I Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Begriffsdefinition 5
3 Entwicklung und Nutzung des Online-Chats 6
3.1 Gegenwärtige Situation 6
3.1.1 Nutzungsmerkmale des Online-Chats 7
3.1.2 Nutzungsmotivation der Online-Chat-User 9
3.1.3 Mobilitätseffekte des Online-Chats 12
3.2 Hinweise auf die zukünftige Entwicklung und Nutzung des Online-Chats 14
4 Formen und Einsatzpotenziale von Online-Chats 15
4.1 Formen des Online-Chats 15
4.1.1 Video-Chats 16
4.1.2 Grafik-Chats 16
4.1.3 Text-Chats 16
4.1.4 MUD (Multi-User-Domain) 17
4.2 Soziale Einsatzpotenziale des Online-Chats 17
4.2.1 Zeitliche Ausdehnung und Regelmäßigkeit 18
4.2.2 Thematische Fokussierung 18
4.2.3 Zusammenfassung 19
5 Chat als Element der computervermittelten Kommunikation (cvK) 19
5.1 Der Rahmen computervermittelter Kommunikation: Möglichkeiten und Grenzen 19
5.2 Beziehungen des Chat zu anderen Formen computervermittelter Kommunikation 21
6 Analyse des Online-Chats als Element der cvK 23
6.1 Anonymität 24
6.2 Unverbindlichkeit 24
6.3 Handlungen im Chat 25
6.4 Identität Identitätsmanagement und Kommunikation 26
6.5 Authentische und nicht-authentische Selbstdarstellung im Chat 27
7 Fallbeispiel: Der Online-Chat als Kommunikationsspiel 28
7.1 Das Spielmodell 28
7.2 Der Untersuchungsaufbau 30
7.3 Die Ergebnisse 30
8 Fazit Ausblick 32
2
II Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Nutzung von Chat MUD nach Altersgruppen 7
Abbildung 2: Nutzung von Chat MUD nach Bildung 8
Abbildung 3: Chatten MUD und Internetnutzung in Jahren 8
Abbildung 4: Gründe zur Nutzung von Chat MUD 9
Abbildung 5: Einstellungen zum Internet als Motivationsfaktoren zum Chatten für MUD 10
Abbildung 6: Einstellungen zum Internet als Nutzungsbarrieren des Chatten von MUD 11
Abbildung 7: Psychografische Merkmale und Nutzungshäufigkeit Chat MUD 12
Abbildung 8: Veränderungen im Freizeitverhalten aus Sicht der Befragten 13
Abbildung 9: Art und Weise der Kontakte außerhalb von Chaträumen 13
Abbildung 10: Zurückgelegte Entfernungen zu persönlichen Treffen 14
Abbildung 11: computervermittelte vs technisch vermittelte Kommunikationsformen 22
Abbildung 12: Vergleich von Kommunikationsfreiheiten und -restriktionen
computervermittelter Kommunikationsformen 23
Abbildung 13: Arbeitsmodell des Chattens als Spiel 29
Abbildung 14: Spielmodell des Chattens 32
III Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Differenzierung von Text-Chats 17
Tabelle 2: Formen und Einsatzpotenziale von Online-Chats 19
Tabelle 3: Vergleich der Spielmerkmale zwischen konventionellem und virtuellem Spiel 29
3
1 Einleitung
Mobilität war das Schlagwort der Industrialisierung und ist noch immer eine der Grundvoraussetzungen innerhalb der modernen Arbeitswelt. Geschäftsleute sind ständig unterwegs, eilen von einem Termin zum nächsten und sitzen, um vor Ort präsent zu sein, oft stundenlang im Flugzeug. Im privaten Bereich sieht die Welt ein wenig anders aus: Pizza wird per Telefon bestellt, Aufträge per Telefax bestätigt und die neue Küche über das Internet ersteigert. Hier ist nicht mehr die Face-to-Face-Kommunikation erforderlich, sondern man bedient sich technischer Hilfsmittel.
