Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Problemstellung. 3
3. Lernen aus pädagogischer und psychologischer Sicht. 3
4. Lernen in Gruppen. 5
4.1 Gruppen: Was ist eine Gruppe? 5
4.2 Kooperatives Le rnen. 7
5. Lernen unter konstruktivistischer Perspektive. 8
5.1 Zusammenhänge zwischen kognitivistischer und konstruktivistischer
Lernauffassung. 8
5.2 Situiertes Lernen. 11
5.3 Selbstgesteuertes Lernen. 11
5.4 Problemorientiertes Lernen. 12
5.5 Lerntransfer. 12
6. Kooperatives Lernen am Beispiel von Qualitätszirkeln. 12
7. Zusammenfassung und Ausblick. 13
8. Literaturverzeichnis. 15
II
Einleitung
Warum ist kooperatives Lernen wichtig?
Die Betonung eines kooperativen Lernansatzes erlangt in einer immer stärker diversifizierten Welt zunehmend an Bedeutung. In unserer pluralistischen Gesellschaft ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Unterschiede anzuerkennen und zu akzeptieren, unabdingbar. Dies gilt sowohl für den Bereich der schulischen und beruflichen Erstausbildung, als auch für die Bereiche der Weiterbildung und Erwachsenenbildung, welche als Prozess des lebenslangen allgemeinen, politischen und beruflichen Lernens verstanden werden (Siebert, 2001).
Heidack und Schulz (1989) betonen, dass der Aspekt des lebenslangen Lernens eine ganzheitliche Sicht des Lernens und Lehrens in Aus- und Weiterbildung verlangt. Das bedeutet, dass die Ausbildung bereits auf die spätere Weiterbildung im Beruf bzw. am Arbeitsplatz vorbereiten soll und zu individuellem selbstgesteuertem Lernen, d.h. zur Selbstqualifikation, befähigen soll. Denn gerade die Selbstqualifikation ist vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lernorte während der Weiterbildung, z.B. durch Arbeitsplatzwechsel oder durch die Teilnahme an Arbeitsgruppen von Bedeutung. Das Angebot an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen ist in den letzten Jahren sehr gewachsen, wenngleich sich aufgrund der aktuellen konjunkturellen Situation mittlerweile die Spreu vom Weizen zu trennen scheint. Fakt ist, dass kaum ein Unternehmen darauf verzichten kann seine Mitarbeiter zu schulen und weiterzubilden. Trainings und Weiterbildungsmaßnahmen zur Teambildung, Teamcoaching, zur Unterstützung von Gruppenprozessen und -kommunikation sind nach wie vor fester Bestandteil im Weiterbildungsangebot. Vor diesem Hintergrund kann der von Heidack näher untersuchten kooperative Selbstqualifikation eine große Bedeutung zugeschrieben werden. Kooperative Selbstqualifikation meint den Lernprozess, bei dem Personen mit unterschiedlichen Fachkenntnissen und Berufserfahrungen gemeinsam Aufgaben bearbeiten und Problem-und Konfliktlösungen entwickeln und hierdurch in der Gruppe gemeinsam voneinander und miteinander lernen (Heidack, 1989).
Die konstruktivistische Lernperspektive, welche situiertes, selbstgesteuertes und proble morientiertes Lernen umfasst, ist aus Sicht des Verfassers eine Möglichkeit, der Forderung nach einem ganzheitlichen und kooperativen Lernansatz gerecht zu werden.
2
Um den Leser auf die konstruktivistische Lernperspektive hinzuführen wird zunächst das Lernen aus pädagogischer und psychologischer Sicht erläutert. Danach wird dargelegt was unter kooperativem Lernen zu verstehen ist. Zum besseren Verständnis darf eine wissenschaftliche Sicht von Gruppen nicht fehlen. Im Anschluss wird die kons truktivistische Lernperspektive eingehender betrachtet und mit dem kooperativen Lernen in Beziehung gesetzt. Am Ende werden das Konzept der Qualitätszirkel und Ansätze für die Implementierung lernförderlicher Arbeitsbedingungen vorgestellt.
