Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S. 1 2
II. Der Forschungsstand und die Quellenlage um das Plettenberg-Epitaph S. 2 6
II. 1 ) Wo liegt der bisherige Schwerpunkt der Forschung: Was ist geleistet worden, und was
nicht? S. 2 5
II. 2 ) Die Quellenlage S. 5 6
III. Architektur, Freifiguren und Relief des Epitaphs S. 6 13
III. 1 ) Versuch der Hervorhebung der Originalität des Monumentes als Ziel der Arbeit S. 6 7
III. 2 ) Ausführliche Beschreibung des Denkmals S. 7 11
III. 3 ) Die Wahl der Dorica als ungewöhnliche architektonische Formgebung innerhalb des
Barock S. 11 12
III. 4 ) Das Plettenberg-Epitaph im Vergleich mit Algardis „Vertreibung des Attila“ und der
„Enthauptung des Paulus“ S. 12 13
IV. Schluss S. 13 14
V. Inhaltsverzeichnis 15
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I. Einleitung
Im Folgenden soll von dem Epitaph des Domprobstes Ferdinand von Plettenberg die Rede sein, welches im Johannischor des Domes zu Münster zu sehen ist. Das Monument wurde von dem westfälischen Bildhauer Johann Wilhelm Gröninger nach einem Entwurf des Gottfried Laurenz Pictorius gefertigt. In vorläufiger Bezugnahme auf die Quellenlage würden als Entstehungszeit des Werkes die Jahre 1712 bis 1722 genannt werden können, eine umfassendere Beschäftigung mit jener Auftragslage soll in diesem Text jedoch erst an einer späteren Stelle stattfinden. Hier dient die vorwegnehmende Erwähnung vor allem einer ungefähren historischen bzw. kunstgeschichtlichen Einordnung des Denkmales in die Zeit des Barock hinsichtlich der nun erfolgenden Kurzbeschreibung.
Das zu behandelnde Werk vereint in Form eines Epitaphs zuallererst drei künstlerische Stilebenen, welche man in Architektur, Skulptur und Relief nicht zu unterteilen wagt, da die Hand des verantwortlichen Bildhauers alle drei Kategorien meisterlich ineinander fließen lässt, was eine strikte Unterscheidung zu einem heiklen Unterfangen machte, würde auf diese Art dem Monument doch unrecht getan. Dennoch: In ersten Augenschein genommen scheint die Gestaltung inhaltlich oder thematisch, aber auch plastisch, deduktiv angelegt zu sein - von der allgemeinen, begleitenden, hin zur besonderen. Architektonisch wählt der Künstler eine, an ein Portal erinnernde, Dorica, deren Säulen in Augenhöhe auf einem Postament ruhen, obgleich sie jene bereits auf dem Boden beginnenden fortsetzen. Dem angeschnittenen Vergleich mit einem Portal gemäß ist nun darauf hinzuweisen, dass an die Stelle, wo bei einem Eingang die Türe platziert wäre, ein flaches Relief gesetzt ist, welches der dargestellten Handlung auf dem Ölberg im Garten Gethsemane, äquivalent zur Umrahmung der Szene durch die Architektur, einen kontextuellen Hintergrund bietet, jene aber auch abschließt und im Hinblick auf die künstlerische Linienführung auffängt. Der massive Sockel trägt eine gemalte lateinische Inschrift, die in goldenen, roten und schwarzen Lettern aufgetragen worden ist. Des weiteren dient der Block des Piedestals als Fundament für eine Freifigurengruppe, komponiert als
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Todesangst-Szene Christi, der Hauptfigur, die von zwei Engeln umgeben ist. Zwei Pilaster sind dem Halbrelief, welches den Ölbaum, drei schlafende Jünger sowie Judas und die Häscherschar bietet, in stumpfen Winkeln angefügt. Verziert sind diese Pfeiler mit den polychromierten Familienwappen der Ahnen des Domprobstes von Plettenberg: vom Betrachter aus links ist die genealogische Linie des Vaters zu betrachten; rechts sieht man das Pendant, den Familienzweig der Mutter, einer geborenen von Fürstenberg. Darüber ist ein Triglyphenfries angebracht, dessen Metopenfelder die Arma Christi und weitere Symbole zeigen. In einem verkröpften, in der Mitte flach geschweiften Gesims halten zwei Engelsputten das gekrönte, von einer Kartusche umschlossene Wappen der Familie von Plettenberg. Auf der flachen Rundung des Gebälks ist ein Kreuz zwischen zwei gelagerten weiblichen allegorischen Figuren positioniert. In den Achsen der Säulen, als Beiwerk des mit zwei flach gedrückten Steilvoluten bedachten Figurenpostaments vom Boden her kommend, steht je ein Ziergefäß, aus dem Flammen emporsteigen. Bei dieser kurzen, als Einleitung gedachten und zu Forschungsstand wie auch Quellenlage hinleitenden, Beschreibung des Objektes soll es für den Augenblick bleiben. In einem späteren Abschnitt wird jedoch erneut darauf rekurriert werden, im Rahmen einer ausführlicheren Beschäftigung mit der Erscheinung des Werkes.