Sind die neu gewonnenen Kommunikationswege im Privat- aber auch Geschäftsbereich wirklich ein weiterer Schritt hin zu mehr Mobilität und Zeitoptimierung? Oder führen sie zu zusätzlicher Anonymität und stärken somit die Scheu vor sozialen Kontakten?
Diese Fragen sowie ihre Relevanz für die Medienökonomie sollen im Folgenden detailliert behandelt und beantwortet werden.. Tatsache ist, dass das Internet zu einem immer bedeutenderen Kommunikationsmedium wird, mit dessen Hilfe nicht nur bestehende Kontakte gepflegt, sondern vor allem auch neue Kontakte geknüpft werden. Dies geschieht durch Online-Chats in unterschiedlichen Formen, die in dieser Arbeit vorgestellt werden. Innerhalb dieser verschiedenen Typen von Chats stellt sich, analog zu anderen technischen Hilfsmitteln wie beispielsweise E-Mail, die Frage nach Sozialität und Identität, sowie den Motiven für die Nutzung dieses Kommunikationsmediums. Keine Berücksichtigung findet im Folgenden die Thematik der Sprache und Interaktion im Online-Chat. Detaillierte Ausführungen hierzu finden sich unter anderem in Arbeiten von Angelika Storrer 1 , die sprachliche Besonderheiten getippter Gespräche anhand von Sprecherwechsel und sprachlichem Zeigen in der Chat-Kommunikation untersucht, und Juliane Schönfeldt 2 , die die Gesprächsorganisation in der Chat-Kommunikation beleuchtet. Des Weiteren wird auf eine Ausdifferenzierung von Nutzern bestimmter Chat-Typen 3 (z.B. Kinder und Jugendliche in Webchats) verzichtet, da diese speziellen und vertiefenden sozialpsychologischen Betrachtungsweisen den Rahmen der Arbeit sprengen.
1 Storrer, Angelika (2001): Sprachliche Besonderheiten getippter Gespräche: Sprecherwechsel und sprachliches Zeigen in der Chat-Kommunikation. In: Beißwenger, Michael (Ed.): Chat-Kommunikation. Sprache, Interaktion,
Sozialität & Identität in synchroner computervermittelter Kommunikation. Perspektiven auf ein
interdisziplinäres Forschungsfeld. Stuttgart, S. 3 - 24
2 Schönfeldt, Juliane (2001): Die Gesprächsorganisation in der Chat-Kommunikation. In: Beißwenger, Michael (Ed.): a.a.O., S. 25 - 53
3 Hier sei als Beispiel genannt: Vogelgesang, Waldemar (2000): "Ich bin, wen ich spiele". Ludische Identitäten im Netz. In: Thimm, Caja (Ed.): Soziales im Netz. Sprache, soziale Beziehungen und Kommunikationskulturen
im Internet. Opladen. Wiesbaden, S. 241 – 260
4
Zunächst soll eine Begriffsklärung von „Online-Chat“ erfolgen, um so im weiteren Verlauf eine einheitliche Anwendung dieses Begriffs zu ermöglichen. Nach einem kurzen entwicklungsgeschichtlichen Abriss werden die verschiedenen Formen des Online-Chats vorgestellt, um so eine Basis für die Diskussion der Einsatzpotentiale dieses Kommunikationsmediums sowie für seine Analyse als Element der computervermittelten Kommunikation zu gewinnen. Abschließend sollen die gewonnenen Erkenntnisse auf das Fallbeispiel „Online-Chat als Kommunikationsspiel“ übertragen werden.
2 Begriffsdefinition
Der Begriff „Online-Chat“ bezeichnet ein neu geschaffenes Kompositum aus den Begriffen „Online“ und „Chat“. In der Literatur 4 findet man zahlreiche Definitionen für den Begriff „Chat“.
