Bewertung komplementärer und
nutritiver Krebstherapien
Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention
(FET) e.V.
Bewertung komplementärer und nutritiver
Krebstherapien
Inhalt
Aloe vera... 5
Amygdalin ... 5
Anamu ... 6
Anthocyane... 7
Apigenin... 7
Arganöl ... 8
Asiatische Pilze ... 8
Ballonerbse... 9
Canthaxanthin... 9
Capsaicin ... 10
Carnosol ... 10
Chinesischer Engelswurz ... 11
Chlorogensäure ... 11
Cranberries ... 12
Cumarin ... 12
Curcumin ... 12
Ellagsäure... 13
Emodin... 13
Enzyme... 14
Eugenol... 14
Ferulasäure... 15
Flavanone ... 15
Folsäure... 15
Galaktose... 16
Genistein... 16
Ginkgo ... 17
Ginseng ... 17
Glutaminsäure ... 18
Granatapfel ... 19
Große Brennnessel ... 19
Grüner Tee ... 19
Honokiol... 20
Indol-3-Carbinol ... 20
Ingwer ... 20
Kaempferol ... 21
Katzenkralle ... 21
Knoblauch... 22
Konjugierte Linolsäure ... 22
Lapacho ... 23
L-Carnitin ... 23
Leinöl ... 24
Lignane ... 24
Limonen ... 24
Lutein ... 25
Lykopin ... 25
Mariendistel ... 26
Melatonin ... 26
Mistel ... 27
Modifizierte Zitruspektine... 28
Myrobalanen ... 28
N-Azetylcystein ... 29
Nonifrucht ... 29
Oleanolsäure ... 30
Omega-3-Fettsäuren ... 30
Omega-6-Fettsäuren ... 31
Oridonin ... 31
Perillylalkohol... 32
Phytinsäure... 32
Probiotika... 33
Quercetin ... 33
Resveratrol ... 34
Rooibos... 35
Rutin ... 35
Schlafbeere... 35
Scutellaria ... 36
Selen... 37
Spirulina... 38
Squalen... 38
Sulforaphan ... 39
Süßholzwurzel ... 39
Theanin... 40
Tocotrienole ... 40
Traganth ... 41
Traubensilberkerze ... 41
Ursolsäure ... 42
Vitamin A ... 42
Vitamin B1 ... 43
Vitamin B12 ... 44
Vitamin B6 ... 44
Vitamin C ... 45
Vitamin D ... 45
Vitamin E ... 46
Weihrauch... 47
Zeaxanthin ... 47
Literaturverzeichnis ... 49
Impressum ... 57
Aloe vera
Wirkungsweise
Welche Inhaltsstoffe für die Wirkung verantwortlich sind, ist noch nicht hinreichend geklärt. Diskutiert
werden die Saponine Aloin, Aloesin und Aloe-Emodin.
Einigen Polysacchariden der Aloe vera wird eine Aktivierung des Immunsystems nachgesagt.
Wissenschaftliche Belege gibt es hierfür nicht. Die Wirkung von Aloe vera auf Tumorzellen ist am
Menschen bislang wenig erforscht.
Viele Patienten wenden Aloe vera während und nach der Bestrahlung gerne äußerlich zum Schutz der
Haut an. Wissenschaftliche Beweise zur Wirksamkeit bei der Strahlentherapie gibt es bislang nicht
[
Ric05
]. In selten Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen.
Bewertung
Die generelle Einnahme von Aloe ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Eine äußerliche Anwendung z.
B. in Form einer Aloelotion kann nach Absprache mit dem Strahlentherapeuten während und nach
einer Bestrahlung ausprobiert werden. Von der innerlichen Anwendung von Aloe ist abzuraten, da
Nierenschäden auftreten können [
Luy02
].
Amygdalin
Chemie und Vorkommen
Amygdalin (griechisch: amygdalis, Mandelkern) ist ein cyanogenes Glykosid. In Gegenwart von
Wasser wird die giftige Blausäure (HCN) abgespalten. In verdünnten Säuren wird Amygdalin in
Glukose und Mandelonitril gespalten. Letzteres zerfällt zu den Bittermandelaromen Benzaldehyd
sowie Blausäure. Amygdalin kommt in Bittermandeln und in den Kernen von Aprikosen und Äpfeln
sowie in Samen von anderen Steinfrüchten vor. In diesen Lebensmitteln ist Amygdalin in hohen
Konzentrationen enthalten. Werden Ölsamen verarbeitet (Persipan) wird Amygdalin in Blausäure,
Benzaldehyd und Glukose aufgespalten. Die freigesetzte Blausäure muss entfernt werden, die Kerne
werden ,,entbittert".
