In der Puna im zentralen Hochland von Peru haben sich bereits in der Präkeramik Menschen angesiedelt. Trotz des kalten Klimas, das diese Region eher menschenfeindlich macht, haben die Menschen ein System entwickelt, die verfügbaren Ressourcen zu nutzen und sich dort dauerhaft aufzuhalten. Die Puna ist der Lebensraum der Kameliden. Sie bilden die wichtigste Ressource für den Menschen, was die Frage aufkommen lässt, ob sie nicht auch dort domestiziert worden sein können.
Um sich dieser Frage zu nähern, ist eine Betrachtung des Naturraumes, der darin enthaltenen Ressourcen für den Menschen, sowie das daraus resultierende Subsistenzsystem notwendig. Vor allem John W. Rick hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Dessen Publikationen bilden die Grundlage dieser Hausarbeit.
Zunächst werde ich den Naturraum des zentralen Hochlands von Peru beschreiben. Die Puna ist das höchstgelegene Gebiet, das für ein menschliches Bewohnen geeignet ist. 1
2 Abb.1
John W. Rick hat eine schöne Graphik ins Internet gestellt, die ich hier in Abbildung 1 darstelle. Die Zone der Puna liegt zwischen den kalten, wüstenartigen, westlichen Hängen der Anden und den wärmeren und feuchteren Hängen im Osten, die ins Amazonasbecken abfallen. Die kalte Luft des Ozeans, die viel Feuchtigkeit mitbringt, steigt über die westlichen Gipfel der Anden bis sie über der Puna mit warmer Luft aus dem Osten zusammentrifft. Dadurch kann sich die Feuchtigkeit nicht mehr in der Luft halten und regnet über der Puna ab.
1 Rick 1988: 5
2 http://www.stanford.edu/~johnrick/preceram/pics/lands/PunaZone.html
3
Der Höhenbereich der Puna, der über der Baumgrenze und unter der Schneegrenze liegt, bewegt sich in der Puna von Zentral-Peru zwischen etwa 3900 und 4600 m über dem Meeresspiegel und erstreckt sich über weite Teile der Anden. Aufgrund dieser Höhenlage, die über der Baumgrenze liegt und nur noch Grasland hervorbringt, herrscht ein relativ kaltes und feuchtes Klima. Durch die Nähe zum Äquator variieren die Temperaturen übers Jahr nur minimal, wodurch es keine deutlichen Jahreszeiten gibt. Es können aber eine Trocken- und eine Regenzeit unterschieden werden. Die etwas wärmere Regenzeit geht von November bis April und die Durchschnittstemperaturen liegen um 7°C. In der Trockenzeit von Mai bis Oktober, in der weniger Niederschläge fallen, liegen die Temperaturen bei durchschnittlich 5°C, wobei die Tagestemperaturunterschiede größer sind als in der Regenzeit und im Gegensatz zu dieser oft unter den Gefrierpunkt sinken. Niederschläge fallen in der Trockenzeit meist in Form von Schnee und in der Regenzeit in Form von Regen oder Hagel. Wichtig zu erwähnen ist, dass es praktisch keinen Monat ohne Niederschläge gibt. 3
Die Puna ist von Seen und immerwährenden Wasserläufen durchzogen, in und an denen sich eine reichhaltige Fauna wie Fische, Amphibien und Wasservögel entwickelt hat. Das offene Grasland zusammen mit den Wasserläufen bildet eine ideale Lebensgrundlage für wilde Kameliden, vor allem dem Vicuña, und anderen Säugetieren. 4
Die Puna hat wegen ihrer marginalen Lage in Hinsicht auf die frühe prähistorische Periode lange Zeit wenig Beachtung gefunden, da man annahm, dass sie für eine menschliche Besiedlung nur eine geringe Rolle gespielt hat, wie es in heutigen Zeiten der Fall ist.
Obwohl Cardich bereits in den späten 1950ern die Lauricocha-Höhlen ausgegraben hat und dabei eine große Menge an Steinwerkzeugen entdeckte, bestanden Wissenschaftler wie Lanning und Lynch auf die Marginalität der Puna und dass diese aufgrund ihres kalten Klimas nur für kurze Zeit von frühen Bevölkerungen besucht worden ist. 5 Ende der 60er und in den 70er Jahren fanden weitere Untersuchungen in der Puna statt. Dabei wurden unter anderem die präkeramischen Stätten Pachamachay, Ccorimachay, Uchcumachay, Panalauca und Telarmachay von verschiedenen Archäologen in der Puna von Junín ausgegraben (siehe Abbildung 2).
