Neurodermitis - Inhaltsverzeichnis
Definition und Häufigkeit 3
Definition 3
H äufigkeit 3
Ursachen und Risikofaktoren 3
Pathophysiologie 4
Aufbau der Haut 4
Hautver änderungen. 4
Immunologische Veränderungen 4
Symptomatik 5
Komplikationen und Folgeerkrankungen 5
Psychosoziale Probleme 5
Leistungsschw ächen 6
Impetigo contagiosa 6
Herpesekzem 6
Dellwarzen 6
Diagnostik 6
K örperliche Untersuchung 6
Laboruntersuchungen 7
Allergieuntersuchung. 7
Differentialdiagnose. 7
Ern ährungstherapie 7
Lebensmittelunvertr äglichkeiten 8
Ern ährung vor und nach der Geburt 8
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA) 9
Probiotika 9
Medikament öse Therapie 10
Übersicht 10
Assoziierte Erkrankungen. 23
Asthma bronchiale 23
Heuschnupfen 24
Literatur. 25
Impressum 26
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Definition und Häufigkeit
Synonyme:
x atopisches Ekzem x atopische Dermatitis x endogenes Ekzem
Definition
Die Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende, entzündliche Hauterkrankung. Diese wird wie Asthma und Heuschnupfen zu den atopischen (allergieanfälligen) Erkrankungen gezählt - ist also eine genetisch bedingte Überempfindlichkeitsreaktion. Dabei treten schubweise Entzündungen der Haut auf, die durch genetische Faktoren begünstigt sowie durch Lebensgewohnheiten und Umweltfaktoren beeinflusst werden. Die Krankheit gilt als nicht heilbar, lässt sich jedoch gut behandeln.
Häufigkeit
Neurodermitis ist in den Industrieländern weit verbreitet. Bis zum 6. Lebensjahr erkranken zwischen 8 und 16% aller Kinder an Neurodermitis. Oft nehmen die Symptome mit zunehmendem Alter ab. Bis zu 70% aller Betroffenen sind im Erwachsenenalter weitgehend beschwerdefrei. Dennoch lässt sich sagen, dass die Zahl der an Neurodermitis Erkrankten bis heute zugenommen hat. Die Gründe dafür sind jedoch nicht eindeutig erforscht.
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache ist eine genetische Veranlagung. So haben Kinder von Neurodermitikern ein deutlich höheres Risiko zu erkranken. Die Schutzfunktion der Haut gegen Austrocknung und äußere Einflüsse, wie z.B. Bakterien, ist bei ihnen gestört.
Zum Ausbruch oder zur Verschlechterung der Krankheit führen auch so genannte Provokationsfaktoren. Hierzu zählen:
x Tierhaare x Nahrungsmittelallergene x Infekte x Klimafaktoren x psychische Faktoren (z.B. emotionaler oder übermäßiger Stress) x Umweltfaktoren x inhalative Allergene (z.B. Blütenpollen) x Textilien (z.B. kratzende Wolle) x übermäßiges Schwitzen/ Temperaturwechsel x Hausstaubmilben
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Pathophysiologie
Aufbau der Haut
Hautveränderungen
Bei der Neurodermitis ist die Schutzfunktion der Haut gestört. Die gesunde Oberhaut bildet eine Barriere, um Mikroorganismen, toxische Substanzen oder Medikamente daran zu hindern in die Haut einzudringen. Diese schützende Funktion hängt von der Dicke der Hornschicht ab. Bei Neurodermitikern ist aufgrund genetischer Defekte der Aufbau der Oberhaut gestört, wodurch der Weg zwischen Oberfläche und Immunsystem relativ kurz ist. Erregerkeime und Allergene können so leichter eindringen und verstärkt die körpereigene Abwehr aktivieren.
Ein bekannter Gendefekt ist eine gestörte Fettbildung der Haut. Die Fettschicht schützt normalerweise vor Wasserverlust und hält die Haut geschmeidig. Eine wichtige Fettsäure ist die Gamma-Linolensäure, welche im Körper aus Linolsäure gewonnen wird. Das hierfür benötigte Enzym Delta-6-Desaturase ist bei vielen Neurodermitikern defekt. Der damit verbundene Wasserverlust führt zur Austrocknung der Haut und erleichtert das Ausbreiten von Keimen.
Hornbildende Zellen (Keratinozyten) bilden 90% der Zellen der Oberhaut. Ist die Haut geschädigt, setzen diese Botenstoffe, so genannte Zytokine, frei und rufen so Entzündungsreaktionen hervor. Melaninproduzierende Zellen sitzen ebenfalls in der Epidermis. Deren Funktion ist bei Neurodermitikern beeinträchtigt und kann zur verminderten Pigmentierung der Haut führen.