Vermutete Wirkungsweise
Die angebliche Wirksamkeit bei Krebs wird auf die Spaltung des Amygdalins durch das Enzym
Glucuronidase in Benzaldehyd, Cyanid und Glukose zurückgeführt. Immer wieder wird damit
argumentiert, dass die Beta-Glucuronidase im menschlichen Körper in Tumorzellen in geringen
Mengen vorkommt. Die freigesetzte Blausäure (Cyanid) ist jedoch hochgiftig. Im menschlichen Körper
wird Blausäure über das Enzym Rhodanase entgiftet, welches in gesunden Zellen als auch in
Tumorzellen vorkommt. Da dieses Enzym auch von den Darmbakterien produziert wird, sind toxische
Effekte durch eine orale Zufuhr eher bei Überdosierung zu erwarten. In wissenschaftlichen
Untersuchungen wurde Amygdalin daher injiziert und nicht peroral verabreicht.
Befürworter einer Amygdalintherapie greifen jedoch auch auf andere Möglichkeiten zurück, wie:
x
orale Zufuhr: gründliches Zerkauen von Aprikosenkernen
x
orale Zufuhr: Einnahme von Vitamin B17-Tabletten (Laetrile)
Es wurden bisher keine wissenschaftlich überprüfbaren Untersuchungen über Amygdalin an
Tumorpatienten veröffentlicht. Daher fehlen entsprechende Angaben zu Wechselwirkungen,
Nebenwirkungen bzw. Dosis-Wirkungs-Beziehungen. 2006 bzw. 2007 analysierten Milazzo und
Mitarbeiter 36 Studien zu diesem Thema mit dem Ergebnis, dass in keiner Studie von einem
wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit von Amygdalin bei Krebspatienten zu sprechen ist
[
Mil07
] [
Mil06
].
Risiken und Nebenwirkungen
Hingegen gibt es mehrere Veröffentlichungen, die bei hohen Dosierungen über erhebliche Nerven-
und Hirnschädigungen sowie Krampferscheinungen mit tödlichem Ausgang berichten [
Hal86
]. Die
häufig aufgestellte Behauptung, dass Laetrile selektiv Krebszellen abtötet, konnte bislang nicht
einmal in Tierexperimenten bestätigt werden. Die minimal tödliche Dosis liegt bei etwa 0,57 mg/ kg
Körpergewicht, was ungefähr 40 Aprikosenkernen entspricht.
Vermarktung
Der Wirkstoff Amygdalin wird unter dem Handelsnamen Laetrile bzw. Vitamin B17 als alternatives
Krebstherapeutikum angeboten und vertrieben - wird in Deutschland aber als bedenklicher Arzneistoff
angesehen. Herstellung, Einfuhr und Handel sind daher nicht erlaubt. Der Vertrieb durch Apotheker ist
strafbar.
Bewertung
Die Einnahme von Amygdalin ist nicht zu empfehlen.
Anamu
Chemie und Vorkommen
Anamu ist eine rosablühende Staude in den Tropen Zentral- und Südamerikas. Zu den Inhaltsstoffen
zählen unter anderem Flavonoide, Triterpene, Schwefelverbindungen sowie Steroide, Cumarin,
Allantoin, Astilbin, Linolensäure, Sitosterol und andere ungesättigte Fettsäuren.
Wirkungsweise
Anamu ist Bestandteil der traditionellen Heilkunde in Südamerika. Es wirkt blutzuckersenkend
[
Lor90
]. Mittlerweile wird es ebenso in der alternativen Krebstherapie eingesetzt [
Wil07
]. So soll
Anamu entzündungshemmend, beruhigend und krampflösend wirken. Belege für die Wirksamkeit
gegen Tumorzellen im Labor wie auch bei Tumorpatienten liegen nicht vor. Wechsel- und
Nebenwirkungen sind nicht bekannt, allerdings ist eine Auswirkung auf Diabetesmedikamente
möglich.
