Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Zusammenkünfte der Lollarden 4
2.1. Geheimtreffen 4
2.2. Schulen 6
3. Die Lollarden und ihre Bücher 7
3.1. Buchproduktion 7
3.2. Buchbesitz 9
4. Die Glaubensdoktrin der Lollarden und deren Rezeption als Häresie 10
4.1. Der Glaube der Lollarden 10
4.2. Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Häresie 11
5. Resümee 13
Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Zurückgehend auf den gelehrten Theologen John Wyclif, der mit seinem Angriff der
Sakramentenlehre zum ersten großen Kirchenkritiker des Mittelalters wurde, formierte sich noch zu seinen Lebzeiten im ausgehenden 14. Jahrhundert eine Laienbewegung, die
abwertend unter dem Namen Lollarden b ekannt wurde. Spätestens seit 1395, mit dem
Anschlagen der Twelve Conclusions 1 an die Türen von Westminster Hall und St. Paul’s Cathedral, konnte die Tatsache, dass die Lehre Wyclif’s den universitären und gelehrten
Bereich verlassen hatte und nun zu einer Angelegenheit von immenser Bedeutung für eine
Gruppe von Exoterikern geworden war, niemandem mehr verborgen sein. 2 Obwohl von Kirche und Staat gleichwohl als Ketzer geächtet und verfolgt, schafften es die Lollarden, bis in das beginnende 16. Jahrhundert h inein einen großen Einfluss auf das englische Gedankengut auszuüben und dabei einen wertvollen Beitrag zur mittelalterlichen
Buchproduktion zu leisten. Im Folgenden sollen nun die Organisation der Lollardenbewegung, Aspekte der Buchproduktion und die Reaktion der Kirche auf diese als
häretisch verschrieene Gruppe beleuchtet werden.
2. Zusammenkünfte der Lollarden
2.1. Geheimtreffen
Die Lollardenbewegung organisierte sich sowohl in formellen und fast rituellen Zusammenkünften, die zumeist in Privathäusern stattfanden, als auch durch flüchtige
Konversationen zwischen Nachbarn auf der Straße. 3 Die formellen Treffen fanden in verschiedenen geschlechterspezifischen Gruppen statt, die sich aus verheirateten Paaren auf
der einen und aus alleinlebenden Männern auf der anderen Seite zusammensetzten. 4 Hieran wird deutlich, dass alleinlebende Frauen bei diesen formellen Treffen nicht akzeptiert wurden oder zumindest benachteiligt waren. Eine Ausnahme davon bildet Coventry, wohl der einzige Ort, in dem auch verwitwete oder allein lebende Frauen eigene Zusammenkünfte veranstaltet
1 Der Inhalt der Twelve Conclusions wird in Kapitel 4.1. „Der Glaube der Lollarden“ noch näher erläutert
2 vgl. Aston M., Richmond C. (Hrsg.), Lollardy and the Gentry in the Later Middle Ages, Sutton Publishing
Limited, Gloucestershire 1997. 1.
3 vgl. Mc Sheffrey (1995). 47.
4 vgl. ebd. 25.
Die Lollarden und ihre Bücher 5
haben. 5 Als berühmteste dieser Frauen ist die Witwe Alice Rowley zu nennen, deren
Engagement von Männern wie von Frauen gleich geschätzt wurde. 6
Das ursprüngliches Ziel der Lollarden, das Christentum von nicht-biblischen
Ablagerungen zu befreien, um zu einer reineren, auf der Schrift basierenden Religion
zurückzukehren, zeigte sich während der formellen Zusammenkünfte in dem hohen
Stellenwert, den das Lesen von Büchern und deren Auslegung hatte. 7 Da das Predigen laut
orthodoxem Handbuch nur in der Kirche oder an öffentlichen Orten erlaubt war und in
Privathäusern als ketzerisch galt, war große Geheimhaltung geboten, die die Lollarden aber
eher in ihren Überzeugungen zu bestärken schien, verglichen sie sich doch mit den Jüngern
aus der Apostelgeschichte, die sich aus Angst vor den Juden ebenfalls hinter verriegelten
Fenstern und Türen getroffen hatten. 8 Zur größeren Geheimhaltung existierten keine
Mitgliederlisten oder andere verschriftlichte Formen des Verbundes von Seiten der Lollarden,
so dass einzelne Lollardengruppen oder individuelle Namen nur durch Prozessaufzeichnungen
rekonstruiert werden konnten. Als Verbindungsglied zwischen den einzelnen Mitgliedern der
Gemeinschaft diente immer ein bekannter Lehrer der Lollarden, so dass auch außerhalb der
eigenen Gemeinschaften ein gut ausgeprägtes Netz von Verbindungen entstehen konnte,
welches zumeist allerdings nur den Männern zugänglich war. Dieses Netz ermöglichte
verfolgten Lollarden, oft weite Strecken zurückzulegen und in anderen lollardischen Häusern
Unterschlupf zu finden, in denen sie oft monatelang versteckt wurden. 9
Als weiteres Beispiel für die große Geheimhaltung der Treffen und die Vorsicht der
Lollarden ist das Benutzen von Passwörtern 10 und die Tatsache, dass manche Lollarden
während informeller Treffen bei einer Unterredung im Garten oder auf dem Feld das Beisein
einer dritten Person nicht erlaubten, aus Angst, verraten zu werden oder Aufsehen zu
erregen. 11 Gerade diese Geheimhaltung jedoch zo g die Kritik von ihren Gegnern auf die Lollarden: „?e speiken euer and rowen in hidlis (whisper in secret), and neuer in ?e temple. In ?is ?e ben contrarie to Crist, an so ?e discipulis of antecrist“. 12 Es muss jedoch betont
5 vgl. ebd. 29.
6 vgl. ebd. 30.
7 vgl. ebd. 142.
8 vgl. Hudson (1988). 156
9 vgl. Mc Sheffrey (1995). 28-29.
10 vgl. ebd. 30.
11 vgl. Hudson (1988). 156.
12 vgl. ebd. 156.
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Yvonne Löcke, 2001, Die Lollarden und ihre Bücher, Munich, GRIN Publishing GmbH
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