Inhaltsverzeichnis
Zeittafel des Lebens Maria Montessoris S 1
Kindheit und Jugend der Maria Montessori S 3
Die Studienzeit S 6
Die Zeit von 1896 1907 nach dem Studium S 8
Geburt des Sohnes S 10
Casa dei bambini S 10
Die Montessori Bewegung S 12
Die späten Jahre der Maria Montessori S 18
Literaturverzeichnis S 22
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Kindheit und Jugend der Maria Montessori
Maria Montessori wird am 31. August 1870 in Chiaravalle in der Provinz Ancona geboren. Es ist das Jahr der staatlichen Einigung Italiens. Ihr Vater, Alessandro Montessori lebt von 1832 - 1915 und ist Finanzbeamter. Ihre Mutter Renilde Montessori, geborene Stoppani, lebt von 1840-1912 und stammt aus einer Gutsbesitzerfamilie. Sie ist die Nichte des Naturwissenschaftlers Antoni Stoppani, der sich durch liberale Äußerungen zu Zeitfragen einen Namen gemacht hat (vgl. Heiland S.9).
Während ihr Vater eher der kleinbürgerlichen Schicht zuzuordnen ist und deutlich konservative Züge aufweist, ist die Mutter hochgebildet und vertritt liberale Ansichten, was zu dieser Zeit für Mädchen ungewöhnlich ist. Im Gegensatz zu anderen , die froh waren ihren eigenen Namen schreiben zu können, verschlang Renilde ganze Bücher (vgl. Kramer S. 26). Sie steht den zeitlichen Veränderungen aufgeschlossen gegenüber. Diese unterschiedlichen Lebenseinstellungen machen sich später bei der Berufswahl Marias deutlich bemerkbar.
Alessandro Montessori studiert Arithmetik und Rhetorik. 1850 wird er Angestellter in der Finanzbürokratie des Vatikans und arbeitet dann als Inspektor in der Salz-und Tabakindustrie (vgl .Heiland S.11).
Nachdem er 1859 Inspektor der Finanzverwaltung der Romagna wird, kontrolliert er vier Jahre später die Abgaben der Salz- und Tabakindustrie. Im Rahmen dieser Tätigkeit lernt er Renilde 1865 in Chiravalle kennen. Sie heiraten im Frühling 1866. 1873 wird Alessandro nach Florenz versetzt, zwei Jahre später ziehen die beiden, aus beruflichen Gründen, nach Rom, wo das Ehepaar Montessori bis zu seinem Tode leben wird.
Der Umzug nach Rom brachte für die damals fünfjährige Maria viele Veränderungen mit sich. Die Hauptstadt bot ein Kulturzentrum mit Universität, Museum, Bibliothek und weiteren Einrichtungen, die es auf dem Land in Ancona nicht gab.
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Mit sechs Jahren wurde Maria eingeschult. Sie ging an die öffentliche Schule Via di San Nicolo da Tolentino. Die Grundschulerziehung war zu dieser Zeit eine lokale Angelegenheit. Sie lag somit in den Händen der jeweiligen Gemeinden. In den meisten Grundschulen herrschten überfüllte Klassenzimmer und schlecht ausgebildete Lehrer vor. Im Gegensatz zu Grundschulen auf dem Land, an denen man nur oberflächlich Lesen, Schreiben, Rechnen und einige
naturwissenschaftliche Fakten lernte, wurde Maria auch in Geschichte, Erdkunde, elementare Naturwissenschaft und etwas Geometrie unterrichtet. „Selbst in den Schulen einer Stadt wie Rom war das System nicht dazu angetan, den Verstand der Kinder zu entfalten oder ihre Phantasie anzuregen.“ (zitiert aus: Kramer, S. 32) Ziel diese autoritären Unterrichtes war es, Kinder dazu zu erziehen, dass sie den Stoff präzise wiedergeben können, aber keine eigenen Gedanken mit in den Unterricht einbringen dürfen. Der Unterricht konzentrierte sich somit auf die reine Reproduktion des gespeicherten Wissens, das Verständnis wurde nicht überprüft. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich Maria in diesem Milieu trotz ihrer hohen Intelligenz nicht auszeichnet. Im ersten Schuljahr wird sie wegen guten Betragens gelobt, im zweiten wegen guter Leistungen beim Anfertigen weiblicher Handarbeiten (Näh- und Strickarbeiten), ansonsten soll Maria zu dieser Zeit noch keinerlei Ehrgeiz entwickelt haben. Ein Beispiel hierfür wird von Kramer so beschrieben: Eine Klassenkameradin weint, da sie nicht versetzt worden war. Maria kann das Mädchen nicht verstehen, da für sie ein Klassenzimmer genauso sei wie das andere (vgl. Kramer, S.32).
Erst allmählich scheint Maria Freude am leichten Lernen Freude gefunden zu haben und sucht gezielt den schulischen Erfolg. Sicherlich spielt ihre Mutter eine wichtige Rolle bei dieser sich verstärkenden Einstellung. Renilde Montessori sah im zukünftigem Lebensweg ihrer Tochter Möglichkeiten, die sie selbst nicht verwirklichen konnte. Maria sollte eine hochqualifizierte Ausbildung erhalten und später berufstätig werden. Die damals übliche Verheiratung kam für ihre Tochter nicht in Frage. Maria beginnt sich insbesondere mit der Mathematik zu beschäftigen.
