Inhaltsverzeichnis
1. Die Entstehungsgeschichte 1
2. Eréndira/Muerte constante, Vergleich von Erzählungen und Film 3
2.1 Die unterschiedlichen Erzählperspektiven 3
2.2 Die Gegenüberstellung der äußeren Form 4
2.3 Die verschiedene Darstellung der Zeit 6
2.4 Die Personencharakterisierung und ihre Bedeutung 8
2.4.1 Die despotische Großmutter 8
2.4.2 Eréndira, Opfer und Revolutionärin 9
2.4.3 Macht und Ohnmacht des Senator Onésimo Sánchez 10
2.4.4 Ulises, Geliebter und Befreier 11
2.5 Präsentation und Funktion des Wunderbaren 12
2.6 Die Kritik an den politischen Verhältnissen 13
3. Ein Blick in die heutigen Zustände Kolumbiens 14
Anhang I
Produktionsdaten II
Szenenfolge III
Filmografie von García Márquez VI
Literaturverzeichnis VIII
1
1. Die Entstehungsgeschichte
Im Jahr 1954 wurde García Márquez Redakteur bei der Zeitung El Espectador in Bogotá. Er verfasste Reportagen und Filmkritiken, in denen er den europäischen Filmen gegenüber der Kommerzware aus Hollywood den Vorzug gab. Im gleichen Jahr entstand sein erstes Drehbuch für den Kurzfilm La langosta azul 1 . Bei seinem Europaaufenthalt 1955, er berichtete unter anderem von der Biennale in Venedig, schrieb er sich in Rom im Centro Sperimentale di Cinematografia für einen Regiekurs 2 ein. Sein Interesse für den Film, besonders die Auseinandersetzung mit dem italienischen Neorealismus, hat sein Schaffen nachhaltig beeinflusst: „[.....]el universo imaginario del novelista colombiano se desarrolló en estrecho contacto con la cinematografía“ 3 . Als Präsident der „Fundación del Nuevo Cine Latinoamericano“ förderte der Autor die Gründung einer Schule für Film und Fernsehen in Kuba, die er 1986 mit Fidel Castro einweihte 4 . Bis 1999 schrieb er zu zehn Spielfilmen und einer Serie des spanischen Fernsehens die Drehbücher, und zu weiteren neun Filmen stellte er die literarische Vorlage.
Im Jahr 1968 schrieb García Márquez ein Drehbuch mit dem Titel: „La increíble y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada“. Dies ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das von seiner Großmutter zur Prostitution gezwungen wird, um deren abgebranntes Haus zu bezahlen und das schließlich mit Hilfe ihres Geliebten Ulises befreit wird. Es kam jedoch aus verschiedenen Gründen kein Film zustande. Einmal hatte García Márquez die Arbeit an seinem Roman „El otoño del patriarca“ begonnen, zum anderen war er nach Barcelona übergesiedelt 5 , so dass seine Kontakte zur ihm vertrauten Filmszene in Mexico abgerissen waren. Vielmehr adaptierte er das Drehbuch literarisch. Unter dem genannten Titel erschien 1972 ein Band 6 mit weiteren Erzählungen, darunter „Muerte constante más allá del amor“, ein intertextueller Bezug zur spanischen Literatur des Siglo de Oro, dem Sonett „Amor constante más allá de la muerte“ von Francisco de Quevedo.
1 Filmografie im Anhang, Seite VI
2 Ploetz, Dagmar, Gabriel García Márquez, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2. Auflage 2000, S.47
3 Méndez, José Luis, Como leer a García Márquez, Editorial de la Universidad de Puerto Rico, Puerto Rico 1992, S.13
4 Ploetz, S.113
5 Ibid. S.78
6 García Márquez, Gabriel, La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada, Barral Editores, Barcelona 1972 (Im Folgenden kurz als Eréndira bezeichnet)
2
Der Protagonist der Geschichte ist der todgeweihte Senator Onésimo Sánchez, der bei seiner letzten Wahlkampagne mit einem jungen Mädchen zusammentrifft. Jahre später entstand ein neues Drehbuch, das dem 1983 realisierten Spielfilm Eréndira zugrunde liegt. Dort wurde die Figur des Senators in die Geschichte Eréndiras mit eingebunden.
