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Inhalt
1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 4
2. Theoretische Vorüberlegungen 7
2.1 Die Verwendung des Realienbegriffs 7
2.2 Zur Übertragung von Eigennamen 10
2.3 Erläuterung und Bewertung der Übertragungsverfahren 12
2.3.1 Die Übernahme des ausgangssprachlichen Ausdrucks (Übern) 13
2.3.2 Die Lehnbildung 15
2.3.2.1 Die Lehnübersetzung 15
2.3.2.2 Die Lehnübertragung 15
2.3.2.3 Die Lehnschöpfung (Ls) 16
2.3.3 Die lexikalische Anpassung (lexA) 16
2.3.3.1 Die lexikalische Anpassung durch Hyperonymie (lexA. 17
Hyper )
2.3.3.2 Die lexikalische Anpassung durch Hyponymie (lexA.Hypo) 17
2.3.3.3 Die lexikalische Anpassung durch Analogie (lexA.Ana) 17
2.3.4 Die Erläuterung (Erl) 18
2.3.5 Die Kombination (Komb) 18
2.4 Erläuterung der Maske 20
2.4.1 Die Indexfelder 20
2.4.2 Die Textfelder 21
2.4.3 Die Attributfelder 22
3. Überblick über die mexikanische Revolution 23
4. Mariano Azuela und „Los de abajo“ 28
4.1 Mariano Azuela: Arzt und Schriftsteller 28
4.2 Das literarische Werk Azuelas 33
4.3 Los de abajo 38
4.3.1 Zusammenfassung der Handlung 38
4.3.2 Autobiographischer Hintergrund von Los de abajo 42
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47 4.3.3 Entwicklung und Rezeptionsgeschichte
5. Untersuchung der Realien und Eigennamen aus Mariano Azuelas 50
6. Schlußbemerkung 216
7. Literaturverzeichnis 217
Anlage: CD-ROM mit der erstellten Multiterm-Datenbank und dem behandelten
Werk
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1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die Übertragung von Realienbezeichnungen gehört zu den größten Problemen, die Übersetzer bei der Ausübung ihrer Tätigkeit überwinden müssen. Gleichwohl begann die Übersetzungswissenschaft erst in jüngerer Zeit mit der Erforschung dieser Übersetzungsschwierigkeit. Mit der vorliegenden Arbeit soll ein nicht unerheblicher Beitrag zur Erstellung einer umfassenden Realiendatenbank sowie zur Forschung auf dem Gebiet der Realienproblematik geleistet werden. Auf das dabei verwendete Programm „Multiterm“ wird in Kapitel 2.4 kurz eingegangen.
Die Arbeit ist in ihrem Aufbau dreigeteilt: auf einen ersten sprachtheoretischen Abschnitt folgen eine Kurzbiographie des Romanautors Mariano Azuela sowie umfangreiche Informationen zum behandelten Korpus und dessen historischem Hinter-grund. Der dritte Part, auf dem der Schwerpunkt der Arbeit liegt, behandelt ausführlich sämtliche aus dem vorliegenden Roman herausgefilterten Realien. Dieser Teil basiert auf dem Ausdruck einer von mir nach bestimmten, für alle Bearbeiter verbindlich festgelegten Richtlinien erstellten Multiterm-Datenbank. Letztere liegt der Arbeit in Form einer CD-ROM bei. Um gute Lesbarkeit und Übersicht zu garantieren, war allerdings eine erhebliche Modifizierung des Rohausdrucks jener Datenbank notwendig. So wurde auf den in der Datenbank automatisch angelegten „Eintragskopf“ weitestgehend verzichtet, da die dort gemachten Angaben aus sprachwissenschaftlicher Sicht uninteressant und für den praktischen Nutzen unerheblich sind. Die beibehaltenen Felder, die sogenannte „Maske“, die den oben erwähnten allgemeingültigen Kriterien folgt, wird ebenfalls in Kapitel 2.4 erläutert.
Der Theorieteil ist bewußt kurz gehalten, da Zusammenfassungen der einschlägigen Betrachtungen zur Realienproblematik bereits vorliegen und insbesondere in früheren Diplomarbeiten ausgiebig behandelt wurden. Daher werde ich mich zu Gunsten der beiden anderen Teile auf die Erläuterung der der Arbeit zugrundeliegenden Realientheorie und die terminologische Abgrenzung der verwendeten Begriffe sowie auf eine allgemeine Erläuterung und Bewertung der verschiedenen Übertragungsverfahren beschränken.
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Dem landeskundlich-historischen Teil wird etwas mehr Raum gegeben, denn ein fundiertes kulturelles Hintergrundwissen ist für die gründliche Bearbeitung der Realien generell unabdingbar. Im vorliegenden Fall gilt dies in besonderem Maße, da der Roman - und damit die auftretenden Realien - unmittelbar in den historischen Kontext der mexikanischen Revolution eingebettet ist und sein Autor als Begründer einer ganzen literarischen Gattung Eingang in die lateinamerikanische Literaturgeschichte gefunden hat.
Der ausführlichste Teil ist jedoch der dritte. Er behandelt die aufgeführten Realien in alphabetischer Reihenfolge, wobei eine zusätzliche Unterteilung in Sachkapitel erfolgte. Die Aufgliederung wurde durch Einteilung der Einträge in große Kategorien erreicht und soll der Übersicht dienen. Aus eben diesem Grund wurde auch davon abgesehen, allzu viele Untergruppen zu bilden, wie dies in anderen Arbeiten geschehen ist. Bei Grenzfällen der Realienproblematik wurde in einem umfangreichen Kommentar begründet, warum der betreffende Eintrag dennoch in die Datenbank aufgenommen wurde. Das dies nur bei drei Lexemen der Fall war, wurde darauf verzichtet, diese in einem gesonderten Kapitel aufzuführen, um sie nicht aus dem inhaltlichen Gesamtzusammenhang des jeweiligen Sachkapitels zu reißen. Einen weiteren Sonderfall stellt der Begriff rancho dar, der gleich dreimal in der Datenbank vorkommt, weil er im Roman in drei unterschiedlichen Bedeutungen auftritt. In einer dieser Bedeutungen, hat rancho zwar keinen Realiencharakter 1 , doch zur Abgrenzung der anderen beiden Bedeutungen ist die Aufnahme meines Erachtens unabdingbar. Der Eintrag geht allerdings nicht die Statistiken ein.
Der dritte Teil soll, ebenso wie die noch zu erstellende Datenbank, nicht nur für Übersetzer, Studenten und Wissenschaftler, sondern darüber hinaus auch für jeden Interessierten Informationsquelle, Inspiration und Zeitersparnis sein. Somit ist er für einen sehr weiten Personenkreis von Interesse, denn er spricht auch den reinen „Anwender“ an, der sich nicht in verstärktem Maße für die theoretischen Überlegungen zur Realienproblematik interessiert, wenngleich diese selbstverständlich eine unverzichtbare Grundlage für die Erstellung der Datenbank bilden.
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Auf den Realienteil folgt eine Bearbeitung der im Text vorkommenden Eigennamen nach dem gleichen Muster. Hierbei wurden nur sogenannte „sprechende Namen“ berücksichtigt, d. h. solche Eigennamen, die eine semantische Komponente haben. In der Regel sind dies Spitznamen von Personen.
Im Anschluß findet sich eine vollständige statistische Auswertung der verwendeten Übertragungsverfahren mit einer Aufschlüsselung nach ihrer Wirkung. Danach komme ich zu einer Bewertung der gesamten Übersetzung. Zur besseren Übersicht und um schnelles Nachschlagen zu ermöglichen, fügt sich eine alphabetische Auflistung der behandelten Realienlexeme an. Abschließend wurde ein vollständiges Literaturverzeichnis sowie ein Verzeichnis der vor allem im Realienteil verwendeten Sigel erstellt.
1 Es handelt sich hierbei um die Eintragsnummer 90 der Realiendatenbank.
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2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Die Verwendung des Realienbegriffs
Es wurde in Kapitel 1 bereits angesprochen, daß die Übertragung von Realien den Übersetzer vor nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten stellt. Wie der Begriff „Übertragung“ andeutet, kann in vielen Fällen schon nicht mehr von einer Übersetzung im engeren Sinne gesprochen werden. Nun soll geklärt werden, was unter „Realien“ zu verstehen ist.
Vorab einige Bemerkungen zur Terminologie: Die Realienforschung ist zu weiten Teilen ein Produkt der Leipziger Schule. Wie auf vielen sprachwissenschaftlichen Gebieten, die von mehreren Personen parallel erforscht wurden und werden, besteht auch hier das Problem, daß fast jeder Autor seine eigene Terminologie entwickelt hat. Ich möchte mich in diesem Werk den Termini N. Cartagenas anschließen, der sich weitgehend in der Terminologie W. Kutz’ bewegt [vgl. CARTAGENA 1994:95ff.]. Das Objekt wird hier als „Realie“ bezeichnet, der Plural lautet „Realien“. Hinsichtlich des sprachlichen Zeichens wird von „Realienbezeichnung“, „Realienbenennung“ oder „Realienlexem“ gesprochen. Der gesamte Komplex aus Zeichen und Denotat, der bei Kutz nicht benannt ist, trägt die Bezeichnungen „Realie(n)“, „Realia“ bzw. „Spezifika“ oder „Kulturspezifika“. In den beiden letztgenannten Fällen werde ich meistens den Bezeichnungen „Realienlexem“ für das Zeichen und „Spezifika“ oder „Kulturspezifika“ für den Komplex den Vorzug geben.
