1. Einleitung
Der modernen Kunst von heute wird nachgesagt, sie sei unverständlich, abstrakt und fragwürdig. Doch warum? Diese moderne Kunst versucht lediglich, verschiedene Sichtweisen darzustellen, manchmal ganz einfach und manchmal überdimensional und realitätsentfremdet. Doch diese Kunst ist in keinem Fall unverständlich.
Eine bedeutende moderne Kunstrichtung ist der Surrealismus. Der Name stammt aus dem Französischen und würde in Deutschland den Namen: „Überrealismus“ tragen. In meiner Hausarbeit will ich näher auf den Surrealismus eingehen: wann er entstanden ist, seine wichtigsten Vertreter und seine Merkmale nennen und anschließend auf den wohl bedeutendsten Surrealist Salvador Dalí vorstellen und seine Werke näher erläutern.
2. Der Surrealismus (1924-1945)
Der Surrealismus ist eine nach dem 1. Weltkrieg in Paris entstandene Richtung der modernen Literatur und Kunst, die das Unbewusste, Träume, Visionen u. Ä. als Ausgangspunkt künstlerischer Produktion ansieht. 1
Der Surrealismus entstand in den 20er Jahren aus dem Dadaismus und galt als engagierte und sozialkritische Malerei. Das dadaistische Prinzip der Unlogik, des Irrationalen und der Zufälle wurden angewandt, um in die Bereiche des Irrationalen und Unbewussten vorzudringen. Man glaubte nicht mehr an die sichtbare Wirklichkeit, sondern man begab sich auf die Suche nach einer allumfassenden Wirklichkeit – eine Überwirklichkeit („sur“ – französisch: „über“).
Im Jahr 1900 erkannte der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, dass Träume sich deuten lassen. Er unterschied drei Traumarten:
1 Duden - Das Fremdwörterbuch. 7. Aufl. Mannheim 2001
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o Die Träume, die sinnvoll und verständlich sind und eine Einreihung in das Leben zulassen.
o Die Träume, die zwar in sich zusammenhängend sind und einen klaren Sinn haben, aber befremdend wirken.
o Die Träume, denen der Sinn und die Verständlichkeit abgehen und welche somit unzusammenhängend, verworren und sinnlos erscheinen.
Sigmund Freud lieferte mit seiner Traumdeutung also wichtige Impulse für die Surrealisten. Seine Absicht war es, die widersprüchlichen Bedingungen der Welt, der realen Erscheinungen und des Traumes in einer Überwirklichkeit aufzulösen und somit neue Bewusstseinsebene n aufzudecken und fiktiv zu deuten.
Diese Untersuchungen zur Traumdeutung haben gezeigt, dass der Großteil unserer Seele wie bei einem Eisberg tief unter der Oberfläche im Unterbewussten liegen. Das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen ist von nicht bewussten Kräften geprägt. Dieses Gebiet versuchten die Künstler des Surrealismus bildhaft zu erschließen und so gewann die Traumwelt für die Surrealisten eine große Bedeutung. Sie waren davon überzeugt, dass neben der sichtbaren Welt viele verdrängte Erfahrungsbereiche existieren, welch in Traumbildern oder Halluzinationen hervorgerufen werden sollten.
Wichtige Vertreter des Surrealismus waren die Spanier Salvador Dalí und Joan Miró, der Deutsche Max Ernst, der Belgier René Magritte und die Mexikanerin Frida Kahlo.
In ihren Bildern werden unrealistische Situationen in realistischer Art dargestellt und Traumvisionen abgebildet. Die Verfremdung der gegenständlichen Welt sollte dem Betrachter Zugänge zu tiefer liegenden Bewusstseinsebenen eröffnen; zu einer Welt hinter der sichtbaren Wirklichkeit.
Der Belgier René Magritte beispielsweise wollte nicht das ins Unbewusste verdrängte Vertraute darstellen, sondern umgekehrt: das Fremde im Vertrauten bloßlegen. Bei dem Anblick seiner Bilder soll der Betrachter sich fragen, warum die Wirklichkeit so ist wie sie ist und warum sie nicht anders ist. Er wollte das Weltverständnis verändern und
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malte das Bild einer Pfeife, um jedem deutlich machen zu können, dass dies nur ein Bild einer Pfeife war und nicht die Pfeife s elbst. Diese Aussagen sollten beim Betrachter einen Denkprozess auslösen, der zur Veränderung der Weltsicht führen sollte. Mit diesen Bildern und ihren Verwirrungen wollte Magritte das Verhältnis von Schein und Wirklichkeit, von Bild und Abbild verdeutlichen.