II. Der Forschungsstand und die Quellenlage um das Plettenberg-Epitaph II. 1) Wo liegt der bisherige Schwerpunkt der Forschung: Was ist geleistet worden, und was nicht?
Es ist bei einer näheren Auseinandersetzung mit dem hier zu untersuchenden Epitaph durchaus festzustellen, dass zahlreiche Autoren sich dem relevanten Thema annahmen und in ihren Arbeiten verschiedene Schwerpunktsetzungen vornahmen, was in der Natur der Sache liegt: Viele Autoren bedeuten zugleich ein breites Spektrum an Ergebnissen, diesen Schluss zu ziehen liegt nahe. Die Frage bleibt dennoch, ob er bezüglich dieses Sujets angemessen ist? Autoren wie Koch, Lippe oder Luckhardt scheinen sich ja vor allen Dingen zeitlich von einander abzugrenzen, aber tun sie dies auch hinsichtlich ihrer Intentionen bzw. Sichtweisen in Bezug auf das Denkmal? Kochs Werk „Die Gröninger“
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erschien im Jahre 1905, Lippes Beitrag „Neues von Johann Wilhelm
Gröninger“ stammt von 1933, Luckhardts Würdigung des Objektes als „Das Kunstwerk des Monats“ wurde 1982 publiziert. Alle drei Autoren beschäftigen sich in ihren Texten mehr oder minder intensiv mit dem Plettenberg-Epitaph. Den ersten beiden Autoren geht es in ihren Untersuchungen aber in erster Linie um den Bildhauer Johann Wilhelm Gröninger, wie sich unschwer aus den Titeln der oben angeführten Arbeiten ersehen lässt. Bei Koch ist zudem die gesamte westfälische Bildhauer-Dynastie der Gröninger das Thema. Daher bleibt naturgemäß wenig Raum für das Epitaph selbst. Lippe spezialisiert sich textlich zwar auf den Schöpfer des Plettenberg-Epitaphs, gibt diesem jedoch ebenso wenig den entsprechenden - oder angemessenen? - Raum. Zwei der erwähnten Forschungsbeiträge leben vor allem von der Beschreibung des Werkes, spenden dieser die meiste Aufmerksamkeit. Die Stile der Beschreibung changieren zwischen ehrfürchtig-barock (Koch) 1 und pathetischemotional (Luckhardt) 2 . Der Stil der Autorin Lippe ist von einem analytischvergleichenden Ton durchsetzt, untersucht sie doch das tatsächlich angefertigte Epitaph im Vergleich mit dem Entwurf des Pictorius 3 . Koch nennt verschiedene Künstler, die sich Gröninger - und dessen Vater - bzgl. ihres Schaffens zum Vorbild genommen haben könnten. Johann Wilhelm Gröninger, der seine Studien nach Koch in Frankreich gemacht haben wird, sei möglicherweise von Girardon und dessen Richelieu-Grabmal in der Kirche der Sorbonne in Paris angetan gewesen. Diese Faszination habe er an seinen Vater Johann Mauritz weitergegeben. Bernini und Artus Quellinius d. Ä. führt Koch als weitere Einflüsse Gröningers an.
1 Vgl. Koch, F. - Die Gröninger, Münster 1905, S. 214: „Und doch, mit welch erschütternder Wirkung hat er den entsetzlichen qualvollen Seelenkampf des verzweifelnden Erlösers wiedergegeben. Wie drückt sich in der halbohnmächtigen Haltung des Knieenden die namenlose Angst und Furcht vor dem Tode aus.“
2 Vgl. Luckhardt, J. - Das Kunstwerk des Monats, in: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1982: „Die vollplastische Gruppe zeigt gegenüber der Zeichnung teilweise unterschiedliche Gefühlsinterpretationen. Das drastische entsetzte Abwenden Christi wich einem eher willenlosen Hinübersinken, ...“ Luckhardt widmet sich, wenn auch weniger intensiv als Lippe, dem Vergleich des Werkes mit der Handzeichnung des Pictorius. Der Autor legt scheinbar Wert auf die gefühlsmäßigen Intentionen des Bildhauers, auf die eigenen wohl auch, gibt er sich doch Interpretationen bzgl. des Denkmals hin, die inhaltlich mehr sagen, als aus dem Werk tatsächlich zu ersehen ist.
3 Vgl. Lippe, M. - Neues von Johann Wilhelm Gröninger, in: Westfalen 18, Münster 1933, S. 100: „Man ist geneigt, auch für die Reliefs der Säulentrommeln mit der Opferung Isaaks und der Erhöhung der ehernen Schlange, die mit ihren perspektivischen Verkürzungen durchaus malerisch gesehen sind, besondere Vorlagen für den Bildhauer anzunehmen.“ Lippe richtet ihr Augenmerk primär auf den Vergleich des realen Epitaphs mit der Handzeichnung des Gottfried Laurenz Pictorius. Sie untersucht Einflüsse und Begabungen des Bildhauers Gröninger, zu dem Schluss tendierend, dass Gröningers eigentliche Begabung weniger im Erfindungsreichtum als in der „eleganten Ausführung seiner Arbeiten nach fremden Vorbildern“ liegt. (S. 102)
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M.A. Jens-Philipp Gründler, 2003, Gröningers Plettenberg-Epitaph, Munich, GRIN Publishing GmbH
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