Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Autor 3
3. Auerbachs Dorfgeschichten 4
4. Dorfgeschichten im Vergleich
4.1 Außenseiter auf dem Dorf 6
4.2 Abschied vom Dorf 9
4.3 Stadt und Land 11
5. Dialekt- und Liedeinschübe 14
6. Schluss 15
7. Literaturverzeichnis 18
1
1. Einleitung
„Die Dorfgeschichte [ist] die erste spezifische literarische Gattung, die das Leben der gegenwärtigen Bauern in ihrer Realität zu gestalten versucht.“ 1
Mit eben dieser literarischen Gattung, genauer, mit Berthold Auerbach und seinen Dorfgeschichten, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. „Von den Zeitgenossen viel gelesen, überschwenglich gelobt und nachgeahmt,“ 2 erschienen in den Jahren 1842 bis 1861 insgesamt dreiundzwanzig Dorfgeschichten Auerbachs. 3 In dieser Arbeit werden lediglich drei seiner Erzählungen behandelt - die recht kurzen Texte „Der Tolpatsch“ (1842) und „Des Schloßbauers Vefele“ (1843) sowie die wesentlich umfangreichere Erzählung „Die Frau Professorin“ (1847). Eine inhaltliche Zusammenfassung wird unterbleiben; die Texte werden als bekannt vorausgesetzt.
Sowohl um die Geschichte, ihren Inhalt und ihr Entstehen als auch die Motivation und Beweggründe des Autors vollends begreifen zu können, ist es unabdingbar, einen kurzen Überblick über Auerbachs Biographie zu geben (Kapitel 2).
Es folgt eine kurze Einführung zu Berthold Auerbachs Dorfgeschichten (Kapitel 3), bevor die drei oben genannten Erzählungen miteinander verglichen werden. Dieser Vergleich bezieht sich rein auf inhaltliche Aspekte und beschäftigt sich mit den Themen „Außenseiter auf dem Dorf“ (Kapitel 4.1), „Abschied vom Dorf“ (Kapitel 4.2) sowie „Stadt und Land“ (Kapitel 4.3). Wie schildert der Erzähler das Außenseiterdasein der Figuren? Ist das Dorf tatsächlich eine Gemeinschaft oder bloß eine Gesellschaft? Ist das Verlassen des Dorfes die einzige Chance, um glücklich zu werden? Wie verändert sich der Blick, wenn das Dorf erst einmal verlassen wurde?
Schlussendlich stellt sich die Frage: Welchen Zweck erfüllen die Dialekt- und Liedeinschübe in Auerbachs Geschichten? (Kapitel 5)
1 Baur, Uwe: Dorfgeschichte. Zur Entstehung und gesellschaftlichen Funktion einer
literarischen Gattung im Vormärz, S.80
2 Hein, Jürgen: Nachwort, In: Auerbach, Berthold: Schwarzwälder Dorfgeschichten, S.287
3 Hein, Jürgen: Nachwort, a.a.O., S.298
2
Der folgende Text erhebt nicht den Anspruch, all diese Fragen eindeutig zu beantworten, wird aber sicherlich Denkanstöße sowie Antwortansätze liefern können.
