G l i e d e r u n g
E i n l e i t u n g
B e g r i f f d e r I n t e g r a t i o n Kindertagesstätten in den Niederlanden Kosten für Eltern Firmenfinanzierte Kinderbetreuung Gemeindefinanzierte Kinderbetreuung Eigenfinanzierte Kinderbetreuung Perspektiven für Kindertagesstätten in den Niederlanden Schulsystem der Niederlande Administrative Struktur Gliederung des Schulsystems Schulformen Reguläre Schule Aufnahme von Schülerinnen und Schülern Spezieller Grundschulunterricht - speciaal basisonderwijs Sorten von speciaal onderwijs Vorteile speciaal onderwijs Spezielle Grundschulen und Weiterführende Schulen Mit einem Rucksack in die Schule…
Das unterstützende System leerlinggebonden financiering - ‚De Rugzak’ Welche Kinder kommen für das System ‚De Rugzak’ in Frage? Was ist die leerlinggebonden financiering - ‚De Rugzak’? Warum geht ‚De Rugzak’ an den Start?
Was müssen Eltern tun um für ‚De Rugzak’ in Betracht zu kommen? Was genau befindet sich im Rucksack? Ausnahmen
Finanzierung im voortgezet onderwijs Indikationskriterien Kinder mit mehreren Störungen Das Regionaal Expertisecentrum Die Commissie voor Indicatiestelling Handlungsplan
Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule Konfliktsituationen zwischen Elternhaus und Schule Problemlos und sicher zur Schule Arten des Schülertransports Kosten
Beispiele für die Wahl einer bestimmten Schulform Sandra Joep Danique Mytylschoolen
Ambulante Begleitung und regulärer Unterricht Zusammenarbeit Studium behinderter Jugendlicher Zuschulung und Umschulung behinderter Erwachsener Wahl der Ausbildung Wer bezahlt? Fazit Begriffserläuterung Quellenverzeichnis Literatur Internet
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1. Einleitung
Das eigene Familienleben selbstbestimmt zu gestalten, ist selbstverständlich der Wunsch aller Familien, auch jener mit behinderten Angehörigen. Unter Integration wird meist das Recht des einzelnen Behinderten verstanden, Integration ist aber auch ein dringendes Erfordernis für die Familie und die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit. Dieser Aspekt wird oft vernachlässigt, und es fehlt gelegentlich an Rahmenbedingungen um den Familien mit besonderen Bedürfnissen eine volle Teilhabe am öffentlichen Leben zu eröffnen.
Auch das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes sieht in Artikel 23 eine möglichst vollständige und soziale Integration sowie individuelle Entfaltung behinderter Kinder vor. (Quelle: bmfsfj.de/Anlage6844/1._Uebereinkommen_ ueber_die_Rechte_des_Kindes.pdf)
Jungen und Mädchen gehen gemeinsam in zur Schule. Kinder aus katholischen oder evangelischen Familien sitzen in einer Klasse neben Kindern aus islamischen Familien, mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.
Aber behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in einer Klasse, geht das überhaupt?
Manche Köpfe waren und sind der Meinung, dass es für behinderte oder lernschwache Kinder das Beste wäre, in eigenen Schulen unterrichtet zu werden. Sonderschulen könnten all das bieten, was behinderte Kinder dringend brauchen: eigens ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen, Klassen mit weniger Schülern und Schülerinnen, spezielles Unterrichtsmaterial und baulich angepasste Räumlichkeiten und ‚behindern’ die Behinderten nicht auch das rasche Fortkommen der nichtbehinderten Schüler?
Seit Jahren empfinden immer mehr Eltern gehandicapter Kinder den Besuch der Sonderschule als soziale Ausgrenzung. Sie müssen miterleben, wie ihre Kinder den Kontakt zur Umgebung nicht aufbauen können oder gar verlieren. Sie wollen daher, dass ihre Kinder gemeinsam mit ihren Spielkameraden und Spielkameradinnen zur Schule gehen, sich nicht ausgeschlossen fühlen und dasselbe
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erleben wie andere Kinder auch. Sie wollen, dass ihre Kinder in der regulären Schule integriert werden. Und letztlich ist die Integration auch noch in anderer Hinsicht nützlich für eine moderne aufgeklärte Gesellschaft, nämlich für die anderen, die nicht Behinderten, sich in Akzeptanz und Toleranz zu üben und soziale Kompetenz zu erwerben.
