Inhaltsverzeichnis: Seite
1. Einleitung 2
2. Klimaveränderung - Nur ein Gespenst? 3
2.1. Die individuell spürbare Lage 4
2.2. Wissenschaft - Das IPCC 4
3. Klimakonferenzen: Die Interessen - Die Modelle 8
3.1. Modelle globaler Klimapolitik 9
3.1.1. Europäisches Modell 9
3.1.2. Amerikanisches Modell 10
3.2. Intervenierende und irritierende Interessen 12
3.2.1. Die EU 12
3.2.2. Die USA und Russland 13
3.2.3. Die OPEC 13
3.2.4. Die AOSIS 14
3.2.5. Die Länder der Dritten Welt 14
3.3. Mechanismen der Ausgestaltung: JI und CDM 14
3.3.1. Probleme der Ausgestaltung - Beispiel: Der Nord-Süd-Konflikt 17
4. Die COP 9 20
5. Weitere Bedingungen und Faktoren erfolgreicher Klimapolitik 22
5.1. Capacity building 22
5.2. Anpassung an Klimawandel 23
6. Prognosen 24
6.1. Technischer Fortschritt 24
6.2. Mehr Umweltbewusstsein durch Wertwandel 27
7. Die Rolle der Medien 29
8. Schlussbemerkung 30
9. Literatur- und Quellenverzeichnis 32
1
1. Einleitung
Wozu eigentlich Klimapolitik und dann noch international? Glaubt man wirklich, die Naturgewalten mit Politik zu beeindrucken zu können? Lassen sich Flutwellen mit Politik vermeiden? Beobachtet man sein eigenes Umfeld wachsam, bleibt für Optimismus leider wenig Platz - zumindest was regionale, kurzfristige Maßnahmen anbetrifft. Die Schäden des Jahrhundertwassers in Sachsen hätten vorab minimiert werden können, wenn Flüsse in ihren ursprünglichen Flussbetten gelassen wären, Überschwemmungsflächen nicht bebaut und Versickerungsflächen nicht versiegelt worden wären. So suchte sich beispielsweise die Weißeritz, ein Gebirgsbach, welcher aus dem Erzgebirge kommt und in Dresden in die Elbe mündet, ihren alten Weg mitten durch den Dresdner Hauptbahnhof und das Stadtzentrum. Vor allem zu Beginn der Katastrophe war die Handlungsfähigkeit durch Bürokratie eingeschränkt. Die Informationslage in den Einsatzzentralen war genauso dürftig und spekulativ wie in der betroffenen Bevölkerung. Die für den Hochwasserschutz und -alarm zuständigen Institutionen wachten in einigen Gebieten erst auf, als sie schon nasse Füße hatten. Die „Hochwasser der Elbe und der Dona u verursachten Schäden in Höhe von über 20 Milliarden Euro, mehrere Menschen kamen ums Leben, über 100.000 Menschen mussten evakuiert werden. Darüber hinaus wurden mehrere tausend Gewerbebetriebe geschädigt und große Teile der Verkehrsinfrastruktur beschädigt oder zerstört.“ 1 Wenn auf den Rat der Experten mehr Wert gelegt worden und Überflutungsfreiflächen nicht mit Gewerbegebieten versiegelt worden wären - und wenn man nicht durch Einschränkung deicherhaltender Maßnahmen Geld hätte einsparen wollen und die Politik vorab klare, funktionierende Strukturen geschaffen hätte, wäre den Betroffenen manches erspart geblieben. Nun war man aufgerüttelt. Vieles wurde danach reformiert, neu strukturiert, technische Einrichtungen modernisiert. Plötzlich war geistiges und finanzielles Kapital da. Aber schon heute reden Menschen davon, dass sie solche Katastrophen in ihrem Leben sicher nicht wieder erleben werden und widmen sich anderen Dingen. Aber es kann jederzeit wieder passieren - weltweit. Von vielen Wissenschaftlern werden solche Wetterextreme als Beweis für einen Klimawandel und als Vorboten für Schlimmeres angesehen. Diese Hausarbeit soll einen Überblick über Probleme und Chancen der internationalen Klimapolitik geben. Um die Frage „Quo vadis?“ adäquat beantworten zu können, werde ich dabei die derzeitige Situation darstellen und - obwohl das bei Hausarbeiten nicht üblich, aber angesichts der Fragestellung unvermeidlich ist - meinen persönlichen Eindruck der Lage und
1 http://www.gtz.de/climate/deutsch/newsarchiv/klimainfo8.htm#hochw
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mögliche Perspektiven aus meiner Sicht darzulege n. Die Aktualität des Themas erfordert es auch, Allgemeinwissen, Informationen aus der täglichen Berichterstattung und Spezialwissen - größtenteils online recherchierte Informationen - einfließen zu lassen.
