Gliederung
1. Einleitung
2. Gesellschaftspolitische Situation während der Aufklärung
3. Lesegesellschaften
4. Lektüre in der höfischen Gesellschaft
5. Die Leserin im 18. Jahrhundert
5.1. Lektürepraxis von Frauen
6. Georg Forster
6.1. Eine kurze Biographie
6.2. Georg Forsters Bibliothek
6.2.1. Die Buchbeschaffung
6.2.2. Die Anschaffungspraxis
6.2.3. Die Lektürepräferenzen
6.2.4. Das Lektüreverhalten
7. Zusammenfassung
8. Verwendete Literatur
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1. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich mit der Lesekultur im 18. Jahrhundert beschäftigen. Da ich die Lesekultur als Ausdruck der kulturellen Praxis jener Zeit sehe, erachte ich es als sinnvoll, zunächst auf die gesellschaftspolitische Situation während der Aufklärungszeit und ihren Akteuren einzugehen um im weiteren Verlauf der Ausarbeitung zu untersuchen, welche unterschiedlichen Lesepraktiken vorherrschten, welche Bedeutung das Lesen für die Menschen im 18. Jahrhundert hatte und welche verschiedenen Formen der Leseorganisationen es gab. Im letzten Abschnitt meiner Ausarbeitung möchte ich den Revolutionär Georg Forster vorstellen, wobei ich hierbei nicht Georg Forster persönlich, sein Leben bzw. seine Werke vorstellen möchte, sondern mich größtenteils mit der Zusammenstellung seiner Bibliothek auseinandersetzen werde.
2. Gesellschaftspolitische Situation während der Aufklärung
Deutschland kann man zur Zeit der Aufklärung als ständisch strukturierten Staat bezeichnen. An oberster Stelle stand dabei der Hof, zu dem nur der hoch privilegierte Adel Zugang hatte. Er besaß die Macht und Herrschaft in Deutschland und definierte sich besonders durch Repräsentation. Außerdem versuchte er sich nach außen sehr stark vom zweiten Stand, dem Bürgertum, zu distanzieren. Das Bürgertum war vorwiegend im Handel und im Handwerk tätig, wobei sich die Tätigkeitsfelder aber im Laufe des 18. Jahrhunderts noch erweitern bzw. verändern. Auch hier erfolgte eine Unterscheidung in das Gewerbe- und Handelsbürgertum und die handarbeitende U nterschicht. Nicht als separaten Stand, doch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hatte die Kirche inne. Dieser wirkte sich insbesondere auf die öffentliche Moral und das Ausbildungswesen aus. Sowohl Volksschulen, Gymnasien und Universitäten standen unter i hrer Kontrolle, d.h. sie erfüllte damit im 18. Jahrhundert noch so genannte „staatliche“ Aufgaben. Ohne politische Rechte und lediglich für die Nahrungsversorgung zuständig, war der dritte Stand: die Bauern. Die Stände konnte man weder frei wählen oder verändern, noch sich den damit verbundenen Kontrollen und Reglementierungen entziehen. Sie lebten streng voneinander
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getrennt, das Leben wurde hierbei in religiöser, familiärer und wirtschaftlicher Hinsicht geregelt. Erst mit der Verbreitung eines aufklärerischen Bewusstseins konnte diese ständischen Barrieren teilweise aufgebrochen werden. Durch das Herausbilden einer neuen Handelsbourgeosie und dem steigendem Bedarf an Verwaltungskräften kam es zu einem teilweisen Bruch mit den ständischen Schranken und zur Etablierung einer neuen sozialen Klasse, dem „neuen Bürgertum“. Dieses setzte sich insbesondere aus der gebildeten Mittelschicht zusammen. Zu dieser gehörten vorrangig Beamte, Gelehrte, Geschäftsmänner, Wissenschaftler oder Künstler. Sie standen Reformen gegenüber offen und orientierten sich weniger an ständischer Ehre und alten Traditionen. Gerade das Infragestellen der traditionellen Ordnung und die Ausbildung g emeinsamer Reformen war unter anderem Gegenstand ihres Interesses. Daraus entwickelten sich im 18. Jahrhundert neue Kommunikationsformen, welche unter anderem durch die Gründungen von Lesegesellschaften aktiv mitgestaltet wurden. Besonders die Entwicklung einer neuen Bildungsschicht trug zur Bildung dieser neuen Kultur bei. Das „neue Bürgertum“ bildete sich zum einen weiter, um höhere Ämter zu erlangen, aber zugleich war Bildung, d.h. Lesen, ein Mittel, sich gegenüber dem Adel zu profilieren. Das gebildete Bürgertum sah das Lesen als Privileg und Auszeichnung an.