Im Rahmen des Seminars ‚Sozialarbeit und Sozialpolitik am Beispiel der Nieder-lande’, einem Austauschprojekt der Fachhochschule Hildesheim und der Hogeschool van Amsterdam, in dessen Zusammenhang ich ein Praktikum von drei Monaten in Kindertagesstätten und Schulen der Niederlande absolvierte, konnte ich mich auch umfassend über sozial gesellschaftliche Strukturen in diesem Land in den Bereichen vor- und nachschulische Betreuung von Kindern, Sozialsysteme und Sozialstrukturen, Akzeptanz und Integration von jungen, behinderten und Menschen nichtniederländischer Abstammung sowie über politische Strukturen informieren. Mein besonderes Interesse gilt ebenso der, pädagogischer Methoden und Möglichkeiten in der Grundschule, die deshalb als Basis der Verständnisentwicklung für integrative Prozesse von gehandicapten und lernbehinderten Kindern einen breiten Rahmen in dieser Arbeit einnehmen.
Die Niederlande sind von jeher ein Land mit alter Seefahrertradition und damit verbunden eine reiche und bedeutende Handelsmacht. Seefahrt und Handel mit fremden Völkern haben sicherlich wesentlich dazu beigetragen Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen und anderen Ansichten in hohem Maße zu entwickeln. So ist die Integration von Menschen anderer Nationen in den Niederlanden gut gelungen. Diese Toleranz und Akzeptanz ist aber auch spürbar im Umgang von Nicht-Behinderten und Behinderten, so wie das gesamte soziale Netzwerk unserer Aufmerksamkeit anheimfallen sollte. Bereits in Kinderkrippe und Kindergarten begegnen sich Menschen mit und ohne Handicap. Diese erfahren weitreichende Förderung durch die Regierung der Niederlande die sich in jedem Lebensalter wiederfindet. Ein kurzer Aspekt soll sich in der vorliegenden Arbeit deshalb nicht nur mit der schulischen, sondern auch mit der vor- und nachschulischen Integration von gehandicapten Menschen und der Darstellung sozialer Rahmenbedingungen in den Niederlanden befassen um dieses Bild abzurunden und zu verdeutlichen, dass die Sorge in sozialen Bereichen hier in komplexen Strukturen verwirklicht ist.
In der Arbeit verwendete niederländische Begriffe oder Textfragmente, kursiv gedruckt, werden anschließend im Text selbst oder abschließend im Abschnitt Begriffe erläutert. Beispiele im Text sollen Wünsche, Vorstellungen, Ängste,
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Hoffnungen und Erfahrungen von Eltern gehandicapter Kinder, die verschiedene Schulformen besuchen, verdeutlichen.
Diese Arbeit entstand während eines Praktikums in den Niederlanden. Dadurch war es möglich nicht nur intensiv und ausführlich, sondern auch in der direkten Kommunikation Informationen einzuholen. Besonderen Dank für die Freundlichkeit und Unterstützung des Vorhabens gilt deshalb dem Ministerium für Bildung, Wohlsein und Wissenschaft in Den Haag, den Direktoren und Lehrerkräften der basisschoolen ‚De Bonkelear’ in Aalst, ‚De Wilderen’ in Waalre und ‚De Regionaal International School’ in Eindhoven.
Zum Begriff der Integration
Integration, abgeleitet vom lateinischen integratio: Wiederherstellung eines Ganzen ist im allgemeinen Sprachgebrauch der Prozess des Zusammenschlusses von Teilen zu einer Einheit oder die Eingliederung in ein größeres Ganzes.
