Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
2.Tirpitz- Initiator der Flottenrüstung 5
3.Tirpitz innenpolitische Durchsetzungskraft gegenüber dem Reichstag 7
4.Entwicklung des deutsch- englischen Gegensatzes in der Ära Tirpitz 9
4.1 Die Tirpitz- Doktrin 9
4.2 Die Reaktion Englands auf die deutsche Herausforderung 12
5.Bedeutung der Flotte und des Deutschen Flottenvereins für das Bürgertum 15
6.Zusammenfassung 18
7.Literaturverzeichnis 20
7.1 Aufsätze 20
7.2 Monographien 20
7.3 Quellensammlung 21
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1. Einleitung
„ Aber, mein liebes Kind, steige nur ruhig und unverdrossen, endlich wird der Gipfel
auch erstiegen sein, von dem Du dann eine köstliche Aussicht haben wirst.“ 1 Eine Lebensweishe it, die dem jungen Tirpitz von seinem Vater vermittelt wurde und die er in späteren Jahren in seinem Denken und Streben beherzigen sollte. Beschäftigt man sich mit der Person Tirpitz und der deutschen Flottenrüstung, muss man feststellen, dass eine große Menge an Publikationen auf diesem Gebiet erschienen sind. Im Jahr 1959 behauptete der Historiker Fritz Fischer, dass das Deutsche Reich die Hauptverantwortung für den sich aus der Julikrise 1914 entwickelnden Weltkrieg
trug. 2 Die daraus resultierende sogena nnte Fischer- Kontroverse beschäftigte Historiker aus dem In- und Ausland. Einige deutsche Geschichtswissenschaftler sprachen sich gegen Fischer aus, Zustimmung dagegen fanden seine Thesen vor allem außerhalb der bundesdeutschen Grenzen. Aus diesem Historikerstreit gingen eine große Anzahl an Publikationen hervor, die sich mit den Ansichten von Fischer, insbesondere bezüglich der Flottenrüstung des Deutschen Reiches auseinandersetzen. Sie bilden die literarische Grundlage für meine Arbeit. Dabei sollte erwähnt werden, dass aus Sicht der Historiker dieses Stück neuerer Geschichte seit Mitte der 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts als erforscht gilt. Man geht davon aus, dass das Auftauchen neuer Dokumente die bisher erlangten Erkenntnisse nicht mehr verändern, sondern die bestehenden Ansichten eher ergänzen bzw. unterstützen werden. Deshalb liegt der Schwerpunkt mehr in der Auswahl der richtigen und wichtigen Literatur, die den besten Einblick in die Thematik verschafft. Besonders interessiert mich, welche Handlungsmotivation in dem Aufbau einer großen Flotte für Tirpitz bestand und die daraus abzuleitende Haltung des Bürgertums. Weiterhin erscheint mir die Durchsetzung seiner Ziele auf nationaler und internationaler Ebene, in welcher der deutsch- englische Gegensatz eine bedeutende Rolle spielt, beleuchtenswert. Mit Alfred Tirpitz, der nach langen innenpolitischen Auseinandersetzungen das Reichsmarineamt übernahm, begann der Aufschwung in der deutschen Flottenrüstung. Sein Amtsantritt bietet die Möglichkeit einer Zäsur, um von dort aus den deutschen Rüstungsprozess bis in den Krieg hinein zu verfolgen. Dabei möchte ich mich auf die Jahre bis einschließlich 1910 beschränken, da sich der Rüstungswettlauf bereits in dieser Zeit zu Gunsten Englands entschieden hatte. Der damit verbundene Verlust der
1 B. Kaulisch, Alfred von Tirpitz, Berlin (Ost) 1982, S.18
2 Vgl. In: Historische Zeitung 188 (1959) , S. 249 ff.
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aktiven und provokanten Rüstungspolitik, die für Tirpitz so charakteristisch war, bedeutete auch das Eingeständnis, mit der englischen Technik, dem Know-how und der Wirtschaftskraft nicht mithalten zu können. Zu Beginn werde ich eine kurze Vorstellung der Person von Alfred Tirpitz vornehmen. Darauf folgt eine Skizzierung seiner wichtigsten innenpolitischen Errungenschaften im Bereich der Flottenrüstung, um dann darauf basierend konkreter auf die außenpolitische Ebene eingehe n zu können. Der letzte Schwerpunkt meiner Arbeit setzt sich im Wesentlichen mit der Bedeutung der Flotte für das Bürgertum auseinander.