Hoyos und Mitarbeiter stellten in einer ihrer Arbeiten fest, dass Anamu im Laborexperiment die
Erbsubstanz verändern und zur Entstehung von Tumorzellen beitragen kann [
Hoy92
]. Dies sollte in
weiteren Tests geprüft werden.
Verwendung
Das Anamu-Kraut wird als Tee oder Tinktur angewendet, ist aber auch in Form von Kapseln,
Tabletten oder Pulver erhältlich. Anamu sollt nicht von Menschen mit Bluthochdruck oder
von Schwangeren verwendet werden.
Bewertung
Zwar ist der blutzuckersenkende Effekt eine wünschenswerte Eigenschaft, aufgrund der
unzureichenden wissenschaftlichen Datenlage kann Anamu jedoch nicht empfohlen werden.
Anthocyane
Wirkungsweise
In Laborversuchen mit Krebszellkulturen wirkten Anthocyane als Radikalfänger und schützten die
Zellen somit vor den zellschädigenden Einflüssen reaktiver Sauerstoffverbindungen. Es gibt Hinweise
darauf, dass diese Substanzen die Entstehung von Tumorzellen, deren Wachstum und deren
Auswandern in den Körper (Metastasierung) hemmen können. Weiterhin wird diskutiert, dass
Anthocyane Tumorzellen zum Absterben bringen [
Wan08
].
Beim Menschen konnte noch kein therapeutischer Nutzen der Anthocyane gefunden werden, da die
Bioverfügbarkeit der Farbstoffe lediglich bei 1% liegt. Die aufgenommenen Anthocyane gelangen
demnach nicht in ausreichenden Mengen in die Blutbahn, um antikanzerogen zu wirken. Lediglich bei
Darmkrebspatienten konnte ein erhöhtes Zellsterben der Kolontumorzellen beobachtet werden, da die
Anthocyane hier lokal wirken.
Über Wechselwirkungen von Anthocyanen mit Medikamenten, insbesondere mit Chemotherapeutika,
ist wenig bekannt. Da Proanthocyane und Anthocyane starke Antioxidanzien sind, ist eine
Wirkungsabschwächung bestimmter Chemotherapeutika oder einer Strahlentherapie denkbar.
Bewertung
Anthocyane können als gesundheitsfördernde Substanzen angesehen werden. Bei einer gesunden
Ernährung ist die isolierte Zufuhr bzw. die Supplementation jedoch nicht erforderlich. Es wird daher
der Verzehr in natürlicher Form wie Brombeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, dunklen
Trauben und weiteren (meist dunkelgefärbten Früchten) empfohlen.
Apigenin
Wirkungsweise
Apigenin besitzt, wie andere Flavonoide auch, antientzündliche Eigenschaften und hemmt das
Tumorwachstum, den Zellzyklus und damit die Zellteilung. Das Absterben von Tumorzellen wird
gefördert. Darüber hinaus verringerte Apigenin in Laboruntersuchungen die Gefäßbildung in Tumoren.
Weiterhin fördert Apigenin die Knochenstabilität und wirkt der Entwicklung einer Osteoporose
entgegen.
Allerdings zeigten Experimente, dass Apigenin das Wachstum von Brustkrebszellen stimuliert und die
tumorwachstumshemmende Wirkung von Tamoxifen aufhebt. Bisher wurden nur zwei Versuche an
tumorkranken Tieren veröffentlicht, Untersuchungen an Tumorpatienten liegen nicht vor [
Shu10
].
Bewertung
Apigenin sollte bei Brustkrebs nicht als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Bei
anderen Tumorerkrankungen stellt Apigenin einen wertvollen Bestandteil der gesunden Ernährung
dar. Allerdings fehlen wissenschaftliche Untersuchungen, die eine zusätzliche Aufnahme in Form von
Nahrungsergänzungsmitteln rechtfertigen würden.
Arganöl
Wirkungsweise
In zwei Laborexperimenten wurde ein positiver Einfluss antioxidativer Inhaltsstoffe des Arganöls auf
Prostatakrebszellen beobachtet [
Ben071
] [
Dri06
]. Studien, die eine direkte Wirkung von Arganöl auf
Labortiere oder gar auf Tumorpatienten untersuchten, sind nicht bekannt.
Bewertung
Trotz der große Mengen an ungesättigten Fettsäuren ist das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-
Fettsäuren für die Krebstherapie gänzlich ungeeignet und daher nicht zu empfehlen. Zudem fehlen
aussagekräftige Studien zu dessen Wirksamkeit.