Im Gegensatz dazu wird von Ausgrenzung (auch Absonderung, Aussonderung) bei fehlender bis geringer Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an durchschnittlich herrschenden Arbeits-, Lebens- und Lernverhältnissen gesprochen. (Quelle: Erwin Reichmann-Rohr, S.24 in: Eberwein, Hans (Hg.): Behinderte und Nichtbehinderte lernen gemeinsam. Weinheim und Basel: Beltz 1988, 2. Aufl. 1990)
In der Psychologie des 20. Jahrhunderts taucht der Integrationsbegriff in verschiedenen Zusammenhängen auf. Die Entwicklungspsychologie definiert Integration als‚ ‚ein Merkmal (ontologischer) Entwicklungsprozesse, wodurch sich vereinzelte Fähigkeiten zu einer organischen/organisierten und mithin effizienteren Ganzheit zusammenschließen’. (Quelle: Kobi, S. 56 In: Eberwein, Hans (Hg.): Behinderte und Nichtbehinderte lernen gemeinsam. Weinheim und Basel: Beltz 1988, 2. Aufl. 1990)
In der Soziologie wird Integration als ‚organischer Zusammenschluss verschiedener Bereiche des kulturellen Lebens zu einem System innerer Verbundenheit bezeichnet. (Quelle: ebenda, S. 57) In der Pädagogik wurde die Bezeichnung Integration zunächst ausschließlich im persönlichkeits- und entwicklungspsychologischen Sinne gebraucht. Erst seit den 60er Jahren taucht sie auch in Curriculumsdiskussionen auf.
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Begrenzt ist Integration wenn, ‚nicht alle Kinder einer Gruppe integriert sind; umfassend, wenn nicht für alle behinderten Kinder einer Gruppe Schulplätze im öffentlichen Schulwesen geschaffen werden.’ (Quelle: Möckel, S.31 In: Eberwein, Hans (Hg.): Behinderte und Nichtbehinderte lernen gemeinsam. Weinheim und Basel: Beltz 1988, 2. Aufl. 1990.)
Nach dieser Auffassung ist Integration dann gegeben, wenn Kinder am Wohnort unterrichtet werden. Nicht die Schüler werden in Spezialschulen unterrichtet, sondern speziell geschultes Lehrpersonal wird den Klassen zugeteilt. Im integrativen Unterricht geht es darum, jedes Kind auf seinem Entwicklungsniveau abzuholen und seine Grenzen zu akzeptieren, anstatt Kinder mit besonderen Problemen aus der Gemeinschaft auszugrenzen.
Integration kann jedoch nur gelingen wenn sie als komplexer Vorgang betrachtet wird und sich auf alle Bereiche des privaten und gesellschaftlichen Lebens bezieht. Angefangen von der Kindertagesstätte über schulische und berufliche Ausbildung bis hin zu Schaffung entsprechender Arbeitsplätze im formellen, sowie ebenso die Eingliederung in freizeitliche und private Bereiche hinein.
Kindertagesstätten in den Niederlanden
In den Niederlanden gibt es ein flächendeckendes Netzwerk von Kindertagesstätten. Diese Kindertagesstätten, kinderdagverblijv oder kinderopvang genannt, sind ihrem Wesen nach private Stiftungen. Dort werden Kinder von der sechsten Lebenswoche bis zum 13. Lebensjahr in sogenannten horizontalen, altersgemischten und vertikalen, altersgleichen Gruppen, betreut. Die Betreuungszeiten liegen in der Regel zwischen 7.30 und 18.30. oder 19.00 Uhr. In großen Städten wie Amsterdam und Rotterdam gibt es auch einige Einrichtungen die von 0 bis 24 Uhr Kinder betreuen. Dies ist besonders für Alleinerziehende wichtig die einer Arbeit im Schichtdienst nachgehen. In den meisten Kindertagesstätten werden auch behinderte und verhaltensauffällige Kinder betreut. Diese Einrichtungen heißen kinderopvang plus und beschäftigen zusätzlich heilpädagogisch ausgebildetes Personal. Auffallend ist ebenso das es dort gehandicapte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt was das Bild erfreulicherweise abrundet. Nichtbehinderte und behinderte Kinder und Erwachsene können sich hier völlig ungezwungen begegnen und im Leben ‚wachsen’.
