrichtet),
Latein/Griechisch 2% (nur an Gym. unterrichtet, dort 5% Anteil)
Zwei Drittel der Nachhilfeschüler nehmen Unterricht in nur einem Fach in
Anspruch, ein Drittel in mehreren Fächern (
A
BELE
/L
IEBAU
1998, S. 46).
J
ÜRGENS
/D
IECKMANN
(2007) machten abweichende Angaben: 53% erhalten
Nachhilfe in einem Fach, 41% in zwei Fächern, 6% in drei oder mehr Fächern
(vgl.
D
OHMEN
2008, S. 39)
Die Häufigkeit des Unterrichts wurde in den Studien recht unterschiedlich
festgestellt. Bei
H
URRELMANN
gaben die Schüler im Durchschnitt einen
Umfang von zwei Stunden pro Woche an (1996, S. 38).
A
BELE
/L
IEBAU
14 |
S e i t e
stellten ebenfalls einen Schnitt von ein bis zwei Stunden pro Woche fest.
(1998, S. 46).
K
RAMER
/W
ERNER
kommen auf acht Stunden pro Monat, wobei
knapp fünf Stunden auf familiäre Nachhilfe fallen (1998, S. 33). Bei
H
ARDT
gaben die Eltern an, ihrem Kind täglich im Schnitt etwa 25 Minuten bei den
Hausaufgaben zu helfen (vgl.
H
ARDT
1978, S. 121). Jedoch helfen ,,Eltern,
die der Meinung sind, alle oder einige Lehrer ihrer Kinder erwarteten von
ihnen, dass sie bei den Hausaufgaben helfen", (
H
ARDT
1978, S. 131) ihren
Kindern tatsächlich auch länger. Zu dieser Gruppe der Eltern lassen sich
knapp über 30% zählen. Hinzu kommen wöchentlich bei 41,8% der
Nachhilfeschüler eine Stunde bezahlter Unterricht, bei 46,7% zwei Stunden.
Lediglich 8,8% gaben an, ihr Kind erhalte wöchentlich drei Stunden bzw. 2,2%
auch mehr Nachhilfeunterricht (ebd.).
R
UDOLPH
stellte fest, dass 52,5% des
Nachhilfeunterrichts der 5. bis 10. Klasse institutionell stattfinden (
R
UDOLPH
2002, S. 148). Knapp die Hälfte davon findet jeweils bei der Studienkreis
GmbH und der Schülerhilfe GmbH statt. Lediglich 1,8% werden durch andere
Institute erteilt. Mehr als 45% des Unterrichts fallen hier in familiäre bzw.
unbezahlte Bereiche (vgl. ebd.).
Die Dauer der Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht hat sich in den
letzten Jahrzehnten offenbar verlängert.
D
Die befragten Eltern bei
H
ARDT
s Studie (1978) gaben zu 15,9% an, der
Unterricht erstrecke sich lediglich über ein bis zwei Monate, 30,8% gaben drei
bis vier Monate an, 24,2% fünf bis sechs Monate und 29,1% der Eltern
bestätigten einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten (vgl.
G
IEßING
1997,
S. 30). Ähnlich stellte
K
RÜGER
1977 fest, dass 15% sechs bis 12 Monate
Nachhilfeunterricht in Anspruch nehmen und 19% länger als 12 Monate
(
K
RÜGER
1977, S. 551). 1990 erhielten nach
B
EHR
nur 6% länger als ein Jahr
Zusatzunterricht und
A
BELE
/L
IEBAU
stellten 1998 wiederum einen Anteil von
15% fest. Erwähnenswert bleibt jedoch, dass trotz dieser Veränderung, der
Anteil der Nachhilfeschüler, die nur bis zu sechs Monate Nachhilfeunterricht
erhalten 1977 bei 66% lag und 1998 bei 69%, hingegen der Anteil von sechs
bis 12 Monaten aber von anfangs 15%, danach 45%, bis 1998 auf 17%
Dauer in Monaten
1-2 3-4
5-6
6-12
>12
Hardt 1978
15,9
30,8
24,2
29,1
Krüger 1977
25 41 15 19
Behr 1990
19
30
45
6
Abele/Liebau 1998
15
Tabelle3:DauerdesNachhilfeunterrichtsinMonaten,Angabenin%
15 |
S e i t e
schwankte. Dieser Anteil scheint sich zum Teil auf die Sparte ,,länger als 12
Monate" verschoben zu haben (vgl. Gießing 2000, S. 172). Die
durchschnittliche Dauer von etwa sieben Monaten konnte aber in diesen
Studien gleichermaßen ermittelt werden. Der Mittelwert ist hier also eine sehr
irreleitende Angabe.
R
UDOLPH
und
H
URRELMANN
stellen gleichermaßen fest,
dass Nachhilfeunterricht für immer mehr Schüler eine ganzjährige
,,Dauereinrichtung/ -belastung" (
R
UDOLPH
2002, S. 138) geworden ist. Nach
R
UDOLPH
erhalten 63% länger als 12 Monate Nachhilfeunterricht (ebd.). Die
Angaben zur Motivlage in
H
URRELMANN
s Studie stimmen nicht mit den
ermittelten Werten zur Dauer der Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht
überein. Die Untersuchung zeigte, dass Nachhilfe besonders bei den Schülern
verbreitet ist, deren Versetzung gefährdet ist, oder die gerade sitzen geblieben
sind. Ein Viertel dieser Schüler konnte aber keine entsprechenden Noten
nachweisen, die auf eine akute Leistungsschwierigkeit hinweisen. Der
Nachhilfeunterricht dient ,,gewissermaßen als vorbeugende Maßnahme, um
möglichen Leistungsabfällen rechtzeitig zuvorzukommen" (
H
URRELMANN
1996, S. 38).
2.3.4
E
RFAHRUNGEN MIT
N
ACHHILFEUNTERRICHT
Im Gegensatz zu der Verbreitung ist die Wirkung von Nachhilfeunterricht noch
heute eine ,,terra incognita" (
H
AAG
2001, S. 527). Die bisherigen Bewertungen
des Unterrichts wurden durch Querschnittstudien erhoben, es wurde also
keine Erfolgskurve verfolgt. Somit kann die Aussagekraft dieser Ergebnisse
nicht gemessen werden. Jedoch konnten einige Trends nachgewiesen
werden. Auch gibt es durchschnittliche Daten zu Notenverbesserungen in
bestimmten Zeiträumen.
Die pädagogische Seite des Nachhilfeunterrichts wird von Eltern, Schülern
und Lehrern positiv bewertet (vgl. ebd.). Sichtbare Verbesserungen wurden
beim Lernverhalten der Schüler und deren Motivation festgestellt.
Lediglich 4% der Eltern beurteilen bisherigen Nachhilfeunterricht nicht als
erfolgreich, während ca. 43% den Unterricht als insgesamt erfolgreich
bewerten und 53% zumindest teilweise Fortschritte erkennen (vgl.
K
RAMER
/W
ERNER
1998, S. 43). Werden diese Ergebnisse nach Formen der
Nachhilfe aufgeschlüsselt betrachtet, so schneidet der bezahlte Unterricht mit
5,9% Erfolgslosigkeit am schlechtesten ab und die familiäre Hilfe mit nur 2,1%
am besten.
A
BELE
/L
IEBAU
konnten ,,kein[en] Zusammenhang zwischen der
Beurteilung der Wirksamkeit und der Höhe der aufgewendeten finanziellen
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