Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Brüder Grimm 3
3. Überlieferung der Märchen 5
4. Merkmale und Struktur der Gattung Märchen 7
5. Die Familie in Grimms Märchen
5.1 Die Stiefmutter 9
5.2 Geschwisterbeziehungen 11
5.3 Liebesbeziehungen 13
6. Schluss 15
7. Literaturverzeichnis 18
1
1. Einleitung
Die Märchen der Brüder Grimm sind in „unzähligen Ausgaben, Bearbeitungen, Übersetzungen als Schul-, Kinder-, Jugend- und Hauslektüre in aller Welt verbreitet.“ 1 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit allen zweihundertzehn 2 veröffentlichten Erzählungen, sondern hat einige wenige, nämlich die gängigsten und am weitesten verbreiteten, Geschichten herausgegriffen, welche hier als bekannt vorausgesetzt werden; eine inhaltliche Zusammenfassung wird nicht angefertigt.
Zunächst soll ein kurzer Überblick über das Leben der Brüder Grimm gegeben werden (Kapitel 2), um anschließend zu erläutern, wie die Märchen, die sich die Menschen über Jahrhunderte hinweg erzählt haben, schließlich in schriftliche Form gebracht wurden und letztendlich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus populär wurden (Kapitel 3). Es folgt ein theoretischer Abriss über die Merkmale und Struktur der Gattung Märchen (Kapitel 4), welcher hilfreich zum Verständnis des anschließenden Kapitels beiträgt.
Max Lüthi schreibt: “Die Handlungsträger stehen in keiner lebendigen Beziehung zu Familie, …. Sie gehen allein in die Welt.“ 3 Dass dem nicht so ist, beweist Kapitel 5, welches sich mit der Familie im Märchen und der Beziehung einzelner Familienmitglieder zueinander beschäftigt: Ist die Stiefmutter tatsächlich immer die Böse? Welche Motivation hat sie; gibt es Gründe für ihr unmoralisches Verhalten? Brechen auch unter Stiefgeschwistern Konflikte auf? Warum harmonisieren leibliche Geschwister? Wie funktioniert die Liebe? Ist es wahrhaftig einzig und allein die Schönheit des Gegenübers, welche von Bedeutung ist? Der folgende Text versucht die Familienverhältnisse in den Grimmschen Märchen zu erläutern, zu hinterfragen und zu analysieren,
1 Doderer, Klaus; unter Mitarb. von Aley, Peter; Bühler, Ursula; u.a.: Das bedrückende Leben
der Kindergestalten in den Grimmschen Märchen. In: Klassische Kinder- und Jugendbücher.
Kritische Betrachtungen, S.137
2 Michaelis -Jena, Ruth: Die Brüder Grimm, S.120
3 Kaminski, Winfried: Vom Zauber der Märchen. Ein pädagogischer Leitfaden zu den
Sammlungen der Brüder Grimm, S.24
2
um schlussendlich Antworten, Ideen und Denkanstöße auf oben genannte Fragen geben zu können.
2. Die Brüder Grimm
Im Februar 1783 heiratete der Stadtsekretär Philipp Wilhelm Grimm die junge Dorothea Zimmermann. Zwei Jahre später - am 4. Januar 1785wurde Jacob Ludwig Carl, bekannt als Jacob, in Hanau geboren; gut ein Jahr später - am 24. Februar 1786 - kam sein Bruder Wilhelm Karl, bekannt als Wilhelm, zur Welt. Die beiden Brüder waren die ältesten von insgesamt neun Geschwistern, von denen schon drei im Kindesalter verstarben.
Juliane Charlotte Friederike Schlemmer, von Jacob und Wilhelm Tante Schlemmer gerufen, war die verwitwete, kinderlose Schwester ihres Vaters. Sie war es, die den Jungen lesen und schreiben beibrachte und erste biblische Geschichten erzählte.
Als der Vater im Jahre 1791 zum Amtmann in Steinau ernannt wurde, verließ die Familie Hanau und zog in die Kleinstadt im Kinzigtal. Hier verbrachten die Brüder eine sorglose Kindheit, bis im Januar 1796 ihr Vater mir nur vierundvierzig Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Ein weiterer Schicksalsschlag für die Kinder war der Tod von Tante Schlemmer noch im selben Jahr. Die Witwe Grimm musste das Amtshaus verlassen, die Finanzen wurden knapp. Deshalb entschloss sie sich im Jahre 1798, das Angebot ihrer kinderlosen Schwester Henriette Philippine Zimmer anzunehmen - sie übernahm von nun an die Verantwortung für die Jungen; Jacob und Wilhelm waren jetzt zwölf und dreizehn Jahre alt. 4
Der Wunsch des Vaters war es, dass seine Söhne, wie auch er selbst, Jura studierten; 5 so nahm Jacob nach dem Besuch des Lyceum Fridericianum in Kassel 1802 in Marburg das Studium der
4 Michaelis -Jena, Ruth, a.a.O., S.15ff.
5 Michaelis -Jena, Ruth, a.a.O., S.31
3
Rechtswissenschaften auf, 6 sein Bruder Wilhelm folgte ihm ein Jahr später. Eine juristische Karriere aber strebten die Brüder nicht an . Es war vielmehr die Literatur, die sie begeisterte. Durch den Professor Philipp Friedrich Weis lernten Jacob und Wilhelm Clemens Brentano kennen, dieser kannte wiederum Achim von Arnim. Gemeinsam begannen die vier jungen Männer mit der Sammlung alter deutscher Volkslieder. 7
Nach erfolgreichem Abschluss seines Studium 1806 nahm Jacob eine gutbezahlte Stelle als Verwaltungsbeamter beim Kriegsdepartement in Kassel an. 8 Wilhelm, der „sein Studium ohne Abschluß abbrechen mußte“ 9 , wurde bald als einziger Deutscher zum „Auditeur au Conseil d’Etat“ ernannt, so dass auch sein gutes Gehalt der Familie Sicherheit gab.
