Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
1 Abstract 2
2 Einleitung (Christoph Woithon) 3
2.1 Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung: Fakten oder Artefakten? 3
2.2 Qualitätssicherung bei der Datenerhebung. 3
2.3 Überblick über die Inhalte dieser Arbeit 4
3 Theorie und Forschungsfragen (Christioph Woithon Anita Perz) 5
3.1 Soziale Erwünschtheit in der Befragung 5
3.1.1 Soziale Erwünschtheit als Antworttendenz 5
3.1.2 Schwierigkeiten beim Umgang mit sozialer Erwünschtheit. 6
3.1.2.1 Soziale Erwünschtheit bei Items oder als Antwortverhalten. 7
3.1.2.2 Selbstdarstellung oder Selbsttäuschung. 8
3.1.2.3 Wessen Erwünschtheit? Wessen Normen? 9
3.1.2.4 Variabilität von sozialer Erwünschtheit. 10
3.1.3 Zusammenfassende Bewertung 10
3.2 Methoden zur Kontrolle von SD bias 11
3.2.1 Itemkonstruktion und -selektion. 11
3.2.2 Antwortmodus 11
3.2.3 Kontrollskalen. 12
3.2.4 Faktor-Elimination. 12
3.2.5 Fragebogen-Instruktion. 13
3.2.6 Garantierte Anonymität 14
3.2.7 Randomized-Response-Technik 14
3.2.8 Nichtkontrolle 14
3.3 Abschließende definitorische Eingrenzung 14
3.4 Formulierung der Forschungsfragen (Nicole Hoffmann) 15
4 Methode (Kirsten Betz-Morhard) 17
4.1 Stichprobe der Untersuchung 17
4.2 Das Design der Untersuchung 18
4.2.1 Art der Datenerhebung (Befragungsart) 18
4.2.2 Art der Instruktion 19
4.2.3 Die Befragung. 20
- - II
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
4.2.3.1 Die mündliche Befragung (Das Interview) 21
4.2.3.2 Die schriftliche Befragung (Der Fragebogen) 21
4.3 Die Instrumente der Untersuchung. 23
4.3.1 Die einfaktorielle Varianzanalyse. 23
4.3.2 Die zweifaktorielle Varianzanalyse 24
4.3.3 Der t- Test für unabhängige Stichproben. 24
4.3.4 Der Mittelwertsvergleich. 24
4.4 Einschätzung der Testgütekriterien (Kirsten Betz-Morhard Nicole Hoffmann) 25
4.4.1 Die Reliabilität 25
4.4.2 Die Validität. 28
4.4.3 Die Objektivität 29
5 Ergebnisse (Nicole Hoffmann) 31
5.1 Auswertungen zu Fragestellung 1 (Instruktion) 31
5.2 Auswertung zu Fragestellung 2 (Interaktionseffekt) 32
5.3 Auswertungen zu Fragestellung 3 (Geschlechter-Frage) 33
6 Diskussion (Anita Perz) 34
6.1 Zu den Fragestellungen. 34
6.2 Zu Aufbau und Durchführung 35
7 Résumée. 36
- - III
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
1 Abstract
Die Validitätsminderung durch Antwortverzerrung ist ein schwerwiegendes Problem bei der Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung. In dieser Studie wird auf das Antwortverhalten im Sinne der Sozialen Erwünschtheit eingegangen. Es wird geprüft, ob die Instruktion, die Methode und die Geschlechtszugehörigkeit Einfluss auf die Antwortgabe haben. 539 Probanden haben an schriftlichen und mündlichen Befragungen innerhalb einer Feldstudie teilgenommen. Ein Einfluss der Antwortverzerrung bezüglich der Sozialen Erwünschtheit konnte hinsichtlich der Instruktion und der Geschlechtszugehörigkeit festgestellt werden, nicht aber in bezug auf die Methode.