Realien sind Gegenstände oder Sachverhalte, die in der Ausgangskultur, in diesem Fall in Mexiko, fest verankert und allseits bekannt sind. Das Realienlexem, das sprachliche Zeichen also, ist meist Bestandteil des Alltagswortschatzes. Im vorliegenden Fall muß allerdings die Einschränkung gemacht werden, daß es sich nicht um den Alltagswortschatz aller Mexikaner handelt, sondern in erster Linie um den der Landbevölkerung zur Zeit der mexikanischen Revolution, d.h. zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Realienlexeme bezeichnen somit Kulturspezifika der Ausgangskultur, die der großen Mehrheit der Leser der Zielkultur unbekannt oder
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nur in stark abweichender Form bekannt sind. Eine Ausnahme bilden hier selbstverständlich alle Personen, die sich privat oder beruflich verstärkt mit der mexikanischen Kultur beschäftigen.
Je unterschiedlicher die beiden betroffenen Kulturen sind, desto weniger Wissen kann beim zielsprachlichen Leser vorausgesetzt werden und desto schwieriger gestaltet sich demzufolge auch die Übertragung. Wenn das Spezifikum in der Zielkultur unbekannt ist, gibt es auch kein festes Zeichen dafür in ihrer Sprache, und der Übersetzer stößt auf das Phänomen der sogenannten Nulläquivalenz [vgl. KADE 1968:81] bzw. der Eins-zu-Null-Entsprechung [vgl. KOLLER 1992:232]. Es gilt anzumerken, daß Realien nicht in einer Kultur an sich bestehen. Der Realiencharakter wird ihnen erst durch das Aufeinandertreffen mit einer zweiten Kultur verliehen - und genau dies geschieht bei der Übersetzung. So bestehen beispielsweise für das Sprachenpaar (und Kulturpaar) mexikanisches Spanisch - amerikanischesEnglisch ganz andere Realien als für das von mir bearbeitete Paar mexikanisch - deutsch. Generell gilt: je weiter die Kulturen voneinander entfernt sind, desto seltener kann der Übersetzer auf Lexeme zurückgreifen, die zumindest Ähnliches bezeichnen. Genaueres zu den Übertragungsmöglichkeiten und deren Wirkung findet sich im Kapitel 2.2.
Bei der Entscheidung, ob ein Denotat als Realie zu bezeichnen ist und das von der deutschen Sprachgemeinschaft verwendete Zeichen als Fremdwort, das keinesfalls zum gemeinsprachlichen Wortschatz gerechnet werden kann, ließ ich mich in der Regel vom einbändigen DUDEN (DUW) leiten. Bisweilen wurde ein Begriff jedoch trotz Lemmatisierung als nicht internalisiert betrachtet. Ausschlaggebend hierfür war die Befragung deutscher Muttersprachler. War diesen trotz ihres überdurchschnittlichen Bildungsniveaus (es waren Studenten oder Lehrer) weder das Denotat noch das Lexem vertraut, d. h. kannten sie das Lexem nicht oder hatten sie extrem unklare, wenn nicht sogar falsche Vorstellungen von dessen Bedeutung, so kam ich zu dem Schluß, daß es sich um eine Realie handeln müsse (vgl. Kommentar zu „Kazike“ in Kapitel 5.1.1).
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Bei der Bearbeitung von Realien besteht häufig die Gefahr, sie mit lexikalischen Lücken zu verwechseln. Die Abgrenzung bereitet einige Schwierigkeiten, weil die Entscheidung darüber, ob ein Gegenstand oder Sachverhalt in Ausgangs- und Zielkultur gleichermaßen existiert bzw. bekannt ist, oder ob doch wesentliche Unterschiede bestehen, letztendlich dem Übersetzer zukommt und daher nach subjektiven Kriterien getroffen wird. Gerade im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad gewisser Spezifika ist der Übersetzer jedoch eine denkbar schlechte Instanz, denn im Idealfall hat er sich bereits vor der Übersetzung intensiv mit der Ausgangskultur beschäftigt und deshalb ein wesentlich umfangreicheres Wissen als der Durchschnittsleser. Aus diesem Grund habe ich bei der Entscheidung, ob eine Realie vorlag oder nicht, häufig Freunde und Bekannte zu Rate gezogen, denen ich an dieser Stelle herzlich für ihre Geduld danken möchte.
Da ich mich bemüht habe, meine theoretischen Vorüberlegungen zwar so ausführlich wie nötig, aber letztendlich doch in aller Kürze darzustellen, möchte ich hier noch auf die einschlägige Literatur zur Realienproblematik verweisen. Grundlagen und weitergehende Überlegungen finden sich u. a. bei CARTAGENA, KADE, KOLLER, KUTZ und NIELSCH (vgl. Literaturverzeichnis). Grundlagen der Theorie der Eigennamen, die im nächsten Kapitel behandelt werden, finden sich außerdem noch bei JÄGER.
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2.2 Zur Übertragung von Eigennamen
Die Übersetzung von Eigennamen ist ebenfalls eines der großen übersetzungswissenschaftlichen Probleme, bisweilen wird sogar ihre Übersetzbarkeit an sich in Frage gestellt. Im Kontext dieser Arbeit wird nur ein kleiner Teil der Eigennamen behandelt, nämlich die Klasse der sogenannten „sprechenden Eigennamen“. Diese „bewußt motivierten“ Namen [vgl. GLÄSER 1976:17] stellen Grenzfälle der Realienproblematik dar. 2 Sie können weder als Realien schlechthin betrachtet werden, noch kann man sie ganz von der Realienproblematik abspalten [vgl. Cartagena 1994:94]. Aus diesem Grunde werden sie in dieser Arbeit im Anschluß an den Realienteil gesondert betrachtet und gehen auch nicht in die abschließende Statistik ein.
Gert und Sonja Jäger unterscheiden vier Möglichkeiten für die Übertragung von Eigennamen. Diese sind „1. Wiedergabe durch Übersetzung; 2. Wiedergabe durch die einheimische Form; 3. Wiedergabe durch phonologische Kalkierung; 4. Wiedergabe durch phonologische Kalkierung und eine erläuternde Apposition.“ [JÄGER, zit. nach Gläser 1976:14]. Bei sprechenden Eigennamen ist in der Regel die Übertragung des semantischen Gehalts wichtiger als die Wahrung des Lokalkolorits durch die äußere Form des Namens, denn der Autor will durch die bewußte Wahl dieser Namen etwas aussagen. Deshalb kann für den Übersetzer nur die erste Möglichkeit, die Wiedergabe durch Übersetzung in Frage kommen.
Im bearbeiteten Roman Los de abajo entstammen die sprechenden Eigennamen, stets Spitznamen von Personen, überwiegend der Realität. Auch wenn dies bedeutet, daß sie nicht vom Autor selbst gewählt wurden, so hat es doch etwas zu sagen, wenn er sie in seinem Buch verwendet. 3 Leider ist Klaus Jetz, Übersetzer der Fassung von 1992, offensichtlich nicht dieser Auffassung. Er hat die sprechenden Eigennamen durchweg übernommen, ohne den Leser etwas über ihre Bedeutung wissen zu lassen und damit das Lokalkolorit über die Wiedergabe des semantischen Gehalts gestellt. Ganz anders verfuhr dagegen Dr. Hans Dietrich Disselhoff, der das Werk im Jahre
2 Eine gegensätzliche Ansicht vertritt G. Nielsch, die Eigennamen grundsätzlich zu den Realien
rechnet [vgl. NIELSCH 1981:168].
3 vgl. hierzu das Zitat Mariano Azuelas auf Seite 44.
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1930 übersetzte. Er übertrug sämtliche Spitznamen ins Deutsche, wenngleich er einige Male etwas seltsam anmutende Lösungen wählte. 4
Ich schließe mich der Meinung R. Gläsers an, wenn sie feststellt, daß die Entscheidung hinsichtlich der Wiedergabeart von Eigennamen letztlich dem Übersetzer überlassen bleibt. Diese Entscheidung muß aber stets von Neuem und in Abhängigkeit von der Intention des jeweiligen Textes getroffen werden.
4 vgl. die Kommentare zu den Eigennamen im Ausdruck der Multiterm-Datenbank, S. 192-198.
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dungen hinsichtlich seiner Übersetzungsstrategie treffen. Bei der Übertragung von Realien stellt sich diesbezüglich vor allem eine Frage: Soll bei der Wahl der Übertragungsverfahren verstärkt auf den Erhalt des Lokalkolorits geachtet werden oder ist es angebrachter, die Informationsvermittlung in den Vordergrund zu rücken? Ein Entscheidungskriterium kann das (vermutete) sprachlich-kulturelle Vorwissen des zielsprachlichen Lesers sein, welches wiederum stark von dem Kontakt zwischen Ausgangs- und Zielkultur abhängig ist (vgl. Kapitel 2.1). So können beim deutschsprachigen Leser wohl wesentlich weniger Kenntnisse über Mexiko vorausgesetzt werden als beispielsweise über die klassischen Urlaubsländer Italien, Spanien oder Frankreich. Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Wahl der Übersetzungsmethode ist auch der kontextuelle Zusammenhang. Nicht alle möglichen Lösungen lassen sich gleich gut in einen bestimmten Text einbauen.