2. Klimaveränderung - Nur ein Gespenst?
Sehr viel gestritten wurde, ob überhaupt ein Klimawandel stattgefunden hat. Als das anhand von Messungen belegbar war, kam die Frage auf, inwieweit das vom Menschen verursacht wurde und ob es somit auch wieder zum Positiven hin beeinflussbar wäre. Klimapolitische Hardliner misstrauen heute noch wissenschaftlichen Ergebnissen und sehen in der Klimaänderung nichts weiter als einen erdgeschichtlichen Zyklus, der unvermeidbar ist und immer mal wiederkehrt. Klimatische Extreme gäbe es schon immer und von einer Zunahme kann man nicht sprechen, argumentieren einige von ihnen. Vertraut man den Messinstrumenten und rekonstruiert man anhand von Baumringen und sedimentierten Zeugen das Klima bevor es Messinstrumente gab, kommt man zu einem sehr eindeutigen Ergebnis: Es ist eine Erwärmung zu verzeichnen. Grafik 1:
2.1. Die individuell spürbare Lage
Das Beispiel des Jahrhunderthochwassers der Elbe wird deutlich, wie unmittelbar die Menschen von klimatischen Extremen betroffen sein können. Glaubt man, dass man durch Eigenerfahrung zu einem größeren Umweltbewusstsein kommen kann, wird man oft eines Besseren belehrt. Zwar werden die Umweltkatastrophen eifrig in den Medien verfolgt aber um daraus persönliche Schlüsse zu ziehen (Energie und Wasser sparen; das Auto auch mal stehen lassen, Müll trennen) ist es bei vielen Menschen noch ein weiter Weg. Zu eingefahren sind Gewohnheiten, zu schnell gewöhnt man sich an Luxus (z.B. energiefressende Klimaanlagen) und Bequemlichkeit. Mehr dazu unter 6.2.. Dennoch ist man entsetzt und diskutiert mit, wenn es um globale Erwärmung und deren Folgen geht. Nach einer repräsentative Umfrage, die von der Umweltstiftung WWF in Auftrag ge geben wurde, sind „drei Viertel aller Deutschen über Klimawandel besorgt [...] 74 Prozent empfinden die Gefahren durch die Klimaveränderungen als groß oder sehr groß. Laut WWF wünschen sich die Deutschen mehr erneuerbare Energiequellen. 72 Prozent nannten Wasser, Wind oder Sonne als bevorzugte Energiequellen der Zukunft, 22 Prozent entschieden sich für Gaskraftwerke. Energie aus Kohle wollten nur 5 Prozent. 58 Prozent der Befragten gaben sogar an, sie würden ihren Stromversorger wechseln, wenn dessen Politik ihren Wünschen zuwiderläuft. Mit der Klimapolitik der Bundesregierung war die Mehrheit der Befragten nicht zufrieden. 58 Prozent glauben, dass die deutsche Regierung zu wenig oder sogar viel zu wenig leiste, um den Klimawandel zu stoppen. 35 Prozent sagten, die Bundesregierung tue genügend, 5 Prozent sind der Ansicht, dass eher zu viel getan werde.“ 1 Wie ich später noch darlegen werde, ist Deutschland ein Vorreiter der Klimapolitik bzw. möchte gern als ein solcher verstanden werden.
Die Deutschen scheinen also aufgeklärt über den Klimawandel und sehen Handlungsbedarf. Wie steht es aber um die anderen Nationen und welchen Quellen vertrauen sie?