Schlagworte: Soziale Erwünschtheit - social desirability - SD bias - response set - geschlechtsspezifische Normen der sozialen Erwünschtheit - Kontrollstrategien
- - 2
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
2 Einleitung
2.1 Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung: Fakten oder Artefakten? Die empirische Sozialforschung gewinnt ihre Kenntnisse auf Grundlage der Erhebung und Auswertung von Daten. Diese Daten werden in der Primärforschung mit Hilfe von Experimenten, Beobachtungen und Befragungen erhoben, wobei die Befragung mit ihren unterschiedlichen Varianten (z.B. Interview, Fragebogen) die häufigste Art der Datenerhebung darstellt (Hartmann, 1991). Unabhängig von der jeweils gewählten
Methode der Datenerhebung, gilt, dass die mit ihrer Hilfe betriebene Forschung nur so gut und genau sein kann, wie es die Daten selber sind. Für Hartmann (1991) ist die zentrale Frage bei der Diskussion und Interpretation wissenschaftlich erhobener Daten dann auch, ob es sich bei „den Ergebnissen um Fakten oder um Artefakten“ handelt. Wobei unter Artefakt „ein durch die Erhebungsmethode, response set oder durch die Art der Auswertung produziertes Untersuchungsergebnis“ verstanden wird, „das nichts oder wenig über den interessierenden Sachverhalt aussagt, sondern zu großen Anteilen Produkt der eingesetzten Methode ist“ (http://www.sozpsy.uni- hannover.de). Unter „response set“ wird eine Antworttendenz verstanden. Die Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung ist folglich sowohl hinsichtlich der gewählten Erhebungsmethode und ihrer Durchführung, des Befragtenverhaltens und der Auswertungsart bedroht von Verfälschungen hinsichtlich der Güte der Daten. Mit dieser steht und fällt somit auch die Qualität der Forschung und ihre Ergebnisse.
2.2 Qualitätssicherung bei der Datenerhebung
Wie sichert die empirische Sozialforschung nun die Güte der von ihr erhobenen Daten? Als Voraussetzung, um die Aussagekraft der erhobenen Daten überprüfen zu können, gilt die Forderung nach der Kontrollierbarkeit jeder einzelnen Phase einer sozialwissenschaftlichen Datenerhebung (Atteslander & Kopp, 1984, zitiert nach Hartmann, 1991). Darüber hinaus sind die drei Gütekriterien Objektivität (Unabhängigkeit), Reliabilität (Messgenauigkeit) und Validität (Gültigkeit), die sich aus der Klassischen Testtheorie ableiten, zu beachten, die als grundlegende formale Anforderungen an Verfahren der Datenerhebung angesehen werden. Ihre Sicherstellung und Kontrolle gilt als wichtigste Aufgabe bei der Qualitätssicherung der Datengewinnung. Um den Rahmen dieser Studie nicht zu sprengen wird auf die einschlägige Fachliteratur (z.B. Bortz & Döring) verwiesen, in der die allgemeinen Testgütekriterien, die Ansprüche
- 3 -
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
an die Wissenschaftlichkeit einer Studie und ähnlich grundlegende Themen ausführlich behandelt werden.
2.3 Überblick über die Inhalte dieser Arbeit
Uns interessiert in unserer Studie eine ganz bestimmte Gefahr der Datenverzerrung, die Tendenz der Befragten „sozial erwünscht“ zu antworten. Diese Tendenz wird in unserer Arbeit speziell in zwei Formen der Befragung, dem Fragebogen und dem Interview, auf ihr Auftreten und den Grad ihrer Ausprägung hin untersucht. Die vorliegende Untersuchung ist hypothesenbestätigend, da das Konstrukt „Soziale Erwünschtheit“ und die Tendenz in ihrem Sinne zu antworten, bereits Inhalt einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen ist. Im theoretischen Teil unserer Arbeit wird versucht, die Verfälschungstendenz hinsichtlich sozialer Erwünschtheit genauer zu beschreiben, ihre Aktualität und mögliche Folgen und Ausprägungen in der empirischen Sozialforschung darzustellen und vorgeschlagene Kontrollmaßnahmen zu skizzieren. Ferner werden wir unsere Forschungsfragen vorstellen und erläutern. Daran anschließend erfolgt im Teil „Methode“ die Darstellung unserer Vorgehensweise und der von uns verwendeten Methoden. Hier werden wir auf die Stichprobe, das Design und die Messinstrumente eingehen. Daran anschließend folgt die Ergebnisdarstellung, die Interpretation unserer Ergebnisse und ihre Diskussion. Beim abschließenden Resümee werden wir auch auf mögliche Konsequenzen unserer Ergebnisse hinweisen.
