Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
2 Merkmale 9
2.1 Begriffsklärungen 9
2.1.1 Hooligan / Hooliganismus 9
2.1.2 Devianz / Gewalt 10
2.1.3 Subkultur 13
2.2 Geschichte des Hooliganismus 16
2.2.1 Geschichte von Krawallen bei sportlichen Großveranstaltungen, insbesondere bei
Fu ßballspielen 16
2.2.2 Ausdifferenzierung der Fan-Szene 20
2.2.2.1 „Neckermänner“ 22
2.2.2.2 „Kutten“ 22
2.2.2.3 „Hools“ 23
2.2.3 Entwicklung des Hooliganismus in der DDR und in den neuen Bundesländern 24
2.2.4 Ost-West-Vergleich der heutigen Hooligan-Szene 28
2.2.5 Neuere Entwicklungen 29
2.3 Ursachen von Zuschauerausschreitungen und Hooliganismus 32
2.3.1 Die Entwertungsthese (nach Heitmeyer) - Individualisierung und ihre Folgen 34
2.3.2 „Gewalt macht Spaß“ - Die Frage nach dem Warum 36
2.3.3 Massenbewegungen und Gruppenverhalten 38
2.3.4 Gewalt bei den Fußballspielern 39
2.3.5 Die Rolle des DFB, der Vereine und die zunehmende Kommerzialisierung und
Professionalisierung des Profi-Fußballs 42
2.3.6 Aggressor in Grün - Die Polizei als „3. Mob“ 44
2.4 Spezifische Merkmale und Verhaltensweisen der Hooligansubkultur 50
2.4.1 Identifikation mit dem Verein 50
2.4.2 Äußerliche Erscheinung 52
2.4.3 Hierarchisierung („Gute“, Mitläufer, „Lutscher“) 54
2.4.4 Ehrenkodex 55
2.4.5 Alkohol- und Drogenkonsum 57
2.4.6 Visualisierungen (Fanzines, Transparente, Aufkleber, Comics, etc.) 59
2.4.7 Exkurs: Ultras - eine Abgrenzung 66
2.4.8 Solidarität und Anerkennung 69
2.4.9 Männlichkeit und Körperlichkeit 71
2.4.10 Freund- und Feindschaften 73
2.4.11 Provokation als wichtigstes „Instrument“ der Hooligans 75
2.4.12 Der Ablauf eines Hooligan-„Spieltags“ 77
3 Ausgewählte Probleme 81
3.1 Politisierung der Hooligan-Szene - „rechte“ und „linke“ Gewalt 81
3.2 Die Rolle der Medien bei der Gewaltentstehung 85
3.3 Besonderes Problem: Länderspiele 88
3.4 Auf gute Feindschaft: Das deutsch-holländische (Fußball-)Verhält- nis 90
3.5 Frauen in der Fußballfan- und Hooliganszene 94
4 Prävention von gewalttätigem Zuschauerverhalten 97
4.1 durch die Sozialarbeit 98
4.1.1 Fan-Projekte 99
4.1.2 Akzeptierende Jugendsozialarbeit nach Krafeld 104
4.1.3 Sportsozialarbeit 108
4.2 durch die Polizei 111
4.3 durch die Stadienordnung und -architektur 115
4.4 durch die Ordner 119
4.5 durch die Vereine/den DFB 123
5 Persönliches Resümee 126
6 Eidesstattliche Versicherung 128
7 Literatur 129
8 Anhang 136
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Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angegebenen Ort Abb. Abbildung ABM Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Anm. d. Verf. Anmerkung des Verfassers ANS/NA Aktionsfront Nationale Sozialisten / Nationale Aktivisten AOR Akademischer Oberrat BMD „Bester Mob Deutschlands“ - Fan-/Hooligan-Gruppe in Hannover BRD Bundesrepublik Deutschland BSG Betriebssportgemeinschaft bzw. beziehungsweise ca. circa CCCS Centre for Contemporary Cultural Studies (Birmingham) D.h. / d.h. das heißt DDR Deutsche Demokratische Republik DFB Deutscher Fußballbund Dr. Doktor DSJ Deutsche Sportjugend DVU Deutsche Volksunion EG Europäische Gemeinschaft EM Europameisterschaft etc. et cetera - und so weiter evtl. eventuell f. folgende Seite FC Football Club / Fußball Club ff. folgende Seiten FIFA Fédération Internationale de Football Association - Internationaler Fußballverband FKK Freikörper-Kultur ggf. gegebenenfalls Hool(s) Hooligan(s) Hrsg. Herausgeber HSV Hamburger Sport-Verein IM Inoffizieller Mitarbeiter insbes. insbesondere ISDN Integrated Services Digital Network - digitaler Telefonstandard KOS Koordinationsstelle Fan-Projekte LKA Landeskriminalamt
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m. E. meines Erachtens mind. mindestens n. Chr. nach Christus NKSS „Nationales Konzept Sport und Sicherheit“ NPD Nationaldemokratische Partei Deutschland NRW Nordrhein-Westfalen PD Privat-Dozent PKW Personenkraftwagen / Auto RAF Rote Armee Fraktion resp. respektive S 04 FC Schalke 04 S. Seite SED Sozialistische Einheitspartei Deutschland Sept. September SKB szenekundiger Beamte sog. so genannt(e) St. Sankt StGB Strafgesetzbuch u.a. unter anderem UEFA Union of European Football Association - Europäischer Fußballverband Univ.-Prof. Universitätsprofessor usw. und so weiter v. Chr. vor Christus v. a. vor allem VfB Verein für Ballspiele vgl. vergleich(e) WM Weltmeisterschaft z. T. zum Teil z.B. zum Beispiel ZIS Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze zit. zitiert
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1 Einleitung
Spätestens seit den Ereignissen in Lens (zur Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich 1998) dürfte ein Großteil der deutschen Bevölkerung wissen, was Hooligans sind: brutale Schläger, zurückgebliebene Jugendliche mit schlechter Kindheit, Neonazis und vor allem keine richtigen Fußballfans. Da sind sich vor allem die Offiziellen (von den Vereinen, vom DFB etc.) einig. Dass dieses Raster nicht so einfach über die gewaltbereiten Jugendlichen und jungen Männer gelegt werden kann, will ich mit dieser Arbeit richtig stellen. Ich will die Subkultur der Hooligans gründlich analysieren, um dabei die Vorurteile von den wirklichen empirisch nachgewiesenen Gegebenheiten zu trennen.
Aus dieser Zielsetzung heraus lag dementsprechend das Hauptaugenmerk meiner Arbeit auf dem ersten Teil, in welchem ich versuchte, die besonderen Spezifika der Subkultur herauszufiltern. Dafür notwendig waren anfangs die klare Abgrenzung der Begriffe und die Erklärungen über die Geschichte des Hooliganismus, die auch die heutige Differenzierung der (deutschen) Fußballfanszene begründet. Nicht zuletzt sollten innerdeutsche Unterschiede dabei herausgearbeitet werden. Nach diesen Vorüberlegungen und Differenzierungen habe ich mich der Ursachenanalyse zugewandt. Schnell habe ich festgestellt, dass es nicht die Ursache für jugendliches Gewalthandeln gibt, deshalb war es notwendig mehrere (theoretische wie praktische) Ansätze zu erläutern. Schließlich habe ich mich den spezifischen Merkmalen und Verhaltensweisen der Hooligans gewidmet. Auch hier war es nicht mein Ziel, ein bestimmtes Raster anzulegen, nach dem Hooligans „erkannt“ und „entlarvt“ werden können, vielmehr war es mein Anliegen zu zeigen, wie viele Facetten diese Subkultur hat und wo Affinitäten zu anderen Jugend(sub)kulturen zu finden sind.
Im zweiten Teil meiner Arbeit habe ich besondere Probleme - Hooligans würden vielleicht eher sagen: Aspekte - der Hooliganszene vorgetragen, die im ersten Teil noch nicht mit zum Ausdruck kamen. So werden die politischen Orientierungen der Hools, die Rolle der Medien, das Problem Länderspiele, die deutsch-holländischen Hooligan- und Fanbeziehungen und die Rolle der Frauen in der Szene aufgegriffen, um das Bild der Hooligans und ihrer Umstände zu verfeinern.
Im letzten Teil schließlich beschäftige ich mich mit den Präventionsmaßnahmen. Prävention wird von allen Instanzen, die sich mit „Hooliganbekämpfung“ beschäftigen, groß geschrieben. Wie dies praktisch verwirklicht wird, ist jedoch sehr unterschiedlich. So wird in der Sozialarbeit - allen voran in der Fan-Projektarbeit - Akzeptanz für die Lebenswelt und für die Bewältigungsstrategien der Fans gefordert. Dem gegenüber stehen die überwiegend repressiv orientierten Maßnahmen der Polizei. Auch die
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Regierung hat versucht, den Fußballausschreitungen Einhalt zu gebieten, indem sie im „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ (und in anderen Gesetzen) Richtlinien für die Stadienordnung, bauliche Maßnahmen, für die Ordnerdienst u.a. aufgestellt hat. Schließlich und endlich beschäftigen sich auch die Vereine und ihr Dachverband der Deutsche Fußballbund (DFB) - wenn auch dürftig - mit dem „Hooliganproblem“.
Im Hinblick auf die nächste Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland bleibt zu sagen, dass es wohl naiv ist, zu glauben, die Ausschreitungen bei Fußballspielen werden sich von allein auflösen oder sich durch die Maßnahmen der verschiedenen Institutionen bedeutend verringern. Deshalb scheint es m. E. sinnvoll, sich mit dem Thema besonders in der Sozialarbeit auseinanderzusetzen, um weitere Strategien für die Praxis zu entwickeln, die es denn Jugendlichen erlauben, ihre Bedürfnisse auszuleben, ohne dabei Personen oder Sachgegenstände zu gefährden.
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2 Merkmale
2.1 Begriffsklärungen
2.1.1 Hooligan / Hooliganismus
„Hooliganismus ist eine männliche Form zivilen Ungehorsams, eine nichtpolitische Rebellion gegen die sinnlose Autorität des Alltags, ein Versuch, die von montags bis freitags aufgezwungene Rolle abzustoßen, aus dem langweiligen, abstumpfenden Spießerdasein auszubrechen - wenigstens für ein paar Stunden.“ 1
Um diese beiden Begriffe zu definieren, will ich zunächst einmal nach der Herkunft des Begriffes „Hooligan“ suchen. Ralf Ek hat herausgefunden, dass der Begriff zum ersten Mal im Jahre 1898 in einer englischen Tageszeitung im Zusammenhang mit Alkohol und exzessiver Gewaltanwendung auf öffentlichen Plätzen benutzt wurde 2 . Woher dieser Begriff jedoch kommt, ist sehr umstritten und es gibt viele Erklärungsversuche. Ek nennt zwei mögliche Abstammungen: „Zum einen könnte sich der Begriff auf eine irisch-stämmige Familie namens ‚Houliah’ beziehen, die landesweit wegen ihrer gewalttätigen und trinkfesten Mitglieder bekannt war und in volkstümlichen irischen und schottischen Liedern besungen wurden. Zum anderen könnte Hooligan aus einer missverständlichen Übernahme von ‚Hooley´s gang’ entstanden sein, einer Bande jugendlicher Straßenkrimineller.“ 3 Eine weitere Variante besteht darin, „Hooligan“ als englischen Kunstbegriff anzusehen, der sinngemäß mit „Straßenrowdy“ oder „Halbstarker“ übersetzt wird. Oder der Begriff kommt vom irischen Wort „hooley“, was so viel heißt wie „Sauforgie“, und wurde zu Hooligan verdreht. Aber es gibt auch Begriffserklärungen, die davon ausgehen, dass der Begriff etymologisch nicht von der britischen Insel kommt, sondern aus dem slawischen Sprachgebrauch. Denn ca. seit 1900 wurde der Begriff parallel auch in Russland benutzt.
Für welche Variante man sich nun entscheidet, fest steht, dass ab etwa 1900 „Hooligan“ benutzt wurde, um Straßenkriminelle zu beschreiben und auch Männer, die durch rowdyhaftes Verhalten und enormen Alkoholkonsum auffielen 4 . Erst seit den 80er Jahren des
20. Jahrhunderts wurde in Deutschland und ca. 15 bis 20 Jahre zuvor in England der Begriff im Zusammenhang mit gewalttätigen Fußballfans verwendet. „Hooligan“ löste damit Begriffe wie „Fußballrocker“ oder „Fußballrowdy“ 5 ab, denn - wie ich in Kapitel
1 Farin, Klaus: generation kick.de. Jugendsubkulturen heute, 2001, S. 191
2 vgl. Ek, Ralf: Hooligans. Fakten - Hintergründe - Analysen, 1996
3 Meier, Ingo-Felix: Hooliganismus in Deutschland, 2001, S. 9
4 vgl. Meier, 2001, a.a.O.
5 Nachzulesen sind diese Begriffe in unterschiedlichsten wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften vor ca. 1980, sowie in vielen Artikeln der Presse, so z. B. im „Spiegel“, Ausgabe 48, 1982.
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2.2.1 noch näher beschreiben werde - nicht erst seit den 80er Jahren gibt es das Phänomen der Randalierer beim Fußball. Nun aber hatte sich die Fanszene in friedliche und randalierende Fans geteilt (siehe Kapitel 2.2.2). Bei der neuen „sich zu körperlichen Aus-einandersetzung bekennenden Gruppierung“ 6 hatte sich der Begriff durchgesetzt und wurde genutzt um sich von den friedlichen Fans - den so genannten „Kutten“ und „Normalos“ (siehe Kapitel 2.2.2) - abzugrenzen.