Höflich/Gebhardt (2001) definieren das „Chatten“ wie folgt 5 :
„Beim ‚Chatten’ handelt es sich um eine zeitgleiche, d.h. synchrone Kommunikationsform zwischen zwei oder mehreren Gesprächsteilnehmern, welche im Gegensatz zu den asynchronen, bzw. zeitversetzten Kommunikationsformen während der Kommunikationssituation präsent sind
und spontan aufeinander reagieren können.“ (Höflich/Gebhardt, 2001)
Diese Definition reicht zur eindeutigen Begriffsklärung jedoch nicht aus. Chatten könnte danach ein Face-to-Face-Gespräch sein. Der technische Aspekt wird bei Höflich/Gebhardt anhand des Beispiels des Text-Chats (siehe Kapitel 4.1.3) erläutert. Erst dadurch erhält ihre Definition Eindeutigkeit. Diese weicht von der Bedeutung der Wortzusammensetzung „Online-Chat“ nicht ab, sondern integriert den Wortbestandteil „Online“. Diesen integrativen Aspekt des Begriffs "Online" berücksichtigen auch Zoche/ Kimpeler/Joepgen (2002) 6 bei ihrer Definition von "chatten":
„Der Begriff Chat (engl. Plaudern) bezeichnet [..] eine direkte synchrone Kommunikationsmöglichkeit zwischen mindestens zwei Personen [...]. Technisch gesehen erfolgt
das Chatten im Internet über das Client-Server-Prinzip, d.h. der Chatter ist vom lokalen PC aus über das Internet mit einem Chat-Server verbunden. [...] (Zoche/Kimpeler/Joepgen, 2002)
Diese Definition ist zwar eindeutig bezüglich des technischen Vorgangs beim Online-Chat, differenziert jedoch nicht zwischen verschiedenen Arten des Online-Chats (vergleiche Kapitel 4.2). Hier wird vom Online-Chat lediglich in der Form des Webchats gesprochen.
4 z.B. bei Zoche, Peter, Kimpeler, Simone & Joepgen, Markus (2002): Virtuelle Mobilität: Ein Phänomen mit physischen Konsequenzen? Zur Wirkung der Nutzung von Chat, Online-Banking und Online-Reiseangeboten
auf das physische Mobilitätsverhalten, Springer, Berlin, S. 173
5 Höflich, Joachim & Gebhardt, Julian (2001): Der Computer als Kontakt- und Beziehungsmedium – Theoretische Verortung und explorative Erkundungen am Beispiel des Online-Chats. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 49. Jahrgang, 01/2001, S. 27
6 Zoche, Peter, Kimpeler, Simone & Joepgen, Markus (2002), a.a.O., S. 173
5
Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Formen des Online-Chats ergibt sich folgende Definition, die innerhalb dieser Arbeit Verwendung finden soll 7 :
Unter dem Begriff „Online-Chat“ (to chat (engl.) = plaudern) versteht man eine zeitgleiche, d.h.
synchrone Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Gesprächsteilnehmern, die von ihrem
lokalen PC aus miteinander (im Regelfall über das Internet) verbunden sind. Die Kommunikation
findet dabei entweder über einen Web-Server oder eine dafür installierte Software statt.
In der oben genannten Definition des Begriffs „Online-Chat“ wurde bereits auf die Art der Kommunikation und die technischen Bedingungen eingegangen. Zoche/Kimpeler/Joepgen (2002, S. 173) bezeichnen Online-Chat darüber hinaus als eine „Mischform zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation“. Schriftlich, weil Informationen über die Tastatur eingegeben werden, und mündlich, weil eine direkte Reaktion wie bei einer Face-to- Face-Unterhaltung möglich ist.
Eine weitere grundlegende Eigenschaft ist die „pseudonyme Kommunikation“: Der User meldet sich mit seinem Nickname (selbst gewählter Name, häufig einschließlich eines Passwortes) bei dem entsprechenden System an und kann mit anderen Usern kommunizieren.
