Colitis ulzerosa - Inhaltsverzeichnis
Definition und Häufigkeit. 4
Definition. 4
H äufigkeit. 4
Ursachen und Risikofaktoren 5
Dysregulation des Immunsystems 5
Genetische Disposition. 6
Tabakkonsum 6
Ern ährungsfaktoren 6
Blinddarmentz ündung und Appendektomie 6
Weitere Risikofaktoren 7
Formen und Klassifizierung 7
Mayo -Score 8
Pathophysiologie 9
Veränderungen der Mukosaarchitektur 9
Gewebesch ädigungen. 10
Symptomatik 10
Allgemeine Symptomatik. 10
Symptomatik im Akuten Schub 11
Extraintestinale Manifestationen 11
Knochenmanifestationen. 11
Komplikationen und Folgeerkrankungen 12
Überblick. 12
Infektiologische Probleme 12
Pouchitis 12
Darmkrebs 13
Diagnostik 13
Allgemeines 13
Anamnese 14
Differenzialdiagnostik 14
Labordiagnostik 14
Endoskopie. 15
Ultraschall. 15
Biopsie. 15
Histologische Untersuchungen. 15
Ern ährungstherapie 15
Ern ährung in den einzelnen Phasen 15
Einfluss durch Nähr- und Wirkstoffe. 19
Ern ährung bei Komplikationen 20
2
Medikament öse Therapie 20
Überblick. 20
Chirurgische Therapie 29
Literatur. 30
Impressum
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Definition und Häufigkeit
Synonyme und andere Schreibweisen
Colitis ulcerosa/ Kolitis ulzerosa
engl.: colitis ulcerativa, ulcerative colitis
Definition
Colitis ulzerosa ist eine in Schüben verlaufende chronisch entzündliche Darmerkrankung, die vorrangig im Rektum beginnt und sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen auf das Kolon erstreckt. Die Entzündungen breiten sich kontinuierlich aus und beschränken sich ausschließlich auf die Schichten der Schleimhaut (Mukosa und Submukosa). Hierbei kommt es im Krankheitsverlauf zur Ausbildung von Geschwüren in der Darmschleimhaut. Je nach Ort der Entzündung handelt es sich um eine:
ulzeröse Proktitis (Beschränkung auf den Mastdarm)
ulzeröse Rektosigmoiditis (Ausdehnung auf Mastdarm und die Sigmaschleife des Dickdarms) ulzeröse linksseitige Kolitis (Ausdehnung bis auf den absteigenden Dickdarmabschnitt) ulzeröse Pankolitis (Ausdehnung auf den gesamten Dickdarm)
ulzeröse Ileokolitis/ „Backwash Ileitis“ (Ausdehnung bis zum unteren Dünndarmabschnitt)
Häufigkeit
Europaweit erkranken jährlich 9 bis 12 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Deutschland sind es 3 bis 4 Neuerkrankungen pro Jahr und 100.000 Einwohner [Tim991] [Ott08]. Colitis ulzerosa kann in jedem Lebensalter auftreten, häufig wird die Erkrankung zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr diagnostiziert [Ott08]. Vereinzelt wurde über eine Colitis auch im Säuglingsalter berichtet. Im internationalen Vergleich liegt Deutsch-land mit einer Inzidenz von 4,1 Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner deutlich unter der europäischen Durchschnittsinzidenz von 10,4. Zudem gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, wobei die Neuerkrankungsrate in Nordeuropa um etwa 40% höher als in den südeuropäischen Ländern liegt [Shi96].
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Die Prävalenz liegt in der westlichen Welt vermutlich zwischen 160 und 250 Fällen pro 100.000 Einwohner [Lof04]. Erhebungen in einzelnen Großstädten Deutschlands ermittelten hingegen nur eine Krankheitshäu-
figkeit von etwa 25 bis 30 Fällen pro 100.000 Einwohner [Dai89] [Dir94].
Die Kosten belaufen sich durchschnittlich auf 2.500 bis 5.000 Euro pro Patient und Jahr. Hierbei handelt es sich um direkte Kosten (Arztbesuche, Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Operationen etc.), während indirekte Kosten (frühzeitige Rente, Arbeitsausfälle, etc) nicht einberechnet sind [Sta06]. Auf Deutschland bezogen fallen folglich jährlich rund 1 bis 2 Milliarden Euro Versorgungskosten an.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Colitis ulzerosa sind noch unbekannt und bieten viele Möglichkeiten für Spekulationen. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass es sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung handelt, bei der sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Die niedrige Konkordanzrate (Wahrscheinlichkeit, mit der ein Merkmal bei beiden Zwillingen auftritt) von 15 % bei eineiigen Zwillingen lässt vermuten, dass erbliche Faktoren bei der Colitis ulzerosa eher eine un-tergeordnete Rolle spielen [Car09].