Meier definiert nun Hooligans als „Personen, die im Umfeld von Fußballspielen und Ereignissen durch gewalttätige Aktionen gegen Personen und Sachen auffallen.“ 7 Hooliganismus ist demzufolge die Zuschauergewalt, die aus der aggressiven Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Hooligangruppen gewaltbereiter junger Männer vor, während oder nach einem Fußballspiel entsteht.
Meier bezieht in die Definition des Hooliganismus die Subkulturkomponente mit ein: „Hooliganismus wird als eine gewalttätige Subkultur verstanden, deren innersubkulturell physisch gewalttätiger Aktionismus auf keiner ideologischen oder theoretischen Grundlage basiert.“ 8 Damit will er auch die Subkultur von dem Vorurteil lösen, politischen oder gar rechtsradikalen Interessen zu unterliegen. 9
2.1.2 Devianz / Gewalt
„Augenscheinlich war die Gewalttätigkeit eine Art Protest. So gäbe es Sinn: Fußballspiele dienten als Ventil für heftige Frustrationen. So viele junge Leute waren arbeitslos geworden oder hatten überhaupt noch nie Arbeit gefunden. Folglich war die Gewalt eine Art Rebellionsoziale Rebellion, Klassenrebellion, irgend so was.“ 10
Ein wichtiger Aspekt bei der Beschreibung der Hooligansubkultur ist der Gewaltaspekt. Gewalt spielt bei den Hooligans eine zentrale Rolle, sie ist ein Machtinstrument, mit dem sie spielen, aber sie ist auch ein Aspekt, der den Jugendlichen und jungen Männern physisch, psychisch und strukturell widerfährt.
Devianz oder abweichendes Verhalten wird als einmalige oder dauerhafte Verletzung gegebener sozialer Normen verstanden. Was als abweichendes Verhalten gilt, entscheidet die jeweilige Gesellschaft. Da die Normen und das entsprechende Verhalten einem stän-
6 Matthesius,Beate: Anit-Sozial-Front. Vom Fußballfan zum Hooligan, 1992, S. 111
7 Meier, 2001, S.9, a.a.O.
8 Meier, 2001, S. 12, a.a.O.
9 Zwar gibt es Hooligans, die rechtradikale Haltungen haben, jedoch kann nicht von einer rechten Subkultur gesprochen werden (aber mehr dazu in Kapitel 3.1.1).
10 Buford, Bill: Geil auf Gewalt. Unter Hooligans, 1992, S. 15
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digen Wandel unterliegen, ist das Urteil, ob es sich um deviantes Verhalten handelt, im Einzelfall sehr schwierig zu treffen.
Die physische Gewalt der Hooligans kann als abweichendes Verhalten von Jugendlichen verstanden werden, denn in der hiesigen Normalgesellschaft wird physische Gewalt weitestgehend abgelehnt. Hier liegt auch wieder ein Differenzierungspunkt zu „normalen“ Fußballfans, die sich eher noch an den Werten und Normen der Gesellschaft orientieren. So schreibt z.B. Gehrmann: „Fußballfans tragen ihren gepflegten Haß (‚Pflastersteine für die Schalker Schweine!’) im Stadion öffentlich vor wie Hooligans ihre Lust an der Gewalt offen ausleben.“ 11
Wollen wir nun aber den Gewaltbegriff näher bestimmen. Dass Gewalt nicht nur dann vorliegt, wenn „Blut“ fließt 12 , steht wohl eindeutig fest. Trotzdem scheint es lohnenswert, es noch einmal zu erwähnen, denn damit kann man sich die Frage stellen, „ob nicht die vielfach gesellschaftlich geduldeten, legitimierten, ja manchmal sogar gepriesenen subtil verfeinerten Formen der psychischen und strukturellen Gewalt viel problematischer sind, viel mehr Schaden anrichten als manche der gesellschaftlich geächteten Formen körperlicher Gewaltanwendung.“ 13 So möchte ich mich der Gewaltdefinition von Theunert anschließen, der schreibt: „Gewalt ist … die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge, und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Men-
11 Gehrmann,Jayin Thomas/Schneider, Thomas: Fußballrandale. Hooligans in Deutschland, 1998, S. 178
12 vgl. Brückner (1979), zit. aus Pilz, Gunter A: Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus, 1994, S. 17
13 Pilz, 1994, S. 17, a.a.O.
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schen.“ 14 Zu dieser Definition gehören zwei Bestimmungskriterien: Erstes Kriterium der Gewalt ist, die „bei dem oder der Betroffenen feststellbare Folge, die durch Gewalt bewirkte Schädigung […] Das Ziel der Gewaltausübung tritt gegenüber der Folge in den Hintergrund, es ist sekundäres Bestimmungskriterium.“ 15 Zweites Kriterium ist, dass sie an die „Ausübung oder Existenz von Macht und Herrschaft gebunden ist. Macht und Herrschaft gründen auf der Verfügung über Machtmittel, die die Voraussetzungen zur Gewaltanwendung schaffen.“ 16
Pilz geht weiter und lässt die sozialen Bedingungen in seinen Gewaltbegriff mit einfließen, die maßgeblich an der Gewaltentstehung beteiligt sind. 17 So fordert er, - anlehnend an Horn - dass „die Wirkungszusammenhänge zwischen Sozialstruktur und Verhalten aufgedeckt werden. Dies gilt auch und gerade für die Gewalttätigkeit Jugendlicher, deren personales Gewaltverhalten überwiegend eine Folge gesellschaftlich produzierter, struktureller Gewalt ist.“ 18 Für Pilz liegt die Gewalt des Individuums in der Umwelt bzw. der Lebenswelt des Menschen. Deshalb können gewalttätige Handlungen gesamtgesellschaftlich betrachtet unsinnig und falsch erscheinen, jedoch auf der Ebene des Individuums akzeptabel oder gar sinnvoll sein. So kann das Problem der Gewalt nicht so einfach gelöst werden. Oder wie es Pilz ausdrückt: „Wie jedes menschliche Verhalten ist auch das gewaltförmige Verhalten von Jugendlichen nur sachgerecht zu beurteilen und kann entsprechend auch nur sachgerecht darauf reagiert werden, wenn wir es in den Kontext übergreifender, gesellschaftlicher Probleme und Wertordnungen stellen.“ 19
Diese Lebenswelt ist für die Fußballfans und Hooligans die Sportwelt. Und der Kampf und die Gewalt im Sport sind dominant. So schreiben Pilz und Silberstein: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich im Sport im Zuge des Zivilisationsprozesses eine zunehmende Kontrolle von Affekten und expressiven Formen der Gewalt festmachen lässt. Dies führt einerseits zu einer Verlagerung zu instrumentellen Formen der Gewalt, andererseits aber auch zu einer sehr unterschiedlichen Ausprägung dieser Entwicklung in den verschiedenen Sportarten. Diese Ergebnisse sind in mehrfacher Hinsicht bedeutsam für das Problem der Zuschauer- bzw. Fangewalt:
• Fans kommen überwiegend aus einem Sozialmilieu, in dem Gewalt- und Affektkontrolle wenig ausgeprägt sind;
• Fans haben offenbar im Umfeld von Fußballspielen gute Möglichkeiten, gesellschaftlich tabuierte Formen der Gewalt, also expressive Gewalt, auszuüben und auszuleben. Hier kann man aus sich herausgehen und kann alle Formen kontrollierten Han-
14 Theunert(1987), zit. aus Pilz, 1994, S. 17, a.a.O.
15 Theunert (1987), zit. aus Pilz, 1994, S. 17, a.a.O.
16 Theunert (1987), zit. aus Pilz, 1994, S. 17, a.a.O.
17 vgl. Pilz, 1994, S. 18, a.a.O.
18 Pilz, 1994, S. 18, a.a.O.
19 Pilz, 1994, S. 19, a.a.O.
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delns vergessen. Gleichzeitig kann man sich der großen Aufmerksamkeit der Medien sicher sein.“ 20
2.1.3 Subkultur
„Diese Fußballfanentwicklung unterliegt den allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen einer Normalisierungsgesellschaft mit standardisierten Verhaltensanforderungen. […] Die Verhaltensdiskrepanz zwischen milieuspezifischer und der herrschenden standardisierten Form, die die Einpassung der Individuen in die bestehenden Verhältnisse garantieren soll […], eskalierte in dieser gesellschaftlichen Entwicklungsphase im jugendlichen Subkulturbereich.“ 21
Beziehen möchte ich mich bei meinen Subkulturüberlegungen auf das Modell von Rolf Schwendter. Er definiert zunächst den Kulturbegriff, um die Negation dessen als Subkultur zu definieren. So ist für ihn Kultur „der Innbegriff alles nicht Biologischen in der menschlichen Gesellschaft. Oder, anders gesagt: Kultur ist die Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft.“ 22 Das entsprechende Gegenteil dessen ist dann die Subkultur, wenn sich nämlich die Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. im nicht geringen Maße von denen der Machtträger (oder „herrschenden Institutionen“) differenziert. 23
Schwendter geht weiter und differenziert die Subkulturen - in Anlehnung an Hollsteinin „Teil- und Gegenkulturen“. „Teilkulturen“ sind Konsum- und Kompensationskulturen mit hohen Integrationsgraden, die nicht aus der Jugend hervorgehen, sondern für die Jugend gemacht werden. Diese „Teilkulturen“ sind für Schwendter weniger interessant. Die „Gegenkulturen“ verstehen sich selbst (und wollen auch so verstanden werden) als Opposition gegen das bestehende System 24 , wobei er da wieder unterscheidet in „progressive“ und „regressive“ Subkulturen. 25 Schwendter beschreibt die Subkulturen so:
• „Die Normen, Institutionen etc. der progressiven Subkulturen dienen diesen dazu, den gegenwärtigen Stand der Gesellschaft aufzuheben, weiterzutreiben, einen grundsätzlich neuen Zustand zu erarbeiten.“ 26
• „Die Normen, Institutionen etc. der regressiven Subkulturen dienen diesen dazu, einen vergangenen Stand der Gesellschaft, Normen, die nicht mehr, oder nicht in
20 Pilz, G.A./Schippert, D./Silberstein, W: Das Fußballfanprojekt Hannover, 1990, S. 17
21 Matthesius, 1992, S. 104, a.a.O.
22 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur, 1978, S. 10
23 vgl. Schwendter, 1978, S. 11, a.a.O.
24 vgl. Schwendter, 1978, S. 11, a.a.O.
25 vgl. Schwendter, 1978, S. 37f., a.a.O.
26 Schwendter, 1978, S. 37, a.a.O.
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dieser Weise, in der gegenwärtigen Gesellschaft wirksam sind, wiederherzustellen.“ 27
Auch die „regressiven“ Subkulturen interessieren Schwendter nur peripher, da zur Zeit der Verfassung des Buches von Schwendter der allgemeine Zeitgeist mehr links schwebte, sprich man eine neue Gesellschaft mit neuen Normen, Werten etc. schaffen wollte. Die zwar schon wieder gegründete NPD hatte ihre ersten Erfolge gehabt, aber die Neonazi-Szene (die man ja im Sinne von Schwendter als regressiv bezeichnen kann) wurde weder als Subkultur noch als Jugendsubkultur ernst genommen. 28 Die „progressiven“ Subkulturen teilte Schwendter dann wiederum in „rationalistische“ (an Analysen, Praxis zur Majorität und zu unfreiwilligen Subkulturen, Selbstbestimmung und konkrete Arbeit an technischen Möglichkeiten hin orientiert) und „emotionale“ (wichtig sind individuelle Freiheit, Entwicklung des Bewusstseins und allgemeine bis kosmische Futurologie) Subkulturen auf. 29 Dazu eine verdeutlichende Übersicht, die Schwendter aufgestellt hat:
Ein weiterer wichtiger Ansatz in der Subkulturforschung entwickelten das Birminghamer Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS), das 1964 gegründet wurde. Die Studien der britischen Subkulturforschung befassten sich vor allem mit den Herkunftsfamilien der Jugendlichen in Subkulturen. Und sie kamen zu ähnlichen Erkenntnissen wie Schwendter: Sie arbeiteten zwei Gruppen heraus: „die Subkulturen der Arbeiterklasse und die Gegenkulturen der Mittelschicht“. 30 So wurde der Subkulturforschung immer wieder ein milieu- bzw. schicht-orientierter Ansatz zugeordnet.
27 Schwendter, 1978, S. 37, a.a.O.
28 vgl. Farin, 2001, S. 17ff., a.a.O.
29 vgl. Schwendter, 1978, S. 40, a.a.O.