Im vorliegenden Fall hat der Übersetzer des Romans offensichtlich versucht, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Optionen „Lokalkolorit“ und „Information“ zu schaffen. Welche Verfahren er dabei gewählt hat, wird im folgenden erläutert.
Es lassen sich fünf Verfahren zur Überwindung der denotativen Nulläquivalenz festhalten [vgl. CARTAGENA 1994:96], wobei die in Klammern angegebenen Abkürzungen der Übertragungsverfahren den in der Multiterm-Datenbank verwendeten Kürzeln entsprechen. Als sechste Möglichkeit bleibt dem Übersetzer die Auslassung (Ausl). Auf dieses wenig rühmliche Verfahren wird erschreckend häufig zurückgegriffen, bisweilen bleiben ganze Seiten oder Abschnitte - kommentarlosunübersetzt. Dem Autor der behandelten Übersetzung muß an dieser Stelle Hochachtung ausgesprochen werden, denn es konnte nur in einem Fall, nämlich bei mocho [AZUELA 1993:55] eine Auslassung festgestellt werden. Da dies bei einem Lexem geschah, das an anderer Stelle sehr wohl übertragen wurde, kann man davon ausgehen, daß syntaktisch-stilistische Gründe ausschlaggebend waren.
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Wie bei den meisten übersetzten Texten kam es auch im behandelten Werk zu fehlerhaften Übersetzungen (fehlerh Übers). Dies ist bedauerlich, aber in der Praxis selbst bei genauesten Recherchen und umfangreichen Kenntnissen der Materie kaum zu vermeiden.
die Zielsprache übernommen. Eventuell werden dabei Anpassungen an die „phonetischen, graphemischen und / oder morphologischen Normen“ [KOLLER 1992: 233] der Zielsprache vorgenommen.
Von drei Ausnahmen abgesehen konnte im vorliegenden Werk keine reine Übernahme eines Realienlexems gefunden werden. In den übrigen Fällen wurde die Übernahme nur in Verbindung mit einer Erläuterung in dem sich dem Roman anschließenden Glossar festgestellt. Dabei wurden die ausgangssprachlichen Ausdrücke stets orthographisch exakt übernommen und im laufenden Text kursiv gedruckt. Dies macht dem Leser deutlich, daß er das betreffende Lexem bei Interesse im Glossar nachschlagen kann und dort eine kurze Erläuterung findet. Da sich nicht alle Leser für die Einzelheiten der mexikanischen Kultur - und in diesem Fall vor allem auch der Geschichte - begeistern können und manche ihr Hauptinteresse beispielsweise eher auf das Fortschreiten der Handlung richten, halte ich diese Lösung im allgemeinen für empfehlenswert. Auf diese Weise kann sich der bildungshungrige Leser informieren, und derjenige, der die etwas leichtere Lektüre zur Entspannung bevorzugt, muß sich nicht gegen seinen Willen belehrt fühlen. Andererseits informiert der Kursivdruck - bzw. dessen Fehlen - den interessierten Leser auch darüber, welche Begriffe er nicht im Glossar findet. So wird der Fall vermieden, daß er auf der Suche nach weiteren Informationen die betreffenden Begriffe vergeblich im Glossar nachzuschlagen versucht. Dies würde nach eigener Erfahrung sehr bald zu Frustration und damit dazu führen, daß auch im Bedarfsfall nicht mehr nachgesehen wird. Trotz der eben dargelegten unbestreitbaren Vorzüge ist ein Glossar nur dann zu befürworten, wenn für das Textverständnis umfangreiche
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Informationen notwendig sind, die in keinem Fall sinnvoll in den laufenden Text eingegliedert werden können.
Es sei bemerkt, daß W. Koller bei der (reinen) Übernahme zwei Fälle unterscheidet, von denen jeder durch die oben erwähnten Ausnahmen vertreten ist [vgl. KOLLER 1992:233]. Bleibt das übernommene Lexem unverändert, so spricht er von einer Übernahme als Zitatwort oder Fremdwort. Im bearbeiteten Roman trifft dies auf die Behandlung von centavo [AZUELA 1993:51 / AZUELA 1992:49] zu 5 . Kommt es dagegen zu einer vollständigen oder zumindest teilweisen Anpassung an die Normen der Zielsprache, ist von einer Übernahme als Lehnwort die Rede. Dies wäre der Fall bei der Übertragung von cacique mit Kazike [u. a. AZUELA 1993:11 / AZUELA 1992:9] sowie bei der Wiedergabe von hacienda mit Hazienda [u.a. AZUELA 1993:65 / AZUELA 1992:62]. Diese Unterscheidung wird bei Cartagena nicht gemacht und tritt im vorliegenden Fall ob des Mangels an Beispielen auch in den Hintergrund.
Unbestreitbarer Vorteil der Übernahme ist der Erhalt des Lokalkolorits. Der Leser ist sich ständig dessen bewußt, daß der Roman in Mexiko oder zumindest in einem lateinamerikanischen Land spielt. Leider gibt das übernommene Lexem dem zielsprachlichen Leser in aller Regel keinerlei Aufschluß über die Sache, die es bezeichnet, es sei denn, der Kontext erleuchtet dessen Bedeutung. Der primär vermittelte Informationsgehalt geht also gegen Null. Sekundär wird natürlich die schon erwähnte Fremdartigkeit an den Leser herangetragen. Aus diesem Grunde kann die reine Übernahme meines Erachtens nur sinnvoll sein, wenn der Kontext die verlorengehenden Informationen kompensiert oder wenn es wirklich nahezu ausschließlich um die Vermittlung der kulturellen Differenz geht. Im Normalfall ist jedoch die Kombination mit anderen Übertragungsverfahren empfehlenswert, eine Vorgehensweise, die sich auch der Übersetzer des vorliegenden Werkes zum Grundsatz gemacht zu haben scheint. Zum Verfahren der Kombination wird später noch einiges gesagt werden.
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Lexeme gebildet, die sich in Form und Inhalt an den ausgangssprachlichen Ausdruck anlehnen. Auf diese Weise werden dem Leser Informationen vermittelt, wenn auch zu Lasten des Lokalkolorits. N. Cartagena teilt die Übertragung mittels einer Lehnbildung „in Anlehnung an Lewandowski“ in drei Untergruppen auf [vgl. CARTAGENA 1994:96]:
chen Realienlexeme in die Zielsprache [vgl. CARTAGENA 1994:96 sowie KOLLER, 1992:233, bei dem sich auch zahlreiche Beispiele finden]. Diese Methode wurde im behandelten Roman nie verwendet, wird aber in einem Fall als Übersetzungslösung vorgeschlagen: „Wie aus der Definition in MDA zu ersehen, werden Blumen in Südamerika (...) oftmals auch nach Daten (...) benannt. (...). Um dieses Element zu erhalten, wäre es sinnvoll, „rosa de San Juan“, ebenso wie „flor de San Juan“, mit der Lehnübersetzung „Johannisrose“ zu übertragen.“ [Kommentar zu „rosa de San Juan“, S 126].
Durch Expansion, Reduktion oder Modifikation des Realienlexems wird versucht, möglichst den gesamten Bedeutungsumfang in der Zielsprache wiederzugeben [vgl. CARTAGENA, 1994:96]. Nach G. Nielsch ist die Lehnübertragung neben der Umschreibung - in dieser Arbeit wird der Begriff Erläuterung bevorzugt - „das leistungsfähigste und häufigste Verfahren der Äquivalenzfindung“ [NIELSCH 1981:71]. Sie führt als Beispiel für die Lehnübertragung u. a. die Wiedergabe von
5 vgl. auch den Kommentar zu „centavo“, S.183
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Schöffe mit assesseur populaire im Französischen an [vgl. NIELSCH 1981:71]. Der qualitativen und quantitativen Einschätzung Nielschs zuwiderlaufend konnte keine einzige Lehnübertragung im behandelten Roman festgestellt werden. Von der Methode der Erläuterung dahingegen wurde sehr häufig Gebrauch gemacht.
Lexems [zielsprachlichen Lexems] ohne jegliche formale Anlehnung an das QS-Vorbild [quellsprachliche Vorbild]“ [KUTZ 1977:256]. Auch diese dritte Form der Lehnbildung war im behandelten Werk nur ein einziges Mal zu finden, nämlich bei der Übertragung von cacique mit Dorftyrann [AZUELA 1993:92 / AZUELA 1992:90]. Wie die zahlreich, aber vergeblich herangezogenen Nachschlagewerke bestätigen, ist Dorftyrann im deutschen Wortschatz nicht internalisiert und damit eine okkasionelle Bildung, d.h. eine im Augenblick des Niederschreibens geschaffene Lehnschöpfung.
2.3.3 Die lexikalische Anpassung (lexA.)
Auch hier unterscheidet N. Cartagena drei Unterformen [vgl. CARTAGENA 1994:96]: Anpassung durch Verwendung von Hyperonymen, durch Verwendung von Hyponymen oder durch Verwendung von Zeichen analoger Bedeutung. Die lexikalische Anpassung konnte in allen drei Formen extrem häufig festgestellt werden. Sie hat den Vorteil, daß dem zielsprachlichen Leser Informationen vermittelt werden, die dem Textverständnis dienlich sind, jedoch um den Preis, daß das Lokalkolorit weitgehend verschwindet. Vor allem bei einer Häufung der Anpassung durch Analogie wird das Geschehen mehr und mehr in die Zielkultur übertragen, weswegen m. E. mit dieser Methode äußerst vorsichtig umgegangen werden sollte.