Asiatische Pilze
Chemie und Vorkommen
Die verschiedenen Pilze Kawartake (Coriolus versicolor), Klapperschwamm (Maitake, Grifola
frondosa), Shiitake (Lentinula endodes), Lackporlinge (Reishi, Ganoderma lucidum, Ganoderma
sinense und Ganoderma tsugae) sowie Spaltblätting (Suehirotake, Schizophyllum commune)
stammen allesamt aus Asien. Aus diesen asiatischen Pilzen können sogenannte Polysaccharide
gewonnen werden.
Wirkungsweise
In der traditionellen asiatischen Medizin werden verschiedene essbare Pilze als Therapiemittel
eingesetzt. Polysaccharide (Glukane) aus asiatischen Pilzen können das Immunsystem aktivieren.
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass diese sowohl während einer Chemotherapie als auch
während einer Bestrahlung den normalerweise auftretenden Abfall der weißen Blutkörperchen
vermindern können [
Mon03
]. Nebenwirkungen scheinen selten aufzutreten. Zu diesen zählen:
Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust und Durchfälle. Bei schneller Infusion kann es außerdem zu einem
Druckgefühl im Brustbereich und zu Mundtrockenheit kommen.
In Laborexperimenten führten die unterschiedlichen Pilzextrakte z. B. zur Wachstumshemmung und
förderten das Absterben der Tumorzelle. Die meisten klinischen Studien wurden bisher in Japan
durchgeführt, ihre Überprüfung ist schwierig, ihre Ergebnisse sind zum Teil widersprüchlich. Die
Kombination von Pilzextrakten mit einer Chemotherapie ergab bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt
eine bessere Wirkung als eine alleinige Chemotherapie. Einzelne positive Berichte liegen zur Therapie
bei Leberkrebs, bösartigen Hirntumoren, Harnblasenkrebs, Lungenkrebs, Prostatakrebs und akuter
Leukämie sowie Eierstockkrebs vor. Aus ihnen kann jedoch nicht verallgemeinernd auf eine
Wirksamkeit bei diesen Tumoren geschlossen werden. Bei allen positiven Ergebnissen gibt es auch
andere Studien, die keinen Vorteil für die Pilzextrakte zeigen. Aus diesem Grund ist die Situation als
noch ungeklärt zu betrachten.
Bewertung
Bis zur weiteren Erforschung müssen Therapieansätze mit Pilzextrakten als experimentelle Therapien
eingeordnet werden. Ihre Verwendung ersetzt auf keinen Fall eine erforderliche Chemo- oder
Strahlentherapie. Bei Produkten aus unklaren Quellen wie dem Internet oder dem asiatischen Bereich
ist zu beachten, dass häufig Verunreinigungen mit Schwermetallen oder Pestiziden vorliegen.
Ballonerbse
Chemie und Vorkommen
Sutherlandia frutescens ist ein Schmetterlingsblütler. Die Einheimischen nutzen die Pflanze schon seit
Jahrhunderten als Heilmittel. Sie wird zur Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems bei
verschiedenen Krankheiten eingesetzt. Zu den Inhaltsstoffen zählen verschiedene Aminosäuren
wie L-Canavanin und Pinitol.
Wirkungsweise
In der einheimischen Medizin wird Sutherlandia als Entzündungshemmer, als Mittel gegen Infektionen
und gegen Krebs eingesetzt. Extrakte dieser Pflanze wirken antioxidativ und mindern Entzündungen.
Möglicherweise kann Sutherlandia das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Ergebnisse aus
Tierexperimenten oder klinischen Studien liegen bisher nicht vor. Ein Team von Wissenschaftlern und
Biologen analysierte mittlerweile einen Teil der Inhaltsstoffe der Pflanze und will eine ganze Reihe von
antiviral wirkenden Substanzen darin entdeckt haben: zum Beispiel die Substanz L-Canavanin, die
gegen Grippe- und andere Viren wirkt, oder den Wirkstoff Pinitol, der auch eine antidiabetische
Wirkung hat. Es handelt sich hierbei nicht um klinische Untersuchungen [
van08
].
Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Sutherlandia auftreten, da die Pflanze den
Blutzuckerspiegel senkt und auch die Bildung und Verstoffwechselung von Steroidhormonen wie
Kortison und Progesteron beeinflusst. Welche Bedeutung dies bei der Einnahme hat, wurde noch
nicht weiter untersucht.
Bewertung
Über die genauen Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen der Pflanze wird noch diskutiert. Eine
Einnahmeempfehlung bei Tumorpatienten kann ohne weitere Informationen nicht gegeben werden.
Canthaxanthin
Wirkungsweise
Die bisherigen Tierexperimente zu Canthaxanthin haben eine weitestgehend schützende Wirkung vor
der Entstehung von Tumoren nachgewiesen. Sind Tumoren einmal entwickelt, so scheint keine
schützende Wirkung mehr zu bestehen [
Vai98
]. Dies unterstreicht, dass es auch bei den Carotinoiden
auf die regelmäßige Zufuhr über die Nahrung ankommt. In einem Tierexperiment erhöhten zusätzliche
Carotinoide die Gefäßbildung in Tumoren, sodass sich die Frage stellt, ob dadurch auch das
Wachstum von Tumoren verstärkt werden kann.
Bewertung
Carotinoide sollten reichlich mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Zufuhr in Medikamentenform,
z. B. als Nahrungsergänzungsmittel bei Patienten mit Tumoren, muss weiter erforscht werden, bevor
dazu geraten werden kann.
Capsaicin
Wirkungsweise
Capsaicin wird zur Schmerztherapie in Form von Salben oder sogenannten Rheumapflastern
eingesetzt [
Kno08
]. Zunächst kommt es zu einer brennenden, eher schmerzenden Empfindung, da in
den Nervenendungen ein bestimmter Botenstoff vermehrt freigesetzt wird. Dieser Botenstoff steht
deshalb später nicht mehr zur Verfügung, sodass das sonstige Schmerzempfinden nachlässt.
In unterschiedlichen Labor- und Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass Capsaicin
möglicherweise vor einer Tumorbildung schützt und zum Absterben von Tumorzellen beitragen kann
[
Cho09
] [
Zha081
]. Möglicherweise kann es auch die Wirkung von Chemotherapeutika unterstützen
und die Resistenz von Tumorzellen reduzieren. Im Tierversuch konnten bereits chemopräventive
Eigenschaften von Capsaicin nachgewiesen werden [
Yos01
].
Inwiefern die Einnahme von Capsaicin die Krebsentstehung vermindert oder die Tumorbildung fördert,
ist noch unschlüssig. Studien hierzu sind widersprüchlich.
Bewertung
Aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse hinsichtlich Hemmung oder Förderung einer Tumorbildung
kann eine Einnahmeempfehlung derzeit nicht gegeben werden. Die äußerliche Anwendung, z. B. in
Form von Rheumasalben, ist mit Sicherheit auch für Tumorpatienten unbedenklich.
Carnosol
Wirkungsweise
Carnosol gehört zu den Antioxidantien. In Laborexperimenten schützte Carnosol vor der Entwicklung
von Tumorzellen bzw. verringerte deren Wachstum. In Zellkulturen brachte Carnesol Tumorzellen zum
Absterben [
Joh11
]. Bislang liegen keine Tierexperimente oder Studien bei Patienten vor, die dies
bestätigen.
Bewertung
Die Gewürze und Heilpflanzen Rosmarin, Thymian und Salbei sollten nur in ihrem üblichen
Anwendungsbereich verwendet werden. Sie bieten eine gesunde Alternative beim Würzen und sind
gute Heilpflanzen bei leichten Erkältungskrankheiten. Eine spezielle Empfehlung für eine zusätzliche
Einnahme bei Tumorerkrankungen kann nicht ausgesprochen werden.
Chinesischer Engelswurz
Chemie und Vorkommen
Angelica sinensis, auch unter dem Namen Dong quai, weiblicher Ginseng oder chinesischer
Engelwurz bekannt, kommt in Asien vor und wird bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Die
Pflanze enthält hormonähnliche Substanzen (Phytoöstrogene) und sekundäre Pflanzenstoffe wie
Flavonoide und Ferulasäuren.
