Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Systemische Wettbewerbsfähigkeit: Analyseraster und mehrdimensionales
Steuerungskonzept 2
2.1 Kernaussagen des Konzeptes 2
2.2 Die Makroebene: Sicherung und Herstellung eines stabilen makroökonomischen
R a h m e n s 3
2.2.1 Binnenwirtschaftliches Gleichgewicht und Strukturbildung 3
2.2.2 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Strukturbildung 4
3. Makroökonomische Entwicklung ohne Systemische Wettbewerbsfähigkeit 5
3.1 Von der Importsubstitution zur Weltmarktöffnung 5
3.2 Neuorientierung unter Cardoso 6
3.2.1 Die Ausgangsbedingungen zu Beginn der Amtszeit Cardosos 6
3.2.2 Makroökonomische Reformen 6
4. Alte Probleme und neue Herausforderungen für die wirtschaftliche
Entwicklung Brasiliens 7
4.1 Die finanzielle Zwangsjacke: Das Haushaltsdefizit 7
4.2 Ursachen des Leistungsbilanzdefizits 8
4.2.1 Handelsbilanz 8
4.2.2 Verschuldung 10
4.2.3 F i n a n z t r a n s f e r s 1 0
4.2.4 Verschiedene Dienstleistungen 10
4.2.5 Zwischenfazit 10
4.3 Tarifäre und nicht-tarifäre Exporthemmnisse 11
4.4 Staatliche Blockaden für Unternehmen 13
5. Entwicklung von Systemischer Wettbewerbsfähigkeit auf der Makroebene 14
5.1 Die Bundes- und Regionalebene 14
5.2 D i e n a t i o n a l e E b e n e 1 5
6. F a z i t 1 6
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 8
1
Die systemische Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens:
Die Makroebene
1. Einführung
Nach der Krise von 1998/99 und dem Ende der Amtszeit von Fernando Henrique Cardoso sieht es so aus, als ob Brasilien heute in einer ähnlichen Situation steckt wie am Anfang der 90er Jahre: Das Wirtschaftswachstum ist niedrig, die Landeswährung, der Wert des „Real“ fällt und jeder Zeit droht eine Zahlungsbilanzkrise, die nur durch finanzielle Hilfen der Washingtoner Institutionen abwendbar zu sein scheint. Jedoch hat sich der wirtschaftliche Rahmen während zehn Jahren Cardoso grundlegend verändert und zwar größtenteils zum Besseren (Meyer-Stamer 2003b: 104f.). Auch die Befürchtungen nach der Wahl „Lula“ da Silvas zum Präsidenten bestätigten sich nicht. Jedoch bleibt festzustellen, dass bis heute nur wenige Teile der brasilianischen Industrie international wettbewerbsfähig sind. Diese Arbeit analysiert die makroökonomischen Rahmenbedingungen Brasiliens zur Schaffung einer international wettbewerbsfähigeren Wirtschaft. Als Analyseraster wird das Konzept der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit genutzt. Diese Arbeit konzentriert sich dabei auf Faktoren der Makroebene, wobei teilweis, aufgrund des systemischen Charakters des Konzeptes, Faktoren der Metaebene in die Analyse mit einfließen. Ich stütze meine Arbeit dabei hauptsächlich auf die Arbeiten von Jörg Meyer-Stamer, der als der wichtigste Vertreter und Co-Autor des Konzeptes der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit gilt und auf Analysen aus der aktuellen Lateinamerikaforschung.
