Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 4
2.1 Emilia Galotti 4
2.1.1 Emilia Galotti und Claudia Galotti. 4
2.1.2 Emilia Galotti und Graf Appiani 5
2.1.3 Emilia Galotti und Hettore Gonzaga 5
2.1.4 Emilia Galotti und Odoardo Galotti 6
2.1.5 Emilia Galotti in der Sekundärliteratur. 8
2.2 Odoardo Galotti 9
2.2.1 Odoardo Galotti und Claudia Galotti. 9
2.2.2 Odoardo Galotti und Gräfin Orsina 10
2.2.3 Odoardo Galotti, Hettore Gonzaga und Marinelli 11
2.2.4 Odoardo Galotti und Emilia Galotti 12
2.2.5 Odoardo Galotti in der Sekundärliteratur. 12
2.3 Claudia Galotti. 13
2.3.1 Claudia Galotti in der Sekundärliteratur 14
2.4 Hettore Gonzaga 14
2.4.1 Hettore Gonzaga und Gräfin Orsina 15
2.4.2 Hettore Gonzaga und Marinelli 16
2.4.3 Hettore Gonzaga und Emilia Galotti 17
2.4.4 Hettore Gonzaga in der Sekundärliteratur. 18
2.5 Marinelli 19
2.6 Graf Appiani 20
2.6.1 Graf Appiani und die Galottis 20
2.6.2 Graf Appiani und Marinelli 21
2.6.3 Graf Appiani in der Sekundärliteratur. 22
2.7 Gräfin Orsina 22
2.7.1 Gräfin Orsina und Marinelli 23
2.7.2 Gräfin Orsina und Odoardo Galotti 24
3 Zusammenfassung 24
4 Literaturverzeichnis 26
2
1 Einleitung
In der Rezeptionsgeschichte der Emilia Galotti gibt es die unterschiedlichsten Interpretationen. So kommt es, dass in der einen Analyse Emilia den Prinzen liebt und sich aus Angst vor seinen Verführungskünsten umbringen lässt. In wiederum anderen Texten heißt es, dass Emilia aus der blinden Identifikation mit Odoardos Tugendgesetzen stirbt, weil sie Schuld und Verführbarkeit spürt. Dann heißt es, dass Emilia unselbständig ist und sogar den Grafen Appiani nicht liebt. Mit ähnlich unterschiedlichen Deutungen zieht es sich durch das gesamte Personal der Emilia Galotti.
Da ist der Graf Appiani einmal geradezu abstoßend dumm dargestellt oder unehrenhaft, weil er Emilia aus ihrem bürgerlichen Leben reißt und damit ein bürgerliches Tabu begeht. Dagegen gibt es wieder andere Interpreten, die Appiani mit Werther vergleichen und sein Empfindsamkeit betonen. Oder man sieht in ihm die junge Ausgabe eines Odoardos, der für Emilia ähnlich väterliche Gefühle hegt.
Claudia hat Gefallen am höfischen Leben und wünscht sich insgeheim den Prinzen zum Schwiegersohn. Somit stellt sie Emilias Tugend auf die Probe und ist Schuld am Tragischen Ausgang. Oder soll Emilia nur eine angemessene Erziehung in der Stadt genießen? Der Prinz ist ein Opfer des politischen Systems oder doch ein Tyrann? Und kann man sein Verhalten aufgeklärt nennen!? Liebt er Emilia wirklich oder glaubt er sie nur zu lieben und Emilia ist nur eine neue Ausgabe der Orsina?
Einzig bei Marinelli und Orsina scheint man sich weitgehend einig zu sein. Marinelli ist die kriminelle rechte Hand des Prinzen. Orsina ist die abgelegte eifersüchtige Geliebte und eine moderne beeindruckende Figur.
In dieser Arbeit soll anhand genauer Textanalyse etwas Licht ins Dunkel gebracht werden, denn es scheint bei genauem Lesen oft nicht so abenteuerlich zuzugehen, wie es einige Interpreten meinen.
Im Folgenden werden die einzelnen Charaktere nacheinander auf Grund ihres Handels und Redens genauer betrachtet. Sehr interessante und häufig auftretende Meinungen der Sekundärliteratur, werden anhand der Textanalyse widerlegt.