Immunologische Veränderungen
Zwar ist bekannt, dass das Immunsystem von Neurodermitis-Betroffenen fehlreguliert ist. Von den genauen Veränderungen sind jedoch bisher nur wenige bekannt. So lassen sich spezielle Formen der weißen Blutkörperchen (Th2-Helferzellen) besonders häufig im Blut nachweisen. Diese Th2-Helferzellen sind an der Produktion von Immunglobulin Typ E (IgE) beteiligt. Dieser Antikörper ist maßgeblich für das Allergiegeschehen verantwortlich. Bindet IgE an ein Allergen, aktiviert es die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe (u.a. Histamin) aus Mastzellen (Abwehrzellen). Durch die erhöhten IgE-Konzentrationen bei Neurodermitikern reagieren diese besonders empfindlich auf bestimmte Allergene.
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Symptomatik
Das Hautbild der Neurodermitisbetroffenen ist durch ein wechselndes, sehr unterschiedlich aussehendes Ekzem geprägt. Die Haut ist aufgrund der gestörten Barrierefunktion sehr empfindlich und reagiert stark auf äußere Reize. Durch die verminderte Talgproduktion erscheint diese zudem trocken. Auch die Haare von Neurodermitikern wirken oft glanzlos.
Je nach Alter sind unterschiedliche Hautpartien vorzugsweise betroffen. Zwischen dem 1. und 3. Lebensmonat beginnt sich Milchschorf auf Wangen, Stirn sowie dem behaarten Kopf auszubreiten und greift allmählich auf das ganze Gesicht, den Rumpf und den vorderen Bereich der Gliedmaßen über. Typisch in diesem Alter sind stark juckende Hautrötungen mit Bläschen und Papeln. Beginnen die Kleinkinder zu krabbeln, sind häufiger die Knie betroffen. Mit zunehmendem Alter zeigen sich Ekzeme bevorzugt im Nackenbereich, den Vorderseiten der Arme und den Beinrückseiten. Bei Erwachsenen hingegen sind meist die großen Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Hand- und Kniegelenk) sowie der Nacken und das Gesicht betroffen.
Betroffene leiden unter einem starken Juckreiz, der besonders im Kindesalter zu massivem Kratzen führt. Hierdurch entstehen Entzündungen, die nässen oder zur Krustenbildung neigen und die Symptomatik zusätzlich verschlimmern. Bei anhaltendem Kratzen verdickt sich die Haut und wird gröber (Lichenifikation).
Komplikationen und Folgeerkrankungen
Psychosoziale Probleme
Betroffene sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Insbesondere die Hautausschläge werden häufig als kosmetisch störend empfunden und führen zur sozialen Ausgrenzung.
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Leistungsschwächen
Der Juckreiz verschlimmert sich bei vielen Neurodermitikern besonders in der Nacht, was in manchen Phasen zu erheblichem Schlafmangel führt. Die Betroffenen leiden so tagsüber an Übermüdung und Leistungseinbußen.
Impetigo contagiosa
Neurodermitiker leiden häufig unter Impedigo contagiosa, einer Infektionskrankheit mit Flüssigkeits- oder Eiter-gefüllten Blasen. Ausgelöst wird die Erkrankung durch den Keim Staphylococcus aureus. Dieser gehört zwar auch zur Hautflora gesunder Menschen, kommt bei Betroffenen aufgrund der veränderten Hautbeschaffenheit jedoch in einer höheren Anzahl vor. Zudem erleichtert die ohnehin geschädigte Haut das Eindringen des Keims.
Besonders im Gesicht und an den Gliedmaßen bilden sich großflächige, juckende Blasen, die beim Aufkratzen nässende Wunden hinterlassen. Trocknet die Flüssigkeit, entstehen charakteristische gelbe Krusten. Die nässenden Wunden bilden zudem den idealen Nährboden für weitere Keime.
Herpesekzem
Der bei anderen Menschen lediglich zu kleinen Lippenbläschen führende Herpesvirus kann bei Neurodermitikern größere Hautareale befallen. Die etwa stecknadelkopfgroßen Bläschen platzen leicht und bieten Nährboden für andere Erreger. In schwereren Fällen kann die Infektion auch mit Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl einhergehen.
Dellwarzen
Durch Infektion mit dem Molluscipoxvirus entstehen vereinzelt stehende, glänzende Papeln. Diese sind an der Oberfläche leicht eingedellt. Meist treten nur einige wenige Papeln auf, welche sich nach einigen Wochen bis Monaten wieder zurückbilden. In einigen Fällen können sich jedoch auch mehrere hundert Papeln bilden.