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sprachliche Ausdruck in der Zielsprache durch einen Oberbegriff ersetzt, der den ersten semantisch enthält. Ein Beispiel ist die Wiedergabe von jitomate, der Bezeichnung für eine bestimmte Tomatenart, mit Tomate [AZUELA 1993:42 / AZUELA 1992:41].
sprachlichen Ausdrucks mit einem Lexem, das in der Zielsprache einer begrifflichen Untergruppe angehört, so wie z. B. Hochlandbauern eine Teilmenge von arribeños, der mexikanischen Bezeichnung für Hochlandbewohner, darstellt [AZUELA 1993:41 / AZUELA 1992:39].
übertragen, der semantisch nicht an das Original gebunden ist, in der Zielkultur jedoch in etwa den gleichen Stellenwert hat. Dies geschieht beispielsweise bei der Wiedergabe von fanega mit Scheffel, denn beide Begriffe bezeichnen alte Hohlmaße, deren Fassungsvermögen jedoch differiert [u. a. AZUELA 1993:110 / AZUELA 1992:106f]. Zu der sich daraus gerade bei Maßeinheiten und Währungen ergebenden Problematik vgl. auch den Kommentar zu legua, S. 187.
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2.3.4 Die Erläuterung (Erläuterung)
Bei der Erläuterung wird die Bedeutung des Realienlexems syntaktisch frei umschrieben. Diese „definitorische Umschreibung“ [KOLLER 1992: 233] kann entweder in den laufenden Text integriert werden oder in Form einer Fußnote, einer Anmerkung oder eines Glossareintrags am Seitenende stehen bzw. an den Text angehängt werden. Zwei Beispiele für eine erläuternde Apposition im Text sind die Wiedergabe von mezquite mit Mezquitebaum [AZUELA 1993:15 / AZUELA 1992:17] und die Übertragung von otate mit eine aus Pflanzenfasern geflochtene Scheide [AZUELA 1993:33 / AZUELA 1992:32]. Wie C. Kaiser [KAISER 1992:27] in Anlehnung an R. Gläser [GLÄSER 1976:14] richtig bemerkt, kann in Fällen wie dem des ersten Beispiels eine semantische Tautologie entstehen, die jedoch den unbestreitbaren Vorteil hat, daß sie sowohl das Lokalkolorit bewahrt als auch informiert und deshalb vertretbar ist. Wurde im behandelten Werk die Erläuterung mittels eines Eintrags in das Glossar gewählt, so geschah dies immer in Kombination mit einer Übernahme des ausgangssprachlichen Lexems als Fremdwort. Näheres dazu findet sich im Unterkapitel 2.3.5.
Im vorliegenden Text wurde die Erläuterung, deren Schwerpunkt ebenfalls auf der Informationsübermittlung liegt, häufig verwendet, wobei vom Gebrauch der Fußnote jedoch abgesehen wurde. Daß die gewählte Umschreibung nicht immer als glücklich zu bezeichnen ist, beleuchten die Kommentare zu chomite [S. 137] und guarache [S. 144].
2.3.5 Die Kombination (Komb)
Unter Kombination wird die gleichzeitige Anwendung verschiedener Übertragungsverfahren verstanden. In dem dieser Arbeit zugrundeliegenden Roman handelt es sich dabei ausschließlich um die Kombination von Übernahme und Erläuterung. Dabei wurde, wie oben schon erläutert, das Realienlexem als Fremdwort in den zielsprachlichen Text übernommen und durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Die zuge- hörige Erläuterung findet sich im Glossar am Ende des Romans. Als Beispiel sei hier
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die Bearbeitung des Lexems charamusquero angeführt: Der betreffende Satz lautet: „Zwei Männer fehlten: Serapio, der charamusquero, und Antonio, der in der Blaskapelle von Juchipila immer das Becken schlug.“ [AZUELA 1992:16]. Im Glossar findet sich unter charamusquero folgendes: „Von charamusca = Süßigkeit aus Zucker in Form eines Korkenziehers, Bezeichnung für die Person, die diese Süßigkeit herstellt oder verkauft.“ [AZUELA 1992:143]. Auf diese Weise wird sowohl das Lokalkolorit gewahrt als auch Aufschluß über die Bedeutung des ausgangssprachlichen Lexems gegeben.
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2.4 Erläuterung der Maske
Um mit Hilfe des Programms „Multiterm“ eine EDV-gestützten Realiendatenbank erstellen zu können, muß vorher eine sogenannte „Maske“ angelegt werden, eine Art elektronisches Formblatt, in das die einzelnen Einträge eingefüllt werden. Dieser vollständige Eintrag soll im folgenden als Hauptteil bezeichnet werden. Die Maske kann völlig frei angelegt werden, doch für das Schaffen einer zentralen Datenbank ist es sinnvoll, für alle Bearbeiter der Teilbereiche einheitliche Kriterien für die Erstellung dieser Maske festzulegen.
Jeder Eintrag der Realiendatenbank besteht neben dem Hauptteil noch aus dem Eintragskopf, der vom System automatisch angelegt wird und Informationen wie beispielsweise das Anlagedatum des jeweiligen Eintrags oder den Namen der zugehörigen Grafikdatei enthält, sofern eine solche vorhanden ist. Aus dem Eintragskopf wird im Realienteil dieser Arbeit nur die ebenfalls automatisch vergebene Eintragsnummer angegeben, der Ausdruck des Hauptteils bleibt inhaltlich ungekürzt. Grafiken und Bilder wurden, soweit vorhanden, mit ausgedruckt.
Die verwendete Maske besteht aus drei Feldtypen: Indexfeldern, Textfeldern und Attributfeldern.
eingetragen. Gefundene Synonyme folgen in weiteren Indexfeldern innerhalb desselben Eintrags. Nur wenn auf diese Indexfelder jeweils ein Textfeld „Kontext“ folgt, wurde das betreffende Realienlexem im Roman auch registriert. Andernfalls stammen die Synonyme aus Definitionen oder anderen Quellen. Für das Indexfeld „Deutsch“ gilt Entsprechendes.
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„Querverweis“ angelegt.
Die Definitionsfelder definieren das vorangegangene Realienlexem bzw. dessen zielsprachliche Form. Meist bestehen pro Indexfeld mehrere Definitionsfelder.
Das Textfeld „Quelle“ gibt die Herkunft der vorangehenden Definition bzw. des vorangehenden Kontextes an. Aufschluß über die als Abkürzung der Quelle verwendeten Sigel gibt das dem Literaturverzeichnis angehängte Sigelverzeichnis.
In den Kontextfeldern findet sich das behandelte Lexem im betreffenden spanischen oder deutschen Textzusammenhang. Der zitierte Text wurde so ausgewählt, daß er nicht unnötig lang ist, das betreffende Lexem aber in einem sinnvollen Zusammenhang steht. Bedingt durch die bisweilen sehr unterschiedliche Satzstruktur der beiden Versionen können sich die zitierten Passagen in beiden Sprachen jedoch nicht immer absolut entsprechen.
Ein Kommentarfeld wurde ebenso wie das Feld „Querverweis“ nur bei Bedarf angelegt. Ersteres enthält neben kritischen Bemerkungen hinsichtlich des vom Übersetzer gewählten Übertragungsverfahrens und einem eigenen Übertragungsvorschlag auch zusätzliche Informationen, die meine Kritik gegebenenfalls untermauern sollen. Bei den von mir gemachten Übersetzungsvorschlägen handelt es sich, wie der Name schon sagt, nur um Anregungen. Damit bietet sich meines Erachtens zwar eine Verbesserung gegenüber der autorisierten Übersetzung, es wird aber selbstverständlich kein Anspruch auf Perfektion erhoben, denn eine subjektive Färbung der Beurteilungskriterien einer Übersetzung ist unvermeidbar. Der Leser ist eingeladen, sich seine eigenen kritischen Gedanken zu machen.
Mit dem Feld „Querverweis“ schließlich wird auf andere Einträge verwiesen, die aus unterschiedlichen Gründen von Interesse sind. Dieses Feld wurde jedoch nur angelegt, wenn der Querverweis nicht in den laufenden Text des Hauptteils integriert
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werden konnte. In der hier vorliegenden gedruckten Fassung wird ein Querverweis durch das Zeichen vor dem betreffenden Begriff kenntlich gemacht. In der Multiterm-Datenbank erscheinen Querverweise farblich abgehoben und können durch Mausklick nachgeschlagen werden.
lich die Felder „Bereich“, „Fachgebiet“, „Grammatik“ und „Übertragung“.
Das Bereichsfeld kann den Inhalt „Realia“ oder „sprechende Eigennamen“ („sprech. EN“) haben, wobei die große Mehrheit der Datenbankeinträge dem Bereich „Realia“ zugehörig ist. Für den in Kapitel 1 bereits beschriebenen Sonderfall rancho wurde kein Bereichsfeld angelegt. Der Bereich „sprechende Eigennamen“ wird in einer gesonderten Datenbank behandelt.
Die Fachgebietszugehörigkeit der Realien wird im Feld „Fachgebiet“ angegeben. Eine Liste der hierfür verwendeten Abkürzungen findet sich am Ende der Arbeit.
Das Grammatikfeld enthält Informationen über Genus und Numerus des betreffenden Lexems sowie zusätzliche Angaben wie „dim“ für „diminutivo“ bzw. „Diminutiv“ und „col“ für „coloquial“ bzw. „umgangssprachlich“.
