Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Englandpolitik Hitlers bis 1937 3-4
3. Die Vorgeschichte der Unterredung
3.1 Die englische Fehleinschätzung Hitlers 5-6
3.2 Die Problematik für England 6-8
a) Strategischer Gesichtspunkt
b) Weitere Gesichtspunkte
4. Der Plan eines internationalisierten Mittelafrika
4.1 Das Konzept 8-9
4.2 Die Vorteile des Konzepts 10
4.3 Mögliche Probleme 10-11
5. Das Gespräch am 3. März
5.1 Diplomatische Ränkespiele im Vorfeld 12-13
5.2 Der Gesprächsverlauf 13-15
5.3 Die Nachgeschichte 15-17
6. Schlußbetrachtung 17-18
7. Quellen- und Literaturverzeichnis 19-20
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1. Einleitung
Das Thema des „Colonial Appeasement“ ist besonders interessant im Hinblick auf die Art und Weise, in der englische Politiker die in den Zeiten des „Scramble for Africa“ entstandene „Kolonialbörse“ wieder eröffneten und in anachronistisch anmutender Weise über Kompensationen in den Kolonien diskutierten, um den Frieden in Europa zu sichern. Diese Arbeit versucht, die Genese des englischen Kolonialangebotes vor dem Hintergrund vielfältiger strategischer Zwänge zu erklären und vermeintliche und wirkliche Gründe für die ablehnende Haltung Hitlers zu beleuchten. Außerdem soll die Kolonialfrage in den Kontext der deutschen Englandpolitik eingebettet werden.
Für die Programmatik Hitlers werden seine publizierten Äußerungen der Zwanziger Jahre herangezogen. Die wichtigsten Quellen zu dem Thema sind neben den deutschen v. a. die englischen Akten zur Außenpolitik, die für den Zeitraum von November 1937 bis März 1938 ausgewertet werden. Die wichtigsten Forschungsergebnisse, auf die sich diese Arbeit stützt, stammen von Hildebrand (für den Gesamtkontext des Themas von 1919-1945) und von Louis (für die Phase des „Colonial Appeasement“ von 1936-1938).
2. Die Englandpolitik Hitlers bis 1937
Hitlers in den Zwanziger Jahren gefaßter Plan war es, durch den Verzicht auf Kolonien und eine große Flotte (konträr zur wilhelminischen Außenpolitik) zu einem (vorübergehenden) Bündnis mit England zu kommen: „Wenn aber Deutschland zu einer grundsätzlichen politischen Neuorientierung kommt, die den See- und Handelsinteressen Englands nicht mehr widerspricht, sondern sich in kontinentalen Zielen [Lebensraum
3
im Osten] erschöpft, dann ist ein logischer Grund für eine englische Feindschaft ... nicht mehr vorhanden.“ 1 Eine Kontinuität der Ansichten von Wilhelm II. und Hitler bestand jedoch darin, daß beide glaubten, „daß England die kriegerische Durchsetzung deutscher Herrschaft als kontinentale Hegemonialmacht entweder wohlwollend oder doch Gewehr bei Fuß hinnehmen würde.“ 2 Im März 1935 wurde der Bündnisplan Hitlers von England abgelehnt, und dennoch versuchte Hitler weiterhin, England entgegenzukommen (Abschluß des Flottenabkommens im Juni 1935), wenn auch zunehmend begleitet von einer „Taktik der kolonialen Sanktionsdrohungen“. 3 Im November 1937 wurde die Haltung Hitlers gegenüber England in dem Sinne ambivalent, daß er England nicht nur als erwünschten Bündnispartner, sondern auch als einen potentiellen Feind ansah. 4 „Nicht mehr mit England ... , sondern einfach ohne, möglichst aber nicht gegen England gedachte Hitler fortan sein „Programm“ zu verwirklichen.“ 5 Hitler hoffte, daß England seine geplanten Aktionen in Osteuropa ebenso dulden würde, wie es 1935 die Annexion Abessiniens durch Italien und die Wiederbesetzung des Rheinlandes toleriert hatte. 6
1 Hitlers Zweites Buch, Ein Dokument aus dem Jahr 1928, eingeleitet und kommentiert von G. L. Weinberg, mit einem Vorwort von H. Rothfels, Stuttgart 1961, 173f.
2 R. Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg, Hamburg 1989, 34.
3 Vgl. K. Hildebrand, Vom Reich zum Weltreich; Hitler, NSDAP und koloniale Frage 1919-1945, München 1969, 772.
4 Vgl. ebd., 772f.
5 J. Henke, Hitlers England-Konzeption, Formulierung und
Realisierungsversuche, in: M. Funke (Hrsg.), Hitler, Deutschland und die Mächte, Materialien zur Außenpolitik des Dritten Reiches, Düsseldorf 1978, 594.
