Histamin und Histaminintoleranz - Inhaltsverzeichnis
Histamin 3
Chemie und Eigenschaften 3
Biosynthese und Stoffwechsel 3
Wirkungsweise 4
Vorkommen und Gehalte in Nahrungsmitteln 5
Definition und Häufigkeit 11
Definition 11
H äufigkeit 11
Ursachen und Risikofaktoren 11
Pathophysiologie 12
Symptomatik 13
Klinische Symptome 13
Unspezifische Symptomatik 13
Symptomausl ösende Nahrungsmittel 13
Diagnostik 14
Anamnese 15
DAO -Aktivitätstest 15
Histaminfreisetzungstest 16
Labordiagnostik 16
Differenzialdiagnostik 16
Ern ährungstherapie 16
Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an anderen biogenen Aminen 17
Nahrungserg änzungsmittel 17
Medikament öse Therapie 18
Antihistaminika - Informationen nach dem Arzneimittel-Telegramm (atd) 18
Assoziierte Erkrankungen. 18
Asthma bronchiale 18
Dysmenorrhoe 18
Herzrhythmusst örungen 19
Migr äne 19
Reizdarm 19
Literatur. 20
Impressum 22
Ern ährungsprotokoll bei Histaminintoleranz 23
2
Histamin
Chemie und Eigenschaften
Das biogene Amin Histamin (biochemisch: 2-4-Imidazolyl-Ethylamin) ist der wichtigste Mediator allergischer und pseudoallergischer Reaktionen. Es wurde bereits 1910 von Dale und Laidlaw entdeckt und weist ein Molekulargewicht von etwa 111 kDa auf. 1932 wurde es als Mediator allergischer Reaktionen identifiziert. Als wichtiger Neurotransmitter und als Gewebshormon kommt es zudem in tierischen Organismen sowie in Bakterien vor. Beim Menschen erlangte es eine zentrale Bedeutung in der Abwehr körperfremder Stoffe bzw. als Mediator anaphylaktischer Reaktionen.
Biosynthese und Stoffwechsel
Biosynthese
Histamin ist in zahlreichen Lebensmitteln in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten und wird bei Stress vermehrt ausgeschüttet. Es wird in Mastzellen, Thrombozyten, Zellen der Epidermis und der Magenschleimhaut, in basophilen histaminergen Neuronen sowie in den Epithelzellen des Verdauungstrakts synthetisiert, in Vesikeln gespeichert und bei Stimulation freigesetzt. Intermediär entsteht es aus der Aminosäure Histidin in einer pyridoxalphosphatabhängigen (Vitamin B6) Decarboxylierungsreaktion. Die Reaktion wird durch das Enzym Histidindecarboxylase (HDC) katalysiert. In geringerem Ausmaß kann auch die unspezifische L-Aminosäure-Decarboxylase an der Biosynthese des Histamins beteiligt sein.
Stoffwechsel
Histamin kann über zwei Wege metabolisiert werden:
oxidative Desaminierung durch die Diaminooxidase (DAO) (frühere Bezeichnung: Histaminase) Ringmethylierung durch die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)
HNMT wird überwiegend von Leber und Nieren, des Weiteren in Ovarien, Prostata und Bronchien gebildet [Yam94].
Wirkungsweise
Die bedeutendste Rolle nimmt Histamin durch die Beteiligung an der Abwehr körperfremder Substanzen sowie bei allergischen Reaktionen ein. Von den Mastzellen freigesetzt, bewirkt Histamin Juckreiz, diffuse Schmerzen und erweitert die kleinen Blutgefäße. Es kommt zu Hautrötungen, einer Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur der Bronchien sowie der großen Blutgefäße. Zudem fördert es die Ausschüttung von Adrenalin und erhöht die Herzfrequenz bzw. die Schlagkraft des Herzens. Im zentralen Nervensystem (ZNS) führt Histamin über die Aktivierung der H1-Rezeptoren zu Erbrechen und ist an der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt. Des Weiteren besitzt Histamin eine appetitzügelnde Wirkung, beeinflusst Körpertemperatur und Schmerzempfindung sowie den Blutdruck. Im Gastrointestinaltrakt (GIT) wirkt sich das biogene Amin positiv auf die Magensaftsekretion und die gastrointestinale Motilität aus. Nicht zuletzt ist Histamin an der Bildung und Entwicklung von Blutzellen (Hämatopoiese), der Wundheilung und Ausbildung neuer Gefäßstrukturen (Angiogenese) von Tumoren beteiligt [Mai07].