Im Feld „Übertragung“ findet sich das Übertragungsverfahren. Die Möglichkeiten der Übertragung sowie die verwendeten Abkürzungen können in Kapitel 2.3 nachgelesen werden.
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- vormals liberaler - Kämpfer gegen Kaiser Maximilian von Habsburg (1832-1867) sowie in den Aufständen gegen seine Amtsvorgänger Benito Juarez (1806-1872) und Sebastián Lerdo de Tejada (1827-1889) einen Namen gemacht hat, durch einen Auf-stand an die Macht. Seine 35-jährige Regierungszeit wird als Porfiriat („porfiriato“) bezeichnet. Die Diktatur bringt zwar eine rasche Modernisierung des Landes mit sich, führt aber auch zu einer Ausdehnung des Großgrundbesitzes, insbesondere durch Auflösung des dörflichen Gemeinbesitzes (der Ejidos, für deren Rückgabe und Wiedereinrichtung Emiliano Zapata (1883-1919) während der Revolution so vehement eintrat), und damit zur Enteignung der Indios. Bei den Kleinbauern, welche die Leidtragenden der Politik Diaz’ sind, wachsen Unzufriedenheit und Bereitschaft zum bewaffneten Widerstand.
Im Jahre 1909 erklärt Porfírio Díaz in einem Interview mit dem nordamerikanischen Journalisten Creelman, Mexiko sei jetzt bereit für die Demokratie und er würde es begrüßen, wenn er bei der nächsten Präsidentschaftswahl erstmals einen Gegenkandidaten hätte. Die liberale Fraktion stellt daraufhin Francisco Indalecio Madero (1873 - 1913) auf. Dieser hatte schon 1908 die Schrift „La sucesión presidencial en 1910“ veröffentlicht und in ihr die erneute Wiederwahl Díaz’ für illegal erklärt. Als der Diktator jedoch erkennt, daß die Opposition gegen ihn wächst, und Madero eine ernstzunehmende politische Gefahr bedeutet, läßt er ihn gefangennehmen und erklärt sich erneut selbst zum Präsidenten. Doch Madero kann fliehen und veröffentlicht kurz darauf den „Plan de San Luis Potosí“ (1910), in dem er sich zum provisorischen Präsidenten erklärt und zum Sturz Díaz’ aufruft. Der Plan enthält weitere radikale Forderungen und wird als Programm der Revolution betrachtet. Es kommt in einigen Teilen Mexikos zu Erhebungen gegen Díaz und schließlich zum Ausbruch der Revolution.
Die Ergebnisse der Volkszählung von 1910 verdeutlichen die soziale und wirtschaftliche Lage des Landes: Unter anderem wird ein durchschnittlicher Analphabe- tismus von 20% festgestellt, in einigen Gebieten liegt die Rate bei über 50%. Ferner
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ergibt sich, daß die USA 90% der Ölvorkommen in Mexiko kontrollieren und daß 834 Großgrundbesitzer große Teile des bebauten Landes unter sich aufteilen, auf dem drei Millionen arme Bauern arbeiten. [vgl. JRLDA 215] Auch bei Tobler finden sich interessante Zahlen: Im gleichen Jahr leben in Jalisco, dem bevölkerungsreichsten Agrarstaat Mexikos 65,5 % der Bevölkerung auf Haziendas in einem mehr oder minder ausgeprägten Abhängigkeitsverhältnis. Nur 33,4 % der Menschen leben in freien Dörfern. Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu den statistischen Ergebnissen in anderen Staaten. In Morelos beispielsweise sind 74,1 % der Bewohner frei und nur 23,7% leben auf Haziendas [vgl. TOBLER 1992:187].
Im Jahr 1911 kommt es im Süden zu einer Bauernerhebung unter der Führung von Emiliano Zapata als Reaktion auf die Begünstigung des Großgrundbesitzes durch die porfiristische Regierung und die damit verbundene wirtschaftliche Verdrängung der Bauern. Ziel ist es, eine Wiederherstellung der alten Besitzverhältnisse zu erkämpfen.
Im Mai jenes Jahres wird Díaz gestürzt und flieht nach Europa. Bis Dezember wird eine Interimsregierung eingesetzt. Danach wird Madero, inzwischen geistiger Führer der Revolution, zum neuen Präsidenten gewählt. Vor allem im Norden des Landes formieren sich daraufhin zahlreiche lokale Rebellenformationen gegen die porfiristische Führungselite. Die schon in diesem frühen Stadium vorhandene Heterogenität der Revolutionsbewegung wird nie ganz überwunden und erschwert die Aufstellung eines gemeinsamen Programms der Revolution erheblich.
Schon bald zeigt sich, daß der nachgiebige Madero für sein neues Amt wenig geeignet ist und die Geschehnisse im Land nicht in den Griff bekommt. Auch sein überwiegend konservatives Programm, das keinen radikalen Machtwechsel und vor allen Dingen keinen Austausch der porfiristischen Beamten und Mandatsträger vorsieht, führt selbst in den eigenen Reihen zu wachsender Unzufriedenheit. Die Rebellenführer Emiliano Zapata und Pancho Villa (1878-1923) erkennen rasch das mangelnde Durchsetzungsvermögen Maderos. Sie stellen sich dem Präsidenten entgegen, und Zapata verlangt in seinem „Plan de Ayala“ (1911) eine bessere Landverteilung in Mexiko.
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Im März 1912 kommt es unter Pascual Orozco (1882-1916) zu einem Aufstand gegen die maderistische Regierung, die in den Augen vieler die Ideale der Revolution verraten hat. Die Einheiten Orozcos können zunächst beträchtliche militärische Erfolge verzeichnen, müssen sich aber letztlich den Regierungstruppen unter dem porfiristischen General Victoriano Huerta (1845-1916) geschlagen geben.
Im Februar 1913 ergreift General Huerta jedoch selbst die Macht und läßt Madero heimlich ermorden. Orozco, der ebenfalls den Sturz Maderos herbeiführen wollte, schließt sich nun seinem früheren Gegner an, um zusammen mit den Regierungstruppen („federales“) gegen die sich langsam formierenden Konstitutionalisten („constitucionalistas“) vorzugehen. Das Ziel der „federales“ ist die Wiederherstellung der alten Ordnung, doch der Militärputsch Huertas entfacht den Bürgerkrieg erneut. Von der Ermordung Maderos provoziert, schließen sich viele Männer, die bis dahin nur passive Befürworter der Revolution waren, der Erhebung gegen den neuen Präsidenten an. Sie werden noch durch die Nachricht bestärkt, daß manche regionale Regierungen das Huerta-Regime nicht anerkennen und Pancho Villa (sein richtiger Name lautete Doroteo Arango Villa) und seine División del Norte erneut zu den Waffen gegriffen haben. Die Entstehung weiterer Rebellenformationen im Norden des Landes läßt auch die zapatistischen Einheiten im Süden den Kampf gegen den „Usurpator“ [vgl. TOBLER 1992:142] aufnehmen. Es bilden sich zwei Hauptzentren der Revolution: im Norden kämpfen die Konstitutionalisten unter der Führung von Pancho Villa und Álvaro Obregón (1880-1928), während die Bauernerhebung im Süden von Emiliano Zapata angeführt wird. In Mariano Azuelas Heimatstaat Jalisco waren die Revolutionskämpfe nicht sehr intensiv. Es kam lediglich zu einigen Aufständen, die nicht miteinander koordiniert waren.
Im Frühjahr 1913 kristallisiert sich in den nördlichen Bundesstaaten unter der Führung des Gouverneurs des mexikanischen Staates Coahuila, Venustiano Carranza (1859-1920), verstärkt Widerstand gegen das reaktionäre Huerta-Regime heraus. Im folgenden Jahr schließt sich Carranza den „constitucionalistas“ an. Mit Unterstützung der Einheiten Zapatas stürzen sie General Huerta, der aus dem Land
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flieht, womit es im Sommer 1914 zum vorläufigen Sieg der vereinten Revolutionstruppen kommt.
Carranza wird zum Interimspräsidenten ernannt. Im wesentlichen greift er die politischen Ideen Maderos auf und kann so die Sympathien der bürgerlichen Mittelschicht gewinnen [vgl. BERG 1995:146]. Doch seine sozialkonservative Politik, die unter anderem die Rückgabe der Haziendas an ihre früheren Eigentümer vorsieht, sowie grundlegende persönliche Differenzen mit Villa führen zur Spaltung der Revolutionsbewegung in die Konstitutionalisten unter Carranza und die Konventionisten („convencionistas“) mit ihren Anführern Villa und Zapata.
Im Oktober 1914 findet die Konvention von Aguascalientes mit dem Ziel statt, den Streit um die Macht im Lande beizulegen und eine neue Regierung zu bilden. Durch Mehrheitsentscheid wird Eulalio Gutiérrez (+ 1940) von der Versammlung zum Präsidenten gewählt, woraufhin Carranza eine eigene Regierung in Veracruz bildet. Infolgedessen stellt sich jedoch Villa, der gemäßigt revolutionäre Ziele verfolgt, Carranza entgegen. Im November 1914 bricht ein Krieg zwischen den beiden Revolutionslagern aus, der ungleich blutiger verläuft als das bisherige Revolutionsgeschehen und aus dem die Konstitutionalisten als vorläufige Sieger hervorgehen. Schon nach kurzer Zeit beherrschen die Einheiten Villas die Hauptstadt sowie den Norden und das Zentrum des Landes.