3 Rick 1980: 12
4 Rick 1980: 17; Rick 1988: 5
5 Rick 1980: 3
4
6 Abb.2: Karte der Puna von Junín mit den präkeramischen archäologischen Ausgrabungsstätten
Hinzu kamen zoologische, botanische und geomorphologische Studien. Man ging nun davon aus, dass es sich um Jagdcamps handelt, die während der Trockenzeit von transhumanten Gruppen aus tiefergelegene n Gebieten genutzt worden sind. 7 Transhumanz ist ein Subsistenzmodell, welches auf den saisonalen Migrationen der Menschen basiert, die dabei mehr als 200 km und große Höhenunterschiede überwinden, um saisonale Ressourcen bestimmter Gebiete zu nutzen. 8 1973 begann Rick sich mit dem Thema zu beschäftigen. Er setzte sich zunächst mit einigen theoretischen Fragen auseinander. So zum Beispiel der Frage, warum sich diese bemerkenswerte Konzentration an präkeramischen Überresten an Orten finden lassen, die allesamt in einer Höhe von über 4000 m liegen, wogegen die späteren prähistorischen Besiedlungszentren weniger hoch liegen. 9
6 Wheeler Pires-Ferreira u.a. 1977: 161
7 Rick 1980: 6-7
8 Rick 1983: 71-72
9 Rick 1999: 265
5
Eine Analyse der Fauna an verschiedenen Orten der Puna von Junín zeigt deutlich den Gebrauch von Kameliden. Die Puna von Junín hatte offensichtlich die geeigneten Bedingungen für große Bestände an wilden Kameliden. Das lässt die Frage aufkommen, ob es nicht auch der geeignete Ort für eine Domestikation der Kameliden gewesen sein könnte. 10 Das setzt allerdings eine Sesshaftigkeit der Menschen voraus. Rick wollte nun also ein Modell der Subsistenz formulieren, das auf dem Niveau der Jäger- und Sammler basiert und dann dieses Modell auf die archäologischen Daten übertragen. Das Subsistenzsystem von Jäger- und Sammlerkulturen wird bestimmt durch die Ökologie oder die verfügbaren Ressourcen, die damit in Zusammenhang stehen, und auch der vorhandenen Technologie um solche Ressourcen nutzen zu können. 11 Bestimmte Ressourcen erfordern gewisse Techniken der Subsistenz. Sie legen nicht die Form des ganzen Systems fest, aber geben eine gewisse Beschränkung vor. Wenn zum Beispiel alle Ressourcen eines Gebietes nur während einer Jahreszeit existieren würden, wäre es einer dort lebenden Gesellschaft mit Hilfe der Technik der Lebensmittelkonservierung möglich, sich dauerhaft in dieser Zone aufzuhalten. Diese idealisierten Modelle müssen aber nicht unbedingt vorhanden sein, da die Menschen nicht immer rational auf ihre Umwelt reagieren. Man kann aber erwarten, dass gerade innerhalb nichtkomplexer Gesellschaften wie den Jägern, die besser angepassten Gruppen, die ihre Umwelt rationaler nutzen, die schlechter angepassten Gruppen ersetzen würden. So muss man nun innerhalb der Puna die Ressourcen finden, die Schlüssel zur Subsistenz der Jäger- und Sammler waren. 12
Den größten Anteil an der verfügbaren Biomasse in der Puna haben die Gräser. Da diese Gräser aber nicht zum menschlichen Verzehr geeignet sind, ist der Mensch nicht in der Lage, direkt auf sie zurück zu greifen. Es gibt aber Tiere, die diese Gräser zur Ernährung nutzen können. Unter diesen Tieren trifft man auf das Vicuña. In jedem Ökosystem stammt die ursprüngliche Energie der Nahrungsmittel von der Sonne. 13 Im Fall der Puna sind die Vicuñas der optimalste Weg für den Menschen diese Energie zu nutzen. Es gibt sicherlich noch andere Pflanzen und Tiere in der Puna, die dem Menschen als Nahrung dienen könnten und gedient haben. Gerade an den Seen gibt es eine reichhaltige Fauna wie z.B. Wasservögel, Fische und
10 Rick 1999: 266
11 Rick 1983: 103
12 Rick 1983: 104
13 Rick 1980: 23
6
Arbeit zitieren:
Ulrike Caspari, 2003, Hochlandswirtschaft: Von der Jagd- und Sammelwirtschaft zur Domestikation der Kameliden, München, GRIN Verlag GmbH
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