Der Regisseur des Films, Ruy Guerra, in Mozambique geboren, war auch als Schauspieler, Cutter und Filmkritiker tätig. Zweimal erhielt er den silbernen Bären der Filmfestspiele Berlin, für Os Fuzis(1964) und A Queda(1978). Er repräsentiert das Cinema Novo, dessen Ziel eine panlateinamerikanische, revolutionäre Sichtweise ist 7 .
Ich werde in meiner Arbeit das ursprüngliche Drehbuch nicht in den Vergleich mit einbeziehen, zumal es nur in Ausschnitten veröffentlicht wurde 8 , sondern die literarische Vorlage mit der filmischen Umsetzung schwerpunktmäßig vergleichen und die Unterschiede erörtern und kommentieren. Wesentlich erscheinen mir die verschiedenen Erzählperspektiven, die medienspezifische Umgestaltung der äußeren Form, die Variation der Charaktere und die Darstellung der wunderbaren Elemente. Dabei soll immer die politische Intention beachtet werden und wie sie dem Rezipienten vermittelt wird. In der Schlussbetrachtung werde ich anhand eines Spiegel-Artikels die heutige Zustände in Kolumbien schildern.
7 Cabezón Doty, Claudia, Literatur und Film Lateinamerikas im intermedialen Dialog, Verlag Lang, Frankfurt/Main, 2000, S.228
8 Kaiserkern, Babette, Carlos Fuentes, Gabriel García Márquez und der Film, Peter Lang Verlag, Ffm, 1995, S.217
3
2. Eréndira/Muerte constante,Vergleich von Erzählungen und Film
2.1 Die unterschiedlichen Erzählperspektiven.
In der Geschichte „La increíble y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada“ arbeitet García Márquez mit unterschiedlichen Erzählsituationen. Überwiegend wird in der dritten Person im Modus des Showing erzählt. Personen und Handlung, auch märchenhafte oder wunderbare Elemente werden ohne Bewertung präsentiert. Im Erzählprofil finden sich noch weitere Elemente. Gleich im ersten Satz gibt es eine auktoriale Vorausdeutung, „el viento de su desgracia“, die noch mehrfach punktuell wiederholt wird, teils mit Innensicht: „[...]no sintió el mal presagio[...]“ 9 . Die ungewisse Bedrohlichkeit steigert die Dramatik des Geschehens. Die Absicht, die Wirklichkeit des poetischen Universums zu bekräftigen, lässt den Autor eine Icherzählung einfügen, von „Las conocí por esa época[.....]“ 10 , bis „Esa fue la única vez que las ví[.....]“ 11 . Er tritt als Augenzeuge und Chronist auf. Durch die Einflechtung eines wahren biografischen Details, die in dieser Passage erwähnte Vertretertätigkeit in Riohacha hat García Márquez in den frühen fünfziger Jahren wirklich betrieben 12 , wird es fast unmöglich zwischen Tatsachen und Fiktion zu unterscheiden. Darüber hinaus führt er noch zwei weitere Zeugen namentlich auf, seinen Begleiter und einen Liedermacher. Auch entstand die Idee zur Geschichte in ihm, als er in einem Dorf ein ambulantes Bordell mit einer besonders erfolgreichen jungen Prostituierten sah. 13 .