3
2 Hauptteil
2.1 Emilia Galotti
Emilia Galotti t ritt im gesamten Stück am wenigsten auf. Durch die geringe Präsenz ist es schwierig ihren Charakter zu greifen. Insgesamt tritt sie nur siebenmal auf, dagegen tritt Marinelli, über dessen Charakter sich kaum streiten lässt, einundzwanzig mal auf.
2.1.1 Emilia Galotti und Claudia Galotti
Erstmals erlebt man Emilia, als sie am Tag ihrer Hochzeit aus der Kirche nach Hause kommt, in der der Prinz ihr seine Liebe gestanden hat. Man erfährt, dass Emilia sehr gläubig ist. und regelmäßig in die Messe geht. Daher ist sie äußerst empört, wie es der Prinz wagen konnte sie in dieser Weise während ihrer Andacht zu stören.
In dieser ersten Szene des Stücks wird bereits klar, was Emilia vom Prinzen hält. Ihrem Ausruf: „Was ist dem Laster Kirch und Altar?“ 1 ist eindeutig zu entne hmen, dass sie den Prinzen für die Verkörperung des Lasters hält. Emilia ist sogar so entsetzt, dass sie glaubt, die Schlechtigkeit des Prinzen könnte auf sie übergreifen: „Aber dass fremdes Laster uns, wider unsren Willen, zu Mitschuldigen machen kann!“ 2 . Kurz nach ihrer Flucht spricht Emilia nur von „es“ oder „etwas“, als wäre der Prinz ein Monster und hinter ihr her. Und als sie ihrer Mutter endlich sagen kann, dass es der Prinz war und Claudia erleichtert ist, dass Odoardo dies nicht mitbekommen hat, is t Emilia sofort ihr Vater wichtiger als der Vo rfall mit dem Prinzen. Dies zeugt von einem guten Vater- Tochter-Verhältnis. Emilias Schilderung der Begegnung mit dem Prinzen ist sehr inhaltslos, weil sie sich in einer art Panikzustand befunden hat und alles, was um sie herum geschah aus Angst verdrängt hat. Und wenn Emilia auch nur ein Fünkchen für den Prinzen empfinden würde, würde sich das wohl anders ausdrücken, als in Angst, Flucht und Panik.
Andere Interpreten meinen, dass Emilia den Prinzen nicht liebt, sind dann aber der Meinung, dass sie Appiani auch nicht liebt. Emilia geht laut Claudia in die Messe, um „Gnade von oben zu erflehen“ 3 . Sie erfleht diese Gnade allerdings nicht, weil sie Appiani nicht liebt, oder den Prinzen vielleicht liebt. Sonder es ist genauso logisch, dass Emilia für ihre Zukunft mit Appiani betet, denn schließlich begibt sich Emilia mit einer Heirat auch auf Neuland. Weitern spricht für die Liebe zwischen Appiani und Emilia, dass Emilia ihrem Verlobten alles über den Vorfall in der Kirche erzählen will. Dies zeugt von einer großen Ehrlichkeit. Ebenso
1 Lessing, Gotthold Ephraim: Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Stuttgart: Philip Reclam jun.
GmbH & Co. 2001 ( = Universal-Bibliothek). S. 27.
2 ebd. S. 28.
3 ebd. S. 21.
4
reflektiert sie schnell durch, wie es für Appiani wäre, wenn er es im Nachhinein von jemand anders erfahren würde. Doch wird sie Appiani auf Anraten ihrer Mutter nichts sagen, was sich als Fehler herausstellt, aber dazu später mehr.
Emilia glaubt, dass fremdes Laster, also das des Prinzen, sie mitschuldig macht und reagiert daher äußerst schamhaft. Doch schließlich kommt auch Emilia zu dem Schluss, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat und erlangt vollends ihre Fassung wieder. Schon hier trifft Claudias Charakterisierung von Emilia ins Schwarze, die sich dann noch deutlicher im Schluss wieder finden lässt: „Sie ist die Furchtsamste und Entschlossenste unseres Geschlechts. Ihrer ersten Eindrücke nie mächtig; aber nach der geringsten Überlegung, in alles findend, auf alles gefasst.“ 4 .