Der Umstand, dass es in den 40ern in Nordeuropa und in den 60ern auch in Südeuropa zu einem deutlichen Anstieg der Neuerkrankungsfälle kam, spricht zudem für den Einfluss bestimmter Umweltfaktoren [Car09]. Nicht ausschließbar als Erklärung für diesen Anstieg ist allerdings auch eine bessere Diagnostik bzw. stärkere Beachtung der Erkrankung in den letzten Jahrzehnten.
Vermutlich spielen eine Regulationsstörung des intestinalen Immunsystems, Medikamenteneinnahme und Ernährungsfaktoren in Verbindung mit einer genetischen Prädisposition eine wichtige Rolle. Des Weiteren werden Umweltfaktoren (Schadstoffe) und Infektionen (Viren, Bakterien) als Ursachen diskutiert.
Dysregulation des Immunsystems
Für den Verlauf der Erkrankung wird im Wesentlichen eine immunologische Fehlreaktion gegen die eigene Darmflora beschrieben [Xav07]. Die durch Monozyten und Makrophagen produzierten proentzündlichen Zytokine Interleukin 1 (IL-1), Interleukin 6 (IL-6) sowie Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) sind in der Steuerung des intestinalen Entzündungsgeschehens von großer Bedeutung. Beginn und Chronifizierung der intestinalen Entzündungsreaktionen lassen sich meist aus Ungleichgewichten zwischen pro- und kontraentzündlichen Mediatoren erklären. Da eine kausale Therapie nicht möglich ist, zielt ein Großteil der Medikamente auf eine Beeinflussung des Gleichgewichts zwischen entzündungsfördernden und -hemmenden Zytokinen. Dieser Effekt wird durch die Unterdrückung der Sekretion proinflammatorischer Zytokine erreicht, oder aber indem antiinflammatorische Zytokine wie Interleukin 10 (IL-10) oder Interleukin 4 (IL-4) in ihrer Bildung stimuliert oder substituiert werden.
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Genetische Disposition
Genetische Faktoren scheinen das Erkrankungsrisiko zu beeinflussen. Diese These wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher Studienergebnisse und Beobachtungen unterstützt. Obwohl Gene eine ursächliche Rolle spielen können, werden Art und Umfang durch starke Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt beeinflusst.
Tabakkonsum
Obwohl der Konsum von Tabak unbestritten die Gesundheit auf mannigfaltigste Weise schädigt und ein nachgewiesener Risikofaktor für vielerlei Krankheiten ist, scheint sich dieser bei Colitis ulzerosa sowohl auf das Erkrankungsrisiko als auch auf den Krankheitsverlauf positiv auszuwirken [Bas11]. Überraschenderweise zeigen Raucher nicht nur ein deutlich niedrigeres Risiko zu erkranken, ein Verzicht auf Tabak kehrt den protektiven Effekt laut zweier Metaanalysen sogar um ([Cal89]; [Mah06]). Die Häufigkeit von Entzündungsschüben, die Menge an Krankenhausaufenthalten, die Notwendigkeit von oralen Steroiden sowie die Rate von Kolektomien sind bei Rauchern niedriger als bei Nichtrauchern. Interessanterweise berichten verschiedene Studien zudem über eine Verschlechterung des Krankheitszustandes, wenn der Patient das Rauchen einstellte sowie über eine Linderung der Beschwerden, wenn er damit wieder begann (Literatur in [Bas11]).
Obwohl der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Colitis ulzerosa seit einigen Jahrzehnten bekannt ist, kann über die Gründe bislang nur spekuliert werden, was nicht zuletzt an den allgemein mangelhaften Kenntnissen über die der Krankheit zugrundeliegenden Mechanismen liegt. Ein möglicher Erklärungsansatz könnte in den immunsystemschwächenden Eigenschaften des Nikotins begründet sein oder auch in den beobachteten Veränderungen bestimmter Entzündungsmediatoren, die möglicherweise bei Colitis ulzerosa eine treibende Rolle spielen. Der therapeutische Einsatz von Nikotin konnte bislang allerdings nicht überzeugen (Literatur in [Bas11]).
Ungeachtet der protektiven Effekte des Tabakkonsums auf die Colitis ulzerosa dürfen dessen gesundheitsschädliche Auswirkungen auf andere Erkrankungen nicht außer Acht gelassen werden. Betroffene Raucher sollten daher umfassend über die positiven wie auch negativen Auswirkungen eines Tabakverzichts sowie die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung einer folgenden Symptomverschlechterung aufgeklärt werden.
Ernährungsfaktoren
Die Erkrankung tritt in Bevölkerungen mit hoher Nahrungsfaseraufnahme seltener auf. Vor allem wasserlösliche Ballaststoffe sowie resistente Stärke werden von den Dickdarmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, die, insbesondere Butyrat (Buttersäure), den Zellwänden Energie liefern. Bei Patienten mit Colitis ulzerosa ist der Prozess der Metabolisierung des Butyrats eingeschränkt.