Als im Mai 1808 die Mutter der Brüder mit Anfang fünfzig nach kurzer Krankheit starb, wurde Jacob mit dreiundzwanzig Jahren zum Familienoberhaupt; kurze Zeit später nahm er eine Stelle als Bibliothekar in Kassel an. 10
1825 heiratete Wilhelm die Apothekerstochter Dorothea Wild; den Junggesellen Jacob integrierte er wie selbstverständlich in seine Familie.
So verließen sie 1829 gemeinsam ihre hessische Heimat, um in Göttingen Bibliothekarsstellen und Professuren anzunehmen. Der Protest der „Göttinger Sieben“, denen auch Jacob und Wilhelm angehörten, führte zu ihrer Amtsenthebung; die Brüder mussten Göttingen verlassen. Die drei folgenden Jahre fanden sie Unterschlupf bei ihrem jüngsten Bruder in Kassel und lebten ausschließlich von den Erträgen ihrer wissenschaftlichen Publikationen, bis sie einen Ruf nach Berlin erhielten. 11
Vor allem Jacob war auch politisch aktiv, so wurde er 1848 Abgeordneter im Frankfurter Parlament. 12
6 Kaminski, Winfried, a.a.O., S.19
7 Michaelis -Jena, Ruth, a.a.O., S.36ff.
8 Rölleke, Heinz: Jacob und Wilhelm Grimm. In: Gunter, E.; Max, Frank Rainer (Hrsg.):
Deutsche Dichter. Leben und Werk deutschsprachiger Autoren, S.232
9 Rölleke, Heinz: Jacob und Wilhelm Grimm, a.a.O., S.232
10 Michaelis -Jena, Ruth, a.a.O., S.37
11 Rölleke, Heinz: Jacob und Wilhelm Grimm, a.a.O., S.232
12 Kaminski, Winfried, a.a.O., S.19
4
Wilhelm, der schon früh an einer Herzerkrankung litt 13 , starb am 16. Dezember 1859. Am 20. September 1863 starb auch Jacob. 14
3. Überlieferung der Märchen
Über Jahrhunderte erzählten sich die Menschen Märchen. Sie dienten „zur Unterhaltung, Förderung der Arbeit und zum Wegverkürzer.“ 15 Angeregt von ihrem Freund Clemens Brentano, beschlossen die Brüder Grimm 1806, Volksmärchen zu sammeln und niederzuschreiben, in der Überzeugung, „dieses köstliche Erbgut festzuhalten.“ 16 In den folgenden zwei Jahren zogen die Brüder getrennt voneinander durch Hessen, um sich von Gewährspersonen Geschichten erzählen zu lassen, die sie zunächst wortgetreu aufzeichneten. 17 Die Gewährspersonen waren zum größten Teil Frauen - die meisten von ihne n „jung, unverheiratet und gebildet“. 18 Viele Erzählungen kamen aus den Main- und Kinziggegenden in der Grafschaft Hanau 19 oder wurden von Angehörigen des Kasseler Stadtbürgertums überliefert. 20 Hierzu zählte auch die Apothekerstochter Dorothea Wild, die später Wilhelms Frau werden sollte. Eifrige Erzählerinnen wurden außerdem Jeanette und Amalie Hassenpflug, die beiden Freundinnen von Jacobs und Wilhelms jüngster Schwester Lotte. Wie heute feststeht, wurden ihre Märchen stark vom französischen Erbe der Mutter beeinflusst. 21 Auch eine junge Holländerin, ebenfalls mit Lotte befreundet, steuerte Geschichten zur Grimmschen Sammlung bei. Befragt wurden auch einige wenige Männer, nämlich ein Schäfer „auf der kahlen Kuppe des Brunsbergs bei Höxter“ 22 und der alte Dragonerwachtmeister Krause,
13 Rölleke, Heinz: Jacob und Wilhelm Grimm, a.a.O., S.233
14 Kaminski, Winfried, a.a.O., S.19
15 Kim, Chong-Chol: Die weiblichen Figuren im Grimmschen und im koreanischen Märchen,
S.45
16 Michalis -Jena, Ruth, a.a.O., S.42
17 Scurla, Herbert: Die Brüder Grimm. Ein Lebensbild, S.77
18 Kim, Chong-Chol, a.a.O., S.48
19 Scurla, Herbert, a.a.O., S.77
20 Rölleke, Heinz: Die Märchen der Brüder Grimm. Quellen und Studien. Gesammelte
Aufsätze, S.199
21 Michaelis -Jena, Ruth, a.a.O., S.43
22 Scurla, Herbert, a.a.O., S.77
5
Arbeit zitieren:
Christiane Pötter, 2004, Familienbeziehungen in den Märchen der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag GmbH
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