Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Mission und Kirche in Südafrika - Ein geschichtlicher Überblick 4
3. Einführung und Konsequenzen der Apartheid 6
4. Die Rolle der Kirchen während der Apartheid 7
5. Die verhandelte Revolution - Der Umbruch in Südafrika 9
6. Die Arbeit der TRC 10
7. Ausblick 13
8. Literatur 15
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1. Einleitung
„Als du hierher kamst, hatten wir das Land und du hattest die Bibel; jetzt haben wir die Bibel und du hast das Land“, versucht ein afrikanisches Sprichwort trefflich die Rolle der christlichen Missionare im Zuge der Kolonisierung zu charakterisieren. Auch im Falle Südafrikas unterschied sic h die Missions- und Kolonialgeschichte nicht wesentlich von dieser Feststellung: Vom frühen Handels- und Versorgungsstützpunkt am Kap über die burische Siedlungskolonie hin zur „Submetropole“ im südlichen Afrika, wandelte sich die einstmals von Afrikanern beherrschte Region zum rassistischen Bollwerk einer Apartheid-Doktrin, die zwar weltweit geächtet, aber bis in die 80er Jahre hinein vom Westen noch immer toleriert wurde. Mehr noch als in anderen Kolonialgesellschaften unterlag auch die christliche Mission in Südafrika dem Spannungsfeld zwischen Kirche, Staat und Politik. Im Zuge der Errichtung fremdbestimmter Strukturen führte der religiöse Faktor dabei zu ambivalenten Ergebnissen. Zum einen erfüllte die christliche Religion eine ideologische Modernisierungs funktion gegenüber den traditionellen Sozialsystemen der partikularistisch organisierten Stammesgesellschaften und diente der Integration der kolonisierten Be völkerung in bzw. der Unterwerfung unter das kolonialkapitalistische System. Andererseits aber gewannen die neu vermittelten christlichen Wertvorstellungen in der kolonialen Situation eine unmittelbare politische Bedeutung für den Widerstand gegen die Fremd herrschaft. So wurde die weiße Herrschaftskirche und -theologie, die im Falle Südafrikas durch die calvinistische Prädestinationslehre der burischen Kirche extrem polarisiert wurde durch die Unterteilung in Herrenmenschen und Untertanen entlang der Rassenzugehörigkeit, mit der sozialkritischen Interpretation der christlichen Glaubenslehre durch die missionierten Schwarzen konfrontiert. Deren inhaltliche Deutung stellte das rassistische System in Frage und fand schon früh ihren Ausdruck in der Gründung eigenständiger kirchlicher Organisationen und Institutionen. Dass bereits Mitte des 19. Jhds den christlich-religiösen Bewegungen unter den Schwarzen in Südafrika eine wichtige Rolle in der politischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialregime zufiel, lag auch am rigiden Charakter der Kolonisierung, die durch Vertreibung und Enteignung der Stammesverbände deren Produktions- und traditionellen Überlebens-grundlagen rigoros liquidierte. Da kirchliche Einrichtungen oftmals den einzigen
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organisatorischen Zusammenhalt unter den ihrer traditionellen Organisations formen beraubten afrikanischen Gesellschaften darstellten oder einen neuen Bezugs rahmen ermöglichten, traf die Lehre des CT auf relativ günstige Bedingungen und gewann schon bald an Bedeutung.
Die folgenden Ausführungen sollen die Anfänge der Missionsgeschichte und der schwarzen Kirchenbewegungen in Südafrika beleuchten und das Spannungsfeld zwischen Herrschaft und christlicher Religion verdeutlichen.
2. Mission und Kirche in Südafrika - Ein
geschichtlicher Überblick
Die Anfänge der Politik der Rassendiskriminierung, der Verfolgung und Vernichtung der Afrikaner sowie der politischen und sozialen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung reichen weit in die Geschichte Südafrikas zurück. Diese Politik begann im 17. Jahrhundert, als die kolonialen Eroberer darangingen, die Urbevölkerung des Kaplandes auszurotten und zu versklaven, und erhielt erst im 20. Jhd. unter dem Einfluss der Entwicklung imperia listischer Ausbeutungsmethoden neue Akzente. Die Mehrzahl der sich ab dem 17. Jhd. niederlassenden Buren gehörte der Niederländisch-Reformierten K irche (NGK) an, deren Führung die christliche Religion offen in den Dienst des Kolonialismus stellte, in Südafrika eine herrschende Stellung einnahm und in der gesamten Religionspolitik des Landes den Ton angab. Obwohl die Kapkolonie bereits seit 1806 Großbritannien gehörte, blieb die NGK auch weiterhin Staatskirche, und ihre Geistlichen wurden von der Regierung der Kolonie bezahlt. Die Missionsaktivitäten der NGK jedoch setzten erst spät, gegen Ende des 19. Jhd., ein und auch dann nur in begrenztem Rahmen und ganz im Sinne der von ihr verkündeten Rassendoktrin.
