Universität Hamburg Institut für Politische Wissenschaft Lektürekurs: Klassiker der Theorien internationaler Beziehungen
Samuel P. Huntingtons Theorie und sein Bild des Islam
Friederike Siena Haumann
Darstellung von Huntingtons Thesen und Argumentationen
Kampf des Westens gegen den Rest
Huntingtons Darstellung des Islam
3.1.1. Das Fehlen eines islamischen Kernstaats
1. Einleitung
Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Konzept des „Clash of Civilisations“, das Samuel P. Huntington erstmals 1993 in der politischen Zeitschrift Foreign Affairs (S. 22 – 49) vorstellte und 1996 durch sein Buch „Kampf der Kulturen“ erweiterte und ergänzte. Bis heute werden seine aufgestellten Thesen zum Kampf der Kulturen kontrovers diskutiert, und haben auch auf Grund der Attentate vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und Washington nicht an Aktualität verloren.
Gerade im Hinblick zum Jahrestag der Anschläge häufen sich in der Presse Besprechungen seines Konzeptes, sowie Interviews mit Samuel P. Huntington.
Ich möchte im Folgenden Huntingtons Grundthesen in groben Zügen darstellen und dabei kurz auf seinen Kultur-, bzw. Kulturkreisbegriff eingehen, und des weiteren die Definition und Funktion von Kernstaaten, Bruchlinienkriegen und kin-country-syndrome darstellen. Schließlich diskutiere ich das, von Huntington entworfene, Bild des Islam, stelle einige seiner angeführten Beispiele zu islamischen Ländern vor und versuche Teile seiner These anhand dieser Beispiele zu widerlegen.
2. Darstellung von Huntingtons Thesen und Argumentationen
Grundlage für Huntingtons aufgestellte Theorie ist die Tatsache, dass nach dem Ende des Kalten Krieges die Weltordnung neu strukturiert wird. Während im Kalten Krieg die Welt entlang des eisernen Vorhangs geordnet war, ziehen sich die Grenzen der neuen Weltordnung entlang der natürlichen Bruchlinien der Kulturen.
In dieser neuen Weltordnung wird laut Huntington der Westen immer mehr an Macht einbüssen 1 , die anderen Kulturkreise werden sich somit von der Vorherrschaft des Westens befreien und nicht selten dagegen ankämpfen.
So kommt es zum Kampf der Kulturen, der sich entlang der Kulturkreise entlädt. Um näher auf Huntingtons Konzept eingehen zu können möchte ich im folgenden Kapitel zunächst auf einige seiner Begriffe wie Kulturkreis und Kernstaat eingehen.
2.1. Kultur und Kulturkreise
Während Huntington in seinem 1993 erschienen Artikel 2 von „civilisations“ oder auch „cultures“ schreibt, hat er sich im deutschsprachigen Buch „Kampf der Kulturen“ 3 auf den Begriff „Kulturkreise“ festgelegt.
Interessanterweise existiert dieser Begriff des Kulturkreises in der Ethnologie schon seit 1898, und wurde damals von Leo Frobenius eingeführt und damit die Kulturkreislehre begründet. Durch diese Kulturkreislehre kam es zur neuen ethnologischen Richtung der Köln- Wiener-Schule. Der Begriff des Kulturkreises wird hier als räumlich-zeitliches Konstrukt beschrieben, dass charakteristische Übereinstimmungen in verschiedenen Kulturelementen zu erkennen glaubt. Dies sollte auf den gemeinschaftlichen Ursprung der Kulturen schließen lassen. Man nahm eine Schichtung der Kulturkreise vor, wie z.B. „Urkulturen“, „Primärkulturen“ bis hin zu „Sekundärkulturen“. Jedoch wurde seit Mitte der 50er Jahre das Kulturkreiskonzept aus der ethnologischen Theorienbildung verbannt. 4
Somit ist Huntingtons häufig diskutierter Begriff nicht neu, er wird von ihm jedoch neu
„Ein Kulturkreis ist die größte kulturelle Einheit. Dörfer, Regionen, ethnische Gruppen, Nationalitäten, religiöse Gruppen besitzen, auf unterschiedlichen Ebenen der kulturellen Heterogenität, je ihre eigenen Kultur.“
5
Huntington teilt die Welt in sieben, bzw. acht Kulturkreise auf:
Der sinische Kulturkreis, den er in seinem Artikel 1993 in Foreign Affairs 6 noch konfuzianisch nannte. Der japanische Kulturkreis, der hinduistische Kulturkreis, der islamische Kulturkreis, der slawisch-orthodoxe Kulturkreis, der lateinamerikanische Kulturkreis und schließlich der westliche Kulturkreis. Ein afrikanischer Kulturkreis kommt für Huntington nur vielleicht in Frage.
Von allen Merkmalen, die einen Kulturkreis ausmachen, wie Sprache, Herkunft, Geschichte, Riten, Bräuche, ist nach Huntingtons Meinung die Religion das wichtigste Merkmal. Die Religion ist nach Huntington, der tiefgreifendste Unterschied zwischen den Kulturkreisen.
2
Huntington, Samuel : 1993 : S. 23
3
Huntington, Samuel : 1996
4
Hirschberg, Walter : 1999 : S. 223
5
Huntington, Samuel : 1996 : S. 53
6
Huntington, Samuel : 1993 : S. 25
Quote paper:
Friederike Haumann, 2002, Samuel P. Huntingtons Theorie und sein Bild des Islam, Munich, GRIN Publishing GmbH
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