2. Der Autor
Berthold Auerbach, mit eigentlichem Namen Moses Baruch Auerbacher, der später auch unter dem Pseudonym Theobald Clauber schrieb, kam am 28.Februar 1812 in Nordstetten im Schwarzwald als Sohn eines jüdischen Kaufmanns zur Welt. 4 Auerbach lebte nur dreizehn Jahre in seinem Geburtsort, besuchte dann die Talmundschule in Hechingen, anschließend das Lyzeum in Karlsruhe und schließlich das Gymnasium in Stuttgart. 5 Wie sein Großvater sollte er Rabbiner werden, so nahm er nach dem Abitur zunächst in Tübingen ein Jurastudium auf, wechselte aber sehr bald zu jüdischer Theologie. 6 Als Mitglied der Tübinger Burschenschaft Germania wurde Auerbach 1833 verhaftet und erhielt einen Strafverweis von der Universität. 7 Ein Jahr später konnte er sein Studium in Heidelberg fortsetzen, wurde 1835 jedoch nicht zur Rabbinerprüfung zugelassen. Nur ein Jahr später wurde Auerbach erneut verhaftet wegen seiner Zugehörigkeit zu einer geheimen Studentenverbindung; er musste zweieinhalb Monate Haft auf dem Hohenasperg absitzen. 8 Damit war die Chance auf eine Arbeit als Rabbiner vertan. Nach Abschluss seines Studium bewarb er sich auf eine Predigerstelle in Hamburg - vergeblich. 9 Angebote aus Weimar und Berlin, als Bibliothekar zu arbeiten, lehnte er ab. 10 Auerbachs Wunsch war es, sich dem Journalismus und der Schriftstellerei zu widmen und so begann er 1838 als Kritiker bei der
4 Albrecht, Günter; Böttcher, Kurt; Greiner-Mai, Herbert; u.a.: Lexikon deutschsprachiger
Schriftsteller. Von den Anfängen bis zum Ausgang des 19.Jahrhunderts, S.34
5 Mettenleiter, Peter: Destruktion der Heimatdichtung. Typologische Untersuchungen zu
Gotthelf-Auerbach-Ganghofer, S.40f.
6 Hein, Jürgen: Berthold Auerbach, In: Grimm, Gunter E.; Max, Frank Rainer (Hrsg.): Band 5:
Deutsche Dichter. Romantik, Biedermeier und Vormärz, S.566
7 Farrenkopf, Irmtraud: Familienbilder. Bürgerliche Wahrnehmung bäuerlicher Lebensweise
bei Berthold Auerbach und Peter Rosegger, S.6
8 Hein, Jürgen: Berthold Auerbach, a.a.O., S.566
9 Mettenleiter, Peter, a.a.O., S.42
10 Hein, Jürgen: Berthold Auerbach, a.a.O., S.566
3
Zeitschrift „Europa“. 11 Nach einem unsteten Wanderleben durch zahlreiche deutsche Städte wie Frankfurt am Main, Bonn, Leipzig, Dresden, Breslau, Heidelberg und Wien 12 , ließ er sich schließlich in Berlin nieder 13 und starb am 8.Februar 1882 im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in Cannes. Auf dem Friedhof von Nordstetten wurde er beigesetzt. 14
Seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ aus den Jahren 1843 und 1854 machten ihn zum populärsten Autor seiner Zeit 15 , seine Erzählungen wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt. 16 Auerbach, der „durch die Nationalsozialisten das Schicksal vieler jüdisch-deutscher Autoren teilen mußte und später der Vergessenheit anheimfiel“ 17 , dient heute weder als Schullektüre noch taucht sein Name in vielen Literaturgeschichten auf. In nur wenigen Lexika wird er erwähnt und auch dann oft nur beiläufig.