Die führende Rolle in der Missionsarbeit hatten seit Ende des 18. Jhd. die englischen Missionare inne: 1797 nahm als erste die Londoner Missionsgesellschaft ihre Tätigkeit in Südafrika auf. Die römisch-katholische Kirche hingegen begann ihre Missionstätigkeit in Südafrika erst nach 1820 und konnte, nach einem schwierigen Start, erst zu Ende des 19. Jhds. ihre Position in Südafrika festigen. Von Anfang an galt die christliche Mission als eine direkte Waffe der kolonialen Expansion, und die
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Missionare als deren Agenten, da die Missionsstationen die noch unabhängigen Gebiete durchsetzten und mehr oder weniger offen den Weg für die schrittweise Eroberung des Landes vorbereiteten. Für die über die Kolonialgrenzen ausgreifende Mission war die Kolonialverwaltung im Rücken eine willkommene Stütze, und diese wiederum konnte über die Mission auf die Stämme jenseits der Grenze einwirken, weshalb in den Verträgen mit den Häuptlingen meist die Verpflichtung aufge nommen wurde, Missionaren die Niederlassung zu gestatten. Die rassisch-tendenziöse Interpretation des Evangeliums war dabei aber nicht nur in den Burenkirchen verbreitet, denn auch die Haltung der protestantischen und katholischen Kirche und der Missione n waren von historischer Tragweite für das Entstehen des Rassismus in Südafrika. Über die kirchliche Apartheid besteht kein Zweifel: So war z.B. die Teilnahme von Afrikanern am Gottesdienst der weißen Minderheit unvorstellbarfür die Afrikaner waren einzig und allein offiziell die Missionskirchen zuständig. Der Effekt der missionarischen Arbeit in Südafrika erschöpfte sich bei weitem nicht im Religiösen, sondern war in erzieherischer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht mindestens gleich groß. So wurden Missionsstationen zu den wichtigsten Trägern von Schulen und Gesundheitsdiensten für die schwarze Bevölkerung und die Erziehung von schwarzen Afrikanern wurde fast ausschließlich den christlichen Missionen überlassen. Deren Ressourcen allerdings erlaubten es nur einer kleinen Zahl von Afrikanern, eine umfassende Bildung zu genießen und nur wenige erreichten den universitären Level. Die allgemeine Praxis der europäischen Missions gesellschaften war zu dieser Zeit jedoch durch Gleichgültigkeit gegenüber den politischen und ökonomischen Missständen der Kolonisierten sowie durch starken Widerstand gegen jegliches Engagement der Kirche als Sprachrohr der Unterdrückten und Ausgebeuteten gekennzeichnet. Wenn es darum ging, sich politisch zu engagieren, um die kolonialen Ungerechtigkeiten aufzudecken und Freiheit, Gleichberechtigung und materiellen Wohlstand für die Kolonisierten zu verlangen, zogen sie eine scharfe Trennungs linie zwischen Religion und Politik. Die Rassendiskriminierung, koloniale Ausbeutung und Ungleichheit innerhalb der christlichen Kirche und die rassistische Interpretation der Bibel durch extreme Kirchenführer erschienen immer mehr afrikanischen Christen als verdammens werter Kontrast zur christlichen Bruderschaft und zu der von der Bibel verkündeten Gleichheit vor dem ethnische Grenzen überschreitenden Gott. Aus diesem Grund beharrten viele schwarze Afrikaner auf ihrer vollständigen Ablehnung der
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Arbeit zitieren:
Yvonne Löcke, 2003, Die Rolle der Kirche während der Apartheid in Südafrika, München, GRIN Verlag GmbH
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