Inhaltsverzeichnis
1. Wahrnehmung 3
1.1 Was ist Wahrnehmung 3
1.2 Die Bedeutung der Sensomotorik 4
2. Geistige Behinderung 5
2.1 Was ist geistige Behinderung 5
2.2 Wahrnehmung geistig Behinderter 6
3. Wahrnehmungsförderung bei geistig Behinderten 7
3.1 Basale Stimulation 8
3.2 Problemlösende Alltagsgeschehnisse (PLAG)
nach Affolter 9
3.3 Sensorische Integration nach Jean Ayres 10
3.4 Snoezelen 12
Literaturverzeichnis 14
2
1. Wahrnehmung
1.1 Was ist Wahrnehmung?
Der Begriff Wahrnehmung wird sehr unterschiedlich definiert. Renate Zimmer definiert Wahrnehmung als „den Prozeß der Informationsaufnahme aus Umwelt- und Körperreizen (äußere und innere Wahrnehmung) und der Weiterleitung, Koordination und Verarbeitung dieser Reize im Gehirn.“ 1 Die Aufnahme der Reize erfolgt über die Sinne des Menschen. Es zählen dabei nicht nur die Sinne Sehen (visuell), Hören (auditiv), Schmecken (gustatorisch), Fühlen (taktil) und Riechen (olfaktorisch), sondern auch das Bewegungsgefühl (Kinästhetik) und der Gleichgewichtssinn (vestibulär). Das taktile, vestibuläre und kinästhetische System zählen dabei zu den Basissinnen (Nahsinne), während die übrigen Sinne als Fernsinne definiert werden. Voraussetzung für das ‚Funktionieren‘ der Fernsinne ist eine normale Entwicklung der Basissinne. Wir nehmen die Umwelt aber „nicht mit einzelnen Sinnen wahr, sondern mit unserer ganzen Person, zu der auch Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen und Erinnertes gehören.“ 2 Die Wahrnehmung besteht also in der Aufnahme von Reizen aus der Umwelt bzw. des eigenen Körpers, die anschließend in einem komplexen Vorgang im Gehirn verarbeitet werden, mit Vorerfahrungen verglichen werden und schließlich in einer Handlung der Person münden.
Die Reizaufnahme ist schon ein aktiver Vorgang, da die Sinnesorgane die auf uns einwirkenden Reize filtern und nur bedeutsame Reize weiterverarbeitet werden. Die Aufnahme von Reizen (Rezeption), deren Speicherung und Wiedererkennung wird als Wahrnehmung bezeichnet. Die Weiterverarbeitung der Reize (Perzeption), die Integration in Denken und Handeln wir als Sensorische Integration bezeichnet. Nach Jean Ayres bedeutet Sensorische Integration den „Prozeß des Ordnens und Verarbeitens sinnlicher Eindrücke (sensorischer Inputs), so daß das Gehirn eine brauchbare Körperreaktion und ebenso sinnvolle Wahrnehmungen, Gefühlsreaktionen und Gedanken erzeugen kann. Die sensorische Integration sortiert, ordnet und vereint alle sinnlichen Eindrücke des Individuums zu einer vollständigen und umfassenden Hirnfunktion.“ 3
1 Handbuch der Sinneswahrnehmung, S.31
2 Handbuch der Sinneswahrnehmung, S.28
³ Bausteine der kindlichen Entwicklung, S.37
3
1.2 Die Bedeutung der Sensomotorik
Die Sinne des Menschen sind von Geburt an funktionsfähig, arbeiten aber noch nicht zusammen. „Erst im Laufe der Auseinandersetzung mit der Umwelt werden einzelne Handlungen und Wahrnehmungen miteinander koordiniert. So bilden sich neue kognitive Strukturen heraus, die die Grundlage der geistigen Entwicklung des Kindes bilden.