1. Problemstellung
Die traditionelle Lernauffassung sieht den Lerner eher in einer passiven Lernrolle. Renkl (1997) sieht die Hauptprobleme, die einer erfolgreichen aktiven Wissenskonstruktion im Wege stehen, gerade in einer passiven Lernhaltung und in der mangelnden Fähigkeit zur praktischen Anwendung des erlernten theoretischen Wissens, dem so genannten trägen Wissen. Hinzu kommt, dass der passive Lerner zwischen bereits gespeichertem Wissen und neu erworbenem Wissen kaum Verknüpfungen herstellen kann und seinen Wissenserwerb nur unzureichend überwacht bzw. eigenständig steuert. Insbesondere durch die klassische Lehrform des Frontalunterrichtes wird die Passivität verursacht bzw. verstärkt.
Pädagogisch-psychologische Ansätze zum situierten, selbstgesteuerten und kooperativen Lernen versuchen aktive, transferorientierte Lernumgebungen zu generieren. In der Literatur werden diese Ansätze unter der konstruktivistischen Lernperspektive zusammengefasst.
3
3. Lernen aus pädagogischer und psychologischer Sicht
Die Betrachtung der konstruktivistischen Lernperspektive als pädagogisch-psychologisch übergreifendes Forschungsfeld erfordert zunächst eine Klärung des Begriffs Lernen. Folgt man der von Gage und Berliner (1996, S. 230) aufgestellten Definition von „Lernen als den Prozess, durch den ein Organismus sein Verhalten als Resultat von Erfahrungen ändert“, führt einen dies zur behavioristischen Lerntheorie, die sich insbesondere mit dem Aufbau und der Veränderung von Verhaltensweisen beschäftigt.
Skinner - als einer der bedeutensten Vertreter des Behaviorismus - und andere Forscher haben bewiesen, dass Gewohnheiten und Verhaltensweisen durch den Aufbau von Reiz-Reaktions-Verbindungen erlernt und wieder verlernt werden können (Steiner, 2001). Hiernach können bestimmte Reizsituationen, die als Verstärker wirken, zu Verhaltensänderungen führen. Insbesondere mit positiven Verstärkern (z.B. Lob oder Belohnung nach einer gelungenen Klausur) lassen sich Verhaltensweisen zuverlässig aufbauen oder verändern (ebd., S. 143). Unerwünschte Reaktionen lassen sich durch Bestrafung, d.h. durch einen negativen oder aversiven Stimulus auf eine bestimmte Reaktion hin eliminieren (Gage & Berliner, 1996), wobei dem Bestraften entsprechende Alternativen zu seinem „Fehlverhalten“ aufzuzeigen sind. Fraglich ist dagegen, ob das Bestrafen überhaupt funktioniert und entsprechend pädagogisch und ethisch zu vertreten ist. Edelmann (2000) betont, dass Bestrafung das entsprechende Verhalten nur unterdrückt.
Darüber hinaus werden viele Verhaltensweisen durch Beobachten und Nachahmen von den Verhaltensweisen anderer Menschen erlernt (Steiner, 2001). Dieses so genannte „Lernen am Modell“ geht auf Bandura zurück, den Begründer der sozial-kognitiven Lerntheorie. Zentrales Kriterium dieser Theorie ist, dass zwischen der Anregung des Verhaltens durch ein beobachtetes Modell und der Ausführung des Verhaltens durch den Beobachter (Le rner) kognitive Prozesse stattfinden. Gemeint sind Erkenntnis bezogene Prozesse, welche die spätere Ausführung steuern.(Edelmann, 2000) Das eigentliche Lernen findet in der Aneignungsphase statt, in der der Lerner das „Modellverhalten“ aufmerksam beobachtet, im Gedächtnis speichert, d.h. behält. Danach folgt die Reproduktion des beobachteten Verhaltens, maßgeblich beeinflusst durch eine positive oder negative Verstärkung, welche motivierende bzw. demotivierende Funktion hat. (Gage & Berliner, 1996) Zusammenfassend kann man sagen, dass durch Kognitionen Wissen erworben wird (Edelmann, 2000).
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Arbeit zitieren:
Roman Klein, 2003, Kooperatives Lernen vor dem Hintergrund einer konstruktivistischen Lernperspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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