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Inhalt
I. Einleitung 2
II. Die Entwicklung des Geniebegriffs 2
III. Die Definition des Geniebegriffs nach Lenz 3
IV. Vom Geniebegriff zum Begriff der Nachahmung 5
Literaturverzeichnis S 7
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I. Einleitung
Bei den „Anmerkungen übers Theater“ von Jakob Michael Reinhold Lenz handelt es sich nach einer 1908 veröffentlichten Analyse von Theodor Friedrich um eine Zusammenfassung von vier ursprünglich mündlichen Vorträgen, die Lenz seit 1771 in der Straßburger Tischgesellschaft des Aktuars Salzmann gehalten haben soll und die 1774 von Goethe veröffentlicht worden sind.1 Lenz unterteilt seine Anmerkungen in zwei Abschnitte. Im ersten Teil erläutert er zunächst das Wesen der Poesie, um aus diesem im zweiten Abschnitt das Wesen des Theaters ableiten zu können. Einen wesentlichen Bestandteil der Erläuterungen zum Wesen des Theaters nimmt die Definition des Geniebegriffs ein. Zu deren Verständnis muß zunächst auf den Stand der zeitgenössischen Diskussion über Genie und intuitive Erkenntnis eingegangen werden. Anschließend werde ich einen Vergleich zu der Definition des Geniebegriffs nach Lenz ziehen und auf die Bedeutung für dessen Bewertung des zeitgenössischen Theaters eingehen.
II. Die Entwicklung des Geniebegriffs
Um das Verständnis des Geniebegriffs nach Lenz begreifen zu können, muß zunächst die Entwicklung des Geniebegriffs vor dem Hintergrund der Vermögenspsychologie der Leibniz -Wolffschen Schule betrachtet werden. Nach der Definition von Leibniz wird die Erkenntnisfähigkeit in zwei verschiedene Modi unterteilt: Auf der einen Seite steht die symbolische, wissenschaftliche Erkenntnis, welche durch Zahlen, Symbole, Zeichen usw. die Logik und Rationalität des Menschen anspricht. Auf der anderen Seite steht die intuitive, unmittelbare und totale Erkenntnis, welche allein Gott vorbehalten ist. Zusätzlich unterteilte Leibniz die Erkenntnis in eine dunkle und eine klare Abstufung, und unterschied innerhalb der klaren noch zwischen einer verworrenen und einer deutlichen Erkenntnisstufe. Diese deutliche Stufe wiederum wurde in eine adäquate und eine inadäquate unterteilt.2 Diese Stufenschema wurde von einem Schüler Leibniz, Christian Wolff, weiterhin hierarchisiert, indem er die dunkle, sowie die klare aber verworrene Erkenntnis dem sinnlichen Wahrnehmungsvermögen zuordnete, hingegen die klare und deutliche Erkenntnisstufe dem logischen, rationalen Erkenntnisvermögen überordnete. Wolff sprach infolgedessen wertend von einem sinnlichen unteren und einem rationalen oberen Seelenvermögen. Durch Alexander Gottlieb Baumgarten wurde jedoch die sinnliche
1 Vgl. Rector, Martin: Anschauendes Denken. Zur Form von Lenz´ „Anmerkungen übers Theater“. In: Lenz - Jahrbuch. Sturm und Drang Studien, Band 1, hrsg. v. Matthias Luserke und Christoph Weiß, St. Ingbert 1991. 2 Vgl. ebd., S.97.
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Wahrnehmung, das Erkennen der Wahrheit, mit der logischen, der Erkenntnis der Schönheit, auf eine Stufe gestellt. Aufgrund dieser Aufwertung der sinnlichen Erkenntnis durch Baumgarten vollzog sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts eine Neubewertung der symbolischen und der intuitiven Erkenntnis, indem die symbolische mit der logischen, die intuitive mit der sinnlichen verbunden wurde. Somit war die niedere sinnliche Erkenntnis zur intuitiven erhöht worden und dem göttlichen Genie anstelle Gottes nach der Theorie Leibniz zugeschrieben worden. Die Fragestellungen, wie Lenz in seinen „Anmerkungen übers Theater“ den Geniebegriff definiert, wie sich seine Theorien von dem aktuellen Stand der Diskussion über Genie und intuitive Erkenntnis unterscheiden und welche Schlußfolgerungen er daraus über das zeitgenössische Theater zieht, werde ich in den folgenden Abschnitten untersuchen.
III. Die Definition des Geniebegriffs nach Lenz
„Wenn wir das Schicksal des Genies betrachten (ich rede von Schriftstellern) so ist es unter allen Erdensöhnen ihrem das bängste, das traurigste.“ 3
Mit dieser Aussage leitet Lenz seine Erläuterungen zum Geniebegriff ein. Lenz sieht die Besonderheit des Genies in dem Vermögen, die Totalität eines Erkenntnisobjektes zu erfassen. Die Fähigkeit des Genies steht nicht in einem Widerspruch zur logischen Erkenntnisfähigkeit des Philosophen, sondern geht noch darüber hinaus. Durch Rationalität allein ist die Erkenntniskraft des Genies nicht zu erfassen, vielmehr umfaßt sie, im Gegensatz zur Nachahmungsfähigkeit des Menschen, die rationalen und die sinnlichen Erkenntniskräfte. Die Erkenntnis des Genies ist somit intuitiv, spontan, umfassend und unmittelbar. Da nach der Definition des Genies nach Leibniz nur Gott eine intuitive, allumfassende Erkenntnis zugestanden werden kann, erhält das Genie nach Lenz eine göttliche Eigenschaft. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts bekommt das Genie die Fähigkeit der intuitiven Erkenntnis zugeschrieben. Da diese die symbolische Erkenntnis der konventionellen Philosophie oder der Mathematik und zusätzlich die totale göttliche Erkenntnis umfaßt, erhält das schöpferische, künstlerische Genie, insbesondere der Dichter, ein besonders hohes Ansehen in der Zeit des Sturm und Drang. Eine gewisse überhebliche Einschätzung des eigenen Handwerks und Könnens wird auch in folgendem Zitat deutlich: „Er [der dramatische Dichter] braucht die Sinne nicht mit Witz und Flittern zu fesseln, das tut der Dekorationsmaler für ihn, aller Kunstgriffe ü-
3Lenz,Jakob Michael Reinhold: Anmerkungen übers Theater. In: J.M.R. Lenz, Gesammelte Schriften, Erster Band, hrsg. von Franz Blei, München und Leipzig 1909, S. 239.
Arbeit zitieren:
Sabine Niefer, 1998, Der Geniebegriff in Lenz Anmerkungen übers Theater, München, GRIN Verlag GmbH
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Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater (1774)
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