Im Oktober 2000 hat Staatssekretärin Margo Vliegenthart vom Ministerium Volksgesundheit, Wohlsein und Sport das ‚Netwerkbureau Uitbreiding
Kinderopvang’ installiert. Dieses Büro soll die Gründung von Kindertagesstätten, orientiert an den Bedarfen von Eltern und Gemeinden stimulieren. Dabei sollen
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öffentliche sowie private Organisationen und Einrichtungen in hohem Maße eingebunden werden. (Quelle: www.minvws.nl)
In speziellen Fällen können Eltern ihre Kinder auch von externen Kräften mit entsprechender pädagogischer Unterweisung betreuen lassen. Diese Art der Betreuung findet Anwendung zu bestimmten Zeiten in denen die Kindertagesstätte geschlossen ist wie beispielsweise am Wochenende oder nachts und soll Eltern und besonders allein Erziehenden die Möglichkeit der Berufsausübung bieten. Diese Art der Betreuung ist in fast allen Kindertagesstätten zu finden. Die Gasteltern agieren immer in Zusammenarbeit und mit der jeweiligen Einrichtung und sind vertraglich an die jeweiligen pädagogischen Richtlinien gebunden. Sie werden nicht von den Eltern, sondern immer von der Kindertagesstätte entlohnt, es sind quasi ausgelagerte Betreuungsstätten bei Privatpersonen. Alle müssen an entsprechenden pädagogischen Unterweisungen teilnehmen und einen einwandfreien Leumund besitzen. (Quelle: www.kinderopvangnet.nl)
Kosten für Eltern
Alle Formen von Kinderbetreuung in den Niederlanden werden gleichermaßen, jedoch mit unterschiedlichen Preisniveau angeboten. Die Preise legen die Einrichtungen selbst fest. Begleitende Finanzierungen durch Betriebe liegen im Ermessen der Firmen, gemeindefinanzierte Plätze sind in den Gemeinden, Distrikten oder Provinzen jeweils einheitlich geregelt. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung. In jedem Fall ist zuerst ein entsprechender Antrag zu stellen, das kann auch bereits während der Schwangerschaft erfolgen. Dies wäre in bestimmten Fällen wichtig, da bestimmte Formen der Fremdfinanzierung zahlenmäßig begrenzt sind. In jedem Falle ist ein Gehaltsnachweis erforderlich.
Firmenfinanzierte Kinderbetreuung
Große und kleine Firmen in den Niederlanden können für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Betreuungsplätze mieten. Dies geschieht auch in relativ großem Umfang.
Dabei wird zu Grunde gelegt, dass sich Mitarbeiter bei professioneller Unterbringung ihrer Kinder weniger Sorgen machen müssen und hier der Firma motivierte und erfahrene Menschen lange zur Verfügung stehen! Dies scheint mittlerweile auch zum gesunden Status einer Firma mit sozialem Engagement zu gehören, was den gesellschaftlichen Stellenwert dieses Betriebes beträchtlich erhöht. Die Betriebe die Betreuungsplätze mieten, haben auch beträchtliche steuerliche Vorteile. So können bis zu 30% der Brutto-Steuerlasten nach Abzug des
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Elternbeitrages abgezogen werden. Außerdem können sie die Kosten für die Kinderbetreuungsplätze für ihre Mitarbeiter als Betriebskosten anrechnen lassen. Je nach Art der Finanzierung bezahlen Eltern oder allein Erziehende entsprechend keine oder geringe Beiträge dazu.