2.1.2 Emilia Galotti und Graf Appiani
Ein weiteres Zeichen für Vertrautheit zwischen Emilia und Appiani ist, dass Emilia ihn allein am Gang erkennt.
Merkwürdig und etwas fehl am Platze scheint der Traum Emilias zu sein, den sie gleich dreimal geträumt hat, in dem sich die Steine ihrer Kette, die ihr Appiani geschenkt hat in Perlen verwandeln. Dies ist ein merkwürdig düsterer und ahnungsvoller Moment, der so gar nicht zu einem Hochzeittag passt, denn es wird mehrmals betont, dass Perlen Tränen bedeuten. Dies deutet auf das tragische Ende hin.
Im gleichen Gespräch mit Appiani, beschreibt Emilia, wie sie sich selbst am liebsten und wie sie auch Appiani am liebsten sieht, nämlich „fliegend und frei“ 5 und absolut natürlich. Emilia scheint eine Naturschönheit zu sein, in die sich auch Appiani sofort verliebt hat. Auch hier ein Hinweis, warum sich Emilia am Ende so verhält, dass Odoardo sie umbringt. Die höfische Welt ist künstlich, voll Intrige und Etikette, aber auch dazu später mehr.
2.1.3 Emilia Galotti und Hettore Gonzaga
Mehr als die Hälfte der Auftritte Emilias finden im Lustschloss des Prinzen statt und zeigen Emilia in Extremsituationen, denn aus dem Bisherigen kann man entnehmen, dass Emilia eher behütet aufgewachsen ist. So muss ihr das höfische Leben, trotz ihres Ausflugs in das Haus des Kanzlers, äußerst befremdlich vorkommen.
Nach dem Überfall ist sie allein und weiß vorerst nicht, wo sie ist und was geschehen ist. Doch wird sie sofort aktiv, als sie feststellt, dass ihre Mutter und der Graf nicht bei ihr sind. Sie reagiert abweisend auf Marinellis Beschwichtigungen und will zu ihren Leuten, will
4 ebd. S. 72.
5 ebd. S. 33.
5
energisch zurück in die Gefahr und als sie weiß, dass Appiani und Claudia in der Nähe sein sollen, fordert sie zu ihnen gelassen zu werden.
Auf den Hinweis, dass sie beim Prinzen auf dem Lustschloss ist, reagiert sie „äußerst bestürzt“ 6 . Also auch hier eher ein Zeichen der Abneigung als der Zuneigung. Als schließlich der Prinz kommt, hat Emilia keine Augen für ihn, sie ist in Sorge um ihre Mutter und den Grafen. Sie folgt ihm „unentschlossen“ 7 und später führt er sie sogar „nicht ohne Sträuben, ab“ 8 . Sie zeigt also keine Reaktion auf die Verführungskünste Gonzagas, als der versucht durch Rückzug und Angriff, Emilia ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber einzureden.
2.1.4 Emilia Galotti und Odoardo Galotti
In Emilias letztem Auftritt, findet ihr Vater sie ausgesprochen ruhig vor und sieht darin ein Zeichen für Emilias Mitschuld. Sie ist geradezu stoisch ruhig, obwohl sie absolut im Ungewissen ist, was überhaupt passiert ist: „Entweder ist nichts verloren: oder alles. Ruhig sein können, und ruhig sein müssen: kömmt es nicht auf eins?“ 9 . Und auch hier trifft Claudias Aussage über Emilias Charakter deutlich zu, sie scheint ihre Ruhe wieder gefunden zu haben und harrt der Dinge, die da auf sie zukommen. Diese Ruhe macht selbstverständlich auf Odoardo einen sehr merkwürdigen Eindruck, da er eher aufbrausend und weniger kontrolliert ist.
Emilia scheint sich die einzelnen Szenarien schon ausgemalt zu haben, da sie auch mit dem Schlimmsten rechnen konnte, nachdem sie ihrer Mutter begegnet ist. Vielleicht fällt darum ihre Reaktion auf die Nachricht, dass der Graf tot ist so dürftig aus. Und sie scheint auch schon die Zusammenhänge dieses ganzen Komplotts zu durchschauen, denn sie will flüchten: „Denn wenn der Graf tot ist; wenn er darum tot ist - darum! was weilen wir hier? Lassen sie uns fliehen, mein Vater!“ 10 .