Ich stelle zunächst noch einmal kurz die Kernaussagen des Konzeptes der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit und, spezifischer, die Anforderungen an die Makroebene. Dann folgt eine kurze historische Beschreibung der wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens bis zum Beginn der Neuorientierung und Weltmarktöffnung unter Cardoso. Darauf folgt die eigentliche Analyse der negativen und positiven Faktoren der Makroebene für die Bestimmung der Systemische Wettbewerbsfähigkeit des heutigen Brasiliens. Dabei liegt das Hauptaugenmerk
2
auf den makroökonomischen Reformen während der Amtszeit Cardosos und den Herausforderungen für die neue Regierung „Lula“ da Silvas. Ich beende die vorliegende Arbeit mit einigen Schlussfolgerungen und einem Ausblick über eine mögliche, zukünftige Entwicklung der Makroebene der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens. 2. Systemische Wettbewerbsfähigkeit: Analyseraster und mehrdimensiona-
les Steuerungskonzept
Die systemische Sichtweise industrieller Wettbewerbsfähigkeit wurde im Wesentlichen von einem Autorenteam des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) erstellt. Einer der wichtigsten Vertreter , Jörg Meyer-Stamer, stellt das Konzept als Analyseraster und Ordnungsrahmen dar.
2.1 Kernaussagen des Konzeptes
Der theoretische Ansatz der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit bietet eine Analysestruktur der Bestimmungsfaktoren für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung. Dabei unterscheidet das Konzept zwischen vier unterschiedlichen Analyseebenen, den Wechselwirkungen zwischen diesen und untersucht das Verhältnis von Region, Nation und Weltwirtschaft (Meyer-Stamer 1997: 1):
Die Mikroebene ist die Ebene der inner- und zwischenbetrieblichen Bemühungen von Unternehmen und Personen.
Die Mesoebene ist die Ebene der spezifischen Politiken und Organisationen; d.h. der Zusammenarbeit zwischen Staat, intermediären Institutionen und Akteuren der Mikroebene zur Schaffung einer förderlichen wirtschaftlichen und finanziellen Infrastruktur. Die Makroebene ist die Ebene der wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen; u.a. stabile makroökonomische Bedingungen, Entwicklungs- und Armutsorientierung der Wirtschaftpolitik, Kohärenz wirtschaftlicher Reformen, Rechtssicherheit und Korruptionsbekämpfung.
Die Metaebene ist die Ebene der „langsamen Variablen“, die die Vorraussetzungen für die Makro- und Mesopolitiken setzen; d.h. gesellschaftliche Handlungsmuster, Einstellungen und Wertesysteme.
Systemische Wettbewerbsfähigkeit ist sowohl Konzept als auch Ziel. Als Konzept und Analyseraster hilft es, ein entsprechend tiefes Verständnis für die Stärken und Schwächen
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einer Volkswirtschaft zu erlangen. Dabei ist es besonders hilfreich die Bestimmungsfaktoren nicht isoliert, sondern die Wechselwirkungen zwischen dynamisierenden und blockierenden Faktoren auf allen Ebenen zu betrachten. Daher kann die vorliegende Arbeit nur als Teil einer umfangreicheren Studie, die alle Ebenen der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit mit einbezieht, gesehen werden. Das Konzept ist insofern normativ, als dass Faktoren benannt werden, die zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft notwendig sind. Dann kann die Formulierung konkreter Politiken und Maßnahmen zur Steigerung der systemischen Wettbewerbsfähigkeit in den einzelnen Ländern erfolgen (Meyer-Stamer 2003a). 2.2 Die Makroebene: Sicherung und Herstellung eines stabilen, makroökonomischen Rahmens
Im mehrdimensionalen Steuerungskonzept der Systemische Wettbewerbsfähigkeit von Staaten sind funktionierende Faktor- und Gütermärkte von entscheidender Bedeutung, um eine effiziente Allokation von Ressourcen zu sichern und somit zielgerichtet Weltmarktkompetenz zu entwickeln (Eßer et al. 2001: 155). Denn ein instabiler makroökonomischer Rahmen kann die Märkte stark beeinflussen und sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken.
Diese Arbeit legt den Fokus bei der Analyse auf die Makroebene Brasiliens. Jedoch liegt es in dem systemischen Ansatz des Konzeptes, dass keine Ebene und ihre Bestimmungsfaktoren isoliert betrachtet werden (s. oben). So setzt das Konzept eine Entwicklungs- und Industriali-sierungsorientierung auf der Metaebene für eine stabilitätsorientierte Makropolitik voraus (Meyer-Stamer 2003a). Im folgenden werden die zentralen Anforderungen an die Makroebene benannt.
