Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis............................................................................................... 1
1. Einleitung. 2
1.1 Motivation 2
1.2 Zielstellung. 3
1.3 Anmerkungen 3
2. Bereits existierende Lösungen und Lösungsansätze 5
2.1. Probleme mit der Interpretation der Bibeltexte. 5
2.2. Die Bibel im Internet. 7
2.3. Die "Quest"-Projekte 9
3. Grundlagen und Definitionen für das Expertensystem 11
3.1. Grundlagen 11
3.1.1 Definition des Begriffes Expertensystem. 11
3.1.2 Quellen für die Wissensbasis 14
3.1.3 Auswahl der Sprache des Expertensystems 15
3.1.4. Anforderungen an die Benutzerschnittstelle. 17
3.2. Definitionen. 19
3.2.1 Fakten 19
3.2.2. Regeln. 24
3.2.3 Anfragen. 30
3.3. Sprachprobleme und eine mögliche Lösung. 32
3.4. Aufbau des Expertensystems 33
4. Praktische Beispiele aus dem Johannis-Evangelium 35
4.1. Vorbemerkungen 35
4.2. Umsetzung ausgewählter Verse in Fakten 36
4.3. Test der Wissensbasis. 39
5. Zusammenfassung und Ausblick. 41
Quellenverzeichnis 42
Anlage 1: Source-Code Bibel.PRO 43
Anlage 2: Source-Code Bibel.DBA. 55
Anlage 3: Source-Code Bibel.LAN 56
Eidesstattliche Erklärung 57
1
1. Einleitung
1.1 Motivation
"1 In the beginning God created the heavens and the earth.
2 The earth was formless and void, and darkness was over the surface of the deep, and the Spirit of God was moving over the surface of the waters.
3 Then God said, "Let there be ligh"; and there was light. 4 God saw that the light was good; and God separated the light from the darkness.
5 God called the light day, and the darkness He called night. And there was evening and there was morning, one day." [Genesis 1:1-5] 1
Seit Jahrhunderten sind diese Verse bekannt, sie wurden immer wieder aufgeschrieben, übersetzt und interpretiert. Mit diesen Worten beginnt eines der ältesten, bekanntesten und meistgelesenen Bücher des Christentums, die Heilige Schrift.
Die Interpretation ist jedoch immer subjektiv. Nicht immer werden im Text weit verstreute Fakten als zusammengehörig erkannt. Dies führt oft zu Streitigkeiten beispielsweise unter Theologen, wie bestimmte Aussagen des Bibeltextes zu deuten sind. Es müßte ein System geben, welches alle Fakten des Alten und Neuen Testamentes kennt und emotionslos nur diese Fakten aneinanderreiht und auswertet. Idealerweise präsentiert dieses System auch den Weg, auf dem es zu seiner Entscheidung gekommen ist.
Die Verknüpfung der prosaischen, mannigfaltig deutbaren Verse der Bibel mit der die Informatik kennzeichnenden nüchternen, kalten, berechnenden Logik (auf das Grundprinzip zurückgeführt: Null oder Eins; wahr oder falsch) ist die besondere Herausforderung, die das Thema dieser Arbeit stellt.
1 The Zondervan NASB Study Bible Zondervan Publishing House, Michigan 1999, Seite 5
2
1.2 Zielstellung
Mit dieser Diplomarbeit soll der erste Schritt zur Entwicklung eines Expertensystems für Theologische Fragestellungen getan werden. Methoden und Lösungswege müssen gesucht und erste Standards definiert werden. Es kann und soll nicht Ziel dieser Arbeit sein, ein solches Expertensystem komplett zu erstellen und die gesamte Bibel zu übertragen. Dieser Aufgabe muß sich später ein größeres Team von Theologen und Informatikern stellen. Die Diplomarbeit besteht im Wesentlichen aus folgenden Teilen:
Kapitel 2: Bisher verfügbare Lösungen und Lösungsansätze Kapitel 3: Grundlagen und Definitionen für das Expertensystem Kapitel 4: Praktische Beispiele aus dem Johannis-Evangelium
Im Kapitel 2 wird eine Bestandsaufnahme durchgeführt, wobei nur auf einige von vielen derzeit existierenden Lösungen eingegangen wird. Kapitel 3 definiert Anforderungen an das Expertensystem und zeigt Methoden und Lösungswege auf. Außerdem werden erste Standards für die Umsetzung der Bibeltexte definiert und Konzepte für den Aufbau eines Expertensystems erstellt.