Diagnostik
Körperliche Untersuchung
Die Haut ist trocken und blass. Die Verteilung der Ekzeme ist charakteristisch und die Flechte sowie der Gewebeschwund der Haut können stark ausgeprägt sein. Nässende Ekzeme sind häufig mit Bakterien (Staphylokokken) infiziert. Auch die Lymphknoten im Bereich des Ekzems können geschwollen sein. Bei Kindern werden zusätzlich die Körpergröße und das Gewicht gemessen, da sie als Folge der Erkrankung zu Wachstumsstörungen neigen.
Liegen drei der folgenden Kriterien vor, kann Neurodermitis diagnostiziert werden: x Ekzeme an Ellenbeugen, Kniekehlen, im Nacken, am Hals und/ oder im Gesicht x Starker Juckreiz x länger als 6 Monate bestehende Symptomatik x Neurodermitis, allergisches Asthma oder Heuschnupfen sind bereits in der Familie aufgetreten Anhand von sogenannten Hautscores lässt sich der Schweregrad des atopischen Symptoms feststellen.
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In Europa wird hierfür meist der SCORAD (Scoring Atopic Dermatitis) verwendet, der folgende Kriterien beinhaltet: x Quantifizierung der betroffenen Hautareale x Ausprägung charakteristischer Symptome (Skala: 0 (keine) bis 3 (stark)): x Rötung x Trockenheit der Haut x Ödem/Pappelbildung x nässende Ekzeme/Krustenbildung x Hautabschürfungen
x Hautverdickung und Vergröberung der Hautstruktur (Lichenifikation) x Quantifizierung des Juckreizes sowie der damit verbundenen Schlafstörungen
Laboruntersuchungen
Das Serum-IgE und die Anzahl des eosinophilen kationischen Proteins (vom menschlichen Körper produziertes Antibiotikum) können Aufschluss über den Schweregrad der Neurodermitis geben. Treten entzündliche Schübe auf, müssen zusätzliche Untersuchungen (Bakterienabstriche, Pilzkulturen) das Erregerspektrum abklären, um weitere medikamentöse Maßnahmen abzuleiten.
Allergieuntersuchung
Zunächst wird mittels Anamnese und Allergietest versucht mögliche Auslösefaktoren zu ermitteln. Mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls können Eltern bereits selbst verschiedene Auslöser identifizieren. Beim Arzt können Pricktest und Epikutantest weitere Aufschlüsse geben.
Beim Pricktest werden Allergene auf die Haut aufgetragen und durch Anstechen mit einer Lanzette in die obere Hautschicht eingebracht. Bereits nach 20 Minuten ist sichtbar, ob der Körper auf das Allergen reagiert oder nicht. Dabei werden Hautrötung und Quaddelbildung beurteilt.
Beim Epikutantest werden die Allergene unter Testkammern auf die Haut aufgeklebt. Beurteilt wird der Reaktionsverlauf durch Ablesen nach 24, 48 und 72 Stunden.
Differentialdiagnose
Die Differenzialdiagnose betrifft andere Ekzemkrankheiten.
x allergisches Ekzem (Hautausschlag durch Kontakt mit Allergenen) x toxisches Ekzem (Hautausschlag durch toxisch wirkende Substanz, meist Hände und Unterarme) x seborrhoisches Ekzem (Hautausschlag mit Schuppung auf Kopfhaut und im Gesicht) x Pyodermie (brennende, eitrige Entzündung der Haut) sind dabei abzugrenzen.
Auch verschiedene Stoffwechsel- und Immunerkrankungen können zu Symptomen führen, die der Neurodermitis ähnlich sind.
Ernährungstherapie
Eine allgemeingültige Ernährungstherapie, die jedem Neurodermitiker hilft, gibt es nicht, da jeder Betroffene unterschiedlich reagiert. Zwar gibt es sowohl in Ratgebern wie auch im Internet zahlreiche Ernährungstipps. Wissenschaftliche Belege für deren Wirkung fehlen jedoch meist. In vielen Fällen liegt das Problem sicherlich daran, dass die untersuchte Therapie nicht bei jedem Betroffenen anschlägt und die Studienergebnisse so zu keinem eindeutigen Rückschluss kommen können. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Behandlungsmethode beim Einzelnen nicht zu Erfolgen führen kann. So muss jeder
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Arbeit zitieren:
FET e.V., 2009, Fachkompendium Neurodermitis, München, GRIN Verlag GmbH
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