- 4 -
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
3 Theorie und Forschungsfragen
3.1 Soziale Erwünschtheit in der Befragung
Grundsätzlich wird in der empirischen Sozialforschung von der Grundannahme der Klassischen Testtheorie ausgegangen, dass das Messergebnis dem wahren Ausprägungsgrad eines untersuchten Merkmals zuzüglich eines Testfehlers entspricht. Daraus lassen sich die vier Axiome der klassischen Testtheorie ableiten, aus denen sich wiederum die Testgütekriterien ergeben. Wichtig ist es bei der Datenerhebung, auf alle Fälle sogenannte „systematische Fehler“, in Abgrenzung zu dem oben genannten „zufälligen“ Testfehler zu vermeiden, die das Testergebnis verfälschen beziehungsweise verzerren würden und somit die Validität der erhobenen Daten gefährden. Bei der Befragung, der häufigsten Form der Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung, sind Antworttendenzen (response sets) und durch sie ausgelöste Antwortverzerrungen (response bias) eine eminente Gefahr für die Güte der erhobenen Daten. Neben der Aquieszenz (Ja-Sager-Tendenz) wird die Tendenz „sozial erwünscht“ zu antworten als wichtiges response set diskutiert. Schnell, Hill und Esser (1988, zitiert nach Hartmann, 1991) vertreten sogar die Ansicht, dass die meisten Antwortverzerrungen Varianten dieser beiden response sets sind. Was wird unter „Sozialer Erwünschtheit“ und der ihr zugeordneten Antworttendenz in der empirischen Sozialforschung verstanden?
3.1.1 Soziale Erwünschtheit als Antworttendenz
Wie Hartmann (1991) feststellt, gibt es keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs „Soziale Erwünschtheit“, vielmehr herrscht eine erstaunliche, diesbezügliche Bandbreite innerhalb der sogenannten SD- Forschung (SD steht für „social desirability“, engl. für „Soziale Erwünschtheit“). Dennoch ist klar, das SD meist im Zusammenhang mit systematischen Fehlern bei der Datenerhebung diskutiert wird, insbesondere bei der Verwendung „reaktiver Messinstrumente“ wie dem Interview und dem Fragebogen. „Reaktiv“ meint, dass sich die befragte Person im klaren darüber ist, Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung zu sein und somit auch die Möglichkeit hat, das Messergebnis zu beeinflussen. Dies kann sowohl wissentlich, als auch unabsichtlich geschehen und hängt natürlich bei Befragungen, die Einstellungen oder Persönlichkeitsmerkmale erfassen sollen, auch von den subjektiven Bewertungen des Befragten ab (Mummendey, 1987). Dabei kann es zu Antworttendenzen kommen, etwa wenn die befragte Person einen bestimmten Eindruck von sich hinterlassen möchte. Zusätzlich findet die Messung während einer Befragung in einer ganz speziellen, künstlich herbeigeführten, sozialen Situation statt, in der die Rollen von Befragten und Befrager für
- 5 -
Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung hinsichtlich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit
eine, im Sinne des Forschungsziels, gelungene Interaktion ziemlich strikt eingehalten werden müssen. Ebenso benutzt eine Befragung ein sprachliches Messinstrument und Sprache ist nicht völlig invariant gegenüber ihrer Anwender und ihrer Interpretation. All das macht darum eine Befragung anfällig hinsichtlich der Güte ihrer Daten (Hartmann, 1991). Die Reaktivität der Messinstrumente kann dazu führen, dass die befragte Person nicht mehr unbefangen Auskunft erteilt, sondern ihre Antworten sozusagen vor der Abgabe „zensiert“ bzw. „frisiert“, bewusst oder unbewusst, sei zunächst einmal offen gelassen. Mummendey (1987) geht auf dieses Problem ausführlicher ein und erörtert beispielsweise, ob der Begriff „Lüge “ bei einer bewussten Verfälschung zutreffender ist. Wichtig ist, dass sich bei dieser Einflussnahme seitens der Testperson feststellen lässt, dass sie versucht verschiedene Items daraufhin zu überprüfen, welche Antwortalternative günstiger bzw. positiver wirkt, also erwünschter ist und dann die Tendenz zeigt in Richtung dieser Erwünschtheit zu antworten. Anzunehmen ist, dass damit die Wahrscheinlichkeit innerhalb der Befragung sinkt, eine Antwort zu erhalten, die im Sinne der klassischen Testtheorie die wahre Merkmalsausprägung (einschließlich Testfehler, s.o.) beim Befragten wiedergibt. Spätestens hier beginnt dann die validitätsmindernde Verzerrung. Festzuhalten ist aber, dass es zum einen unterschiedliche „Erwünschtheitsgrade“ bei Merkmalen zu geben sche int und zum anderen, und das gibt der „Sozialen Erwünschtheit“ ihren vollen Namen, dass die befragte Person diesen Grad der Erwünschtheit an allgemeinen Werten und Normen festzumachen versucht - sie antwortet dementsprechend, wie es (vermeintlich) „sozial erwünscht“ ist.