Im Film ist in der ersten Szene 14 (Außen, Tag, Wüste, Sturm, Grabsteine der Amadís), die Stimme Eréndiras im Off zu hören: „La abuela se estaba bañando cuando empezó el viento de la desgracia“ Hier ist Eréndira die Icherzählerin, eine größere Authentizität ist nicht möglich, zugleich eine bedeutende Aufwertung der Figur gegenüber der literarischen Fassung. Sie ist schon vor Beginn der eigentlichen Handlung nicht mehr die
9 Eréndira, S.99
10 Ibid., S.145
11 Ibid. S.148
12 Ploetz, Dagmar, S.40
13 Kaiserkern zitiert García Márquez, der in einem Interview den realen Hintergrund der Eréndira-Geschichte beschreibt: „[...]encontré en un pueblo un burdel ambulante[...] (in Kaiserkern, Babette, Carlos Fuentes, Gabriel García Márquez und der Film, Peter Lang Verlag, Ffm, 1995, S.216)
14 Szenenfolge im Anhang, Seite III
4
„cándida“, dieses Attribut fehlt auch im Filmtitel, sondern Berichterstatterin ihres Schicksals. Eine zusätzliche Information gegenüber der Geschichte, die zu Beginn nur unbestimmt und bedrohlich vom „viento de su desgracia“ spricht und den Ausgang nicht vorwegnimmt. Das geschieht jedoch im Film. Für den Zuschauer ist von der ersten Szene an schon klar, dass Eréndira diese Episode nicht nur übersteht, sondern auch eine Botschaft weitergibt: Wenn Elend und Erniedrigung bewältigt werden, ist ein guter Ausgang zu erhoffen. Hier ist einmal die politische Absicht von Anfang an eingearbeitet, zum anderen wird die Tradition der oralen Überlieferung aufgenommen.
Die Icherzählung wird durch ihre Worte in der letzten Szene (Außen, Tag, Wüste, Eréndiras sich rot verfärbende Fußspuren im Sand) abgeschlossen: „Iba corriendo contra el viento[.....] y jamás se volvió a tener la menor noticia de mí ni se encontró el vestigio más ínfimo de mi desgracia“ Mit diesem paradoxen Schlusssatz, man hat ja als Erzählerin des Filmes noch einmal von ihr gehört, hebt der Film das individuelle Schicksal in die Ebene einer allgemeingültigen Aussage. Von ihr hat man nie wieder etwas gehört, aber sie hat ihr Unglück überwunden und ihre Geschichte als beispielhaften Ausweg für Unterdrückte und Ausgebeutete weitergegeben.
Die unterschiedlichen Erzählperspektiven der Geschichten und des Films zeigen deutlich die größere Unmittelbarkeit des Films. Es wird die Wahrhaftigkeit der Geschehnisse durch den Bericht der Beteiligten unterstrichen und die Tradition der mündlichen Überlieferung fortgesetzt. Dem Rezipienten soll die Perspektive einer erfolgreichen Revolte gegen Unterdrückung und Ausbeutung vermittelt werden. Nicht zuletzt aus kommerziellem Interesse soll ein breites Publikum angesprochen werden, auch der nicht literarisch Gebildete, auch der Analphabet.
2.2 Die Gegenüberstellung der äußeren Form
In der Erzählung ergeben sieben Handlungsabschnitte eine Struktur. Die Handlung schreitet chronologisch fort, Zeitsprünge finden zwischen den Abschnitten statt. Auch der Film ist durch Auf- bzw. Abblenden in sieben Abschnitte gegliedert. wobei noch die Erzählung: „Muerte constante más allá del amor“ mit eingearbeitet ist.
Arbeit zitieren:
Eberhard Türk, 2003, Gabriel García Márquez: 'La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada / Muerte constante más allá del amor' Ein Vergleich der Erzählungen mit dem Film 'Eréndira' von Ruy Guerra., München, GRIN Verlag GmbH
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Eberhard Türk's Text Gabriel García Márquez: 'La increible y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada / Muerte constante más allá del amor' Ein Vergleich der Erzählungen mit dem Film 'Eréndira' von Ruy Guerra. ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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Bibliographic Guide to Gabriel Garcia Marquez, 1992-2002
Nelly S. Gonzalez, Nelly Sfeir de Gonzalez
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