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2. Tirpitz- Initiator der Flottenrüstung
Alfred Tirpitz, geboren 1849, war ein Technokrat, der die Verwirklichung des
deutschen Weltmachtstrebens im Aufbau einer großen, mächtigen Flotte sah. Aus dem Bildungsbürgertum stammend, hoffte er auf eine Karriere bei der Marine, da dort die
Bedeutung der Herkunft im Gegensatz zur Garde - die sich auf den Adel beschränkte - als nebensächlich angesehen wurde. Schließlich war ihr militärisches Potential und Prestige dem anderer Militärbereiche untergeordnet und fristete eher ein
kümmerliches Schattendasein. Tirpitz sah sein Ziel darin, diesen Umstand zu ändern
und die Flotte zum Aushängeschild des deutschen Heeres zu gestalten. 3 Die Rezeptur des Erfolges sollte auch die seines persönlichen Aufstiegs sein - die Vereinigung des technischen Fortschritts mit dem bürgerlichen Geltungsbewusstsein. Er war arbeitsam, lernhungrig, hochintelligent, energisch - charakteristischen Eigenschaften, durch die
sich Tirpitz vom Durchschnitt der Marineangehörigen abhob. 4 Intensive Beschäftigung mit Dingen, die nicht direkt seiner Karriere dienten, lagen ihm nicht. 1887 kam es zum
ersten Treffen mit dem jungen Prinzen Wilhelm, dem künftigen Kaiser Wilhelm II., als dieser auf dem Weg zum 50jährigen Regierungsjubiläum der Queen Victoria nach England durch eine Torpedobootflottille eskortiert wurde. Beide träumten den Traum
von einer großen deutschen Kolonial – und Seemacht und waren voller Bewunderung und Neid gegenüber dem britischen Empire. Der Kaiser schwärmte für das
Seemännische und zeigte sich gern der Öffentlichkeit in phantasiereichen Admiralsuniformen. Tirpitz, der Staatssekretär des Reichsmarineamtes von 1897 bis 1916 war, wurde von Wilhelm II. mit der Umsetzung der Flottenrüstung beauftragt,
wobei das von ihm vorgeschlagene Tempo zum Teil die Überlegungen und Vorstellungen des Kaisers übertraf. Als Anhänger des amerikanischen Generals
Mahan, der in seinem Buch „The Influence of Sea Power upon History 1660-1783“ 5 die Erringung der Weltmacht über den Gewinn der Seeherrschaft propagierte, genoss Tirpitz das besondere Wohlwollen des Kaisers, der für alle modernen Gedankengänge
zum Aufbau einer deutschen Seemacht offen war. Darüber hinaus gab es noch zwei weitere Bücher, die die deutsche weltpolitische Anschauung dieser Zeit
wiederspiegelten. Zum einen Heinrich von Treitschkes fünfbändige „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert“, in der sich Bewunderung und Hass für England zu
3 Vgl. M. Salewski, Tirpitz. Aufstieg – Macht – Scheitern, Göttingen 1979, S.30 ff.
4 M. Stürmer, Deutscher Flottenbau und europäische Weltpolitik vor dem Ersten Weltkrieg, Herford 1985, S. 61
5 A.T. Mahan, The Influence of Sea Power upon History 1660-1783, Boston 1890
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gleichen Teilen auf konzentrierte Weise äußerten, sowie die Abhandlung über die natürliche Zuchtwahl unter den Arten von Dr. Darwin, die in Form des sogenannten Sozialdarwinismus auf viele Weise interpretiert und für propagandistische Zwecke missbraucht wurde. So glaubten Männer wie Tirpitz und Wilhelm II. fest an einen unaufhaltsamen Aufstieg der „vitalen Nation“ in der europäischen Mitte. Der Schlüssel dafür lag ihrer Meinung nach in der Vergangenheit Preußens und in der
deutschen Geschichte. 6 Deutschland schien demnach auf der weltpolitischen Ebene zu Höherem berufen. 7 Die wichtigsten innen- und außenpolitischen Gedanken von Tirpitz zu Aufbau und Durchsetzung der Flottenrüstung waren:
1. Die Aufrüstung wäre ein lukratives Geschäft für die einflussreiche Schwerindustrie
(stabiler Absatzmarkt für die expandierenden Eisen- und Stahlwerke des Ruhrgebietes und Oberschlesien).
2. Im Vergleich zu den europäischen Kolonialmächten war die deutsche Marine
relativ klein. Die Provokation, so die Spekulation, wäre demnach nur gering.
3. Der Reichstag würde einer Flottenvergrößerung eher zustimmen, als einer
Vergrößerung des Heeres, da die Flotte sich im Fall eines Bürgerkrieges nicht gegen die Arbeiterschaft einsetzen ließ.
4. Die Sicherung zukünftiger kolonialer Handels- und Nachschubwege wäre damit
garantiert. 8
Dass nicht alle diese Punkte eintrafen, möchte ich am Beispiel des deutsch- englischen Gegensatzes aufzeigen. Als Grundlage dafür muss zunächst näher auf die deutsche Innenpolitik in der Ära Tirpitz eingegangen werden, da in den vom Reichstag bewilligten Flottengesetzen die Ursache für die Spannungen zwischen den beiden Nationen bestand.
6 Vgl. M. Stürmer, Deutscher Flottenbau und europäische Weltpolitik vor dem Ersten Weltkrieg, Herford 1985,
S. 60
7 Vgl. G. E. Weir, The origins of german seapower: military- industrial relationships in the development of the
high seas fleet, 1897-1912, Ann Arbor (Michigan) 1985, S.16 f.
8 Fundus - Online- Forum für Geschichte, Politik und Kultur der späten Neuzeit 1 (1998),
http://www.fundus.d-r.de/1-98/duehrkohp.pdf, S. 34 f.
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Daniel Wewetzer, 2001, Die deutsche Flottenrüstung unter Tirpitz in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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