6 Vgl. J. Henke, Hitler und England, Vom Scheitern der Bündniskonzeption bis zum Kriegsbeginn (1935 /37-1939), Phil. Diss., Koblenz 1973, 304.
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3. Die Vorgeschichte der Unterredung
3.1 Die englische Fehleinschätzung Hitlers
In seinen einleitenden Bemerkungen wies Henderson auf die Gespräche zwischen Halifax und Hitler am 19. 11. 1937 hin. 7 In diesen hatte Hitler die ungelöste Frage der Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien als das einzige direkte Problem zwischen England und Deutschland bezeichnet. 8 Hitler erschien sowohl kompromißbereit („If there were any colony
which, for strategic reasons, we did not wish to give up, we might propose some other territory in compensation.“) als auch bestimmt („ ... he did not want any colony which would be a source of strategic trouble; nor a colony in the Sahara, nor in the Mediterranean (that would be dangerous), nor in (where the guns were already going off)). 9 Die the Far East
Schlußfolgerung von Halifax war, „that ... it was now for Great Britain and France to propose a solution of the colonial question“ 10 . Hierbei dürfte Halifax wohl an sein Gespräch mit Ribbentrop von Anfang 1937 zurückgedacht haben, in dem dieser ihm nahelegte, „England möge einmal eine freiwillige, großzügige Geste machen. Dies würde für die ganze Entwicklung unserer Beziehungen von ausschlaggebender Bedeutung sein und würde auch auf eine Lösung anderer Probleme psychologisch ganz anders wirken, als wenn, wie in den letzten Jahren, England immer erst dann Konzessionen mache, wenn die Ereignisse es dazu zwängen.“ 11 In seinen Gesprächen mit Schacht erhielt Halifax einen näheren Eindruck von vermeintlichen deutschen Ansprüchen. Schacht meinte, „that, in addition to that [Kamerun und Togo], Germany should receive a block made up of
7 Vgl. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D (1937-1945), Bd. 1, Baden-Baden 1950 (künftig zitiert: ADAP), Nr. 138, 197.
8 Vgl. Documents on British Foreign Policy 1919-1939, Second Series, Volume XIX, European Affairs 1. 7. 1937 - 4. 8. 1938, Oxford 1982 (künftig zitiert: DBFP), No. 354, 593.
9 Ebd.
10 Ebd., 594.
11 Zitiert nach: Hildebrand, 900f.
5
parts of Belgian Congo and Angola, under something like a mandate.“ 12 Die Fehleinschätzung der englischen Politik bestand in der unkritischen Aufnahme der Äußerungen Hitlers und in der Prämisse, daß Männer wie Schacht Sprachrohr Hitlers waren, der selber seine kolonialen Forderungen nicht präzisierte. 13 Die deutsche Taktik hatte schon 1937 der französische Kolonialminister Moutet erkannt: „Ich glaube nicht, daß die Frage der Kolonien eine derjenigen darstellt, um die es Deutschland und selbst dem Führer wirklich ernst ist. Deutschland bedient sich dieser Frage für sein politisches Spiel, und seine Forderungen werden erhoben oder verschwinden, je nach Bedürfnissen der deutschen allgemeinen Politik, besonders der europäischen Politik.“ 14 Das eigentliche Desinteresse Hitlers an Kolonien wurde in einer Rede nach dem Besuch von Halifax deutlich, in der er dieses Thema um 3 oder mehr Jahre vertagt wissen wollte. 15 Hitler glaubte anscheinend, daß er früher oder später im Zuge eines sich abzeichnenden Krieges mit England ohnehin Kolonien erhalten würde und Verhandlungen über eventuelle Teillösungen mit deutschen Gegenleistungen pure Zeitverschwendung wären. 16
3.2 Die Problematik für England
Bevor Henderson am 3. März 1938 den englischen Kolonialplan vorstellte, machte er Andeutungen über „große Schwierigkeiten“ und eine „empfindliche öffentliche Meinung in England“. 17
12 DBFP, No. 354, 594.
13 Vgl. K. Middlemas, Diplomacy of Illusion, The British Government and Germany 1937-1939, London 1972, 170.
14 Zitiert nach: Hildebrand, 897.
15 Vgl. DBFP, No. 380, 658.
16 Vgl. J. Ballhaus, Kolonialziele und Kolonialvorbereitungen des faschistischen Regimes 1933-1939, in: H. Stoecker (Hrsg.), Drang nach Afrika, Die koloniale Expansionspolitik und Herrschaft des deutschen Imperialismus in Afrika von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, Ost-Berlin 1977, 305.
17 ADAP, Nr. 138, 198.
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Arbeit zitieren:
Markus Laag, 1997, Colonial Appeasement 1938 - Mitbeteiligung Deutschlands an einem internationalen Kolonial-Régime in Mittelafrika oder Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien? , München, GRIN Verlag GmbH
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