11
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung ( S. 1 3 )
Hauptteil ( S. 3 9 )
II.1 ) Tierseelen, gewöhnliche Seelen und Geister ( S. 3 5 )
II.2 ) Die Gemeinschaft der Geister mit Gott (société des esprits) ( S. 5 8 )
II.3 ) Die letzten Konsequenzen einer vollkommenen Harmonie ( S. 8 9 )
Schluss ( S. 9 )
Literaturverzeichnis ( S. 10 )
1
I. Einleitung
In §§ 82 - 90 der Monadologie behandelt Leibniz im Besonderen jene
Monaden, welche, dem bis hierher entworfenen Konzept des Monaden-Begriffes zufolge, eine hervorgehobene Stellung in den Beziehungen (rapports) der, das Universum füllenden, einfachen Substanzen haben - die Geister, die vernünftigen Seelen oder die Geistmonaden. Die Prämisse einer Tierseele führt Leibniz zunächst zu einer Unterscheidung jener von der Menschenseele, die durch ihre Begabung zur Vernunft über der ersteren steht. Des weiteren sind die Geister mit der Möglichkeit ausgestattet, das Ich und gleichsam Gott denken zu können. Ein Vorzug, in dem die Fähigkeit zur Vernunft ihre höchsten Blüten treibt. Diese Fähigkeit ermöglicht es den Geistern, „das System des Universums zu erkennen und ... nachzuahmen“ 1 , in einer Art Vater-Kind-Verhältnis zu Gott stehend, den vollkommensten, moralischen Staat bildend, „diese wahrhafte Universalmonarchie“. 2 In dem besonderen Zugang, den diese Geister aufgrund ihrer hervorgehobenen Stellung zu Gott haben, manifestiert sich also Gottes Güte, die sich zwar überall, im gesamten Universum, zeigt, und trotzdem insbesondere in der « Cité de Dieu » zur Geltung kommt. Denn hier ist Gottes Ruhm in einem wechselseitigen Verhältnis zu den fürstlichen Individuen insofern gewährleistet, als die Geister jenen erkennen und hochschätzen. In diesem Punkte unterscheiden sich also das Reich der Natur und das moralische Reich der Gnade Gottes, ohne dass es zu einer Disharmonie zwischen beiden kommen könnte. Ist doch die Harmonie als unerlässliches Fundament für alles Geschehen zu begreifen. Dem natürlichen Regelwerk gemäß, dessen Schöpfer Gott ist und für dessen Umsetzung die Geister sozusagen als Vollstrecker des Willen Gottes sorgen, verlangt die herausgehobene Position der Geistmonaden, die sich in ihrer Herrschaft offenbart, sogar eine Art Jüngstes Gericht. Gesetzt den Fall, dass eine Annihilation der Erde, und ihre Neuerschaffung « tout
1 Leibniz, G.W. - Monadologie (1714) in: Krüger, G. - Leibniz. Die Hauptwerke, Stuttgart 1949, S. 130- 150, §
83
2 ebd.
2
d´un coup » 3 angesichts des über alle Maßen zu berücksichtigenden
Wohles der Gemeinschaft der Geister unausweichlich werde, diene das zur ausdrücklichen „Züchtigung der einen und zur Belohnung der anderen.“ 4 Die Sünden tragen danach ihre Bestrafung bereits in, oder besser, mit sich; eine Auffassung, die ich mir inhaltlich mit dem Satz „praedicatum inest subiecto“ in Verbindung zu bringen erlaube und bei der auch die Annahme mitschwingt, dass die „Gegenwart mit der Zukunft schwanger“ gehe. Diese These findet bereits in Platons Dialog „Theaitetos“ im Zusammenhang mit dem Homo-Mensura-Satz des Protagoras Erwähnung, endet dort jedoch in einer Aporie. 5 Gute Handlungen ziehen sich naturgemäß, und sogar nach den Gesetzen der Mechanik vielmehr maschinell, ihre Belohnungen zu, während für schlechte Verhaltensweisen Strafen zu erwarten sind, auch wenn dieses selbstregulierende System nicht umgehend in Kraft treten kann und darf. Gottes Allmacht garantiert letztlich, dass es keine gute Handlung ohne Belohnung und keine schlechte ohne Strafe geben kann und darf, weil sich alles um das Wohl der Guten dreht. Gut sind nach diesem Verständnis die, welche mit der universalen Monarchie Gottes vollends zufrieden sind, weil sie den Schöpfer der Natur lieben und bewundern, um ihn in ihren Handlungen nachzuahmen, weil seine Allmacht der Natur der wahrhaft reinen Liebe, « pur amour », 6 entspricht, vermittelst der Freude am Glück dessen, was man liebt. Die weisen und tugendhaften Geister scheinen mit der Richtung des göttlichen Willen überein zustimmen. Sie richten jedes Ziel ihres Willens auf den letzten Grund der Dinge, der mit Gott synonym ist,