Beim bakteriellen Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren entstehen Sulfide, die die Schleimhaut schädigen können. Derartige Aminosäuren kommen beispielsweise in Eiern, Milch, Käse und Nüssen vor. Ein eindeutiger Beweis, dass einzelne Lebensmittel mit einem erhöhten Colitisrisiko verbunden sind, fehlen allerding nach wie vor [Car09].
Säuglinge, die nicht gestillt wurden, wiesen in einigen Studien ein erhöhtes Risiko auf, an Colitis ulzerosa zu erkranken [Car09]. Wahrscheinlich geht die frühe Gabe von Kuhmilch mit einer Veränderung der Darmflora und der Bildung von Antikörpern gegen die Milchproteine sowie Bakterienantigene einher.
Blinddarmentzündung und Appendektomie
Die operative Entfernung des Wurmfortsatzes im Zuge einer Blinddarmentzündung zeigte sich in verschiedenen Studien als schützender Faktor vor der Ausbildung einer Colitis ulzerosa und konnte das Risiko zu erkranken etwa halbieren [Car09]. Über die Gründe existieren bislang nur Spekulationen. Dabei sind allerdings zwei Tatsachen zu beachten: 1) Die prophylaktische Appendixentfernung ohne vorrangegangene Blinddarmentzündung etwa bei Angehörigen von Betroffenen führte zu keiner Risikoreduktion. 2) Der protektive Effekt war nur zu beobachten, wenn die Appendektomie vor dem 20. Lebensjahr stattfand. Mögliche Mechanismen könnten in einer durch die Appendizitis ausgelösten Veränderungen des darmassoziierten
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Immunsystems oder in einer genetischen Veranlagungen, die zu einer frühen Anfälligkeit für Blinddarmentzündungen aber auch zu einem niedrigen Colitisrisiko führt, liegen [Fri09].
Weitere Risikofaktoren
Sozioökonomische Faktoren
Verschiedene Studien zeigten eine höhere Verbreitung der Colitis ulzerosa in städtischen Regionen und bei Menschen eines hohen sozialen Standes bzw. mit sitzenden Tätigkeiten. Körperliche Aktivität, Sonnenlichtexposition, häusliche Hygienebedingungen sowie Umweltbedingungen scheinen folglich einen Einfluss auf die Krankheitsentstehung zu haben [Car09].
Hygiene-Hypothese
Ähnlich wie bei Morbus Crohn, Allergien und Neurodermitis wird auch bei Colitis ulzerosa ein Einfluss des hohen Hygienestandards unserer Gesellschaft diskutiert. Anhängern der Theorie zufolge, ist der Kontakt mit Umweltkeimen im Kindesalter für die Ausbildung eines gutfunktionierenden Immunsystems essenziell. Die strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie die flächendeckende Bekämpfung von potenziellen Krankheitserregern mittels Desinfektionsmitteln im Haushalt stehen dieser Entwicklung folglich entgegen. Nahrung erhält dieser Erklärungsansatz unter anderem durch das seltenere Auftreten der Colitis ulzerosa in ländlichen Regionen bzw. Ländern mit niedrigem hygienischen Standard. Wissenschaftliche Beweise gibt es allerdings kaum.
Perinatale Infektionen
In einigen Studien waren frühkindliche Infektionen mit einem höheren Colitisrisiko verbunden. Bei viralen Infektionen scheint dieser Effekt ausgeprägter als bei bakteriellen Infekten zu sein [Car09].
Formen und Klassifizierung
Eine Klassifizierung der Erkrankung erfolgt in Abhängigkeit der Ausdehnung der Erkrankung. Die Montreal-Klassifikation [Sil05] unterscheidet zwischen:
E1 - Proktitis:
begrenzt auf das Rektum
E2 - Linksseitenkolitis:
Befall bis zur linken Flexur
E3 - ausgedehnte Kolitis:
Ausweitung der Erkrankung über die linke Flexur bis zur Pankolitis
Diese Einteilung entscheidet über den Einsatz der entsprechenden Medikamente wie topische oder systemische Medikamente sowie von Mesalazin-Präparaten. Zusätzlich nimmt die Einteilung Einfluss auf das Überwachungsprogramm für Kolonkarzinome.
Bei einer schweren akuten Form der Colitis Ulzerosa müssen die folgenden Kriterien nach Truelove und Witts erfüllt sein:
mehr als 6 blutige Durchfälle pro Tag
Fieber
Tachykardie
Anämie
BSG > 30 mm/ h
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Arbeit zitieren:
FET e.V., 2011, Fachkompendium Colitis ulzerosa, München, GRIN Verlag GmbH
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