Gemeindefinanzierte Kinderbetreuung
Jede Gemeinde der Niederlande stellt eine gewisse Zahl von Betreuungsplätzen für Gemeindeeinwohner zur Verfügung. Die Anzahl ist jedoch begrenzt. Diese Plätze können Familien bis zu einem bestimmten Monatseinkommen beantragen. Die Grenzen sind abhängig von den jeweiligen Gemeinden verschieden. Bei der Vergabe dieser Plätze werden Kinder von Eltern mit gesundheitlichen und sozialen Problemen bevorzugt. Die Eltern bezahlen dann keinen oder einen etwas geringeren Beitrag dazu. (Quelle: www.eindhoven.nl/gemmente/kinderdagverblijv)
Eigenfinanzierte Kinderbetreuung
Für Eltern die weder auf eine betriebs- noch einen gemeindefinanzierte Kinderbetreuung zurückgreifen können, besteht natürlich die Möglichkeit einen entsprechenden Platz selbst zu finanzieren. Dabei sind in bestimmtem Maße diese Beträge steuerlich absetzbar. (Quelle: www.eindhoven.nl)
Perspektiven für Kindertagesstätten in den Niederlanden
Für Betreuungsplätze besteht in den Niederlanden eine große Nachfrage. Im Jahr 2001 wurden 157.000 Kinder in den Einrichtungen betreut. Für das Jahr 2007 wird ein Bedarf von 205.000 (Quelle: www.cbs.nl) bis 211.000 (Quelle: www.waarborgfonds.nl) Betreuungsplätzen prognostiziert. Dies bedeutet, es müssen zwischen 2003 und 2007 noch 45.000 bis 51.000 Plätze geschaffen werden.
Diskutiert wir weiterhin die Betreuung beziehungsweise Beaufsichtigung von Kindern und Jugendlichen bis zum 16. Lebensjahr zu erweitern.
Schulsystem der Niederlande
Das Schulsystem der Niederlande wurde durch vielfältige Wandlungen und durch heftige politische Auseinandersetzungen geprägt. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch den sogenannten ‚Schulstreit’, in dem es um die Emanzipation von Katholiken und Protestanten im gesellschaftlichen Leben
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ging. Im Jahre 1917 wurde dieser Streit durch ‚Befriedigung’ (pacificatie) beigelegt und damit das heutige niederländische Schulsystem begründet. Wichtigster Grund für die Beendung des Schulstreites war die grundlegende Änderung des Schulgesetzes. Das neue Gesetz legte die Gleichwertigkeit von öffentlichen und privaten Schulen fest. Dadurch hatten auch private Schulen in ganz unterschiedlicher Trägerschaft einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf 100% staatliche Subventionen. Weiterhin erhielten diese Schulen weitgehende Freiheiten bei ihrer Gründung, der Gestaltung von Curricula und bei der Einstellung von Lehrpersonal.
Innerhalb dieser Freiheiten gab es nur drei Beschränkungen:
1. Die Schulen müssen an landesweiten Abschlussprüfungen am Ende des Sekundarunterrichtes teilnehmen. 2. Eine staatliche Schulinspektion, die alle fünf bis sechs Jahre im Auftrag des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft durchgeführt wird, muss akzeptiert werden. 3. Bestimmte arbeitsrechtliche Vereinbarungen müssen eingehalten werden.
Diese Freiheiten von Unterricht und Schulwahl haben Verfassungsrang. Der Artikel 23 der niederländischen Verfassung garantiert unter anderem die Freiheit von Schulgründungen auf der Grundlage religiöser oder weltanschaulicher Überzeugungen und die entsprechende, sowie die finanzielle Gleichbehandlung öffentlicher und privater Schulen.
Administrative Struktur
Die Verbindung einer zentralen Steuerung durch das Ministerium für Wissenschaft und Bildung mit einer dezentralen Verwaltung ist kennzeichnend für dieses Bildungssystem. Dabei lassen sich direkte und indirekte Steuerungsinstrumente unterscheiden: Direkte Steuerungsinstrumente sind qualitative und quantitative Anforderungen an den Unterricht, während indirekte Steuerungsinstrumente in Regelungen für die Zuweisung von finanziellen und anderen Mitteln bestehen. Die Schulaufsicht obliegt dem Ministerium für Wissenschaft und Bildung als Zentralbehörde. Die Ausnahme macht der landwirtschaftliche Unterricht, der dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Fischerei unterstellt ist. Des Weiteren obliegen dem Ministerium die Organisation der Schulen (zum Beispiel: Stundenzahl oder Pflichtfächer), die Finanzierung, die Verwaltung, die Durchführung der Prüfungen sowie die Kontrolle von Qualifikation und Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Sobald alle Bedingungen erfüllt sind, werden den Schulen von der
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Arbeit zitieren:
René Brandt, 2003, Zur Situation der schulischen Integration gehandicapter und lernbeeinträchtigter Kinder in den Niederlanden, München, GRIN Verlag GmbH
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