“ 4 Als erster herausgebild eter Sinn gilt der Tastsinn. Es wurde festgestellt, dass Motorik und Wahrnehmung sehr eng zusammenhängen. Durch Greifen nach Gegenständen und das Berühren und Ertasten von Gegenständen erfährt ein Kind seine Umwelt und lern, auf sie einzuwirken. Piaget bezeichnet die Verbindung von Wahrnehmung und Bewegung mit dem Begriff der Sensomotorik. Die sensomotorische Stufe, die beim nichtbehinderten Kind bis zum 2.Lebensjahr andauert, bildet nach Piaget die erste Stufe in der Intelligenzentwicklung des Menschen, die auf Wahrnehmung und Handlung gründet. Piaget teilt die sensomotorische Stufe in sechs Unterstufen ein. 5 Diese Entwicklungsphase ist gekennzeichnet durch die Einübung angeborener Reflexmechanismen, Wiederholung von Handlungen mit angenehmen Ergebnis, Aneignung erster Fertigkeiten (Assimilation), Einsetzen einer Handlung als Mittel zum Zweck, Differenzieren neuer Handlungsmuster, Experimentieren mit neu erworbenen Handlungsmustern und der ‚Verinnerlichung von Handlungen‘. Diese Entwicklung steht in Zusammenhang mit der Ausbildung synaptischer Verbindungen im Gehirn, die abhängig ist von der Anregung die ein Kind erhält. Zur Entwicklung eines Gehirns bedarf es daher ausreichend Umweltreize, die durch Wahrnehmung des Kindes auf das Gehirn einwirken. Dazu sind allerdings intakte Sinnesorgane zur Aufnahme von Reizen und eine gesunde Verarbeitung der einströmenden Reize notwendig. Da sich das Kind seine Umwelt durch Greifen, Tasten und Fühlen aneignet, sind Bewegung und Wahrnehmung zunächst nicht voneinander zu trennen. Sie bedingen sich gegenseitig, da zunächst etwas wahrgenommen werden muss, damit es betastet werden kann und beim Kind eine genauere Vorstellung über das Objekt entsteht.
4 Handbuch der Sinneswahrnehmung, S.50
5 vgl. Entwicklungspsychologie, Kapitel 11, S.519ff
4
2. Geistige Behinderung
2.1 Was ist geistige Behinderung?
In der Literatur i st der Begriff der geistigen Behinderung nicht einheitlich definiert. Auch Wissenschaften wie z.B. die Psychologie, Medizin und Erziehungswissenschaften weisen keine übereinstimmenden Begriffe oder Theorien geistiger Behinderung vor. Nach der 3.Verordnung nach §47 des Bundessozialhilfeverordnung (Eingliederungshilfe-Verordnung) sind Personen geistig behindert, „die infolge einer Schwäche ihrer geistigen Kräfte in erheblichem Umfange in ihrer Fähigkeit zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft eingeschränkt sind.“ 6
Aus medizinischer Sicht wird die geistige Behinderung auf rein körperliche Ursachen wie z.B. eine Hirnschädigung und/oder genetischen Defekt zurückgeführt. Diese Sichtweise kann aber nur bedingt für eine Definition geistiger Behinderung genutzt werden, da geistige Behinderung auch das Ergebnis sozialer und somatischer Faktoren ist. Zudem „gibt es eine erhebliche Anzahl von Erscheinungsbildern, die als geistige Behinderung bezeichnet werden, deren Ursache aber nach wie vor nicht bekannt sind.“ 7 Meist wird unter geistiger Behinderung „eine intellektuelle Minderbegabung mit daraus resultierenden sozio-kulturellen Anpassungsschwierigkeiten verstanden.“ 8 Die WHO beruft sich bei geistiger Behinderung auf Intelligenz als Maßstab für die Schwere der Behinderung und unterscheidet:
Die alleinige Beschränkung auf den IQ als Festlegung einer geistigen Behinderung ist allerdings sehr umstritten, da allein über den IQ nichts darüber ausgesagt wird, was für Anforderungen eine geistig behinderte Person gewachsen ist. Oft lassen sich bei geistig Behinderten noch weitere Beeinträchtigungen wie Körperbehinderung oder auch Seh-, Hör- und Sprachbehinderungen finden. Der deutsche
6 BSHG,S.64
7 Pädagogik bei mentaler Beeinträchtigung, S.10; zit. nach Harbauer 1979
8 Sozialmedizin, S.255
5
Arbeit zitieren:
Christa Margelisch, 2003, Wahrnehmungsförderung bei geistig Behinderten, München, GRIN Verlag GmbH
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