Das Kapitel 4 demonstriert die praktische Umsetzbarkeit der in Kapitel 3 erstellten Standards und Konzepte an Beispielen aus "The Gospel according to John" (Johannes-Evangelium).
1.3 Anmerkungen
Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und absolute Richtigkeit bezüglich der theologischen Aussagen. Es sollen vielmehr die informationstechnologischen Grundlagen für die Schaffung eines Expertensystems für theologische Fragestellungen definiert werden. Aus diesem Grund wird auch auf die
3
Programmierung nur insofern eingegangen, wie es zur Verständnis der Problematik erforderlich ist.
Die vorliegende Arbeit wurde nach dem bei der Softwareentwicklung oft verwendeten Wasserfallmodell erstellt, wobei als Schwerpunkte gemäß der The-menvorgabe die Durchführbarkeitsanalyse und die Problemformulierung (An-forderungsanalyse) behandelt werden. Die praktische Umsetzung der Bibeltexte in die zukünftige Wissensbasis bleibt Theologen vorbehalten. Um eine weltweite Arbeit an und mit dem zu schaffenden Expertensystem zu ermöglichen, werden in den Beispielen englischsprachige Bibeltexte verwendet. Aufgrund der Schnellebigkeit des Internet kann es sein, daß einzelne, als Quelle angegebene Webseiten nicht mehr verfügbar sind oder andere Inhalte aufweisen.
4
2. Bereits existierende Lösungen und Lösungsansätze
2.1. Probleme mit der Interpretation der Bibeltexte
Seit der Existenz der Bibel versuchen die Menschen, den Inhalt der Texte zu deuten. Die dabei geführten Diskurse, insbesondere der Theologen untereinander, sind vielfältig und geprägt durch die individuelle Historie, durch Gewohnheiten, Neigungen und Vorlieben der beteiligten Personen. Auch das soziale Umfeld und die gerade vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse spielen eine Rolle.
Letztendlich befinden man sich jedoch bei der Auslegung der Bibeltexte immer in der Situation des Paris, der den goldenen Apfel der schönsten der Göttinnen überreichen soll: die Auslegung eines Zitates ist immer abhängig vom gewählten Kontext, den eigenen Denkgewohnheiten, Erfahrungen und Werten. Als Beispiel sei hier die viel diskutierte Frage angeführt, ob Jesus mit Gott gleichzusetzen ist oder nicht. Das Konzil von Nicea (Nicäa) 325 hat gegen Arius festgesetzt,
"...daß Christus wahrhaftiger Gott sei, mit dem Vater wesensgleich und ewig wie dieser, von ihm verschieden und doch mit ihm eins." 2
Wie man sieht, trifft auch das Konzil keine im Sinne der Informatik eindeutige Aussage. Das Problem bei der Überführung der Informationen der Bibel in ein Expertensystem liegt darin, daß aus der Bibel einerseits geschlossen werden kann, daß Jesus Gottes Sohn ist. Jesus spricht von seinem Vater:
"He who hates Me hates My Father also." [John 15:23] 3
2 Heinz H. Hausner: Worte des Juden Jesus, Wien 1979 zitiert nach http://www.lernkultur.com/hhh/jude01.htm
3 The Zondervan NASB Study Bible Zondervan Publishing House, Michigan 1999, Seite1549
5
Andererseits läßt sich aus
"In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God." [John 1:1] 4
und
"And the Word became flesh, and welt among us, and we saw His glory, glory as of the only begotten from the Father, full of grace and truth." [John 1:14] 5
ableiten, daß Gott und Jesus eine Person waren: das Wort war Gott und das Wort wurde Fleisch des Eingeborenen vom Vater (also Jesus). Das Grundproblem der Bibelinterpretation im Sinne der Informatik liegt demnach darin, die Aussagen der Bibel kontextfrei und eindeutig in beweisbare Aussagen umzuformen. Dabei ist der Spagat zwischen der nüchternen Logik eines Computersystems
Behauptung:
Sohn und Vater sind verschiedene Personen Aussage: Jesus ist Sohn von Gott Schlußfolgerung:
4 The Zondervan NASB Study Bible Zondervan Publishing House, Michigan 1999, Seite1515
5 ebenda
6
und der in der Theologie üblichen Herangehensweise
1. Die Bibel ist das Wort Gottes. Da Gott nicht irrt, sind die Aussagen der Bibel als wahr zu betrachten.
2. Wenn in der Bibel in der Originalsprache zwei Aussagen "X" und "Y" getroffen werden, ergeben sich in einer Übersetzung für "X" die Aussagen "A", "B", "C" und "D" sowie für "Y" die Aussagen "E", "F" und "G". Wenn sich die Aussagen "B" und "G" in diesem Fall logisch widersprechen, werden "B" und "G" als Interpretation weggelassen. Dadurch bleiben "X" und "Y" auch in der Übersetzung widerspruchsfrei.
zu bewältigen.
2.2. Die Bibel im Internet
Derzeit gibt es im Internet unzählige Seiten in den verschiedensten Sprachen aus den unterschiedlichsten Top-Level-Domains, die sich mit der Heiligen Schrift befassen. Bei einer Websuche mit der Suchmaschine "Google" nach dem Stichwort Bibel wurden "ungefähr 637,000 Seiten" 6 gefunden. Viele Seiten sind der Darstellung der Bibeltexte in verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, finnisch, hebräisch, griechisch, lateinisch, ... um nur einige zu nennen) gewidmet. Hier wurden jedoch in den meisten Fällen nur Printausgaben der jeweiligen Bibeltexte in elektronisch lesbarer Form bereitgestellt. Der interessierte Internet-Nutzer kann zwischen den vielen verfügbaren Ausgaben und Übersetzungen wählen.
Allerdings sind Abweichungen zwischen den einzelnen Übersetzungen festzustellen. Auf den Seiten der "Elberfelder Bibel" beispielsweise beginnt das Johannis-Evangelium mit den Worten:
6 http://www.google.de/search?sourceid=navclient&hl=de&q=bibel (19.11.2002)
7
"1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 1,2 Dieses war im Anfang bei Gott. 1,3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist." 7
Unter "bibel-online.net" findet sich die 1984 revidierte Fassung der Lutherischen Übersetzung mit folgendem Text:
"1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist." 8
Bereits in den ersten drei Versen zeigen sich Unterschiede im Wortlaut, obwohl der Sinn des Textes derselbe ist. Ähnliche Abweichungen in den englischen Texten lassen sich beispielsweise bei der erwähnten Bibelstelle zwischen der "King James Bible" 9 und der von "BibleGateway.com" 10 finden. Die Beispiele zeigen, daß die im Internet verfügbaren Bibeltexte bestenfalls als Nachschlagewerke verwendet werden können, für eine direkte Übernahme in das Expertensystem sind diese Quellen nicht verwendbar. Andererseits verdeutlichen die angeführten Beispiele die Vielfältigkeit der vorhandenen Übersetzungen. Wenn die Wissensbasis durch ein überregionales Team erstellt werden soll, ist die Einigung auf eine gemeinsame Quelle eine der zu schaffenden Voraussetzungen.