3. Auerbachs Dorfgeschichten
„Die Dorfgeschichte ist eine Prosagattung, die um 1840 populär wurde und das ganze 19.Jahrhundert hindurch bei Autoren und Publikum sehr beliebt war.“ 18 Berthold Auerbach gilt als ihr Begründer 19 und vermutlich stammt auch die Gattungsbezeichnung „Dorfgeschichte“, die erstmals 1840 auftauchte, von ihm. 20 Dorfgeschichten kamen in Mode und Auerbachs Erzählungen wurden zur „marktgängige[n] Ware“. 21 1880 schrieb Auerbach in einem Brief über seine Dorfgeschichten: „Ohne daß ich es wußte und wollte (denn ich schrieb damals die Geschichten
11 Farrenkopf, Irmtraud, a.a.O., S.7
12 Hein Jürgen: Berthold Auerbach, a.a.O., S.567
13 Farrenkopf, Irmtraud, a.a.O., S.7
14 Mettenleiter, Peter, a.a.O., S.43
15 Albrecht, Günter; Böttcher, Kurt; Greiner-Mai Herbert; u.a., a.a.O., S.35
16 Hein, Jürgen: Berthold Auerbach, a.a.O., S.568
17 Hein, Jürgen: Berthold Auerbach, a.a.O., S.568
18 Kircher, Hartmut: Dorfgeschichten aus dem Vormärz, S.5
19 Jansen, Josef; unter Mitarb. von Hein, Jürgen; u.a.: Einführung in die deutsche Literatur des
19.Jahrhunderts. Band 2: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des
Imperialismus, S.60
20 Hein, Jürgen: Dorfgeschichte, S.68
21 Böttcher, Kurt; Geerdts, Hans Jürgen; unter Mitarb. von Heukenkamp, Rudolf: Kurze
Geschichte der deutschen Literatur, S.416
4
aus tiefstem Heimweh) traf ich in den Dorfgeschichten mit einem Zuge der Zeit zusammen...“. 22
Als die Oberschicht ihren Sinn für die bäuerliche Lebensweise und Landschaft entdeckte, reduzierte sich die seit dem Mittelalter in der Literatur zu beobachtende Diskriminierung der Bauern, „seinen literarischen Ausdruck findet dies in der Idylle“. 23 Für den Leser aus der Stadt dient die Dorfgeschichte fortan der Unterhaltung, die Leser in ländlichen Gebieten sollen in allen Lebensbereichen aufgeklärt werden, so schreibt Auerbach in seinen Vorreden zu den Dorfgeschichten: „...so auch glaubte ich, sollten sowohl Städter als Landbürger sich ihnen mit Interesse zuwenden können.“ 24
Trotz der Nähe zur Idylle ist die Dorfgeschichte stets bestrebt, realistisch zu wirken, 25 was sich unter anderem an der Topographie zeigt - so lässt Auerbach seine Geschichten durchweg in seinem Heimatort Nordstetten und/oder dessen unmittelbarer Umgebung spielen. 26 Es scheint, als wolle der Autor mittels seiner Erzählungen ein vollständiges Bild seines Heimatdorfes schaffen, er schreibt von Land und Leuten, er schildert Bräuche und Kirchgänge, er schmückt seine Geschichten mit Versen, Reimen und Liedgut. 27 An seinen Verleger Cotta schrieb Auerbach, dass seine Dorfgeschichten „das ganze häusliche, religiöse, bürgerliche und politische Leben der Bauern abbilden“ 28 sollen und in seinen Vorreden heißt es: „Ich habe versucht, ein ganzes Dorf gewissermaßen vom ersten bis zum letzten Hause zu schildern.“ 29
Wie beinahe alle Autoren die bis 1870 Bauernepik verfassten, gehörte auch Auerbach dem Bürgertum an; 30 als Journalist und Städter
22 Jansen, Josef, a.a.O., S.72
23 Jansen, Josef, a.a.O., S.59
24 Auerbach, Berthold: Schwarzwälder Dorfgeschichten, S.3
25 Jansen, Josef, a.a.O., S.59f.
26 Miller, Norbert: Dorfgeschichte und Dorfroman, In : Glaser, Horst Albert: Deutsche
Literatur. Eine Sozialgeschichte. Band 7: 1848-1880. Vom Nachmärz zur Gründerzeit:
Realismus, S.185
27 Miller, Norbert, a.a.O., S.186
28 Jansen, Josef, a.a.O., S.68
29 Auerbach, Berthold, a.a.O., S.5
30 Zimmermann, Peter: Der Bauernroman. Antifeudalismus-Konservatismus-Faschismus, S.22
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Arbeit zitieren:
Christiane Pötter, 2003, Berthold Auerbach: Schwarzwälder Dorfgeschichten - eine Einführung und ein Vergleich dreier Erzählungen, München, GRIN Verlag GmbH
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