30 Farin, 2001, S. 62f., a.a.O.
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Ein anderer Ansatz wird durch Wilfried Ferchoff gegeben, der sich von dem Milieuansatz löst, und stattdessen für ihn die Subkultur aufgrund der „Veränderungen des gesamtgesellschaftlichen Gefüges“ entsteht. 31
Matthesius schreibt in Bezug auf die Subkultur Hooligans der Individualisierungsthese (siehe auch Kapitel 2.3.1) noch einen entscheidenden Aspekt zu, denn die „die aufgezeigten milieuspezifischen Verhaltensweisen müssen jedoch aufgrund der Individualisierungsthese modifiziert werden. Zeigen die Jugendlichen der im Fußball sozialisierten Fans noch ausgeprägte milieuspezifische Verhaltensweisen auf, so haben sich diese im Zuge der Individualisierungstendenzen verändert. Milieugebundene Jugendliche unterliegen in der Sekundärsozialisation schichtenübergreifenden Sozialisationseinflüssen und neue, nicht dem beschriebenen Milieu zuzurechnende Jugendliche beteiligen sich heute an Fußballfanaktivitäten und verwässern ursprüngliche Handlungsabläufe und -vorgaben.“ 32
In meiner folgenden Arbeit möchte ich mich diesen Überlegungen anschließen. Die Hooligans sind nicht mehr nur aufgrund ihrer Herkunftsfamilie, bzw. ihrer Schicht (was ja die traditionelle Arbeiterschicht wäre) Hooligans, sondern weil sie sich frei für diese Subkultur entschieden haben. Darum gibt es auch Jugendliche aus der Mittelschicht oder gar der Oberschicht, die sich dieser Subkultur anschließen. Klar ist, dass ein Großteil der jungen Männer auch noch aus dem Arbeitermilieu (wenn man mal davon ausgehen möge, dass es dies in der Form noch gibt) kommen, weil es eine Szene ist, in der noch klassische Verhaltensweisen der männlichen Arbeiterklasse zelebriert werden (so z. B. das Männlichkeitsverhalten, Kampf, Solidarität, Konkurrenz etc.). Aber dazu mehr in den nächsten Kapiteln.
31 Ferchhoff, zit. aus Meier, 2001, S. 12, a.a.O.
32 Matthesius, 1992, S.21f., a.a.O.
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2.2 Geschichte des Hooliganismus
2.2.1 Geschichte von Krawallen bei sportlichen Großveranstaltungen, insbesondere bei Fußballspielen
„Der Fußball ist, darüber kann kaum ein Zweifel bestehen, sowohl Ausdruck wirklicher Konflikte wie Anlass, sie auszutragen. Was hat aber das Spiel selbst mit realen Konflikten zu tun? Wer die Spielstruktur des Fußballs untersucht, wird zunächst feststellen, dass richtige Kämpfe und Wettkämpfe gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen: Auch im Fußball wird, wie im wirklichen Leben, real gehandelt, auch eine sportliche Entscheidung kann von den Beteiligten sehr ernst genommen werden. Sieg und Niederlage können auch im Spiel ziemlich bedeutsam werden.“ 33
Gewalt im Zusammenhang mit sportlichen Großveranstaltungen gibt es schon, seit es den Sport bzw. die Zuschauer gibt. So sind bereits aus der Antike Zuschauerausschreitungen überliefert. Tacitus schreibt zum Beispiel über die Sicherheitsmaßnahmen der Dionysyen in Chios. Dort gab es nämlich sog. „Stock- und Peitschenträger“ (heute würde man sagen Polizeibeamte), die für Recht und Ordnung zu sorgen hatten und das ausdrückliche Recht der körperlichen Züchtigung hatten. 34 Die antiken Schriften raten, „bei Fackelläufen, Wettkämpfen und anderen öffentlichen Veranstaltungen auf der Hut zu sein und durch überlegte Postierung von Sicherheitskräften an strategisch wichtigen Punkten jede Möglichkeit zum Aufruhr im Keim zu ersticken.“ 35 In Delphi wurde um 450 vor Christus während Wettkämpfen das Mitnehmen von alkoholischen Getränken ins Stadion untersagt, nachdem es immer wieder zu Randalen von betrunkenen Stadionbesuchern kam. 36
Middendorf zitiert folgende Geschichte, die sich ebenso gut in den heutigen Ligen abspielen könnte, jedoch aus dem Jahre 59 n. Chr. stammt: „In der Stadt P[ompeji] fand eine Wettkampfveranstaltung zwischen den Mannschaften von P[ompeji] und der benachbarten Stadt N[ivevia] statt. Als die Wettkämpfe begannen, feuerten die Zuschauer auf den Tribünen ihre Kämpfer lautstark an. Dann gab es zwischen den Parteien zuerst Schimpfereien, anschließend folgten Steine und schließlich gingen die Zuschauer beider Parteien mit Fäusten, Stöcken und Dolchen aufeinander los. Die herbeigerufenen Ordnungshüter schlugen wahllos in das Getümmel, so dass eine Panik ausbrach. Die Fliehenden schlugen blindwütig auf alles ein, was sich ihnen in den Weg stellte. 20.000 Zuschauer drängten schreiend aus dem Stadion, viele Menschen wurden niedergetreten, es gab einige hun- 33 Bausenwein,Christoph: Geheimnis Fußball, 1995, S. 252f.
34 vgl. Pilz, Gunter A: Fußballfans - Ein soziales Problem?, in: Klein, Michael (Hrsg.): Sport und soziale Probleme, 1989, S. 161f.
35 Pilz, in: Klein (Hg.), 1989, S. 161, a.a.O.
36 vgl. Pilz, in: Klein (Hg.), 1989, S. 161f., a.a.O.
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dert Verletzte.“ 37 Folge dieser Zuschauerausschreitung war, dass die Beamten, die das Spiel genehmigten, lebenslang verbannt wurden und dass in der Stadt Pompeji zehn Jahre lang keine Gladiatorenkämpfe durchgeführt werden durften.
Auch aus dem Mittelalter gibt es Überlieferungen von Zuschauerausschreitungen. So erließ der Bürgermeister von London 1314 ein Ballspielverbot, da es im Zusammenhang der Ausübung dieser Sportarten immer wieder zu Krawallen kam.
1848 wurden in Cambridge die ersten allgemeinen Fußballregeln aufgestellt (Konrad Koch verfasst 1875 in Braunschweig die ersten deutschen Fußballregeln). Erste Fußballvereine wurden gegründet und auch die Fußballfanszene entstand. Es gab erste Ausschreitungen, da Fußball als Kampf zwischen zwei rivalisierenden Gemeinden (Mannschaften) zelebriert wurde und die Zuschauer auf den Rängen Gebietsansprüche und reale Konflikte austragen wollten. Vor allem bei Spielen zwischen territorialen Nachbarnsog. Derbys 38 - war mit Krawallen zu rechnen, denn „im Derby kämpfen die Spieler nicht nur für sich selbst oder um des Fußballs willen, sondern im Namen einer Gruppe. Wenn die Spieler als Repräsentanten einer Gemeinschaft und als Vertreter von deren Idealen antreten, dann, so weiß die Konfliktsoziologie, sind die Auseinandersetzungen unerbittlicher als die, bei denen die Spieler nur ihre persönliche Kampfmotivation mitbringen.“ 39 Der britische Soziologe Eric Dunning hat sich mit Forschungen über die Zuschauerausschreitungen in England seit ca. dem 19. Jahrhundert verdient gemacht. Von 1895 bis 1914 errechnet er ca. 200 Fälle von Ausschreitungen pro Jahr.
(Ohne Hooligans und Zäune: Ein Polizist gegenüber der Menge im Spiel Brentford-Huddersfield im
37 Middendorf, zit. aus Kirsch, Andreas: Gewalt bei sportlichen Großveranstaltungen, 2000, S. 82
38 Benannt nach dem englischen Ort Derby, in dem lokal verbundene Vereine zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre „Kämpfe“ austrugen.
39 Bausenwein, 1995, S. 273, a.a.O.
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Im Gegensatz zum heutigen Hooliganismus waren die damaligen Aggressionen weniger gegen die gegnerischen Vereinsanhänger gerichtet, vielmehr hatten sie mit den konkreten Umständen des Spieles zu tun, wie zum Beispiel wenn die Zuschauer unzufrieden mit der Schiedsrichterleistung waren oder über das unfaire Spiel der gegnerischen Mannschaft oder über das überfüllte Stadion. So richtete sich die Gewalt eher gegen den Schiedsrichter oder gegen die Spieler oder gegen andere Fangruppen, was, mal abgesehen von den Derbys, auch damit zusammenhängt, dass zu den Auswärtsspielen wenig Fans mitreisten, einfach weil die (finanziellen) Möglichkeiten sehr beschränkt waren. 40
Die uns heute bekannten Ausschreitungen im Zuge von Fußballspielen - die seit 1966 mit dem Begriff Hooliganismus (die Herkunft dieses Begriffes habe ich in Kapitel 2.1.1 schon näher erläutert) überschrieben werden - entwickelten sich erst ab ca. der Mitte des
20. Jahrhunderts. Eine nicht unwesentliche Rolle bei diesem Prozess spielten die Medien, so wurde z. B. 1960/61 zum ersten Mal im Fernsehen übertragen, wie Fußballfans ein Spielfeld stürmen. Und 1963 wurde von der Presse zum ersten Mal im großen Stil berichtet, wie die „Schlacht“ zwischen katholischen Anhängern des FC Everton gegen die protestantischen Fans der Glasgow Rangers anlässlich der inoffiziellen britischen Meisterschaften ausgetragen wurde. Schon in den 60er Jahren wurden bei Presse und Fernsehen spezielle „Randale“-Reporter eingesetzt, und mittlerweile waren die Ausschreitungen neben dem Spiel mindestens genauso wichtig, wie das Spiel selbst. 41
In der Öffentlichkeit verbindet man den Hooliganismus (nicht zuletzt wegen der Medien) vor allem mit drei historischen Ereignissen: Heysel, Hillsborough und Lens:
• Am 29. Mai 1985 beim 30. Endspiel um den Europapokal der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool ereignete sich im Brüsseler Heysel-Stadion die Katastrophe. 39 Menschen starben und 376 wurden zum Teil schwer verletzt, als die Zuschauer in Panik gerieten, weil englische Fußballrowdys die italienischen Fans mit Feuerwerkskörpern beschossen und überdies die Ränge des Stadions maßlos überfüllt waren. Tausende stürmten zu den Ausgängen und dabei wurden in dem Aufruhr Menschen niedergetrampelt und zerquetscht. Diese tragischen Ereignisse hatten zur Folge, dass englische Klubs für mehrere Jahre vom internationalen Spielbetrieb ausgeschlossen wurden und die Regierung Thatcher beschloss in ihrem eingerichteten „Kriegskabinett“ mehrere Sofortmaßnahmen, wie z. B. Alkoholverbot in den Stadien, Videoüberwachung, Erweiterung der Polizeibefugnisse, Undercoveragenten in den Fanblöcken. Auch europaweit wurden neue Si-cherheitsvorschriften in und um die Stadien durchgesetzt.
40 vgl. Bausenwein, 1995, S. 318, a.a.O.
41 vgl. Bausenwein, 1995, S. 315, a.a.O.
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• Sheffield 15. April 1989 - „Die Anhänger von Liverpool und Nottingham Forrest strömen auf das Stadion von Hillsborough zu, sie freuen sich auf das FA-Cup-Semifinale. Immer mehr stauen sich vor den Türen, viele kommen spät und sie wollen unbedingt noch hinein, also schieben sie die vor ihnen Stehenden vor sich her. Die Polizisten öffnen ein paar Tore, um den Druck draußen zu senken, die Polizisten sind nervös, sie haben Angst vor Hooligans, sie sind schlecht organisiert. Drinnen aber wird der Druck immer stärker, in einem Tunnel, der zur bereits hoffnungslos überfüllten Leppings Lane Tribüne führt, zerquetschen sie einander, weil sie, von hinten zusammengedrückt, vorne nicht über die ‚Sicherheitszäune’ rund ums Spielfeld kommen. 96 Fans sterben in der tödlichen, von ‚Sicherheitskräften’ aufgestellten Falle von Hillsborough.“ 42 Ein Richter, der im Nachhinein Untersuchungen zu dieser Katastrophe durchgeführt hatte, empfahl im sog. „Tayler-Report“ die Umrüstung der Stadien von Stehplätzen zu Sitzplätzen. Mittlerweile gibt es bei allen Länderspielen und auch in der englischen Liga in den Stadien nur Sitzplätze. Auch in der deutschen Bundesliga soll das durchgesetzt werden, jedoch gibt es energische Gegenwehr von Seiten der Fans.
Nach diesen schweren Ereignissen, die bei weiten nicht alle waren, bemühte man sich auch in Deutschland intensiv darum, durch präventive und repressive Maßnahmen das Problem „in den Griff“ zu bekommen. Dadurch wurde das Ausmaß der Zuschauergewalt in der Mitte der 80er Jahre verringert. Bei der Europameisterschaft in Deutschland 1988 und der darauf folgenden Weltmeisterschaft in Italien 1990 kam es jedoch erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Nach der Wiedervereinigung erfolgte zudem eine weitere Belebung der Situation in Deutschland durch die neuen ostdeutschen Vereine und ihrem hohen Konfliktpotential seitens der Fans. So stieg die Zahl der Gewalttaten noch einmal an. Diese Situation führte zu der Entwicklung des „Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit“, das z.B. die Einrichtung von Fan-Projekten vorsah.
• Während der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich wurde nach dem Spiel Deutschland gegen Jugoslawien in Lens der französische Gendarm Daniel Nivel von mehreren deutschen Hooligans niedergestreckt und am Boden liegend weiter getreten und geschlagen. Durch diesen Übergriff erlitt Nivel solche schweren Verletzungen, dass er mehrere Tage im Koma lag. Schon Tage zuvor war klar, dass es an diesem Tag zu Ausschreitungen kommen würde und so fanden sich 600 bis 700 deutsche Hooligans - darunter viele Nazis (Augenzeugenberichten nach mehr als sonst) - an diesem Tag in Lens ein.