3 Entwicklung und Nutzung des Online-Chats
Die gegenwärtige Entwicklung und Nutzung des Online-Chats (Kapitel 3.1) behandelt die Merkmale der User, ihre Motivation und abschließend die durch den Online-Chat verursachten Mobilitätseffekte. Kapitel 3.2 versucht Hinweise auf die zukünftige Entwicklung und Nutzung von Online-Chats zu geben.
3.1 Gegenwärtige Situation
Wie in Kapitel 4.1.3 ausführlich geschildert wird, entwickelte sich die älteste Form des Online-Chats, der Internet Relay Chat (IRC), bereits Mitte der 1980er Jahre. Die Nutzung dieses Chats war allerdings nur erfahrenen Nutzern vorbehalten, da die Installation eines zusätzlichen Clients und die Verbindung zu einem IRC-Netzwerk notwendig ist. Erst durch die Entstehung des Internets konnten sich sowohl Internet Relay Chats als auch Online-Chats in Form von Webchats und Instant Messaging zunehmend verbreiten.
Zoche/Kimpeler/Joepgen 8 untersuchen die Nutzung von Online-Chats hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Mobiliätsverhalten durch den Einfluss der Virtualität. Doch nicht nur die Mobilitätseffekte, die Online-Chats auf unsere Gesellschaft ausüben (Kapitel 3.1.3), sondern auch Antworten auf die Fragen, wie und warum Menschen den Online-Chat nutzen (Kapitel 3.1.1 und 3.1.2), sind im Rahmen dieser Arbeit von Interesse.
7 durch den Verfasser definiert
8 Zoche, Peter, Kimpeler, Simone & Joepgen, Markus (2002), a.a.O., S. 173-226
6
3.1.1 Nutzungsmerkmale des Online-Chats
In der oben genannten Studie wurden 802 Personen befragt. Demnach gaben 38% der Befragten an, „wenigstens selten“ 9 zu chatten und/oder Multi-User-Spiele zu spielen. Es stellte sich heraus, dass 10,5% der Befragten MUD (davon 2,5 % ausschließlich) spielen und 35,3 % chatten (davon 27,2 % ausschließlich).
Für die genauere Differenzierung der folgenden Nutzungsmerkmale wurden die Nutzergruppen in Nie-, Wenig-, und Viel-Nutzer 10 eingeteilt. Dadurch ergab sich, dass 62,4 % der Befragten Nie-, 34 % Wenig- und 3,6 % Viel-Nutzer sind.
Zunächst wurden als Nutzungsmerkmale die demografischen Einflüsse untersucht. Bezüglich des Geschlechts gab es nur geringfügige Unterschiede: Frauen sind insgesamt weniger online, nutzen im Verhältnis zu dieser Ausgangslage allerdings häufiger Chats oder MUDs als Männer. Bezüglich des Alters wurde festgestellt, dass der typische Chat-User zwischen 14 und 19 Jahren alt ist und Befragte ab 30 Jahren unterrepräsentiert sind (vgl. Abbildung 1).
11
Abbildung 1: Nutzung von Chat/MUD nach Altersgruppen
Des Weiteren ergab die Studie, dass Personen unabhängig von der Anzahl der in ihrem Haushalt lebenden Kinder 12 chatten.
Aus Abbildung 2 geht hervor, dass Personen, die studieren oder studiert haben, unterrepräsentiert sind (21,3 % zu 33,5 %). Dagegen ist im Vergleich zu allen Befragten die Personengruppe derer überrepräsentiert, die das Abitur besitzen oder anstreben (32,7 % zu
9 Vorgenommene Kategorisierung: „häufig“, „gelegentlich“, „selten“, „nie“
10 Wenig = bis zu 3 Tagen/Woche; viel = an mindestens 4 Tagen/Woche
11 Grafik entnommen aus: Zoche, Peter, Kimpeler, Simone & Joepgen, Markus (2002), a.a.O., S. 179
12 Kinder = Personen unter 14 Jahre
7
Arbeit zitieren:
Martin Burgard, 2004, Online-Chat, München, GRIN Verlag GmbH
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