3 Vgl. § 6 „So kann man sagen, dass die Monaden nur auf einen Schlag zu beginnen und zu enden vermögen. D.h., sie können nur durch Schöpfung beginnen und durch Annullierung aufhören...“
4 Vgl. Leibniz, G.W. - Das neue System (Système nouveau de la nature et de la communication des substances, aussi bien que l´union qu´il y a entre l´ame et le corps (1695), in: Holz, H.H. (Hg.) - Kleine Schriften zur Metaphysik, Frankfurt a. M. 1965, S. 209-211 „So haben die Geister ihre besonderen Gesetze, die sie vermöge der Ordnung selbst, die Gott ihnen verliehen hat, über die Umwälzungen der Materie stellen, und man kann sagen, dass alles übrige nur ihretwegen gemacht ist, da diese Umwälzungen selbst der Glückseligkeit der Guten und der Bestrafung der Bösen angepasst sind.“ (§5), „Indessen folgen die vernünftigen Seelen weit höheren Gesetzen und sind von all dem befreit, was sie ihre Eigenschaft als Bürger der Gesellschaft der Geister « la societé des esprits » verlieren lassen könnte...“ (§8)
5 Platon-Theaitetos, in: Hülser, K. - Platon. Sämtliche Werke Bd. VI, Frankfurt a. M. 1991. Hier wird der Satz des Protagoras, der Mensch sei das Maß aller Dinge, von Sokrates und seinem Schüler Theaitetos auf die Zukunft angewandt. Theaitetos nimmt an, dass, wenn der Mensch das Maß der gegenwärtigen Dinge sei, er auch zutreffende Aussagen über das Künftige tätigen könne. In diesem Zusammenhang fällt der Satz, dass die „Gegenwart mit der Zukunft schwanger gehe“.
6 Mon. § 90
Quote paper:
M.A. Jens-Philipp Gründler, 2003, Leibniz´ Monadologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Arthur Schopenhauer: Über die Freiheit des Willens
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Termpaper, 21 Pages
Direktinvestitionen im internationalen Wirtschaftsrecht
Law - European and International Law, Intellectual Properties
Scholary Paper (Seminar), 51 Pages
Cross over: WIEN. Wohnprojekt Sargfabrik
Sociology - Habitation, Urban Sociology
Internship Report, 14 Pages
Niedrigschwellige Beratung drogenkonsumierender Jugendlicher
Termpaper, 24 Pages
Fallstudie: Längerfristige Trainingsplanung im muskulären Aufbautraini...
Rehabilitationstrainer BSA
Sport - Kinematics and Training Theory
Termpaper, 33 Pages
Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch
German Studies - Modern German Literature
Intermediate Examination Paper, 29 Pages
Wird die Entwicklungszusammenarbeit zum Instrument von europäischer Si...
Politics - International Politics - Topic: European Union
Master's Thesis, 76 Pages
Der Erlösungsbegriff bei Schopenhauer oder: Die Verneinung des Willens
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Termpaper, 17 Pages
Schopenhauer, Affektionen des Willens und des Leibes
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Termpaper, 10 Pages
Leere Zeichen, wirkliche Welt? Eine Untersuchung der leeren Zeichen vo...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Wechselwirkung und fundamentale Einheit von Goethes Naturwissenschaft ...
German Studies - Modern German Literature
Examination Thesis, 65 Pages
Georg Simmel - Die Philosophie des Geldes
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 13 Pages
Empowerment-Strategien - Das Beispiel der Grameen-Bank von Bangladesch
Thesis (M.A.), 99 Pages
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Was ist das eigentlich, diese 'LTI'?
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Die Literaturkritik der Gruppe 47 und ihre Entwicklung
Von der Konstitutionsperiode b...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Die Entwicklungsstufen und das politische Denken der 'Gruppe 47...
German - History of Literature, Eras
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Jens-Philipp Gründler has published the text Leibniz´ Monadologie
Jens-Philipp Gründler has uploaded a new text
Monadologie und andere metaphysische Schriften / Discours de métaphysi...
Gottfried Wilhelm Leibniz
Monadología, principios de filosofía
Gottfried Wilhelm , Freiherr von Leibniz, Julián Velarde Lombraña
Leibniz à travers le prisme de la culture arabe
Les enjeux de l'engagement rat...
Ben Guiza Tahar
Letzte Wahrheiten über Gott, d...
Gottfried Wilhelm Leibniz, Joachim Christian Horn
0 comments