Durch diese Eskalation der Gewalt wurden - auch im Hinblick auf die Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien - die Präventionsaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene weiter intensiviert. Zwar gelang es den deutschen Verantwortlichen, dass es in den Niederlanden und in Belgien zu keinen Ausschreitungen von deut-
42 „DerStandard“ vom 15.04.1999
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schen Hooligans kam, jedoch gab es auch bei dieser EM wieder Randale, vor allem von englischen Hools. 43
2.2.2 Ausdifferenzierung der Fan-Szene
„Aber es ist möglich, sowohl die Gültigkeit bestimmter universeller deterministischer Modelle als auch die Differenzen anzuerkennen: in wichtigen politischen und ökonomischen Belangen ist die Gesellschaft im Umbau und Umschichtungen begriffen, ebenso wie sie in anderen Belangen von ihren konstanten Elementen beherrscht wird. Gewiss hat es in der Arbeiterschaft immer Gewalttätigkeit gegeben, besonders in Verbindung mit dem Fußballspiel, aber es ist auch richtig, dass die letzte Generation - oder möglicherweise die letzten zwei Generationen
- junger Fußballfans aus der Arbeiterschaft sich die Gewalttätigkeit auf eine besondere und unverwechselbare Art zu eigen gemacht haben.“ 44
Als Konrad Koch 1875 die ersten deutschen Fußballregeln niederschrieb, wurde damit der Grundstein für organisierten Fußball gelegt. 1900 wurde der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet, die Bundesliga wurde eingeführt und erste Vereine begannen, kommerziell Fußball zu spielen. Fußball wurde zwar schon lange Zeit vorher gespielt, 45 aber mit der Kommerzialisierung entstanden erste Fanclubs. Das Zuschauerverhalten änderte sich, aber auch die Erwartungen des Vereins an seine Zuschauer: „Nicht das Vereinsmitglied, das durch Mithilfe und Beteiligung in den Ver-einsbetrieb involviert ist, sondern der zahlende Konsument, dem für viel Geld 90 Minuten Unterhaltung geboten werden sollte, wurde nun benötigt.“ 46 Seit ca. den 70er Jahren stieg in Deutschland die Zahl der Fußballfans und es wurden vermehrt neue Fanclubs errichtet. Es entstanden Fanclubs, die sich zunehmend von der Rolle der konsumierenden Fans lösten und sich immer mehr den „gesellschaftlichen Zwängen der standardisierten Verhaltensanforderungen“ 47 entzogen. Es entstanden neue Formen des Fußballfandaseins. Auch die Gewalt in den Stadien nahm in dieser Zeit wieder zu. Heitmeyer schreibt dazu: „Da nicht von einer homogenen Fußballfan-Szene auszugehen ist, stellt sich die Frage nach den unterschiedlichen Motiven. Wir unterscheiden eher konsumorientierte, fußballzentrierte oder erlebnisorientierte Motive, um Identitätsbestrebungen, Fußball und sozialen Alltag über das Erleben von Spannungssituationen miteinander zu verbinden.“ 48 Wie nun diese drei Typen von Fußballfans sich im Detail unterscheiden, soll diese Übersicht verdeutlichen:
43 vgl. Lösel, Friedrich/Bliesener, Thomas/Fischer, Thomas/Pabst, Markus A.: Hooliganismus in Deutschland, 2001, S. 7f.
44 Buford, 1992, 283f., a.a.O.
45 So soll schon der chinesische Kaiser Huang-Ti 2967 v. Chr. das sog. „T’su-Küh“ erfunden haben („T’su“ bedeutet ‚mit dem Fuß schießen’ und „Küh“ heißt soviel wie ‚ausgestopfter Ball aus Leder’).
46 Matthesius, 1992, S. 81, a.a.O.
47 Matthesius, 1992, S. 81, a.a.O.
48 Heitmeyer, Wilhelm/Peter, Jörg-Ingo: Jugendliche Fußballfans, 1992, S. 31
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Lebenszusammenhang Soziale Anerken-
nungsrelevanz Gruppenorientierung schwach; allein oder
Die Fußballfans hatten natürlich ihre eigenen Begriffe für diese drei Fan-Typen. So werden konsumorientierte Fans als „Neckermänner“ oder „Normalos“ bezeichnet, fußballzentrierte Fans als „Kutten“ und „Hools“ bilden einen Teil der erlebnisorientierten Fans.
Auch die Polizei hatte ihre eigenen Begrifflichkeiten, für die Einteilung der Fans, bei der sie sich an gewalttätigen Gesichtspunkten orientiert. So gibt es in Polizeistatistiken Fans der Kategorien A, B und C. Fans der Kategorie A stellen die 90 bis 98% der friedlichen Fans im Stadion dar. Fans der Kategorie B sind konfliktbereit, aber diese aggressiven Situationen entstehen meistens im Zusammenhang mit den sportlichen Ereignissen (z.B. bei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters). Die „Kutten“ bilden einen Großteil dieser Personengruppe. Kategorie-C-Fans sind die Gewalttäter oder Hooligans, die das Fußballspiel zum Anlass nehmen, um Randale zu machen. Wie bei den Kategorie-B-Fans sind dies meist männliche Jugendliche und junge Männer im Alter von 14 bis 30 Jahren.
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Nun will ich aber noch einmal kurz auf die drei Gruppen „Neckermänner“, „Kutten“ und „Hools“ eingehen.
2.2.2.1 „Neckermänner“
Die „Neckermänner“ oder konsumorientierten Fans wollen ein gutes Spiel sehen, und gehen deshalb oft nur dann ins Stadion, wenn die Mannschaft gegen einen interessanten Gegner spielt. Sie stehen nicht fanatisch hinter dem Verein, sie wollen, dass der Bessere gewinnt. Seltener sind Besuche von Auswärtsspielen oder bei Regen. Von anderen Fans werden sie oft als Spießer angesehen. 49 „Normalos“ lehnen „Kutten“ und „Hools“ ab, oft sind diese auch Anlass, dass der konsumorientierte Fan nicht ins Stadion kommt, sondern sich lieber das Spiel zu hause vor dem Fernseher anschaut. Trotzdem findet man bei den „Normalos“ auch eine „hohe emotionale Anteilnahme am Fußballspiel“ 50 . Heitmeyer schreibt es folgendermaßen: „Für die konsumorientierten Fans steht das Erleben von Spannungssituationen, die von anderen dargeboten werden, im engen Zusammenhang mit Leistungsgesichtspunkten, während die soziale Relevanz weitgehend unbedeutend ist.“ 51 D.h. die Leistung der Spieler steht im Mittelpunkt und Fußball ist für diesen Fan-Typ eine mögliche Freizeitbeschäftigung, nicht die Freizeitbeschäftigung. Deshalb kommt ein „Neckermann“ auch oft allein oder mit wechselnden Personen ins Stadion, steht selten im Fan-Block (eher in der Gegengerade oder hat einen Sitzplatz) und ist auch nicht in Fan-Clubs aktiv.
2.2.2.2 „Kutten“
„Kutten“ sind die traditionellen Fußballfans. Sie stehen hundertprozentig hinter ihrem Verein. Heitmeyer schreibt, dass für fußballzentrierte Fans „das Erleben von Spannungssituationen auch in engem Zusammenhang mit den sportlichen Darbietungen [steht, Anm. d. Verf.], ist aber nicht ausschließlich leistungsfixiert, sondern die (fast) absolute Treue, selbst bei sportlichen Misserfolg, zählt.“ 52 Nach Heitmeyer suchen die meist jugendlichen Fußballfans Anerkennung. Im Fan-Block - das eigene Territorium - wird die Gemeinschaft zelebriert und Gruppenorientierung ist stark ausgeprägt. 53 Der Begriff „Kutte“ kommt von den Westen und Jacken (meistens aus Jeansstoff), die mit Aufnähern des bevorzugten Vereins selbst verziert wurden. Auch Autogramme auf den Kutten gehören mit dazu. Darüber hinaus befinden sich auf den Kutten „Anti-Vereins-Signets“ 54 , bei denen die Hassgegner diffamiert werden (zum Beispiel durch „Tod dem…“). Seit den spä- 49 vgl.Engelin, Bruno: Ein Fan ist ein Fan ist ein Fan, in: Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): „Holt Euch das Spiel zurück!“, 1995, S.102
50 Krauss, Martin: Fußball und Gewalt, in: Schulze-Marmeling, Dietrich: Der gezähmte Fußball, 1992, S. 244
51 Heitmeyer/Peter, 1992, S. 33, a.a.O.
52 Heitmeyer/Peter, 1992, S. 33, a.a.O.
53 vgl. Heitmeyer/Peter, 1992, S. 33, a.a.O.
54 nach Engelin, in: Schulze-Marmeling (Hrsg.), 1995, S. 101, a.a.O.
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ten 80er Jahren trugen die „Kutten“ immer mehr die durch das Merchandising der Vereine vertriebenen Fanutensilien wie Schals, Trikots etc. Auch gibt es bei den „Kutten“ eine Hierarchisierung: Oben stehen die, die schon seit Jahren zum Fußball gehen, alle kennen und das größte Wissen über den Verein haben. Die Jüngeren schauen zu den Alten auf. „Kutten“ sind im Gegensatz zu den „Normalos“ meist in Fan-Clubs organisiert. Sie gehen zu jedem Spiel und fahren auch zu den meisten Auswärtsspielen, indem sie Busse mieten, mit dem Zug oder im eigenen PKW fahren. Im Stadion findet man die „Kutten“ zumeist in den Fan-Kurven auf den Stehplätzen. „Kutten“ sind aus verschiedenen Gründen (zum Beispiel wegen der folgenden Preissteigerungen, aber auch wegen des „feelings“ etc.) überwiegend Gegner der immer mehr zum Trend werdenden Sitzplätze. Dieser Fußballfan-Typ ist auch der, der Stimmung im Stadion macht. Selbstinszenierung wird groß geschrieben. Gesänge, Fahnen, Tänze, Konfetti und Rauchbomben gehören dazu. Die Stimmung wird immer vom Spielergebnis beeinflusst, von Freudentänzen bis hin zu Tränen und Wut ist alles möglich. Da die „Kutten“ äußerlich am auffälligsten sind und auch die größte Stimmung machen, fallen sie im Stadion zuerst auf. Und oft erscheinen sie den restlichen Zuschauern als gewalttätige Masse, als Bedrohung, weil sie emotional so beteiligt sind. Früher mag das auch so gewesen sein. Seit es Zuschauer bei Fußballspielen gab, gab es auch Ausschreitungen von Fans. Jedoch erst in den späten 60er Jahren in England (und ca. zehn Jahre später dann auch in anderen Ländern) wurde dies zu einem neuen gesellschaftlichen Problem, als man Profi-Fußball zu einem Medienereignis machen wollte. „Das öffentliche Interesse am Fanverhalten, das in diesen Jahren verstärkt einsetzte, hatte unter anderem Rechtfertigungsäußerungen bzw. Leugnung der Eigeninszenierung körperlicher Auseinandersetzungen zur Folge.“ 55 schreibt Matthesius über die Jahre 1980 bis 1983. Die Folge war, dass sich die Fan-Szene spaltete. Ein Teil löste sich von gewalttätigen Ausbrüchen und blieb als treuer Anhänger in den Fan-Clubs organisiert, man passte sich den gewünschten Verhaltensnormen an. Der andere Teil der unangepassten Jugendlichen brach aus dem organisierten Fanleben aus und schloss sich anderen Straßenbewegungen an (z.B. den Skinheads oder den Punks). Die Gewalttätigkeit wurde beibehalten, aber man löste sich von den „Kutten“ und ging lieber unauffällig ins Stadion. Die Hooligans waren geboren.
2.2.2.3 „Hools“
Nach Heitmeyer geht es dem erlebnisorientierten Fan darum, spannende Situationen zu erleben. Fußball soll ein Spektakel sein, notfalls auch durch eigenes Einwirken 56 , in dem Sinne „es ist immer was los, und wenn nichts los ist, dann machen wir was los“ 57 . Bei den erlebnisorientierten Fans gibt es starke Ablösungsprozesse vom Fußball. Wenn es
55 Matthesius, 1992, S. 81, a.a.O.
56 vgl. Heitmeyer/Peter, 1992, S. 33, a.a.O.
57 Zitat eines Jugendlichen in Heitmeyer/Peter, 1992, S. 34, a.a.O.
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andere Möglichkeiten der Anerkennung (zum Beispiel durch gewalttätige Ausschreitungen) gibt, löst man sich schnell vom Spielverlauf. Dieser Fan-Typ hat keinen festen Standort im Stadion und auch die Gruppen, an denen sie sich orientieren, wechseln. 58 „Hools“ oder Hooligans sind ein Teil dieses Fan-Typs. Sie „entstanden“ durch die oben erwähnte Spaltung der Fans und sie lehnen die „Kutten“ mittlerweile ab, wobei es den älteren Hools sicherlich schwerer fällt, als den jüngeren, da sie selber einmal „Kutten“ gewesen sind. Ihre Abgrenzung verdeutlichen sie dadurch, dass sie die typische Fan-Kleidung abgelegt haben und mittlerweile unauffällig oder gar fein gekleidet ins Stadion kommen. 59 „Hools“ üben im Stadion (oder auch davor oder auf dem Weg dahin) ihren eigenen Sport aus. Der Kampf zwischen gegnerischen Hool-Gruppen soll dabei ritterlich, fair und hart sein. Gekämpft wird Mann gegen Mann und ohne Waffen, nach einem ungeschriebenen Gesetz, einem Ehrenkodex. Oft wird sich daran nicht gehalten, Waffen werden sehr wohl eingesetzt, das geht von herumliegenden Wurfgeschossen bis hin zu wirklich gefährlichen Messern und Schusswaffen. Die Hooligan-Aktivitäten geschehen unabhängig vom Spielverlauf, sie sind schon Wochen zuvor akribisch geplant. Das Fußballspiel dient nur noch als Ort und Termin für die Wettkämpfe, die sog. „Städteturniere“. Man kann jedoch nicht sagen, dass die Hooligans jegliches Interesse am Fußball und dem Verein verloren haben, waren die meisten doch früher einmal „Kutten“. Aber sie halten nicht mehr bedingungslos zu ihrem Verein, sondern nur, so lange etwas da los ist. 60 Das sollte zunächst eine kleine Einstimmung auf die Subkultur der Hooligans sein, auf weitere wichtige Merkmale und Verhaltensweisen werde ich dann im Kapitel 2.4 eingehen.