Doch das Blatt wendet sich: Im Jahre 1915 werden die Streitkräfte Villas von Obregón, der sich inzwischen Carranza angeschlossen hat, vernichtend geschlagen. Durch die militärische Erfolge der „convencionistas“ in Zugzwang gebracht, erkennen die USA, wenn auch widerwillig, die Regierung von Carranza an. Dies wiederum führt zu einem Überfall der Villisten auf die nordamerikanische Grenzstadt Columbus im Jahre 1916. Die USA schlagen sofort zurück; die drohende Gefahr eines offenen Krieges wird nur durch die Konzentration der USamerikanischen Politik auf den Ersten Weltkrieg abgewandt.
Im Jahre 1917 tritt die neue Verfassung mit wichtigen sozialreformerischen und für die damalige Zeit radikalen Neuerungen in Kraft. So soll beispielsweise das Ar-
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beitsrecht zugunsten der Beschäftigten verbessert und das Gemeindeland an die indianische Bevölkerung zurückgegeben werden. Die Aufteilung des Großgrundbesitzes gehört ebenfalls zu den Verfassungszielen. Weiterhin wird eine Bestimmung zur Limitierung des ausländischen Besitzes von Bodenschätzen erlassen und die Wiederwahl des Präsidenten in der folgenden Amtsperiode verboten. Aus den Präsidentschaftswahlen geht Carranza als Sieger hervor. Trotz des Verfassungsauftrags verfolgt er jedoch eine sozialkonservative Politik und die Verfassung wird bis zur Mitte der Dreißiger Jahre nicht in die Praxis umgesetzt [vgl. SIEBENMANN, 1988:62].
Nach und nach machen sich politische Differenzen zwischen Carranza und Obregón bemerkbar. Carranza verliert durch seine konservative Haltung die Unterstützung der Arbeiter und Bauern, welche wiederum in Obregón einer Fürsprecher finden. Auch das Militär wendet sich mehr und mehr letzterem zu. Die Tatsache, daß Carranza alles daran setzt, die schon erheblich geschwächten zapatistischen Einheiten zu vernichten und schließlich die Ermordung Zapatas im Jahre 1919 in die Wege leitet, sichert Obregón zudem die Unterstützung der Zapatisten. Im Mai 1920, nach drei Jahren Regierungszeit, wird Carranza durch eine Militärrebellion Obregóns zunächst gestürzt und schließlich umgebracht. Die Wahl Obregóns zum neuen Präsidenten wird als das Ende der Revolution betrachtet, obwohl bereits der Wahlkampf um das Amt des Präsidenten im Jahre 1923 neue Unruhen mit sich bringt.
Ein Jahr später wird Plutarco Elías Calles (1877-1945) Präsident von Mexiko. Er bringt die Staatsfinanzen in Ordnung, gründet die Bank von Mexiko und schlichtet nach Überwindung größter Schwierigkeiten den Streit mit den USA um die mexikanischen Ölvorkommen. In den folgenden Jahren kommt es in Mexiko zu einer politisch-gesellschaftlichen Stabilisierung durch den Aufbau von Gewerkschaften und Bauernverbänden und - nach einer Periode des Strebens nach größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit - eine wieder stärkere Annäherung an die USA. Trotz alledem werden keine tiefgreifenden Sozialreformen durchgeführt.
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Erst in der 1934 beginnenden Regierungszeit von Lázaro Cárdenas (1895-1970) werden die in der Verfassung festgelegten Revolutionspostulate weitgehend in die Tat umgesetzt. Diese späte Erfüllung verleiht dem blutigen Krieg, in dem neben zahllosen Kämpfern auch alle Revolutionsführer den Tod fanden, im Nachhinein noch einen Sinn.
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Jalisco geboren. Sein Vater besitzt einen kleinen Laden, den er mit von seinem wohlhabenden Bruder geliehenen Geld einrichten konnte. Anfangs sind die Erträge ausgesprochen mager, das eingenommene Geld reicht gerade aus, um die Schulden abzubezahlen und Frau und Sohn zu ernähren. In späteren Jahren bringt das Geschäft mehr ein und im Zuge dessen wird auch die Familie immer größer.
Mariano Azuelas Kindheit ist von einem intensiven Erleben der Natur Jaliscos geprägt. Die Sommermonate verbringt die Familie zusammen mit Freunden auf ihrem Gehöft in den Bergen. In seiner Autobiographie bezeichnet Azuela diese Zeit als den Höhepunkt eines jeden Jahres [vgl. AZUELA 1958:20]. Selbst als Student kehrt er während der Ferien auf den Hof zurück. Azuela schwärmt von der heißen Sonne, den Gewitterhimmeln, den Feldern und Pflanzen, dem Leben in der Einsamkeit der Berge. So ist es ihm schon sehr früh möglich, Flora und Fauna seiner Heimat Jalisco genau und auf spielerische Weise kennenzulernen. Seine Romane sind von diesen Erfahrungen durchdrungen, immer wieder finden sich detaillierte Beschreibungen einer großartigen Landschaft, und auch das Leben seiner Romanfiguren spielt sich in starker Abhängigkeit von der Natur und ihren Kräften ab.
Azuela selbst beschreibt sehr anschaulich, wie er mit den anderen Kindernunter denen sich auch seine spätere Ehefrau Carmen Rivera befindet - auf jenem Hof mit allem spielt, was die Natur zu bieten hat: aus Pflanzen und Erde werden Gehöfte nachgebaut oder man beschäftigt sich mit den Tieren. Abends wird gesungen und getanzt. Auch handwerkliche Tätigkeiten gehören zu den Beschäftigungen der Kinder [vgl. AZUELA 1958:21f.]. Insgesamt verlebt Azuela eine sehr kreative Kindheit und Jugend. Seine Phantasie und sein Vorstellungsvermögen werden nicht nur durch die Aufenthalte auf dem Lande geschult, sondern auch durch die Stunden
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mit dem Großvater, der allem Anschein nach ein begabter und beliebter Geschichtenerzähler war.
Nach einigen Jahren bringt das Gehöft der Familie einen höheren finanziellen Ertrag als der Laden in Jalisco ein, woraufhin der Vater Azuelas dorthin zieht und sich ganz der Landwirtschaft widmet. Die Führung des Geschäftes übergibt er seiner Frau und den beiden ältesten Söhnen.
Mit 15 Jahren, 1888, verläßt Mariano Azuela die Schule in Jalisco und geht zunächst in die Hauptstadt Guadalajara, wo er das Priesterseminar besucht - jedoch ohne Ambitionen, einen geistlichen Beruf zu ergreifen. Nach Abschluß der Studienvorbereitungskurse in einer staatlichen Knabenschule nimmt er 1892 das Studium der Medizin auf.
1896 publiziert Azuela zum ersten Mal einen Artikel in einer mexikanischen Zeitung. Von da an ist er ständig schriftstellerisch tätig, auch wenn seine Veröffentlichungen zunächst noch kaum Resonanz finden. In seinen Werken setzt er sich stark für die unteren Gesellschaftsschichten ein. Seine beständige Sozialkritik wird ihm später den Ruf des ewig Unzufriedenen einbringen. In der Tat befürwortet er keine der Regierungen seiner Zeit und stellt dies in seinen Werken auch stets klar. Dennoch wird nie der Versuch unternommen, seine schriftstellerische Tätigkeit in irgendeiner Form zu behindern oder zu unterbinden. Azuela selbst bestätigt dies mit den Worten: „Resentimiento personal no tuve ni he tenido con nadie. He podido escribir lo que he querido sin que ninguno de los gobiernos de la Revolución me haya molestado jamás.“ [PORTAL 1985:23].
Nach seinem Examen in Allgemeinmedizin, Chirurgie und Gynäkologie im Jahre 1899 läßt sich Mariano Azuela als Arzt in seiner Heimatstadt Lagos nieder. Durch Ausübung seines Berufes gelangt er bald zu der Erkenntnis, daß das im Studium Erlernte nur eine sehr ungenügende Vorbereitung auf die Praxis war und daß er sich vieles erst noch selbst aneignen muß. Ein Jahr später heiratet er seine Jugendfreundin Carmen Rivera, mit der er eine große Familie gründet. Im gleichen Jahr finden erste Aufstände der Indios gegen den Diktator Díaz statt, der inzwischen zum fünften Mal „wiedergewählt“ worden ist. 1907 veröffentlicht Mariano Azuela
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seinen ersten Roman, „María Luisa“, der auf persönliche Erfahrungen während seiner Studentenzeit zurückgeht.
Azuela war in seiner Jugend nicht politisch aktiv, doch seine Abneigung gegenüber dem porfiristischen Regime treibt ihn nun dazu, seine Überzeugungen offen zu vertreten. So macht er 1910 in seiner Heimatstadt Lagos engagiert Wahlwerbung für den nicht-offiziellen Kandidaten für das Präsidentenamt, Francisco Indalecio Madero. Er rechtfertigt dessen Widerstand gegen die Diktatur und sieht in ihm einen integeren Idealisten.