4
Vorkommen und Gehalte in Nahrungsmitteln
Histamingehalte in Lebensmitteln finden sich in unterschiedlichen Konzentrationen in Abhängigkeit von:
Reifegrad und Gärungsprozessen
Behandlung, Zubereitung und Lagerung der Lebensmittel
Da viele Bakterien und Hefen eine hohe L-Histidin-Decarboxylase (HDC)-Aktivität besitzen und Histidin bei proteolytischen Prozessen entsteht, werden hohe Histaminkonzentrationen vor allem in mikrobiell produzierten Nahrungsmitteln wie lang gereiftem Käse, Sauerkraut, Wein oder mikrobiell kontaminierter proteinreicher Nahrung wie Fisch, Fleisch und Wurst gefunden. Auch das Vorkommen freier Aminosäuren spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Andere biogene Amine, wie beispielsweise Putrescin, kommen ebenfalls als Auslöser für eine übermäßige Histaminausschüttung in Betracht. So vermag Putrescin die Freisetzung von Histamin aus der intestinalen Mukosa zu steigern. Andere Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte oder verschiedene Getreide- und Gemüsearten zählen zu den sogenannten Histaminliberatoren. Diese Nahrungsmittel sind selbst arm an Histamin, lösen aber eine gesteigerte Freisetzung von Histamin aus. Begünstigt wird das Maß der Histaminausschüttung ebenfalls durch den Gehalt an Lektinen. Als Grenzwerte für den Histamingehalt von Lebensmitteln bei Vorliegen einer Histaminintoleranz (HIT) liegen widersprüchliche Daten vor. Derzeit wird von Konzentrationen von 100 mg/ kg Nahrungsmittel oder 2 mg/ Liter Alkohol ausgegangen.
5
Alkoholische Getränke
Histamin entsteht im Zuge der alkoholischen Gärung, da enthaltene Proteine mikrobiell abgebaut werden. So wurde beispielsweise die Spezies Pediococcus cerevisiae als Histaminbildner isoliert. Rotweine weisen oft beträchtliche Mengen an Histamin auf, wobei die Art des Weines unwesentlich ist. Auch wenn der Histamingehalt als Qualitätsmerkmal eine Rolle spielt (der Histamingehalt ist das Resultat von Traubenbehandlung und Herstellungsart), lässt sich der Gehalt nicht vom Preis ableiten. Da Alkohol zudem die Darmpermeabilität erhöht (wodurch größere Mengen Histamin durch die Darmwand treten können), sollte vor allem während der Mahlzeiten auf Alkohol verzichtet werden. Rotweinessig ist sehr histaminreich (bis 4000 µg/ l). Rotwein stellt zudem einen kompetitiven Inhibitor der Diaminooxigenase (DAO) dar [Zim99]. Die gleichzeitig im Rotwein enthaltenen symptomverstärkenden Substanzen Sulfit und Tyramin führten zum eigenständigen Namen „Rotwein-Intoleranz“ und „Rotwein-Asthma“ [Val99]. Im Rampenlicht der Analyse stand vor allem der im Zuge des Alkoholabbaus entstehende Metabolit Azetaldehyd, der seinerseits eine übermäßige Histaminausschüttung auslösen soll. Dies konnte in verschiedenen Studien bestätigt werden, in denen histaminarmer Wein eine stärkere Symptomatik auslöste als histaminreichere Sorten. Ähnliche Beobachtungen ergaben sich bei Asthmapatienten in Abhängigkeit der Wein-Sulfitgehalte [Dah86].
Fisch und Fischprodukte
Vor allem Fischarten der Familie Scombridae (Makrelenartige) weisen beträchtliche Gehalte an Histamin auf. Darauf lassen sich auch in der Literatur unter dem Begriff "scombridae poisoning" beschriebene Krankheitsbilder zurückführen [Tay89]. Thunfisch und Makrelen besitzen einen hohen Anteil an dunklem Muskelfleisch, der vermutlich für die hohen Gehalte verantwortlich ist. Auch Sardinen, Sardellen und Heringe enthalten nennenswerte Mengen. Die Gehalte schwanken in Abhängigkeit von der Lagerungsdauer zwischen Fischfang und Verzehr der Tiere. So ließen sich in einigen Fischkonserven besonders hohe Mengen nachweisen, in denen der frische Fisch nach dem Fang beträchtliche Zeit ohne Kühlung gelagert bzw. transportiert wurde. Bei sachgemäßer Verarbeitung sind Tiefkühlware und Konservenfisch hingegen kaum belastet. Geräucherter und gepökelter Fisch weisen im Zuge der Verarbeitung unter Umständen wesentlich höhere Histamingehalte auf. Dies gilt ebenso für marinierte Waren, die allein aufgrund des verwendeten Essigs bereits histaminbelastet sind.
6
Arbeit zitieren:
FET e.V., 2010, Fachkompendium Histamin und Histaminintoleranz, München, GRIN Verlag GmbH
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