Diese recht allgemeine Erklärung einer Antworttendenz im Sinne der sozialen Erwünschtheit (SD response set) wirft jedoch etliche Fragen auf, die klar machen, warum Hartmann (1991), wie oben angeführt, die fehlende definitorische Genauigkeit bezüglich sozialer Erwünschtheit beklagt. Was sind die Hauptkritikpunkte beziehungsweise Schwierigkeiten, die beim Umgang mit dem beschriebenen Konzept der sozialen Erwünschtheit auftreten?
3.1.2 Schwierigkeiten beim Umgang mit sozialer Erwünschtheit
Zum einen können einzelne Items „Träger sozialer Erwünschtheit“ sein, zum anderen wird SD meist als Antworttendenz seitens der befragten Person diskutiert (siehe 3.1.2.1). Teilweise wird die Tendenz sozial erwünscht zu antworten sogar als eigenes Persönlichkeitsmerkmal angesehen (Mummendey, 1987). Es stellt sich auch die Frage, ob es sich bei diesem verzerrenden Antwortverhalten eher um Selbstdarstellung (impression management) oder Selbsttäuschung (self deceptio n) handelt. Dies interessiert bei der Frage
- 6 -
Arbeit zitieren:
Nicole Hoffmann, Kirsten Betz-Morhard, Anita Perz, Christoph Woithon, 2003, Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung bezüglich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Soziale Erwünschtheit das Problem die Lösungen
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Die Verwendung des Begriffs „âventiure“ in Hartmann von Aues mittelhoc...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 18 Seiten
Soziale Erwünschtheit in der empirischen Sozialforschung
Forschungsarbeit, 30 Seiten
Auswertung der Mitarbeiterbefragung der Firma Oelgemoeller Wurstwaren ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Entwicklungslinien aus synoptischen Bibelstellen (Textgrundlage Lk 1,1...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Rolle von Organisationskultur in Unternehmensfusionen aus systemth...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Die Rolle der Drucker für das Frühneuhochdeutsche
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Mitarbeiterbefragung als Instrument des marketingorientierten Personal...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 35 Seiten
Veränderung hin zu umweltorientierten Handeln aus kooperationstheoreti...
Seminararbeit, 52 Seiten
Psychologische Testverfahren in der Personalauswahl
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 31 Seiten
Die Idealismus-Kritik des Realisten Büchner: Zum Stellenwert des Kunst...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf die betriebliche ...
Diplomarbeit, 90 Seiten
Nicole Hoffmann hat den Text Soziale Erwünschtheit - Eine Untersuchung bezüglich Instruktion, Methode und Geschlechtszugehörigkeit veröffentlicht
Nicole Hoffmann hat einen neuen Text hochgeladen
Grundlagen der sportwissenschaflichen Forschungsmethoden und Statistik
Ulrike Rockmann, Hartmut Bömermann
Einführung in statistische Analysen
Fragen beantworten mit Hilfe v...
Nanny Wermuth, Reinhold Streit
0 Kommentare