Doch Emilia wird immer weiter in die Enge getrieben. Nicht, dass sie sich schon allein auf dem Lustschloss wieder fand, sie soll auch getrennt von ihren Elter dort bleiben. Dieser Um-stand muss bei ihr Panik auslösen, denn schließlich ist sie bisher sehr behütet worden von ihren Eltern und war schon völlig entsetzt, als der Prinz ihr in der Kirche nachgestellt hat und jetzt soll sie sich völlig dessen Willkür ausliefern, ohne jeden Schutz der Eltern. Daher be- 6 ebd.S. 47.
7 ebd. S. 48.
8 ebd. S. 49.
9 ebd. S. 84.
10 ebd. S. 84.
6
ginnt sie auch zu rebellieren. Sie will es nicht dulden: „Reißt mich? bringt mich? - Will mich reißen; will mich bringen: will! will! - Als ob wir keinen Willen hätten, mein Vater!“ 11 . Aber auch sie schließt, wie Odoardo den Tyrannenmord aus, da es sich bei Mord um Sünde handelt. Außerdem glaubt sie, dass der sich der Prinz vor Gott rechtfertige muss und dort seine gerechte Strafe erhält. Statt den Dolch gegen den Prinzen zu richten, fordert sie ihn von ihrem Vater, in der Absicht sich damit zu töten. Aber Odoardo lässt sie nicht. Als Emilia erkennt, dass sie mit ihren Argumenten den Vater bisher nicht erreicht, beginnt sie ihn zu provozieren. Um der Willkür zu entgehen, führt sie an, dass sie vielleicht verführbar sei und rechtfertigt sogar schon ihren Selbstmord, da auch dieser eine Sünde wäre: „Verführung ist die wahre Gewalt. - Ich habe Blut, mein Vater; so jugendliches, so warmes Blut, als eine. […] Der Religion! Und welcher Religion? - Nichts Schlimmeres zu vermeiden, sprangen Tausende in die Fluten, und sind Heilige!“ 12 . Dass Emilia nicht wirklich verführbar ist, scheinen schon die vorangegangenen Argumente zu zeigen, die belegen, dass Emilia den Prinzen abstoßend findet. Außerdem scheint es doch relativ abwegig, dass sie sich so kurz nach dem Tod des Grafen Appiani für verführbar hält. Es scheint viel mehr die reine Provokation zu sein, da sie nur noch den Tod als Möglichkeit sieht sich selbst treu zu bleiben und der Willkür zu entkommen.
Als Odoardo testet, ob sie wirklich dazu im Stande wäre sich selbst mit dem Dolch zu töten, hindert sie Odoardo daran und sie fährt noch schärfere Geschütze auf, um ihr Ziel zu erreichen. Anstatt nicht nur sich der Verführbarkeit zu bezichtigen, behauptet sie, dass Odoardo sie zu einer Hure mache, falls er sie dem Prinzen überlasse: „- wie mein Vater will, dass ich werden soll!“ 13 .
Und, um ihren Vater endgültig dazu zu bringen sie zu töten, bringt sie die Virginia Legende an. In der ein Vater, um die Tochter vor der Schande zu bewahren, diese tötet. Emilia behauptet, dass es solche Väter nicht mehr gäbe. Daraufhin tötet Odoardo Emilia. Im Sterben will Emilia ihren Vater noch vor dem Prinzen in Schutz nehmen und sagt, dass sie sich selbst getötet hat, doch Odoardo lässt sich nicht die Schuld abnehmen. Obwohl man es eher für einen Selbstmord halten könnte, da Emilia ihren Vater sehr gut kennt und sie ihn nur deshalb so weit bringen konnte, sie zu töten.
11 ebd. S. 85.
12 ebd. S. 85.
13 ebd. S. 86.
7
Arbeit zitieren:
Lea Diehn, 2004, Emilia Galotti - Wie sie wirklich ist. Was viele nicht wussten., München, GRIN Verlag GmbH
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