2.2.3 Entwicklung des Hooliganismus in der DDR und in den neuen Bundesländern 61
„50 Meter im Quadrat, Rundherum nur Stacheldraht. Weißt Du wo ich wohne? Ich wohne in der Zone! Doch einmal wird es anders sein, Dann sperren wir die Bullen ein Und Chemie Leipzig wird dann Deutscher Meister sein…“ 62
Um zu erklären, wie der Hooliganismus in der Deutschen Demokratischen Republik ent-standen ist, muss man zunächst erst einmal ein bisschen etwas über den Profi-Fußball und seine Instrumentalisierung in der DDR sagen. Die oberste Liga im DDR-Fußball war die Oberliga, in der Spitzenclubs der DDR-Bezirke und Betriebssportgemeinschaften (BSG) spielten. Der Leistungssport hatte ganz im Dienste des politischen Kurses zu funk-
58 vgl.Heitmeyer/Peter, 1992, S. 33, a.a.O.
59 Das hat auch noch einen zweiten Grund, denn durch die unauffällige Kleidung ist es leichter, durch die Polizeikontrollen zu kommen.
60 vgl. Krauss, in: Schulze-Marmeling, 1992, S. 246ff., a.a.O.
61 Alle Informationen dieses Kapitels, habe ich aus einem Aufsatz von Ray Schneider: „Die Leipziger Fußballszene aus Sicht eines Chemie-Fans: …über Leutzsch lacht die Sonne - über Lok die ganze Welt…“, nachzulesen unter www.kuboni.de/cd2/index.htm oder im Anhang (Anlage 1).
62 Fan-Gesänge von Chemie Leipzig Fans zu DDR-Zeiten.
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tionieren. Er war Propagandamittel, das der Bevölkerung zeigen sollte, wie effizient die realsozialistische Maschinerie arbeitet und wie überlegen das sozialistische System gegenüber dem „Klassenfeind“ war. Systematisch wurden die Fußball-Talente eines Bezirkes in Elitesportzentren aufgebaut und dann durch Delegierungen - oder besser gesagt Zwangsbeförderungen - in künstlich erzeugten Mannschaften zusammengesetzt. Der ganze Spitzensport wurde von oberster Stelle manipuliert und vereinnahmt. Die Spitzenclubs der DDR kamen meistens von der Polizei oder der Armee, weil sportliche Karrieren immer mit Unterwerfung, d.h. durch Zusammenarbeit mit den politischen Organen ver-bunden waren. Solche Vereine waren vor allem der BFC Dynamo Berlin, die SG Dynamo Dresden und der 1. FC Lokomotive Leipzig. Eine andere Möglichkeit, sich sportlich zu organisieren, waren die BSG. Aber nur wenige BSG - nämlich nur die von Großbetrieben, wie z.B. die von WISMUT (Aue), der Autoindustrie und der Chemiekomplexe im Süden der Republik (Leipzig, Zwickau etc.) - schafften den Sprung in die Oberliga und meistens tummelten sie sich - wegen der Übermacht der „zusammengestellten“ Mannschaftenauch nur in der unteren Hälfte der Tabelle. Typische BSG-Clubs waren z.B. die BSG Chemie Leipzig, die BSG Sachsenring Zwickau oder auch die BSG Chemie Böhlen. In der Bevölkerung waren die BSG (meist Arbeiter- und Traditionsvereine) beliebter als die Spitzenclubs, weil sie Antipoden der SED-gesteuerten Fußballclubs waren. So bekam Fußball schon früh eine politische Komponente, er wurde zum symbolischen Machtkampf zwischen „unten“ und „oben“. Unter dem Deckmantel des Sports und aus der sicheren Masse heraus konnten politische Meinungen geäußert werden. Dementsprechend viele Anhänger hatten die BSG-Clubs. So versammelte sich um solche Vereine auch ein spezielles Protestpotential, bei dem das Interesse weit über den sportlichen Aspekt hinausging. Fans begleiteten ihre Vereine auch bei den Auswärtsspielen, was zwangsweise und auch gewollt zur Konfrontation mit den staatlichen Organen führte.
Gleichzeitig entwickelten sich Mitte, Ende der 70er Jahre eine Jugendszene, die sich von der staatlichen Jugendpolitik nichts mehr vormachen ließ und der Konfrontation mit der Staatsgewalt nicht auswich. Die Jugend lehnte sich gegen die vielen Verbote, Willkür, Polizeigewalt, gegen das Eingesperrtsein und gegen die beschnittenen Freiheiten auf. Erste Subkulturen wie die Skinheads und Punks entstanden Anfang der 80er Jahre. Vor allem die Skinheads provozierten die Staatmacht, indem sie durch rassistische und nationalistische Sprüche auffielen. Vieler dieser Jugendlichen schlossen sich den entstehenden Fan-Clubs der BSG an, da sie merkten, dass sie im Schutz der Masse ihren Protest äußern konnten. Und es blieb nicht nur beim verbalen Protest. Immer öfter kam es zu Ausschreitungen in den Stadien. Es entstanden gewalttätige Flügel der Fan-Clubs, die sich miteinander prügelten. Der Staat reagierte darauf mit steigenden Sicherheitsvorkehrungen, Zäune trennten nun die Zuschauer vom Spielfeld und eingesetzte Sicherheitsbeamte sorgten dafür, dass es nicht zu Exzessen im Stadion kam. Das hatte zur Folge, dass sich
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die Prügeleien immer mehr um oder auf dem Weg zum Stadion stattfanden. Wenn es einmal keine gegnerischen Fans zum Prügeln gab, richtete sich die Aggression gegen die Polizei, die mit den Fans meist hilflos überfordert war. Gummiknüppel und Polizeimützen waren begehrte Trophäen der Fans. Ende der 70er Jahre kam es immer häufiger zu Todesfällen im Zuge der Prügeleien. In der Öffentlichkeit wurden diese Todesfälle verschwiegen.
Die Stasi schaltete sich ein, und erste Spitzel [sog. IM’s (Inoffizielle Mitarbeiter)] wurden unter die Fans geschleust, um gegen die „feindlich negativen Kräfte“ vorzugehen und Rädelsführer zu entlarven. Die Zersetzung der Fan-Clubs gelang natürlich nicht und man versuchte es mit Repression. Besonders aktive Personen wurden kriminalisiert, deren Ruf und Karriere wurde zerstört, sie wurden zur Armee einberufen oder gar in den Westen abgeschoben. Personen-, Post- und Telefonüberwachung wurde eingeführt, Privatbereiche wurden verwanzt, Ein- und Ausreiseverbote wurden ausgesprochen. Als dies nicht die gewünschten Ziele erreichte, wurde der polizeiliche Druck noch einmal erhöht und die Schikanierungen wurden auf die Schule und den Arbeitsbereich ausgedehnt. Die Reaktion waren Ausreiseanträge und eine völlige Abkehr vom DDR-Regime.
(Fußballfans in Riesa 1988, aus Farin, Klaus/Hauswald, Harald: Die dritte Halbzeit, 2002, S. 18)
Ab Mitte der 80er Jahre setzte der Deeskalationskurs der Polizei ein. Man griff bei Schlägereien nicht mehr ein, ignorierte Provokationen etc. Man kümmerte sich nur noch um den schnellen An- und Abtransport, sowie die zügige Abarbeitung der Strafverfahren. Dadurch entstand für die Fußballfans ein neuer Freiraum, der Neueinsteiger anzog und dazu motivierte, die Toleranzgrenze der Behörden weiter auszureizen. Das führte dazu, dass man sich in der Masse mittlerweile alles erlauben konnte (bis auf den tätlichen Angriff der Ordnungskräfte). Dass die DDR am wirksamsten beim Begriff Faschismus zu treffen war, den sie durch den DDR-Sozialismus für ausgerottet erklärte, wussten auch die Fußballfans. In dieser Zeit entstanden die ersten rassistischen Äußerungen und An-
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griffe auf Sowjetsoldaten und ausländische Gastarbeiter. Die Stasi ermittelte, aber sie kam der neuen Aufgabe nicht mehr nach. Die Politik ignorierte den aufkommenden Rassismus, da es diesen in der sozialistischen DDR nicht geben durfte. Die Zuspitzung der Gewalt durch den Hooliganismus der 80er Jahre versuchte die Führung dann in eigene Bahnen wie Militär oder den Leistungssport zu lenken. Das Gewaltpotential wurde damit zwar umgeleitet, war aber auf der Straße weiterhin präsent.
Hier nun noch ein weiterer Unterschied zu den SED-Vereinen. Hatten die BSG-Fans immer mit Repressionen zu rechnen, so waren die ebenfalls bei den Stasi-Clubs entstehenden gewaltbereiten, meist auch neonazistischen Fan-Gruppen immer verharmlost worden. Sie waren in den Augen der Staatsmacht die Stimmungsmacher. So wurde über ihre Gewalttaten meist hinweggesehen, was dazu führte, dass sich in den Stasi-Clubs in aller Ruhe rechtsextremistische und militaristische Züge entfalten konnten, die sich bald vor allem beim BFC Dynamo - von dem weit nach der Wende noch die Rede sein wird - zu einer gut organisierten Elite unter den Hooligans entwickelte.
Mit dem Boom der Skinkultur Ende der 80er Jahre, die durch die politische Position fast ausschließlich Neonazis produzierte, gerieten den Behörden die militanten Subkulturen völlig aus der Kontrolle. Man verstand die Entwicklungen überhaupt nicht, konnte die verschiedenen Subkulturen weder identifizieren noch deren Kultur und Ideologie verstehen und einordnen. In staatlichen Jugend- und Kultureinrichtungen setzte teilweise eine Unterwanderung durch rechte Skins und Hooligans ein. Kam es zu Konfrontationen, wurde mit Gewalt geantwortet. Politische, rassistische und neofaschistische Straftaten verurteilte man unter Rowdytum. Ende der 80er Jahre und vor allem nach der Maueröffnung wurde das Skinoutfit im Osten zur Jugendmode. Bei den meisten Fans wurden die Symboliken und die Gedanken der Nazis beibehalten und verfestigt.
Dass die Liebe zu den westdeutschen Brüdern und Schwestern nicht so groß gewesen sein kann, wie sie zur Wende auf den Straßen beschworen wurden, beweist, mit welcher Verzückung die ostdeutschen Fußballfans und Hooligans nach der Maueröffnung über die Westvereine herfielen. Zum ersten Spiel von BSG Chemie Leipzig im Westen reisten im Mai 1990 über 1000 Chemiefans nach Hannover und disziplinierten gewalttätig und arrogant sofort die völlig verdutzten Westler im Stadion. Bei Länderspielen der BRD traten ab 1990 auch randalesüchtige Ostberliner (vor allem die Hools des BFC Dynamo) und Lok-Leipzig-Hools auf.
Da die Oberliga-Vereine der ehemaligen DDR - allen voran der BFC Dynamo - nach der Wende (aufgrund von Spielerabwanderungen in den Westen) sich in der Bundesliga nicht halten konnten und in die 3. und 4. Ligen abrutschten, wanderten viele am Fußball inte-
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ressierten Fans ab, was blieb war der harte Kern der Hooligans. Deshalb sind die alten Ost-Vereine heute oft besonders berüchtigt, weil sie häufig wenig „normale“ Fans haben, oft nur gewaltbereite Fans. So gibt es Schätzungen, dass der BFC Dynamo insgesamt über eine feste Fangemeinde von ca. 600 Fans verfügt, von denen ca. 500 als Kategorie-C-Fans eingestuft werden. Auch die alten Feindschaften wurden bis heute beibehalten. So kommt es auch heute immer wieder zu schweren Ausschreitungen zwischen Hooligans im Osten.
2.2.4 Ost-West-Vergleich der heutigen Hooligan-Szene
„Die Ossis, die sind wie die Engländer. Für die geht’s bei der Randale um mehr als bloß Spaß…“ „Die Ossis sind völlig durchgeknallte. Die hörn nicht auf, wenn man am Boden liegt. Die filmen sogar, wie sie dir die Fresse eintreten.“ „Die ham vor nix Angst, die rennen auch voll in die Bullen rein.“ 63
Kurz nach der Wende wurden die Ost-Hools noch belächelt, weil sie sich dem Kleidungsstil der West-Hools noch nicht angeglichen hatten und auch noch keine Waffen benutzten. Auch Drogen waren zu dieser Zeit noch kein Thema in der ostdeutschen Hooliganszene.