Als Madero im Jahre 1911 zum Präsidenten ernannt wird, bietet man Mariano Azuela das Amt des Ortsvorstehers („jefe político“) in Lagos an. Weniger aus politischem Ehrgeiz, als in dem Bewußtsein, andernfalls seine Ideale und die der Revolution zu verraten, betritt Mariano Azuela damit erstmals die politische Bühne [vgl. AZUELA 1958:111]. Doch er muß bald erkennen, daß der von ihm bewunderte Politiker die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann. Die Porfiristen, die bis dahin die politischen Ämter innehatten, haben sich von einem Tag auf den anderen zu Maderisten erklärt, ihre korrupten Praktiken allerdings keineswegs aufgegeben. Bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt ist Azuela durch den Opportunismus in Lagos so enttäuscht und desillusioniert, daß er als Verwaltungsleiter von Lagos zurücktritt.
Nach der Spaltung der Konstitutionalisten im Jahre 1914 sieht sich auch Azuela gezwungen, für eine der beiden neu entstandenen Gruppierungen Partei zu ergreifen. Wie sein Romanheld Demetrio Macías in Los de abajo entscheidet er sich für „Pancho“ Villa und schließt sich auf Betreiben seines Dichterfreundes José Becerra (1864 - 1942) noch im selben Jahr als Stabsarzt im Rang eines Oberstleutnants den Truppen des villistischen Generals Julián Medina an. Seine Erlebnisse als Revolutionär verwendet er in Los de abajo; der Roman trägt also autobiographische Züge. Medina, der den Auftrag hat, ein neues Kabinett für Jalisco zusammenzustellen und den politisch engagierten Azuela zum Erziehungsminister der villistischen Regierung in Jalisco macht, dient dem Schriftsteller Azuela auch als Vorbild für Demetrio Macías.
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1915 werden die Streitkräfte Villas von General Obregón geschlagen, und die USA erkennen die Regierung von Carranza an. Als die Hauptstadt Guadalajara von carrancistischen Einheiten besetzt wird, sieht sich Azuela als Angehöriger der besiegten Truppen - ebenso wie Medina - gezwungen, nach Texas zu fliehen. Dort ordnet er die Notizen, die er sich während seiner ganzen Zeit als Revolutionär gemacht hat, und Los de abajo wird als Fortsetzungsroman in der Zeitung El Paso del Norte veröffentlicht. Eine Amnestie Carranzas im Dezember 1915 ermöglicht Azuela die Rückkehr nach Mexiko zu seiner Familie. Schon bald darauf (1916) zieht er sich von der Politik zurück. Er ist sowohl enttäuscht über den politischen Untergang der Villisten als auch ganz allgemein von der Revolution und ihrer Entwicklung. Azuela muß erkennen, daß es den revolutionären Bewegungen an einer gemeinsamen Idee fehlt. In seinen Augen scheitert die Revolution am Egoismus des Einzelnen, der für sich nur Reichtum und Macht gewinnen will, was auch in Los de abajo sehr deutlich wird. So widmet er sich von nun an wieder verstärkt der Literatur und seinem Beruf als Arzt.
Doch nicht nur die Hoffnungen, die Mariano Azuela in die Revolution gesetzt hatte, sind zunichte gemacht. Durch die Ereignisse hat er all seine Ersparnisse verloren und beschließt, mit seiner inzwischen neunköpfigen Familie nach Mexiko Stadt zu gehen, um dort eine Praxis zu eröffnen. Die Menschen, die zu ihm kommen, sind vorwiegend diejenigen, über die er schreibt und deren Lage er verbessern möchte: die Angehörigen der unteren sozialen Schichten, die Recht- und Besitzlosen. Ein Zitat beleuchtet die Lage der Familie:
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Dies liefert ihm nicht nur beständig neuen Stoff für sein literarisches Schaffen, sondern bestätigt ihn auch in seiner Sozialkritik und in seinem Bedürfnis, etwas für diese Menschen zu tun. Vor allem in späteren Jahren bringt ihm sein Einsatz für die gesellschaftlich Benachteiligten auch Kritik ein, der er in seinen „Páginas autobiográficas“ mit folgenden Worten entgegentritt:
zurück. Als Schriftsteller jedoch bleibt er weiterhin aktiv und veröffentlicht neben seinen Romanen, einigen Theaterstücken und Erzählungen auch Zeitungsartikel. 1943 wird Azuela Gründungsmitglied des Colegio Nacional, fünf Jahre später erhält er den Premio Nacional de Artes y Ciencias. Im gleichen Jahr schreibt er in seinem Buch Cien años de novela mexicana: „nuestro gran error no consistió en haber sido revolucionarios, sino en creer que con el cambio de instituciones y no la calidad de los hombres llegaríamos a conquistar un mejor estado social“ [AZUELA, zit. nach Portal 1980:105].
Trotz seines - wenn auch späten - Erfolges sieht Azuela das Schreiben immer eher als Nebenbeschäftigung an. Nach eigenen Angaben hat das damit verdiente Geld ohnehin nicht einmal ausgereicht, um das tägliche Frühstück zu zahlen [vgl. AZUELA 1958:31f].
Mariano Azuela stirbt 1952 im Alter von 79 Jahren in Mexiko Stadt an einem Herzinfarkt, im gleichen Jahr, in dem im Land das Frauenwahlrecht eingeführt wird.
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4.2 Das literarische Werk Azuelas
Los de abajo wird von der lateinamerikanischen Literaturwissenschaft einhellig als „der Klassiker“ des mexikanischen Revolutionsromans betrachtet, Mariano Azuela selbst als Begründer dieser literarischen Gattung. Durch das ganze Werk des Autors, das bei weitem nicht nur die Revolutionsthematik behandelt, zieht sich eine Konstante: Die beständige Kritik am jeweiligen politischen System, dessen Schwächen er klar erkennt, ebenso wie die sich daraus ergebenden sozialen Mißstände im Land.
Nach Marta Portal läßt sich das literarische Schaffen Mariano Azuelas in fünf Epochen unterteilen [vgl. PORTAL 1985:18f], die der Autor selbst in seinen „Páginas autobiográficas“ andeutet. In der ersten dieser Epochen steht er noch in der liberalen, antiporfiristischen Tradition. Ihr gehört unter anderem der erste seiner 26 Romane, María Luisa (1907), an [vgl. AZUELA 1958:63]. In diesem Werk, das aus einer Geschichte der Sammlung Impresiones de un estudiante entstanden ist, beschreibt Azuela eindrucksvoll das Schicksal eines Mädchens, das durch soziale Zwänge, falsche Freunde, einen verantwortungslosen Geliebten und einen schwachen Willen in Prostitution und Alkoholismus getrieben wird und schließlich einsam, als körperliches und seelisches Wrack, an einer Lungenentzündung stirbt.
Auf den Fall der María Luisa stößt Azuela während seines Studiums, und die Tragik dieses Schicksals erschüttert ihn tief. Wie bei so vielen seiner Romane stehen auch hier Personen aus dem Umfeld des Autors Modell, weshalb es ihm nach eigenen Angaben leicht fällt, dieses Erstlingswerk niederzuschreiben [vgl. AZUELA 1948:44]. Er beschreibt durch die Geschichte des Mädchens auch das Korsett der Konventionen, aus dem keine der Romanfiguren auszubrechen vermag. Zur Entstehungszeit von María Luisa, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wird Azuela, ebenso wie andere Schriftsteller auch, in erster Linie von den französischen Realisten (Flaubert, Zola, Maupassant) beeinflußt, doch auch der Einfluß der Romantiker ist noch nicht ganz verloschen [vgl. AZUELA 1958:53].
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Den Abschluß der ersten Schaffensperiode bildet der Roman Mala Yerba (1909). Er ist Azuelas Reminiszenz an die Sommer seiner Kindheit und Jugend auf dem Hof seiner Eltern in den Bergen. Hier, wo ihm die Arbeiter den Umgang mit den Tieren beibrachten, wo er die Heilkräfte und die zerstörerische Gewalt der Natur kennenlernte, hier spielt die Handlung von Mala Yerba. Die Hauptpersonen sind „schlechte Leute“ [vgl. AZUELA 1958:99], erbarmungslose Rancheros, wie Azuela sie bei der Ausübung seines Berufes oft kennenlernt. Die Geschichte um Eifersucht und Mord erhält ihren Reiz durch das widersprüchliche Wesen der Personen: deren Härte zu sich selbst und zu ihren Feinden und der bedingungslosen Treue gegenüber ihren Freunden, der skrupellosen Selbstjustiz auf der einen Seite und der respektvollen Religiosität auf der anderen. Azuela, der während seines Studiums vorwiegend französische und spanische Werke liest, gibt später zu, daß er zu Zeiten von Mala Yerba so gut wie nichts über die mexikanische Literatur wußte [vgl. AZUELA 1958:101]. Diese Unwissenheit hat für ihn jedoch den Vorteil, daß er sich keiner literarischen Tradition verpflichtet fühlt und somit völlig frei seinen eigenen Stil entwickeln kann - der allerdings, wie der Schriftsteller humorvoll bemerkt, bei seinen Dichterfreund Francisco González León zunächst zu einem Anfall von Übelkeit führt [vgl. AZUELA 1958:102] und in dessen Augen offensichtlich nicht zur Veröffentlichung geeignet ist.
Der Machtwechsel von 1910 läutet für Azuela die Epoche der Revolutionsromane ein. Bereits ein Jahr nach Beginn der Erhebungen veröffentlicht er Andrés Pérez, maderista. Der Autor, der zunächst ein begeisterter Befürworter Maderos ist und unter diesem auch sein erstes politisches Amt innehat, muß bereits nach kurzer Zeit miterleben, wie Porfiristen der alten Garde die neue Verwaltung untergraben. Die Kaziken des Landes erobern schon bald ihre umfassenden Rechte zurück, und die katastrophale Schwäche der maderistischen Regierung wird so offenbar, daß Azuela von seinem Posten zurücktritt. All seine Enttäuschung und den Schmerz über seine zerstörten Hoffnungen in den neuen Präsidenten verarbeitet er in diesem Roman. Die thematische Wende und seinen Positionswechsel als Schriftsteller erklärt er mit folgenden Worten:
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gangen wird, gehört diesem Revolutionszyklus an.