Wirkungsweise
Engelwurz wird in der traditionellen Medizin als Pflanzenheilmittel zur Erleichterung der Beschwerden
in den Wechseljahren eingesetzt. Arbeiten, die die Untersuchungen von Angelica sinensis zur
Linderung von Hitzewallungen zusammenstellten, ergaben jedoch keinerlei Belege dafür. In
Tierexperimenten hemmten Extrakte von Angelica sinensis das Tumorwachstum, schwächten jedoch
auch die positiven Wirkungen einer Chemotherapie. Untersuchungen beim Menschen wurden bisher
nicht durchgeführt. In einem Laborexperiment mit Brustkrebszellen wurde eine Wachstumsstimulation
ausgelöst. Insgesamt gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse über die Wirkung von Angelica
sinensis, die in Zukunft noch weiter erforscht werden müssen [
Pie03
].
Bewertung
Angelica sinensis ist in diesen geringen Dosen unbedenklich. Zusammenfassend erscheint die
Einnahme von hochkonzentriertem Angelica derzeit nicht sinnvoll. Angelica sinensis sollte nicht als
Medikament für Tumorbehandlungen eingesetzt werden, da es möglicherweise die Krebsentstehung
fördern könnte.
Chlorogensäure
Wirkungsweise
Chlorogensäure besitzt antioxidative Eigenschaften. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass
Chlorogensäure vor der Entwicklung von Tumoren schützen kann [
Wen12
]. In einer Laborstudie an
Zellen der chronisch myeloischen Leukämie hemmte Chlorogensäure das Zellwachstum. Jedoch ist
unbekannt, ob dies auch für andere Tumorzellen zutrifft. Untersuchungen im Tierexperiment oder
bei Patienten mit Tumorerkrankungen liegen noch nicht vor.
Bewertung
Chlorogensäure ist im Rahmen einer gesunden Ernährung als positiv zu bewerten. Die zusätzliche
Einnahme in Form von Nahrungsergänzungsmitteln kann nicht empfohlen werden.
Cranberries
Wirkungsweise
Cranberrysaft wird zur Behandlung und Prävention von Infekten der Harnwege eingesetzt. Cranberries
wirken sehr stark antioxidativ [
Yan02
] [
You02
]. Diese Eigenschaft könnte gegen Tumore wirken. Erste
laborchemische Untersuchungen zeigen, dass Cranberryextrakte das Wachstum von Tumorzellen
hemmen und den Zelltod auszulösen können [
Fer04
]. Die einzige Studie an Patienten mit
Prostatakrebs konnte keine positiven Resultate nachweisen [
Cam03
].
Bewertung
Cranberrysaft kann bedenkenlos getrunken werden und bietet Schutz gegen Blasenentzündungen.
Allerdings sollte der behandelnde Arzt informiert werden, da Wechsel- und Nebenwirkungen während
einer Chemo-/ oder Strahlentherapie möglich sind.
Cumarin
Wirkungsweise
In verschiedenen Labor- und Tierexperimenten verminderten Cumarine das Wachstum von
Tumorzellen nicht, sondern förderte dieses sogar. Die Datenlage ist jedoch nicht ausreichend,
um sichere Aussagen für den Menschen treffen zu können [
Wu09
]. Klinische Studien wurden leider
nur mit kleinen Patientengruppen durchgeführt, insgesamt ist eine Aussage über die Wirksamkeit des
Cumarins noch nicht möglich.
Cumarin kann starke Nebenwirkungen hervorrufen wie beispielsweise Störungen der Blutgerinnung,
Schwindel, Erbrechen, Schlafsucht, Lähmung, Atemstillstand und Koma. Zudem wirkt es in höheren
Dosen lebertoxisch.
Bewertung
Es gibt zur Zeit keine Gründe, Cumarin für Krebspatienten zu empfehlen.
Curcumin
Wirkungsweise
Curcumin wirkt antientzündlich und soll die Entstehung und das Wachstum von bösartigen Tumoren
hemmen. Tierversuche zeigten, dass Curcumin das Risiko einer Tumorentwicklung reduzierte. Des
Weiteren verminderte Curcumin in Laborexperimenten das Wachstum von Tumorzellen und förderte
deren Absterben [
Tha06
]. Außerdem hemmt Curcumin die Widerstandskraft von Tumorzellen gegen
die Wirkung verschiedener Chemotherapeutika. Diese Wirkmechanismen sind jedoch zur Zeit nicht
eindeutig beschrieben und verschiedene Studien fanden widersprüchliche Resultate. Über die
Wirkung von Curcumin bei Krebspatienten liegen noch keine Studien vor.
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