Aber schnell wurde den Westdeutschen klar, wie viel Hasspotential in den Ostdeutschen lag. Jahrelang hatten die Jugendlichen versucht, gegen das System zu opponieren und waren ständigen Repressionen unterlegen. Drakonische Strafen, gesellschaftliche Bloßstellung durch die Polizei und Observationen, Drangsalierungen, Denunziationen und Ausweisungen durch die Stasi waren zu DDR-Zeiten an der Tagesordnung. Besonders die Führer waren Gefängnis, Stasi-Operationen und Verhöre gewöhnt. Viele verließen die DDR oder wurden dazu gezwungen. Nach der Wende machten sich die Abgehauenen wieder auf den Weg zurück, um den „Know-how-Transfer“ 64 zu leisten. Es entstanden erste Freundschaften mit westdeutschen Fans, so zu Beispiel zwischen Ostberliner und Bochumer Hools. 65
Heute ist das Bild der Ost-Hools ganz anders, als noch kurz nach der Wende. Schneider beschreibt es so: „In nicht einmal einer Dekade hat sich das Bild, was sich der westdeutsche vom ostdeutschen Hooligan macht, dramatisch verändert: Aus dem milde belächelten Außenseiter ist der dämonisierte Schlagetot geworden. Dabei schwingt nicht nur Ach-
63 Einschätzungenwestdeutscher Hooligans 1998 der ostdeutschen Szene: zitiert von Schneider, Thomas: Der Ost-Hooligan - das unbekannte Wesen?, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 251, a.a.O.
64 Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 253, a.a.O.
65 vgl. Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 251ff., a.a.O.
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tung, sondern auch Angst mit.“ 66 Viele Mythen ranken sich um die ostdeutsche Szene. Fakt ist jedoch, dass die Szenen mittlerweile fast identisch sind, so sind sie äußerlich nicht mehr zu unterscheiden und auch der Drogen- und Waffenbesitz ist keine Seltenheit mehr. Die wenigen Unterschiede, die es gibt, will ich jetzt noch kurz ansprechen:
• Zunächst ist festzustellen, dass der Zusammenhalt der ostdeutschen Hooligangruppen stärker ist als im Westen. Das sind noch Reliquien aus DDR-Zeiten, denn damals achtete man sehr auf die Zuverlässigkeit der Mitglieder, war man doch ständigen Bespitzelungen und Infiltrationen durch die Stasi ausgesetzt. 67
• Da die Jugendlichen in der DDR schon früh mit Kampftechniken vertraut gemacht wurden - so gab es in den Schulen wehrkundlichen Unterricht und in den Betrieben später Betriebskampfgruppen zur Steigerung der Wehrfähigkeit - entwickelte sich bei den Ost-Hools schnell eine paramilitärische Intelligenz, die sich vortrefflich bei den Fußballauseinandersetzungen nutzen ließ. 68
• Auch ist die Disziplinierung höher als im Westen. Seltener kommt es vor, dass bei Ausschreitungen zunächst ein großer Mob loszieht und später, wenn es ernst wird, nur noch die wenigsten da sind. Das liegt auch daran, dass viele schon seit mehreren Jahren dabei sind, und schon zu DDR-Zeiten mitgezogen sind. 69
• Ein viel stärkeres Aggressionsverhältnis herrscht gegenüber der Polizei. War man doch früher den ständigen Repressionen durch die Polizei ausgesetzt, die den Hass auf die Beamten immer mehr verstärkte, so konnte man nun diesen Hass ein wenig ausleben. Sehr kritisch geht man im Osten auch mit szenekundigen Polizeibeamten in Zivil um, die die Fans in die Fanblöcke begleiten, da diese Beamten bei den Jugendlichen Erinnerungen an ehemaligen Stasispitzel hervorrufen. 70
2.2.5 Neure Entwicklungen
„So wie früher Dorfjugend gegen Dorfjugend, Straße gegen Straße stand, wird heute eine neuartige Form des Territoriums verteidigt und umkämpft, das Stadion und die Ehre des Vereins und seiner Spieler.“ 71
Laut Jahresbericht Fußball der Zentralen Informationsstelle Sport (ZIS), einem Dezernat des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, entwickelten sich die Fanausschreitungen (gemessen wurden die Straftaten von Kategorie-B-Fans und Kategorie-C-Fans) in den letzten Jahren rückläufig. Waren es in der Saison 1998/1999 noch 8000 gewaltbereite
66 Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 251, a.a.O.
67 vgl. Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 253, a.a.O.
68 vgl. Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 254, a.a.O.
69 vgl. Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 254, a.a.O.
70 vgl. Schneider, in: Gehrmann/Schneider 1998, S. 256, a.a.O.
71 Zinnecker, Jürgen, zit. aus: Becker, Peter/Pilz, Gunter A.: Die Welt der Fans, 1988, S. 92
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Jugendliche, so reduzierten sich in den beiden Folgejahren die Zahl auf 6800 (Saison 1999/2000) bzw. 6700 (Saison 2000/2001). 72 Wie sind diese Zahlen zu interpretieren? Um diese Frage zu beantworten, will ich noch eine Entwicklung mit hinzufügen, die in diesen Zusammenhang gehört. In den letzten Jahren ist ebenfalls die Zahl der Hooligan-Ausschreitungen zurückgegangen. Diese Informationen lassen zunächst vermuten, dass die Hooligan-Aktivität zurückgeht. Das mag so stimmen, da haben die Polizei und auch die Fan-Projekte gute Arbeit geleistet.
Aber - so wohlwollend die Zahlen auch sind - wollen wir nun die andere Seite der Medaille betrachten. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass sich zwar die Quantität der Ausschreitungen verringert, auf der anderen steigt jedoch die Qualität der Gewalt, vor allem bei Länderspielen. 73 Die Ausschreitungen werden also seltener, dafür umso heftiger. Um diese Entwicklung zu verstehen, muss man andere Entwicklungen der letzten Jahre mit einbeziehen. So beschreibt Pilz schon 1994 den „Trend des Zerfalls der traditionellen Fankultur“ 74 . D.h. die älteren Hooligans („Alt-Hools“ genannt) waren zumeist be-vor sie Hooligans wurden in der „Kutten“-Szene aktiv. Neuere Hooligans („Jung-Hools“) überspringen das fußballzentrierte Fandasein und gliedern sich direkt bei den Hooligans ein. Dementsprechend entwickelte sich eine zunehmend jüngere Hooligan-Szene, die auch weniger Beziehungen zum Fußball hat, als die ältere. 75 Die jüngeren Hooligans gehen auch eher zu einem Spiel, wo sie wissen, dass es „Action“ gibt, auch wenn es nicht der Heimverein ist. Experten schätzen die „Jung-Hools“ am gefährlichsten und unberechenbarsten ein, da sie sich nicht mehr an die früheren Regeln halten (den sog. „Ehrenkodex“), so benutzen sie auch Waffen und schlagen auch auf schon am Boden liegende ein. Die Folge ist, dass es immer mehr zum Verfall des Ehrenkodexes kommt, was wiederum die Gefahr von wirklich schweren Verletzungen steigert (so ist auch die Steigerung der Todesfälle zu erklären). Besonders gefährlich sind die Jungen auch, weil sie sich in der Gruppe vor den Älteren noch profilieren müssen und Anerkennung suchen, deshalb sind sie besonders gewalttätig und stehen bei Auseinandersetzungen häufig in der ersten Reihe. 76
Ernstzunehmen ist auch die Entwicklung der immer häufiger werdenden Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln. So spielt bei Hooliganverabredungen immer öfter das Handy oder auch das Internet oder das Fax eine wichtige Rolle. Mit der Möglichkeit
72 Nachzulesen sind diese Daten in dem oben erwähnten Jahresbericht der ZIS, die man sich im Internet herunterladen kann, unter www.lka.nrw.de.
73 Nachzulesen bei Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S. 147, a.a.O.
74 Pilz, Gunter A.: Aufsuchende, „akzeptierende“ Jugend(sozial)arbeit mit gewaltfaszinierten, gewaltbereiten und „rechten“ Jugendlichen, 1994, auf:
www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Praktische_Arbeit/praktische_arbeit.ht ml
75 vgl. Pilz 1994, auf:
www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Praktische_Arbeit/praktische_arbeit.ht ml
76 vgl. Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S. 147, a.a.O.
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genaue Verabredungen im Vorfeld zu vereinbaren, hängt auch das Phänomen zusammen, dass - im Gegensatz zu den Anfängen der Hooligan-Ausschreitungen in den 70er und 80er Jahren - immer mehr Fights verabredet werden und es immer seltener zu spontanen Kämpfen kommt. Das spricht dafür, dass die Szene gut vernetzt ist und sie ihre Kämpfe eher als Wettkampf verstehen, denn als Krieg oder Konkurrenz. 77
Da in den letzten Jahren die Sicherheitsbestimmungen in den Stadien immer höher getrieben wurden und weil die Repressionen gegen die Randalierer von Seiten der Polizei immer mehr verstärkt wurden, gibt es weiterhin Tendenzen, sich diesen Einschränkungen zu entziehen. So werden immer häufiger Fights verabredet, die weit außerhalb vom Stadion stattfinden sollen oder gar in ganz anderen Städten (die zum Beispiel bei der Anreise auf dem Weg liegen), sog. Drittorten. Das geht hin bis zu Fights, die völlig spielunabhängig veranschlagt werden. Das führt auch zu einem immer stärker werdenden ‚Gewalttourismus’. Außerdem entwickeln sich die Ausschreitungen auch mehr zu den weniger gesicherten Stadien der 3. und 4. Liga hin. 78
77 vgl. Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S. 149, a.a.O.
78 vgl. Hooliganismus, auf: www.provif.de/data_d/hool_d.html
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2.3 Ursachen von Zuschauerausschreitungen und Hooliganismus
Was bringt (fußballbegeisterte) Jugendliche dazu, an den Wochenenden im Zuge von Fußballspielen Gewalt auszuüben? Was macht sie so aggressiv, dass sie die Möglichkeit des eigenen Verletzt-Werdens in Kauf nehmen? Diesen Fragen will ich mich nun widmen.
Hooligans vermitteln zwar nach außen hin, dass sie aus ganz „normal“ entwickelten Familien kommen, ihnen in Beruf und Privatleben nichts mangelt und dass sie sozial einge-bunden sind, jedoch wurde im Forschungsbericht des Bundesministerium des Inneren über Hooliganismus in Deutschland nachgewiesen, dass sich diese These nicht halten lässt. 79 Die Autoren des Abschlussberichtes haben nachweisen können, dass die Hooligans die geradezu typischen sozialen und psychischen Merkmale delinquenter junger Männer aufweisen. So heißt es: „Es finden sich deutlich gehäuft Probleme in der Herkunftsfamilie wie Brokenhome-Situationen, ungünstige Erziehungsstile sowie Alkoholmißbrauch und Arbeitslosigkeit der faktischen Väter. In der Schulzeit kommt es oft zu Leistungsproblemen, Schulschwänzen und allgemein dissozialem Verhalten. Obwohl die meisten Hooligans einen Schulabschluß erreichen und eine Lehre beginnen, setzt dann nicht selten eine absteigende soziale Entwicklung ein. Abgebrochene Lehren, längere Arbeitslosigkeit und Entwicklungen zum Gelegenheitsarbeiter sind hierfür Anzeichen, wobei allerdings auch ungünstige Arbeitsmarktbedingungen zu bedenken sind (insbesondere in den Neuen Bundesländern). Häufiger Alkohol- und Drogenmißbrauch, Eigentums- und Raubdelikte sowie häufige Verurteilungen auch ohne Bezug zu typischen Hooligan-Aktivitäten sind weitere Belege dafür, dass unsere Hooligans keine Doppel-Existenz zeigen, sondern einen Lebensstil, wie er dem schwer delinquenter junger Männer entspricht. Abgesehen vom Fußballbezug ihrer Gewaltaktivitäten weisen sie ziemlich genau jene Entwicklungsrisiken und Probleme auf, die in der neueren Längsschnittforschung über schwere und gewalttätige Jugendkriminalität gut belegt sind…“ 80
Die Forschungen haben aber auch ergeben, dass es bei allen psychischen und sozialen Merkmalen (wie z. B. bei der Intelligenz) große Variationsbreiten bei den Hooligans gibt. 81 Dass es doch zu delinquenten Verhalten kommt, obwohl vielleicht die Persönlichkeitsmerkmale relativ unauffällig sind, liegt daran, dass dafür dann andere soziale Komponenten relativ stark die Gewaltanwendung fördern. So könnten das - in unserem Beispiel - starke Probleme in der Herkunftsfamilie (wie Armut) sein.
So kann man sagen, dass eine Vielzahl von Ursachen in der Person (psychische Ursachen), in der Gesellschaft oder der Umwelt (soziologische Ursachen) zu suchen ist. Es
79 vgl. Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S.149, a.a.O.
80 Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S.149f., a.a.O.
81 vgl. Lösel/Bliesener/Fischer/Pabst 2001, S.150, a.a.O.