2.2. Das IPCC 2
Laut einem Bericht des Deutschlandfunks vom 11.01.2004 werden trockene, heisse Sommer im Wechsel mit Überschwemmungsperioden in den nächsten Jahrzehnten in ihrer Häufigkeit zunehmen. Das deckt sich mit den Prognosen des 3. Berichts des IPCC (IPCC WGI 3. Assessment Report, Februar 2001) In Deutschland wäre man sowohl vom Abschmelzen der
1 http://www.vistaverde.de/news/Politik/0312/01_klimaumfrage.htm
Intergovernmental Panel on Climate Change 2
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Gletscher als auch vom Ansteigen des Meeresspiegels betroffen. Im ungünstigsten Fall (Emissionszenario IS92e - höchste Schätzung 1 ) würde dieser bis zum Jahr 2100 bis um 95cm steigen. Nach einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP sind auch „die Wintersportorte in Deutschland und Österreich akut gefährdet, denn sie liegen vorwiegend unterhalb der kritischen Marke von 1500 Metern Höhe“ 2 . Das führt natürlich in den Skigebieten zu wirtschaftlichen Katastrophen. Auch wird dort in Zukunft mit einem Zunehmen von Schneelawinen und Erdrutschen zu rechnen sein. Der Schmelzprozess hat Auswirkungen bis zu einer Höhe von 2000 Metern. Bei plötzlichen Hitzeeinbrüchen nach Frostperioden fließt das Wasser dann massenhaft aus Gebirgen und dem Gebirgsvorland ab, was selbst im weit entfernten Flachland noch für Katastrophen sorgen kann. Die Elbeflut zeigt, dass die Flüsse unberechenbar sind. Niemand hätte gedacht, dass die Weißeritz mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 4 m einmal das Stadtgebiet verwüsten würde. Selbst, wenn man eine he terogene Welt annimmt und einen Durchschnitt künftiger Entwicklungsperspektiven erstellt (Emissionsszenario A2), sind die simulierten Auswirkungen auf das Klima - wie Grafiken 2 und 3 zeigen - beängstigend:
nach IPCC, 2001: Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment
Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (Houghton, J.T. et al., eds), Cambridge and New York 2001,
Figure 9.10d Die farbigen Flächen zeigen die Veränderung der jährlichen Mitteltemperatur der Periode 2071-2000
gegenüber der Periode 1961-1990 nach dem Szenario A2 in o C. Den Rechnungen liegen die Ergebnisse verschiedener
gekoppelter Modelle zugrunde.
1 www.proclim.unibe.ch/Reports/IPCC95/ipcc_g_synthese.html#2
und http://ipcc-ddc.cru.uea.ac.uk/cru_data/examine/emissions/is92e.html
http://www.proclim.unibe.ch/Reports/IPCC95/ipcc_g_inhalt.html
2 http://www.gtz.de/climate/download/klima-info/klima-info_13de.pdf.
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Grafik 3: Regionale Niederschlagsveränderung bis 2100 (A2)
Quelle:
nach IPCC, 2001: Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of the Working Group I to the Third Assessment
Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (Houghton, J.T. et al., eds), Cambridge and New York 2001,
Figure 9.10d Die farbigen Flächen zeigen die Veränderung der mittleren jährlichen Niederschläge der Periode 2071-2000
gegenüber der Periode 1961-1990 nach dem Szenario A2 in %. Den Rechnungen liegen die Ergebnisse verschiedener
gekoppelter Modelle zugrunde.
Klimatische Rhythmen sind aus dem Gleichgewicht gekommen. Besonders verletzlich sind dabei allerdings die Entwicklungsländer. Dort hat man den landwirtschaftlichen Anbauzyklus auf die Regen- und Trockenzeit eingerichtet. Aber die Niederschläge kommen unregelmäßiger. Normalerweise wird Mitte Mai (z.B. in Nicaragua) mit dem Einsatz der Regenzeit gerechnet. Deren Ausbleiben, ihre Verspätung oder ihr flutartiger Einsatz machen das Saatgut dann aber zunichte.
Die Monsundynamik verändert sich und das könnte auch Länder wie Indien und China, welche gerade dabei sind, sich gut und sehr schnell zu entwickeln, drastisch treffen. Ernährung der Betroffenen wird dort dann nur noch durch groß angelegte Hilfsprogramme möglich sein. Kurzfristig werden diese Probleme niemals lösbar sein. Umweltschutz, Emissionsreduktion und alternative Energieträger im Einklang mit möglichst ungehinderter wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeit sind gefragt.
Aber es nützt nichts, wenn ein Land umweltschonende Technologien verwendet und das Nachbarland vielfache Emissionswerte vorweisen kann. Und genau da zeigt sich die Begründung für internationale Klimapolitik, denn Klimaveränderungen wirken global und zeitverzögert. Dass der Mensch dafür mitverantwortlich ist, zeigen IPCC-Berichte 1 . Da aber Berechnungen darauf hindeuten, dass das, was wir derzeit an Klimaänderungen zu spüren bekommen, die Auswirkungen der industriellen Revolution sind, ist es höchste Zeit,
1 z.B. IPCC-Bericht 2001
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Arbeit zitieren:
Torsten Voigtmann, 2004, Internationale Klimapolitik - Quo vadis?, München, GRIN Verlag GmbH
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