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Im Herbst 1883 tritt Maria nach dem sechsjährigen Grundschulbesuch in die naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule Regia Scuola Tecnica Michelangelo Buonarotti mit dreijähriger Unterstufe, der sich ein weiterführender vierjähriger Kurs anschließt, ein. Der Abschluss berechtigt zum Hochschulstudium. Die Entscheidung für die naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule war für Mädchen damals ungewöhnlich, wenn überhaupt eine Sekundarschule besucht werden sollte, wurden die Mädchen bevorzugt auf das gimnasio geschickt, da hier gesellschaftlich brauchbare humanistische Allgemeinbildung vermittelt wurde. Die naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule war deutlich ausbildungs- und berufsbezogener.
Die Unterrichtspraxis der Sekundarschule, die Maria von 1886-1890 besucht, unterscheidet sich nicht von der der Grundschule. Sie ist auch hier lehrbuchorientiert. Selbständiges Handeln und weiterführendes Denken wird nicht angestrebt. Es handelt sich um ein Schulsystem, welches die Individualität jedes einzelnen unterdrückt. Maria jedoch hat sich ihre Individualität bewahrt. Als sie später selbst eine Erziehungsmethode entwickelt, hat sie mit diesem System ein deutliches Beispiel dafür, wie eine Schule nicht sein sollte (vgl. Kramer, S.38).
Maria spielt in diesen Jahren mit dem Gedanken Ingenieur zu werden. Wunsch der Eltern war es jedoch, dass Maria den Lehrerberuf ergreift. Ihre Mutter unterstützt sie in ihrer Entscheidung. Vater Alessandro kann den Berufswunsch seiner Tochter nicht in sein Weltbild einordnen. Ausgerechnet seine Tochter will einen Männerberuf ausüben.
Maria schließt sowohl den dreijährigen, wie auch anschließend den vierjährigen, Kurs in allen Fächern mit guten Leistungen ab, besonders in Mathematik. Gegen Ende der Schulzeit ändert Maria ihren Berufswunsch. Sie möchte Ärztin werden und Medizin studieren.
Der Arztberuf ist bis zu diesem Zeitpunkt die absolute Domäne des Mannes, was zu einigen Schwierigkeiten führt. Ihr Vater Alessandro ist gegen ihr Berufsziel. Sie setzt sich aber dahingegen durch, dass ihr Vater ihr das Studium nicht verbietet, sich aber deutlich von ihr distanziert. Sie führt mit dem Professor für klinische Medizin an der Universität in Rom ein Gespräch, um die Zulassung zur Aufnahme
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zu erreichen. Dieser Versuch endet negativ. Maria soll aber am Ende des Gespräches gesagt haben, Ich weiß, dass ich Ärztin werde.
Die Studienzeit
Das Medizinstudium bestand aus zwei vormedizinischen naturwissenschaftlichen Studiengängen(Zoologie, Botanik, Physik und Chemie) und aus 4-jährigen Kursen in Pathologie, Anatomie und Klinischer Medizin.
Maria schreibt sich im Herbst 1890 als Studentin der Mathematik, Physik und Naturwissenschaften an der Universität Rom ein und konzentriert sich auf die vormedizinischen Fächer. Im Frühjahr 1892 legt sie ihre Prüfungen auch in den Fächern Latein und Italienisch mit sehr gutem Erfolg ab und bekommt damit das Berechtigungszertifikat, um das klinische Studium der Medizin beginnen zu können. Sie stellt den Antrag und betreibt entschieden ihre Zulassung. Es ist nicht genau geklärt, welche Instanzen sie durchlaufen musste, aber es soll sich Zeitungsausschnitten zufolge sogar Papst Leo der XIII. für die Zulassung Marias ausgesprochen haben. Ergebnis dieser Bemühungen ist, dass Maria im Herbst 1892 das eigentliche Medizinstudium beginnt. Die Studienbedingungen gleichen denen der Unterrichtspraxis: Die Prüfungen beziehen sich auf Vorlesungen, deren Inhalte genauestens reproduziert werden müssen.
Maria lebt weiterhin bei den Eltern, geht zu Vorlesungen und arbeitet zu Hause ihre Notizen durch, um diese durch Lektüren zu vertiefen. Sie ist eine fleißige und lernbegierige Studentin und fällt daher in zweierlei Hinsicht auf: als Frau und durch ihren Lerneifer. Die Studenten der damaligen Zeit ließen sich nur selten in den Vorlesungen sehen. Einige Wochen vor den Prüfungen lernten sie aus den Skripten älterer Kommilitonen und bestanden auch meist die Prüfungen, da lediglich der Stoff der Vorlesungen abgefragt wurde und nicht dessen Verständnis. Viele ihrer Kommilitonen waren nicht an der späteren Ausübung ihres Berufes interessiert, sondern sie waren am Prestige des Doktortitels interessiert. Ganz im Gegensatz zu Maria Montessori (vgl. Kramer S.48ff).
Hierzu fügt Heiland ein Beispiel an, dass den Lerneifer verdeutlicht: An einem Vorlesungstag tobte in Rom ein so gewaltiger Schneesturm, dass alle Hörer wegblieben, bis auf einen allerdings, und das war die Hörerin. Als sie sich nun
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Sandra Kaske, 2001, Das Leben der Maria Montessori, Munich, GRIN Publishing GmbH
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