2.2.1 Binnenwirtschaftliches Gleichgewicht und Strukturbildung
Der Staat sollte für einen ausreichend stabilen Geldwert sorgen. Dabei ist zu beachten, dass nicht durch stabilitätsorientierte Politiken die Wachstumschancen der Volkswirtschaft vermindert und soziale Ungleichgewichte zu verschärft werden. Dieser Konflikt sollte besonders bei Reformen der Haushalts- und Fiskalpolitik beachtet werden, also bei der Konsolidierung des Haushaltdefizits. Fiskalpolitischen Maßnahmen zur Steigerung der Einnahmen des Staates sollten immer auch die wachstums- und verteilungspolitische Dimen-
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sion beachten (Eßer et al. 2001: 155). Die Autoren weisen auf die Notwendigkeit hin, das Steuer- und Abgabensystem als Ganzes zu reformieren, wobei auf mehr direkte Steuern und ein transparentes, gerechtes und progressiv gestaltetes System hingearbeitet werden sollte. Als weiteres Mittel zur Steigerung der Haushaltseinnahmen benennen die Autoren die Stärkung der administrativen Kompetenzen der Steuer- und Finanzbehörden.
Der politisch leichteste Weg zur Verringerung der Staatsausgaben, die staatlichen Investitionen zu verringern, muss vermieden werden. Die Verringerung der Ausgaben sollte zuerst über eine Verringerung der konsumtiven Ausgaben erreicht werden. Hier stehen Privilegien für einzelne Interessengruppen und der Umfang der Staatstätigkeit zur Disposition. Folglich muss eine Reform der Fiskal- und Haushaltspolitik immer auch mit einer wachstumsorientierten Strukturpolitik und einer begleitenden Sozialpolitik einhergehen. Erst dann kann die Fiskal-und Haushaltspolitik von entscheidender Bedeutung sein, um Stabilitäts-, Wachstums- und Verteilungsziele gleichzeitig betreiben zu können (Eßer et al. 2001: 156).
2.2.2 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Strukturbildung
Ein dauerhaft hohes Leistungsbilanzdefizit führt zu einer Begrenzung der Wachstumsspielräume und einer Destabilisierung der Volkswirtschaft. Außerdem deuten außerordentliche Leistungsbilanzdefizite auf grundsätzliche Exporthemmnisse (anti-export bias) (Bender 2000) hin, die nur durch eine grundsätzliche Reform der Außenwirtschaftspolitik vermindert werden kann.
Der Staat muss eine Handelspolitik betreiben, die die Unternehmen veranlasst sich am Weltmarkt zu orientieren. Dabei ist zu bemerken, dass eine generelle und zu schnelle Importliberalisierung mit hohen Friktionskosten verbunden ist. Deshalb wird im Rahmen der Systemischen Wettbewerbsfähigkeit die selektive der generellen Importliberalisierung vorgezogen. Dabei wird auch Brasilien zwischen 1990- 1994 als positives Beispiel genannt. Die selektive Importliberalisierung sollte auf Grundlage eines Liberalisierungsfahrplans durchgeführt werden. Der Fahrplan wiederum wird durch eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Reaktionspotentiale der vorhandenen Industrien und der möglichen Entwicklungsanforderungen der alten und neuen Industrien erstellt. Dadurch soll die Handelspolitik auch ein Teil aktiver Strukturgestaltungspolitik werden (Eßer et al. 2001: 156). Die Autoren raten jedoch dann von der selektiven Importliberalisierung ab, wenn die staatliche Steuerungskompetenz niedrig ist. Denn dann stellt die generelle Importli- beralisierung die bessere Alternative dar.
Arbeit zitieren:
Sebastian Hübers, 2004, Die systemische Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens: Die Makroebene, München, GRIN Verlag GmbH
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