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gibt also nicht die Ursache, sondern es ist immer ein Zusammenspiel von mehreren Ursachen. Schulz und Weber haben schon früh festgestellt, dass es verschiedene Bedingungen für Zuschauerausschreitungen gibt, die sich gegenseitig beeinflussen, voneinander abhängig sind und gemeinsam wirken. 82 So haben sie ein Schema aufgestellt, das die verschiedenen möglichen Bedingungen darstellt:
82 vgl. Schulz, Hans-Joachim /Weber, Robert: Gewalt von Zuschauern, in: Pilz, Gunter A. (Hg.): Sport und körperliche Gewalt, 1986, S.59
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Im Folgenden will ich auf ein paar der wissenschaftlich diskutierten Ursachen von Hooliganismus eingehen, dabei habe ich natürlich nur eine Auswahl getroffen. Ganz bewusst habe ich die Medien nicht zu den Ursachen, sondern zu den Problemen zugeordnet. Meiner Meinung nach sind die Medien nicht die Ursache von Gewalt in Stadien, sie sind vielleicht ein Verstärker, weil sie die Jugendlichen in ihren Aktionen bestätigen, aber sie sind keinesfalls der Grund, warum Gewalt in Stadien entsteht. Medien vermarkten „nur“ die entstandene Gewalt, wenn auch verzerrt, was wiederum Schaden anrichtet, aber dazu mehr im Kapitel 3.2.
2.3.1 Die Entwertungsthese (nach Heitmeyer) - Individualisierung und ihre Folgen
„Diese gelangweilte, hohle, dekadente Generation ist nur noch, was sie zu sein scheint: eine männliche Jugendkultur ohne Geheimnis, so abgestumpft, daß sie Gewalt benutzt, um sich wachzurütteln. Sie sticht sich ins Fleisch, um etwas zu spüren; sie versengt sich die Haut, um etwas zu riechen.“ 83
Heitmeyer und Peter orientieren sich bei ihren Erklärungsansätzen an der Individualisierungsthese von Ulrich Beck. Demnach befindet sich die Gesellschaft in einem Veränderungsprozess. „Wir sind Augenzeugen eines Gesellschaftswandels innerhalb der Moderne, in dessen Verlauf die Menschen aus den Sozialformen der industriellen Gesellschaft -Klasse, Schicht, Familie, Geschlechtslage von Männern und Frauen - freigesetzt werden […]“ 84 Diese Individualisierungstendenzen, mit der die Freisetzungstendenzen einhergehen, sind gekennzeichnet durch:
• eine Ausweitung der sozialen und geographischen Mobilität,
• verbesserte Bildungschancen,
• eine Vermehrung der Zeitreserven und
• einen Anstieg des materiellen Lebensstandards. 85
Für Heitmeyer und Peter bedeutet die Individualisierung, die auch Schatten wirft, ein Entwertung, die sie folgendermaßen beschreiben: „Einerseits werden den Individuen neue Möglichkeitshorizonte für ihr Handeln offeriert; andererseits aber werden sie auch aus traditionellen Bindungen und Milieus herausgelöst, und die Integrationswege in die Gesellschaft werden undeutlicher.“ 86 Mit dieser Erkenntnis formulieren sie die Entwertungsthese, bei der sie davon ausgehen, dass „sich auf dem Hintergrund der ‚Schattenseiten’ der Individualisierungsschübe ein Auflösungsprozeß vollzieht, der sowohl durch die Erosion überdauernder, alltäglicher sozialer Lebenszusammenhänge als durch die
83 Buford 1992, S. 299, a.a.O.
84 Beck, zit. aus: Matthesius 1992, S. 12, a.a.O.
85 vgl. Beck, zusammengefasst von Matthesius 1992, S. 12, a.a.O.
86 Heitmeyer/Peter 1992, S. 9, a.a.O.
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spezifische Entwicklung er Durchkapitalisierung des Profifußballs ausgelöst und mittels Disziplinierung bzw. Zerschlagung durch Ordnungskräfte forciert wird.“ 87 Durch dieses Auflösen der traditionellen Bindungen - zum Beispiel zur Familie - steigt die Unsicherheit bei den Jugendlichen und sie suchen nach Ersatz, denn sie meist in peer groups (Gleichaltrigengruppen) finden. Die peer group mit ihren festen Verhaltensmustern gibt den Jugendlichen ihre Sicherheit zurück. Die Verhaltensmuster unterliegen jedoch einer ständigen Kontrolle, d.h. die Gesellschaft versucht ihre Normen und Werte auch in den peer groups durchzusetzen. So besteht bei den Jugendlichen eine Erweiterung der Möglichkeiten, sprich eine gewisse Freiheit, der eine Kontrolle durch die Gesellschaft gegenübersteht. 88
Besonders die fußballzentrierten und erlebnisorientierten Fans, die einen starken Bezug zum Fußball haben, werden durch die Kommerzialisierung des Profi-Fußballs entwertet. Meier spricht in Anlehnung an Heitmeyer/Peter vom einem „Auflösungs- und Zerstörungsprozess, der im wesentlichen an zwei Stellen ansetzt: Durchkapitalisierung des Fußballs und standardisierender Einfluss der Disziplinierungs- und Kontrollinstanzen.“ 89 Gewalttätige Fans sehen ihre Handlungen als einen Teil, der der Mannschaft zum Erfolg verhilft, als Unterstützung, von außen wird diese jedoch als abweichend (von der breiten Gesellschaft) oder als provozierend (von den gegnerischen Hooligans) wahrgenommen. 90
Zusammenfassend will ich abschließend Blinkert zitieren, der dem Prozess der Individualisierung und Rationalisierung folgende Bedeutung für illegitimes Verhalten beimisst:
1. „Die Herauslösung aus Traditionen, sozialmoralischen Milieus und institutionellen Bindungen ist mit einem Abbau der Bedeutung von fixierten und vorentworfenen Handlungen verbunden. Das Individuum kann und muß zwischen Alternativen entscheiden. Dabei spielt dann das Abwägen dieser Alternativen nach Kosten- und Belohnungen, nach Erfolgs- und Mißerfolgswahrscheinlichkeiten eine große Rolle. Konformität oder Abweichung wird in zunehmendem Maße von dem Ergebnis eines Risiko-Nutzen-Kalküls abhängig.
2. Die Bedürfnisse des Individuums werden zum einzig maßgeblichen Bezugsrahmen für das Handeln. Es entsteht eine ‚hedonistische Orientierung’, die Befriedigung individueller Bedürfnisse wird vorrangig.
3. Die geringe Verankerung des Individuums in Institutionen und sozialen Bezügen hat zur Konsequenz, daß bei der Entstehung zwischen Alternativen die externen Kosten eigenen Handelns […] kaum noch eine Rolle spielen.“ 91
87 Heitmeyer/Peter, zit. aus: Meier 2001, S. 17, a.a.O.
88 vgl. Meier 2001, S. 17, a.a.O.
89 Meier 2001, S. 18, a.a.O.
90 vgl. Meier 2001, S. 18, a.a.O.
91 Blinkert (1988), zit. aus: Pilz, Gunter A.: Gewalt im Umfeld von Fußballspielen: Ursachen und Möglichkeiten der Prävention, unter:
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2.3.2 „Gewalt macht Spaß“ - Die Frage nach dem Warum
„Warum machen junge Männer jeden Samstag Randale? Sie machen das aus demselben Grund, aus dem frühere Generationen sich betranken, Hasch rauchten, Drogen nahmen, sich wüst oder rebellisch aufführten. Gewalttätigkeit bereitet ihnen einen antisozialen Kitzel, sie ist für sie ein bewusstseinsveränderndes Erlebnis, eine von Adrenalin bewirkte Euphorie, die vielleicht um so stärker ist, weil der Körper selbst sie hervorbringt, mit vielen meiner Überzeugung nach suchtbildenden Eigenschaften, wie sie auch für synthetisch hergestellte Drogen charakteristisch sind.“ 92
Lässt man die Hooligans einmal selbst die Frage beantworten, warum sie gewalttätig werden, warum sie sich prügeln, kommen meist sehr ähnliche Antworten:
„Es macht Spaß!“ 93
„Auf Samstag […] freuen wir uns die ganze Woche lang. Das ist das, was in unserem Leben am meisten Sinn hat. Im Grunde eine Religion. So wichtig ist das für uns. Samstag ist unser Feiertag.“ 94
„Wenn man im Dunkeln durch den Wald rennt, über Zäune und durch Gärten, und die anderen jagt, und die Polizei ist hinter einem her - das ist fantastisch, da vergißt man sich.“ 95
„Wenn du natürlich jetzt mit so `nem Übermob antobst und dann eben alles niedermachst, also das schönste Gefühl ist das eigentlich. Dann fliegen vielleicht ´n paar Flaschen oder Steine. Und dann rennt der andere Mob und dann jagst du die anderen durch die Gegend. Also siebenter Himmel. Das würdest du mit keiner Frau schaffen oder mit keiner Droge. Dieses Gefühl, das ist schön.“ 96
„Gewalt ist das geilste, was es gibt. Es ist ein irres Gefühl.“ 97
www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Gewalt_im_Umfeld/gewalt_im_umfeld. html
92 Buford 1992, S. 246, a.a.O.
93 Hooligan bei einem Fankongress 1988 auf die Frage „Warum prügelt ihr euch?“, zit. aus: Gehrmann/ Schneider 1998, S. 11, a.a.O.
94 Hooligan, zit. aus: Buford 1992, S. 128, a.a.O.
95 Hooligan, zit. von Pilz, Gunter A.: „Emotionen beleben das Geschäft“ - Vom widersprüchlichen Umgang mit der Gewalt: eine sozialkritische Analyse, in: Nitsch, Jürgen R.: Emotionen im Sport. Zwischen Körperkult und Gewalt 1995, S. 30-51
96 Hooligan, zit. von Pilz, in: Nitsch 1995, a.a.O.
97 Hooligan, zit. von Pilz, in: Nitsch 1995, a.a.O.
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Was die Hooligans beschreiben, wird in der Psychologie „Flow-Erlebnis“ (nach Csikszentmihalyi) genannt. 98 Beim „Flow-Erlebnis“ spüren die Hooligans freudvoll, - an der „Gren- zezwischen Langeweile und Unsicherheit“ - dass sich ihre Herausforderungen mit ihren Fähigkeiten „die Waage halten.“ 99 Dabei leben die Hooligans bei ihren Gewalttätigkeiten ihre Emotionen aus und spüren damit ihre Existenz, ihre Realität. Andreas Kirsch schreibt zusammenfassend: „Folglich geht es diesen Zuschauern […] um Realitätserfahrungen, also Erfahrungen der eigenen Grenze, die zur Selbstbestimmung führen sollen.“ 100
Schaut man sich in anderen Subkulturen, vor allem den Jugendkulturen, um, fällt auf, dass es in vielen von diesen um Realitäts- und Grenzerfahrungen geht. So gibt es zum Beispiel den Hang zu immer gefährlicheren Extremsportarten (wie Bungeejumping, Surfen bei extremen Wetterbedingungen, Snowboarding abseits der Pisten etc.). Viele Jugendliche suchen heutzutage nach dem sog. „Kick“. Für Hooligans äußert sich der Kick in „Momenten, in denen es ums Überleben geht, Momente von animalischer Intensität, der Gewalttätigkeit, Momente, wenn keine Vielzahl, keine Möglichkeit verschiedener Denkebenen besteht, sondern nur eine einzige - die Gegenwart in ihrer absoluten Form.“ 101 Und die Droge „Gewalt“ macht süchtig: Wenn Hooligans sich in „ihr Vergnügen“ stürzen, hat das rauschartigen Charakter. Und danach - ganz so wie es für Süchtige üblich istbeginnen die Hooligans mit der Suche nach ihrem nächsten Kick.
Was treibt die Jugendlichen zu solchen Grenzerfahrungen? Dies versuchte Norbert Elias mit seiner Zivilisationstheorie zu erklären. Nach Elias vollzieht sich die Zivilisierung bis ins heutige Zeitalter und ist noch nicht abgeschlossen. Im Vergleich zu früheren (Krieger-)Gesellschaften, ist das Verhalten heutiger Gesellschaften durch eine „Dämpfung der spontanen Wallungen, Zurückhaltung der Affekte, Weitung des Gedankenraums über den Augenblick hinaus in die vergangenen Ursach-, die zukünftigen Folgeketten“ 102 geprägt. Das heutige Leben hat an Emotionen, Schwankungen und spontanen Gefühlsentscheidungen verloren; es ist weniger leidenschaftlicher, jedoch auch konstanter und vorbestimmbarer. 103 Gewalt ist in diesem Zivilisationsprozess zunehmend aus dem Alltag ver-schwunden, das Leben wurde friedlicher und zivilisierter. Helmut Kuzmics sieht dabei eine Problematik: „Da bei funktionaler Demokratie alle aufeinander Rücksicht nehmen müssen, müssen sie auch ihren Affekthaushalt stärker kontrollieren. Demokratisierung muß also nicht Herrlichkeit für alle darstellen, sondern sie kann auch Sklaverei für alle bedeuten.“ 104 Die Sklaverei besteht vor allem darin, dass man sich zivilisiert verhalten muss. Man will im Allgemeinen durch unpassendes Verhalten in der Gesellschaft nicht
98 vgl. auch Pilz, in: Nitsch 1995, a.a.O.
99 Csikszentmihalyi (1992), zit. von Pilz, in: Nitsch 1995, a.a.O.
100 Kirsch, Andreas: Gewalt bei sportlichen Großveranstaltungen, 2000, S. 134
101 Buford 1992, S. 234, a.a.O.
102 Elias (1976), zit. aus: Meier 2001, S. 24, a.a.O.
103 vgl. Meier 2001, S. 24f. , a.a.O.