Max Ernst hingegen machte sich das Prinzip der Verfremdung der gegenständlichen Welt zunutze. Er wählte oftmals zufällig entstandene Strukturen und begann erst später mit ihrer Verfeinerung bis hin zu einem wirklichen Motiv. Seine Vorgehensweise ist mit dem Rohrschach- Test gut zu vergleichen, bei dem gegenständliche Ausdeutung eines nicht figurativen Farbkleckses später mal Aufschluss über das Denken und Fühlen im Unterbewusstsein geben sollen.
Eine weitere wichtige Technik Magrittes ist das „écriture automatique“ 2 – das automatische Schreiben, bei dem die Maler ihre Gedanken und Malbewegungen wie in einem Rausch fliegen lassen können.
Die Arbeiten des Spaniers Joan Miró gelten als Phantasiespiele durch ihre fließenden Linien, Sterne, Kreise und Sonnen, welche den Betrachter meist zum Träumen anregen. Bei seinen Werken scheint es, als würden alle Bildelemente miteinander kommunizieren, um so die Seele des Betrachters in Schwung zu bringen.
Im weiteren Verlauf möchten wir auf den Künstler Salvador D alí näher eingehen, welcher den Surrealismus ganz entscheidend geprägt hat.
3. Salvador Dalí
3.1. Lebenslauf
Salvador Dalí wurde am 11. Mai 1904 als Sohn eines Notars in Figueras, Spanien geboren.
Als Kind galt Salvador als schwererziehbar und zeigte sich gegenüber seinen
2 Krauße, Anna- Carola: Geschichte der Malerei. Könemann Verlag 1995, S. 105
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Mitmenschen höchst aggressiv. Dabei fügte er nicht nur Tieren, sondern auch sich selbst, körperlichen Schaden zu.
Schon während der Schulzeit zeigte Dalí großes Interesse und Talent beim Zeichnen. Während eines Besuches bei Freunden der Familie in El Muli de la Torre, erhielt er erstmals Malunterricht. Dabei waren Dalís erste Vorbilder die Arbeiten von Ramon Pichot. Die ersten Darstellungen seinerseits waren Häuser und Landschaften der katalonischen Umgebung. Die Schule beendete auf dem Gymnasium der Maristen- Brüder.
1918 wurden Dalís ersten Werke im Stadt-Theater von Figueras ausgestellt.
1921 studiere Dalí an der Kunsthochschule von San Fernando in Madrid. In dem Studentenheim freundet er sich mit dem Dichter Federico García Lorca und mit dem Regisseur Luis Bunuel an.
1923 wurde er wegen seiner politisch rebellischen Äußerungen von der Akademie verwiesen. Dalí reiste nach Hause und wurde dort verhaftet. Man verdächtigte ihn, an den gesamten politischen Unruhen im Lande beteiligt gewesen zu sein.
1926 reist er erstmals nach Paris, wo er Pablo Picasso und den Zirkel der Surrealisten um Joan Miró und André Breton kennenlernt. Später reiste er nach Brüssel, wo er vor allem durch die flämischen Künstler stark beeinflusst wurde.
An d er Kunstakademie von Madrid ließ er sich nicht einschreiben, da er die Prüfungskommission für nicht kompetent genug erachtete, sein Werk zu beurteilen.
1929 reiste Dalí ein zweites Mal nach Paris und verliebte sich in Gala Eluard, die Frau des Dichtes Paul Eluard, die nicht nur seine Lebensgefährtin, sondern auch seine Inspiration und Muse wurde. Er und Bunuel drehen zusammen den Film: Ein andalusischer Hund“.
1934 reiste Dalí, nach dem Bruch mit den Surrealisten, in die USA, wo er sich auch während den Kriegsjahre des Zweiten Weltkrieges aufhielt. Dalí konnte hier einige
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Diane Schmidt, 2003, Dalis Werke, Munich, GRIN Publishing GmbH
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