7 http://www.joyma.com/elberfe.htm (22.09.2002)
8 http://www.bibel-online.net/buch/43.johannes/1.html#1,1 (22.09.2002)
9 http://www.die-bibel.de/anzeige.php3?buch=53&kap=1&lng=3 (22.09.2002)
10 http://bible.gospelcom.net/cgi-bin/bible?language=english&passage=John&version=NIV (22.09.2002)
8
2.3. Die "Quest"-Projekte
Einen interessanten Ansatz verfolgt das Projekt "Quest 1", welches zur linguistischen und literarischen Analyse des hebräischen Alten Testaments in Haarlem entwickelt wurde. "Quest 1" analysiert vom Wort ausgehend Phrasen- und Satzstrukturen bis hin zu den Makrostrukturen eines Textes. "Quest 1" wurde in einer Kooperation zwischen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der freien Universität Amsterdam und der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart unter dem Titel "Quest 2 Studienbibel" grundlegend weiterentwickelt. Die von der Deutschen Bibelgesellschaft als "Stuttgarter elektronische Studienbibel" vertriebene Version bietet folgende Funktionalität:
"Quest 2" ermöglicht die Abfrage lexikalischer und grammatikalischer Erscheinungen innerhalb der erfaßten Texte. So führt beispielsweise die Anfrage nach einer präpositionalen Wendung des Begriffes "Land", gefolgt von einem mit Artikel versehenen Substantiv oder Namen im Buch "Genesis" zu der Ergebnismenge
"in das Land Morija" [Genesis 22:2] "im Land des Südens" [Genesis 24:62] "aus dem Land der Temaniter" [Genesis 36:34] "aus dem Land der Hebräer" [Genesis 40:15]. 12
Der Hauptverwendungszweck dieses Programms liegt in der linguistischen und literaturwissenschaftlichen Textanalyse. Eine direkte Nutzung der zugrundeliegenden Daten für ein Expertensystem wird an der Struktur der erfaßten Daten scheitern. Eine Nutzung von "Quest 2" bzw. eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in Greifswald und Amsterdam könnte sich jedoch als vorteilhaft herausstellen. Zur Definition eindeutiger Fakten in einem Expertensystem ist es erforderlich, mehrere verschiedene Ausdrucksformen eines Faktes zu erkennen und entsprechend in das Expertensystem aufzunehmen. Bei dieser Arbeit kann "Quest 2" wertvolle Unterstützung bieten.
11 http://matthias-frey.de/weitere/details/body_081963.html (27.01.2003)
12 Nutzung grammatischer Textdatenbanken zur Analyse literarischer Texte mit Quest 2 in: Ad Fontes! Quellen erfassen - lesen - deuten VU University Press, Amsterdam 2000, Seite 162
10
3. Grundlagen und Definitionen für das Expertensystem
3.1. Grundlagen
3.1.1 Definition des Begriffes Expertensystem
Zunächst soll die Frage geklärt werden, was unter einem Expertensystem eigentlich zu verstehen ist.
Im "Duden Informatik" wird der Begriff Expertensystem wie folgt definiert::
Expertensystem: Programmsystem, das "Wissen" über ein spezielles Gebiet speichert und ansammelt, aus dem wissen Schlußfolgerungen zieht und zu konkreten Problemen des Gebietes Lösungen anbietet Expertensysteme (...) sind in der Lage,
große Mengen auch diffusen, vagen und unformalisierten Wissens in problembezogener Weise zu repräsentieren, aus dem vorhandenen Wissen auf logischem und/oder heuristischem Wege Schlußfolgerungen zu ziehen und neues Wissen zu gewinnen, zu konkret vorgegebenen Problemen im Dialog mit dem Benutzer Lösungen zu finden und den Lösungsweg zu erläutern. 13
In einem Expertensystem ist also die fachliche Kompetenz (Erfahrungen und Sachwissen) von Experten gespeichert. Die Wissensbasis des Expertensystems wird durch ein Regelwerk gebildet, welches eine große Menge Wissen auf dem Spezialgebiet des Expertensystems repräsentiert. Über diese definierten Regeln sind Expertensysteme in der Lage, aus dem vorgegebenen Wissen selbständig Schlüsse zu ziehen, Problemlösungen anzubieten und den Lö-
13 DudenInformatik
Dudenverlag, 3. Auflage, Mannheim 2001, Seite 234 f
11
Arbeit zitieren:
Michael Heyne, 2003, Grundlagen und Möglichkeiten für die Entwicklung eines Expertensystem für theologische Fragestellungen, München, GRIN Verlag GmbH
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