104 Kuzmics, zit. aus: Meier 2001, S. 25, a.a.O.
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negativ auffallen, das zwingt uns in bestimmte Verhaltensmuster. Hooligans wollen aus diesen Zwängen ausbrechen, sie wollen ihre animalischen Instinkte wieder ausleben. Sie haben sich einen Freiraum (nämlich das Fußballumfeld) geschaffen. Emotionen und absichtliches Fehlverhalten bei Fußballspielen sind reizvoll, weil sie die Möglichkeit bieten, sich den Fremdzwängen - wenigstens für kurze Zeit - zu entziehen.
2.3.3 Massenbewegungen und Gruppenverhalten
„Im Mittelpunkt aller Erörterungen über Massen steht der Moment, wenn die vielen verschiedenen Menschen aufhören, viele verschiedene Menschen zu sein und zu einem einzigen Wesen verschmelzen - der Menge oder Masse.“ 105
Weit über 90% der Gewalttaten von Hooligans sind Gruppentaten. 106 Dabei - so konstatiert Pilz - folgen die Gruppenprozesse einer gewissen Eigendynamik, die durch folgende Faktoren noch verstärkt wird:
• „Enthemmung durch Alkohol
• Stimulierung durch Musik mit rechtradikalen bzw. ausländerfeindlichen Inhalten
• Thematisierung von Medienereignissen und Nachahmungseffekte
• Gerüchte und eigene konflikthafte Erfahrungen“ 107
Was ist aber nun der Grund, warum diese Gruppenaktionen so gefährlich sind? Was geschieht in der Masse? Damit hat sich vor allem Bill Buford beschäftigt. Er zeigt auf, was mit dem einzelnen in der Masse geschieht: „In einer Masse zeigt sich unser darwinsches Selbst: die Urhorde wird plötzlich befreit unter dem Einfluß des Rudel-Instinkts. In einer Masse zeigt sich unser freudsches Selbst: durch Regression in einen Zustand urtümlicher, primitiver Triebhaftigkeit.“ 108 Die Masse bietet einem die Möglichkeit, Dinge zu tun, die man sich „draußen“ nicht trauen würde oder die gar sanktioniert würden. Farin schreibt dazu: „In einem Mob [so bezeichnet sich die Gruppe der Hooligans selbst - Anm. d. Verf.] werden Kinderträume wahr. Für wenige Stunden sind scheinbar alle Normen bürgerlichen Anstandes und Gesetzbuches außer Kraft gesetzt.“ 109
Zunächst - so Buford - hält man sich dabei noch an gewissen Grenzen, es gibt eine Schwelle, die nicht überschritten wird. Doch irgendwann wird die Masse diese Schwelle
105 Buford 1992, S. 187, a.a.O.
106 Diese Zahl ist aus dem Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Fan-Projektes Hannover in: Pilz, Gunter A.: Aufsuchende, „akzeptierende“ Jugend(sozial)arbeit mit gewaltfaszinierten, gewaltbereiten und „rechten“ Jugendlichen, 1994, auf:
www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Praktische_Arbeit/praktische_arbeit.ht ml
107 Pilz 1994, a.a.O.
108 Buford 1992, S. 207, a.a.O.
109 Farin 2001, S. 192, a.a.O.
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übertreten. „Dort in den Straßen von Tottenham habe ich die Gesichter beobachtet, wie sie sich konzentrieren, wie jeder von Moment zu Moment die Zuversicht, die Erregung oder einfach die emotionale Stärke in sich aufzubauen versuchte, die es ihnen allen erlauben würde, über die hohe Schwelle hinwegzusetzen, die sie von dem trennte, wo sie sein wollten. Die Absicht war, im übertragenen, buchstäblichen, historischen Sinne, eine ‚Transgression’, eine Überschreitung von etwas, was zu überschreiten verboten war. Alles sprach gegen diese Überschreitung. Alles, was man Tag für Tag tat, alle Gesetze, die man gelernt, anerkannt und befolgt hatte, die einem wieder und wieder eingeschärft worden waren, alle eingeschliffenen Gepflogenheiten des Verhaltens hinderten sie daran, den Schritt über die Schwelle zu tun.“ 110 Und wenn sie dann doch die Schwelle übertritt, wird die Masse mörderisch. Die Personen in der Masse werden zu „Menschen ohne Verstand, Urteils- und Unterscheidungsvermögen, die, weil zu eigenem Denken nicht fähig, anfällig sind für Agitatoren, äußere Beeinflussung, Infiltration, für Kommunisten, Faschisten, Rassisten, Nationalisten, Phalangisten und Spione. Menschen, die es nach Gehorsam dürstet (Le Bon), mit Lust an der Unterwerfung (Freud).“ 111 Die Einzelpersonen in der Masse handeln also nicht mehr aus ihren eigenen Antrieben heraus, sondern agitieren als Teil einer Masse. Sie tun, was alle tun. Die Masse zwingt sie förmlich zu einem gewissen Verhalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Massen einen gewissen Reiz ausüben, weil man sich dem - durch den Zivilisierungsprozess (vgl. auch Kapitel 2.3.2) entstandenen - „Ansich-halten“ zumindest für eine kurze Zeit entziehen kann. Die Gefahr besteht aber darin, dass die Masse einen mitreißt. „Die Masse ist wie ein Feuer, das außer Kontrolle gerät und alles vernichtet, was sich ihm in den Weg stellt, zuletzt sich selbst.“ 112 Die Einzelperson hat keine Kontrolle darüber, was in der Masse geschieht, manchmal auch nicht darüber, was sie selber im Mob tut. Um nicht missverstanden zu werden: Es soll hier nicht die Last von den Schultern der Hooligans genommen werden, sich für ihre Taten zu ver-antworten. Trotzdem machen die Ausführungen ein bisschen mehr verständlich, wie es passieren kann, dass Jugendliche von einem zum anderen Moment zu solch extremen Regelverletzungen fähig sind.
2.3.4 Gewalt bei den Fußballspielern
"Das Fairplay wird viel zu hoch gehängt. Ich werde bezahlt, um erfolgreich zu sein und da kann ich keine Rücksichten auf Fairplay-Bemühungen nehmen. Wenn ein Mittelstürmer durchgeht, dann erwarte ich von meinem Libero oder Vorstopper, wenn der andere zu schnell ist, dann erwarte ich nicht, daß er ihn ummäht, um das einmal so zu sagen, aber es wird auch
110 Buford 1992, S. 218, a.a.O.
111 vgl. Gustave Le Bon und Siegmund Freud, zit. von Buford 1992, S. 208, a.a.O.
112 Thomas Carlyle, zit. von Buford 1992, S. 207, a.a.O.
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viel geredet von einem humanen Foul. Zum Beispiel, daß er sich davorstellt, ihn blockt, d.h. sperrt ohne Ball. Das ist aber immer noch eine vernünftige Sache, d.h. ja nicht, daß er ihn ge-sundheitlich schädigen soll. Aber das erwarte ich von einem Spieler und da zeigt sich sicherlich einerseits eine gewisse Unsportlichkeit, die durch die Regeln auch geahndet wird, aber auf der anderen Seite auch eine gewisse Cleverness. Und wenn das nicht mehr der Fall ist, dann werden wir im Fußball sicherlich viele Einbußen haben.“ 113
Dass Gewalt von Zuschauern nicht nur durch gesellschaftliche Ursachen oder durch Persönlichkeitsmerkmale der Hooligans entsteht, will ich in diesem Kapitel verdeutlichen. Denn auch die konkreten Aktionen auf dem Rasen während des Spiels tragen dazu bei, dass der Gewalt auf den Rängen der Weg geebnet wird. Pilz spricht von einer „Wechselbeziehung von Sportler- und Zuschauergewalt“.
Die Formen körperlicher Gewalt im Sport werden zunächst in zwei Formen unterteilt: in expressive, affektive Gewalt und in instrumentelle, rationale Gewalt. „Expressive Gewalt meint gewalttätige Handlungen, die ohne Belastungen des sozialen Verhaltensstandards der jeweiligen Gesellschaft, Schicht oder Sportart bewegen, die lustbetont ausgeführt und lustvoll erlebt werden.“ 114 Auf der anderen Seite versteht man instrumentelle Gewalt als „genau kalkulierte, geplante, rational eingesetzte, die gesellschaftlichen und sportartspezifischen Gewaltstandards überschreitende Handlungen im Interesse eines übergeordneten Ziels (z.B. sportlicher Erfolg, finanzielle Gratifikationen).“ 115 Im Fuß-ballsport wurde der Versuch unternommen, durch Reglementierungen die expressive Gewalt, also die Angriffslust, aus dem Fußballsport zu verdrängen. So kam es zu einer Verschiebung von immer weniger expressiver zu mehr instrumenteller Gewalt (z. B. „fairen“ Fouls). Erkennen lässt sich das auch an den Regelentwicklungen im Fußballsport:
113 C-Jugend-Auswahltrainer Niedersachsens, Stockhausen, zit. von Pilz, in: Nitsch 1995, S. 30-51, a.a.O.
114 Pilz, Gunter A.: Körperliche Gewalt von Sportlern - Zum aktuellen Stand sportwissenschaftlicher Forschung, zit. aus: Pilz (Hrsg.) 1986, S. 37, a.a.O.
115 Pilz, zit. aus: Pilz (Hrsg.) 1986, S. 37, a.a.O.
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1990, S. 15)
So haben sich die Gewalthandlungen der Sportler zwar im Vergleich beispielsweise zu den Kampfspielen (wie Faust- und Ringkämpfe) während der antiken Olympischen Spiele im Sinne des Zivilisierungsprozesses (vgl. Elias) zunehmend humanisiert, trotzdem werden Regelverletzungen und offensive Gewaltanwendungen weniger stark sanktioniert als Gewalt in der Realität, vor allem dann, wenn sie im Sinne des Spielgeschehens fördernd sind oder als gerechtfertigt eingestuft werden (sprich wenn es sich um instrumentelle Gewalt handelt). Pilz geht sogar soweit, zu sagen: „Während auf der einen Seite der Kampf auf dem Spielfeld glorifiziert, die Gewalt auf dem Rasen legitimiert werden, werden die Gewalt, der Kampf auf den Rängen dramatisiert.“ 116 D.h. was von den Trainern und Spielern als „manchmal notwendig“ dargestellt wird, wird bei den Fans als kriminell oder gar als fußballfremd bezeichnet. „Merke: Fußballstars dürfen und müssen sich wehren, aggressiv zur Sache gehen, Fans sollen und müssen sich ducken, friedlich sein.“ 117
Eine besondere Brisanz bekommen diese Erkenntnisse, wenn man die Ergebnisse von verschiedenen Untersuchungen über Zuschauerverhalten 118 betrachtet. So wurde von Gabler/Schulze/Weber nachgewiesen, dass die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen nach den konsumierten Fußballspielen anstieg. Besonders bei Spielen, in denen es sehr hektisch zuging (viele Fouls, gelbe und rote Karten), stieg die Gewaltbereitschaft signifikant. 119 „Die Gewalt auf dem Rasen verstärkt also die Emotionalität und Aggressivität, die Gewaltbereitschaft auf den Rängen“ 120 , konstatiert Pilz. So schafft einerseits das Verhalten auf dem Rasen die Gewalt auf den Rängen, andererseits wird die selbst geschaffene Zuschauergewalt kriminalisiert.
Wie nun genau diese Wechselbeziehung zwischen Spieler- und Zuschauergewalt entsteht, beschreibt Pilz wie folgt: „Die Spieler begehen im Interesse des Erfolges absichtliche Fouls, die Zuschauer wiederum erwarten von den Sportlern, daß sie im Interesse des sportlichen Erfolges auch die Regeln übertreten. Verhalten diese sich entsprechend, verstärken sie wiederum die gewaltförmige Erwartungshaltung der Zuschauer […]. Die dabei
116 Pilz, zit. aus: Nitsch 1995, a.a.O.
117 Pilz, zit. aus: Becker, Peter/Pilz, Gunter A.: Die Welt der Fans, 1988, S. 95
118 So zum Beispiel Untersuchungen von Gabler/Schulz/Weber (1982) oder Smith (1983)
119 vgl. Pilz, Gunter A.: Gewalt im Umfeld von Fußballspielen: Ursachen und Möglichkeiten der Prävention, auf: www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Gewalt_im_Umfeld/gewalt_im_umfeld. html
120 Pilz, zit. aus Pilz, Gunter A.: Gewalt im Umfeld von Fußballspielen: Ursachen und Möglichkeiten der Prävention, a.a.O., auf:
www.hooligans.de/info_ueber/Uber_Hooligans/Wissenschaftliche_Texte/Gewalt_im_Umfeld/gewalt_im_umfeld. html
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Arbeit zitieren:
Ina Weigelt, 2003, Die Subkultur der Hooligans - Merkmale, Probleme, Präventionsansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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Ina Weigelt hat den Text Die Subkultur der Hooligans - Merkmale, Probleme, Präventionsansätze veröffentlicht
Ina Weigelt hat einen neuen Text hochgeladen
Ingo Tecquert hat den Text Die Subkultur der Hooligans - Merkmale, Probleme, Präventionsansätze kommentiert
Fighting Fans: Football Hooliganism as a World Phenomenon
Eric Dunning, Patrick Murphy, Ivan Waddington
Ingo Tecquert
rechtliche Würdigung von Drittort-Schlägereien.
Hallo,
Ich stelle mir die Frage, ob die Polizei bei verabredeten Drittort-Schlägereien überhaupt einschreiten muß. Ich sehe darin nichts anderes, als einen Boxkampf. Auch dabei verabreden sich die Kontrahenten zu einer, wenn auch reglementierten, Schlägerei. Gibt es dazu rechtliche Würdigungen?
am Thursday, October 16, 2008-