3. Lesegesellschaften
Die Lesegesellschaften spielten insbesondere bei der Verbreitung der Aufklärung eine entscheidende Rolle, sie werden auch als aufklärerische Gesellschaft bezeichnet. In den Lesegesellschaften erkennt man verschiedene Formen der Leseorganisation. Entstanden sind sie ursprünglich aus der Motivation, interessante Lektüre möglichst preisgünstig zu beziehen. So entschlossen sich Interessenten für eine gemeinsame Bibliothek oder einem
Gemeinschaftsabonnement. E ine zweite Form sind die Lesezirkel- oder Lesekreise. Bei dieser Organisationsform wurden die Bücher gemeinsam gekauft und der Reihe rum gelesen. Als dritte Form spielten die Lesekabinette eine nicht unerhebliche Rolle. Wie der Name schon vermuten lässt, wurden extra Räume gemietet, welche sich aber noch einmal hinsichtlich ihres Zweckes unterschieden.
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Zum einen gab es einen Leseraum in dem Bücher gelesen und aufbewahrt wurden. Zum anderen diente ein so genannter Unterhaltungsraum als Ort der Diskussion der vorgestellten Lektüre oder zur Abhaltung von Sitzungen. Im Mittelpunkt dieser Treffen stand die gelehrte Unterhaltung bzw. ein lehrreiches Zusammensein, woraus sich aufgrund dessen, wie oben schon erwähnt, in den Lesekabinetten wichtige Kommunikationszentren entwickelten. Die Themen, welche diskutiert wurden, umfassten ein breites Spektrum. Es wurde allgemein über politische Journale bzw. über das politische Tagesgeschehen gesprochen, ebenso über Themen der Nationalökonomie und dem Rechtsl eben. Grundsätzlich spielte bei der Aufnahme eines Mitglieds in eine Lesegesellschaft oder in einen Lesezirkel der Stand keine Rolle. Durch die selbst auferlegte demokratische Organisationsstruktur sollten alle Interessierte gleichberechtigt behandelt werden. In der Bonner Lesegesellschaft wurden so zum Beispiel die Plätze einer Versammlung nach dem Losprinzip verteilt. Nichts desto trotz sind auch in der Lesegesellschaft soziale Grenzen erkennbar. So erkennt man an Hand der Mitgliederliste, dass keine Angehörigen der Mittel- und Unterschicht, aber auch keine Frauen zu einer Lesegesellschaft zählten. Dies erklärt sich unter anderem daraus, dass der Mitgliedsbeitrag, we lcher ungefähr bei 4 Reichstalern im Jahr lag, nur von der Oberschicht aufgebracht werden konnte. Auch die obligatorischen Abonnements verwehrten weniger zahlungskräftigeren Bürgern den Zugang. An Hand der „Gesetze der Lesegesellschaft“ kann man die Strukturen und Interessen ihrer Mitglieder analysieren. Als oberste Instanz der Bonner Lesegesellschaft fungierte die Mitgliederversammlung. Hier wurden über Vorschläge eines jeden Mitglieds diskutiert und Entscheidungen per Mehrheit getroffen. Diese, für uns heute selbstverständlichen demokratischen Prinzipien, waren im 18. Jahrhundert bemerkenswert. Der Gesellschaft war es enorm wichtig, dass die Entscheidungsgewalt beim Mitglied lag. Ebenso wurden regelmäßigen Kritik und Anregungen aus dem, extra zu diesem Zeck erschaffenen, 'Depositenkastens' diskutiert. Hervorzuheben ist, dass diese neue Form des Umgangs zwischen Adel und Bürgertum auf Gleichberechtigung und Selbstverwaltung gestützt war. Meist trafen sich zu den Gesprächen, Diskussion und Vorträgen Kaufleute, Professoren, Ärzte und ein nicht geringer Teil Adeliger. Auffällig ist aber, dass nicht überwiegend das traditionelle Bürgertum anwesend war, sondern das sich neu
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Arbeit zitieren:
Madeleine Cords, 2002, Lesekulturen im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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