In den zwanziger Jahren muß Mariano Azuela eine literarische Durststrecke überstehen. Seine Romane haben noch immer nicht den erwünschten Erfolg, für viele Veröffentlichungen muß er selbst die Kosten tragen, und abgesehen von einigen wenigen Erwähnungen seiner Werke in Zeitschriften bleibt ihm nur der Zuspruch von Freunden und Familie als Trost. Aus dieser Situation heraus entschließt er sich, seinen Erzählstil radikal zu verändern, um endlich auf sich aufmerksam zu machen. Nach dem Vorbild der künstlerischen Avantgarde-Bewegung in Europa verkompliziert und verschlüsselt er seine Beschreibungen und seine Aussage.
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Obwohl diese Phase, in der immerhin drei Werke entstehen, von einigen Kritikern als Zeit der Erneuerung betrachtet wird, klassifiziert sie Marta Portal als Übergangsperiode und Schaffenskrise [vgl. PORTAL 1985:20].
Die Wende wird durch einen Zufall herbeigeführt: Zehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung lenkt ein in den Zeitungen ausgetragener Kritikerstreit die Aufmerksamkeit Mexikos auf Los de abajo. Das Genre des (mexikanischen) Revolutionsromans ist geboren. Durch diesen Erfolg in seinem Stil bestätigt, kehrt Azuela zu seinem klaren Ausdruck und seinen unkomplizierten Strukturen zurück. Nach Ansicht eines engen Freundes hätte sich Azuela vermutlich länger mit der Revolutionsthematik befaßt, wenn der Erfolg von Los de abajo nicht so spät eingetreten wäre [vgl. PORTAL 1985:19].
Nun erwacht in Azuela der Wunsch, sich in einer neuen schriftstellerischen Disziplin zu versuchen. Er beginnt, einige Biographien zu verfassen. Bis auf eine handelt es sich dabei stets um Biographien in Romanform, die zwar weitgehend auf Tatsachen beruhen, aber aus dramaturgischen Gründen auch fiktive Passagen enthalten. Der Autor beschreibt, wie eine gute Romanbiographie gestaltet sein muß [vgl. AZUELA 1958:153]: Wie bei der Porträtmalerei müssen die prägenden und dauerhaften Charakterzüge einer Person herausgearbeitet werden, ganz im Gegensatz zur Fotografie, die nur die augenblickliche Erscheinung festhalten kann. Der Autor einer Romanbiographie darf kein bloßer Sammler von Daten und Fakten sein, er muß aus den Gegebenheiten ein harmonisches Ganzes komponieren. Exemplarisch sei hier das Werk Pedro Moreno, el insurgente genannt, für das Azuela sehr umfangreiche Recherchen anstellt. Pedro Moreno war ein Held des Unabhängigkeitskrieges, der mit der Schlacht am „Fuerte del Sombrero“ in die Geschichte einging. Trotz seines damals bereits hohen Alters besteht Azuela darauf, sich den historischen Ort persönlich anzusehen; er verschafft sich genaue Informationen über die geographischen Gegebenheiten, über Flora und Fauna der Gegend, um seinen Roman so wirklichkeitsnah wie möglich zu gestalten [vgl. AZUELA 1958: 156f].
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Im fünften und letzten Abschnitt seines literarischen Schaffens thematisiert Azuela die Entwicklung Mexikos nach der Revolution. Er klagt den Machtmißbrauch der Regierenden an und zeigt seine Enttäuschung über den Opportunismus der neuen Staatsbediensteten, über ein System, in dem die Gewerkschaften an die Stelle der Kaziken getreten sind [vgl. PORTAL 1985:21].
In Azuelas letztem Roman, Esa sangre, der im Jahre 1956 posthum veröffentlicht wird, schimmert aber doch ein Funke der Hoffnung durch. Azuela greift die in Mala Yerba erzählte Geschichte wieder auf und läßt die Hauptperson, einen der unbarmherzigen Rancheros, über zwanzig Jahre als Tagelöhner in die Abhängigkeit eines anderen Großgrundbesitzers geraten. Mit diesen Erfahrungen kehrt der Protagonist auf das Landgut seiner Eltern zurück. An jenem letzten Roman lassen sich nicht nur die schriftstellerischen Entwicklungsschritte Azuelas sondern auch die politisch-sozialen Veränderungen in Mexiko sehr gut nachvollziehen. So schließt sich nicht nur in den beiden Romanen ein Kreis, auch für Azuela bedeutet diese Erzählung eine thematische Rückkehr zum Leben in den Bergen, in die Gegend des Gehöfts seiner Familie, auf dem er eine so glückliche Kindheit verbrachte [vgl. AZUELA 1958:166ff.; PORTAL 1985:22f].
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4.3 Los de abajo
4.3.1 Zusammenfassung der Handlung
Die Handlung von Los de abajo spielt zwischen 1913 und 1915 und erstreckt sich damit über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren. Dieser ist, „trotz des Fehlens präziser chronologischer Angaben, historisch lokalisierbar als die Zeit, die durch den immer schärfer konturierten Gegensatz zwischen einer bürgerlich-reformistischen und einer revolutionär-ländlichen Zielsetzung der revolutionären Aktivitäten gekennzeichnet ist.“ [BERG 1995:149]. Der Roman beschreibt den Siegeszug und Untergang des armen und unterdrückten mexikanischen Bauern Demetrio Macías.
Auf Geheiß des Kaziken der Gemeinde, Don Mónico, überfallen Angehörige der Regierungstruppen („federales“) das Haus des als lokalen Haudegen bekannten und auch gefürchteten Demetrio Macías. Dieser nimmt in einer fatalistischen Haltung sein Schicksal an, bringt Frau und Kind in Sicherheit und zieht mit zwanzig armen Bauern aus seinem Dorf in Zacatecas los, um für die Revolution zu kämpfen. Die Männer sind alle sehr mit der Natur und ihrer Heimat verbunden, sie kennen jeden Pfad und jedes Versteck in den Bergen der Gegend und haben so einen Vorteil gegenüber den Regierungstruppen des damaligen Präsidenten Huerta. Die Treffsicherheit der Bauern ist außergewöhnlich gut, und so gelingt es ihnen trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit, in ihrer ersten Schlacht den Gegnern aus einem Hinterhalt heraus eine empfindliche Niederlage beizubringen. Allerdings wird ihr Anführer Demetrio im Gefecht verwundet und die Truppe muß mehrere Wochen in einem abgelegenen Dorf auf seine Genesung warten. Die freundliche Fürsorge der Dorfbewohner zeigt deutlich, wieviel Rückhalt die Revolutionäre zu Beginn des Aufstandes gegen Huerta bei der Landbevölkerung und den unteren Schichten generell fanden. Sowohl im Buch als auch im historischen Verlauf der Revolution ändert sich das im Laufe weniger Jahre drastisch. Während des Aufenthaltes in jenem Dorf schließt sich der Kreole Luis Cervantes den Männern aus revolutionärer Begeisterung an. Der junge Medizinstudent und Journalist steht im krassen Gegensatz zu den ungebildeten Bauern, was ihn anfangs in erhebliche Schwierigkeiten geraten läßt, ihm letztlich aber die Position des Beraters und
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ideologischen Führers an Demetrios Seite einbringt. Das schon in Kapitel 3 beschriebene Fehlen eines gemeinsamen Programms aller Revolutionsparteien und die leichte Orientierungslosigkeit einiger Gruppen wird auch im Roman deutlich, als Luis Cervantes Demetrio erklärt, was ihn dazu bewogen hat, sich den Revolutionären anzuschließen:
angezogen von den Heldentaten, die man sich über sie erzählt. Macías’ Männer werden schließlich in der ganzen Gegend von den Bauern bewundert und unterstützt, von den Regierungstruppen dagegen gefürchtet.
Als Demetrio Macías mit seinen Männern auf die Einheiten des General Natera trifft, erlangt er den Grad eines Oberst („coronel“) und steigt nach der Eroberung von Zacatecas zum Revolutionsgeneral auf. Doch die militärischen Erfolge bringen Veränderungen mit sich: Abenteurer, Verbrecher und Prostituierte stoßen zu seiner Truppe. Nach dem Sieg der Revolution verteilen Demetrios Leute die erbeuteten Wertsachen unter sich, allen voran Luis Cervantes. Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Die Revolutionskämpfer verlieren jeglichen Respekt vor der Menschenwürde und handeln nur noch nach ihren eigenen grausamen Gesetzen. Auch Macías’ eigene Männer verändern sich negativ. Jeder ist ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht, Neid und Eifersucht untergraben den Zusammenhalt der Gruppe.
Arbeit zitieren:
Sonja Schuberth-Kreutzer, 1997, Die Wiedergabe mexikanischer Realienbezeichnungen am Beispiel von Mariano Azuelas Roman "Los de abajo", München, GRIN Verlag GmbH
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Arquitectura i societat a la Roma Imperial : l'arquitectura de voltes
Jesús Oliver-Bonjoch Oliver
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