1. Einleitung:
Gewalt und Gewaltbereitschaft sind Schlüsselbegriffe unseres täglichen Lebens. Jeden Tag kann man in den Medien und auch im Alltag, Gewalt und Gewaltbereitschaft in Form von Aggressionen sehen oder am eigenen Leib erfahren. Denken wir nur an die ständige Präsenz von Gewalttaten in den Nachrichten, oder die schrecklichen Ereignisse der letzten Jahre in deutschen und amerikanischen Schulen. Oftmals sind uns dabei die Gewalt selbst und die Bereitschaft anderer zu Gewalt unverständlich und wir stellen uns die Frage nach den Ursachen für diese und wie ein solches Verhalten zustande kommt. Gewalt und Gewaltbereitschaft sind komplexe soziale Verhaltensweisen, die offensichtlich nicht jeder an den Tag legt. Gewaltbereite Menschen müssen sich dieses Verhalten irgendwie angeeignet, also gelernt haben. In meiner Hausarbeit möchte ich deshalb versuchen diesen Lernprozess, der Entstehung von Gewaltbereitschaft, am Beispiel der Theorie des Modell-Lernens zu erklären.
2. Die Theorie des Modell-Lernens
Soziales Verhalten und somit auch Gewalt und Gewaltbereitschaft, als Beispiele sozialen Verhaltens, sind umfangreiche Verhaltensmuster die sich nur erklären lassen, wenn man versucht die innerlich stattfindenden, kognitiven, Prozesse eines Individuums die vor, während und nach einer sozialen Handlung auftreten nachzuvollziehen. Skinner und andere Vertreter des „Behaviorismus“ 1) haben versucht, durch „klassische- und operante Konditionierung“ 2) , das menschliche Verhalten zu erklären, also anhand sichtbarer „Reiz-Reaktionsverbindungen“ 3) . Jedoch wird bei diesen Theorien nur beobachtbares Verhalten betrachtet. Außerdem kann bei einer Konditionierung neues Verhalten nur mit Hilfe alter Verhaltensweisen aufgebaut werden, indem man in kleinen Schritten das Verhalten verändert und weiterentwickelt. Jedoch lernt der Mensch zum Teil auch völlig neue Verhaltensweisen, für die er zuvor noch keine Kenntnisse und Fähigkeiten besaß. Bei der Erklärung des Erlernens völlig neuer Verhaltensweisen stoßen die Konditionierungstheorien an ihre Grenzen.
1) Mielke 2001, S.43
2) ebd. S.39
3) vgl. Mielke 2001, S.61
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A. Bandura hat mit seiner Theorie des Modell- Lernens die behavioristischen Theorien erweitert, indem er die kognitiven 4) , also die inneren Prozesse in die Betrachtung menschlichen Verhaltens mit einbezog. Mit Hilfe des Modell- Lernens können völlig neue Verhaltensmuster und Fähigkeiten erlernt werden. Das Modell- Lernen ermöglicht also umfangreiche Verhaltensabläufe(zum Beispiel: Sprache, Spiele, berufliche Tätigkeiten) nicht langwierig Schritt für Schritt zu erlernen, sondern im Ganzen zu erfassen und umzusetzen. Die Theorie des Modell- Lernens ist eine kognitive Lerntheorie, weil sie zeigt „das Menschen durch Nachahmung lernen, relevanten Information Aufmerksamkeit zuwenden, zwischen verstärkenden und nichtverstärkenden Situationen diskriminieren, Erwartungen bezüglich der Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung entwickeln und das sie die Umwelt in subjektiv sinnvoller Weise strukturieren.". 5) Weil das Modell-Verhalten nicht unbedingt ein unmittelbarer Reiz ist würde nach rein behavioristischen Anschauungen kein Lernen stattfinden.
2.1. Definition
„Von A. Bandura eingeführte Bezeichnung für einen kognitiven Lernprozess, der vorliegt, wenn ein Individuum als Folge der Beobachtung des Verhaltens anderer Individuen sowie der darauffolgenden Konsequenzen sich neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende Verhaltensweisen weitgehend verändert. Der Lernende wird dabei Beobachter (observer) genannt, der Beobachtete Modell (model) oder Leitbild.“ 6) Das Modell-Lernen wird auch als Lernen am Modell, Nachahmungslernen, Beobachtungslernen, Imitationslernen, Soziale Lerntheorie oder nach A. Bandura als „Kognitive Lerntheorie“ bezeichnet.
4) kognitiv: die Erkenntnis betreffend
5) Weiner 1994, S.181 zitiert bei www.Lernpsychologie.de
6) Zeier 1984, S. 375
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2.2. Wie funktioniert das Modell-Lernen
Das Lernen am Modell funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Es gibt ein Modell welches eine Verhaltensweise oder Fähigkeit an den Tag legt und einen Beobachter, der aus dem Verhalten des Modells lernt. Dabei kann der Beobachter auch von Modellen lernen, die nicht real sind also zum Beispiel durch Bücher oder Filme etc. Dabei ist wichtig ob das Modell mit seinem Verhalten erfolgreich ist. „Führt ein Modellverhalten zu keinem erwünschten (positiven) Ergebnis, so wird es nicht nachgeahmt.“ 7) Je häufiger ein Modellverhalten beobachtet wird, desto sicherer und zielgerichteter kann der Beobachter es selbst ausführen bzw. für seine Interessen umgestalten und mit dem eigenen Verhalten und dem anderer vergleichen.
Das Lernen am Modell kann nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden. Es müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden, damit ein Modell- Verhalten erfolgreich nachgeahmt wird. Lernen am Modell wird als „allgemeiner Prozess des aktiven Informationserwerbs verstanden, der überall stattfindet, wo andere Personen beobachtet (gesehen, gehört) werden, real oder symbolisch (Filme, Bücher, Comics).“ 8)
Der Lernvorgang findet nach Bandura in mehreren Phasen statt. Er beginnt mit der „Aneignungsphase ( aquisition)“ in welcher „Aufmerksamkeitsprozesse“ und „Gedächtnisprozesse“ ablaufen. Unter „Aufmerksamkeitsprozessen“ werden die Kriterien verstanden, die ein Modell erfüllen muss, um die Aufmerksamkeit des Beobachters zu erlangen und die Kriterien die der Beobachter erfüllen muss, um seine Aufmerksamkeit auf das Modell zu richten. Dazu gehören auf der Seite des Modells: der Wert der Verhaltensweise für das Handeln des Beobachters, die Attraktivität des Modellverhaltens und des Modells, die Vorbildfunktion des Modells für den Beobachter und die Funktionalität der Handlung. Auf Seiten des Beobachters sind dessen „Wahrnehmungskapazität, die Gerichtetheit seiner Wahrnehmung, seine kognitiven Fähigkeiten, sein Erregungsniveau und seine erworbenen Präferenzen“ in der Pha se der „Aufmerksamkeitsprozesse“ von Bedeutung. In der „Aneignungsphase“ findet die Speicherung, also die kognitive Verarbeitung des Erlernten statt.
7) www.Lernpsycholgie.de
8) Bandura 1971, zitiert bei Mielke 2001, S. 67
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Arbeit zitieren:
Christian Heinze, 2003, Die Entstehung von Gewaltbereitschaft aus der Sicht des Modell-Lernens, München, GRIN Verlag GmbH
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