LUDWIG- MAXIMILIAN- UNIVERSITÄT MÜNCHEN
Fakultät für Pädagogik und Psychologie
im Seminar :”Ästhetische Erziehung “
Hautkontakt und Ichbildung
Astrid Berger
Inhalt:
1. Die Haut
Aufbau und Entstehung
2. Hautstimulation und Geburt
2.1 bei Säugetieren
2.2 beim Menschen
3. Die Haut- Grenze des Ichs
3.1 Das Empfinden des Säuglings und sein Weg zur Ichbildung
3.2 Das Ich als Haut der Seele
4. Berührung heute
1. Die Haut
“Tatsächlich können alle fünf Sinne auf einen zurückgeführt werden - den Tastsinn, das Empfinden. Die Zunge und der Gaumen empfinden die Speise; das Gehör empfindet die Schallwellen; die Nase Gerüche; die Augen die Lichtstrahlen “ Mead \ Metraux
Die Haut ist unser größtes und das erste funktionierende Sinnesorgan. Sie bildet die Hülle unseres Körpers und ist somit die Grenze zwischen Innenund Außenwelt. Sie besteht aus mehreren Schichten (von außen nach innen):
Die Haut hat mehrere Funktionen: sie gewährleistet den Schutz des Organismus vor äußeren Einflüssen; dient als Sinnesorgan ( Tastsinn, taktile Wahrnehmung ), ist Temperaturregulator und Stoffwechselorgan. Der Tastsinn ist bereits beim 8Wochen alten Embryo durch Berührung an den Lippen und daraus folgendem Zurückweichen nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt ist der Embryo etwa 2,5 cm groß und hat weder Augen noch Ohren. Später nimmt die Haut etwa 17,8 % des Gesamtgewichts eines Erwachsenen ( Neugeborene 19,7 % ) und 18000 cmD Fläche ein. Durchschnittlich befinden sich etwa 50 Tastkörperchen ( Nervenenden ), die Wahrnehmungsorgane der Haut, auf 100 mm2 Hautfläche. An den empfindlichsten Stellen, wie Lippen, Fingerspitzen und Zunge sind es bis zu 135.(vgl. Montagu, A. ;1971, S.7-8 ) Die Entwicklung der Haut dauert das ganze Leben an, alte Zellen werden permanent abgestoßen und durch neue ersetzt. Durch ihre Beschaffenheit vermittelt die Haut Informationen über den Menschen ( z.B. durch die Pigmentierung ,d.h. Hautfarbe; Falten; Narben; Elastizität; Grob- oder Feinporigkeit; u.s.w.).
Die taktile Wahrnehmung ist ständig vorhanden, d.h. wir nehmen dauernd Informationen über die Haut auf (z.B. Berührung durch Kleidung oder Luft) und wir können dies nicht abschalten, sowie wir die Augen schließen und uns Nase und Ohren zumindest zuhalten können. Selbst im Schlaf reagieren wir auf Informationen der Haut; z.B. durch Umdrehen bei Überhitzung einer Körperstelle.
Die Haut entwickelt sich aus der äußersten der drei embryonalen Zellschichten- dem Ektoderm. Aus demselben entstehen auch alle anderen Sinnesorgane, die Nervenbahnen, sowie das Gehirn. So entsteht ein eng verknüpfter Wahrnehmungsapparat: Haut (Informationsaufnahme), Nervenbahnen (Informationsweiterleitung) und Gehirn (Informationsverarbeitung). Innerhalb des Gehirns nehmen die Bereiche zur Verarbeitung taktiler Reize großen Raum ein. Dies weist laut Montagu auf die Vielfalt der Funktionen und die große Bedeutung des Organs Haut für den Organismus hin. (vgl. Montagu,A.,1971, S.11) Wie eng taktile Stimulierung tatsächlich mit der Bildung von Gehirnfunktionen, zu denen auch das Ich- Gefühl gehört, zusammenhängt, wird zur Zeit auf neurophysiologischer Ebene erforscht, und findet großes Interesse sowohl von wissenschaftlicher als auch von populärer Seite. (vgl. Artikel in Focus 3\1997, S105-111und Stern 10\1997, S.34-42) Verbindungen im Gehirn und zwischen den Nervenbahnen bilden sich nach der Geburt unter dem Einfluss einer Flut neuer Sinneswahrnehmungen. Zu diesen Wahrnehmungen gehören zuallererst solche taktiler Art. Sie bilden die Basis für die Entwicklung aller anderen Sinne. Das Erleben der ersten Berührungen, als erste Kommunikationsform, sowie im Sinne einer Sicherheit vermittelnden Basis, ist von grundlegender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Sinne , der Nerven und des Gehirns; und damit auch dessen, was wir als unser “Ich” beschreiben.
2. Hautstimulation und Geburt
“Was wir durch die anderen Sinne wahrnehmen, ist nichts als eine glaubhafte Hypothese, die der Bestätigung durch unsere wirkliche Berührung mit ihr erst bedarf” Ashley Montagu
2.1 bei Säugetieren
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Arbeit zitieren:
M.A. Astrid Berger, 1997, Hautkontakt und Ichbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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